Grand Theft Auto: Chinatown Wars

Plattform: (NDS, PSP)
Release: 20. März 2009

User-Wertung:

Grand Theft Auto: Chinatown Wars

Die ritualisierte Welt der Triaden spielte in GTA IV eine nur sehr untergeordnete Rolle. Auf der exklusiven DS-Episode Chinatown Wars rücken die asiatischen Agitatoren nun in den Mittelpunkt. Ob das Hosentaschen-GTA im Vergleich mit seinem übermächtigen großen Bruder eine Chance hat, oder als das kleine zurückgebliebene schwarze Schaf der Familie endet, erfahrt ihr in unserem ausführlichen Testbericht.


Family Values

Euer Alter Ego Huang Lee soll nach dem vorzeitigen Ableben seines Vaters Yu Jian von Hong Kong nach Liberty City bringen und die Rangordnung unter den Triaden-Familien sichern. Bei Yu Jian handelt es sich allerdings nicht um eine junge Dame, sondern um ein altes Zeremonieschwert.Die Waffe ist angeblich ein altes Familienerbstück und Sinnbild ihrer Hierarchie, nüchtern betrachtet hat Huangs Vater sie beim Glücksspiel gewonnen. Aber manchmal wiegen Symbole eben schwerer als die Wahrheit und können einen sogar in Lebensgefahr bringen. Huangs Empfang am Flughafen gerät nämlich zu einem Hinterhalt, in Folge dessen das Schwert gestohlen und sein Überbringer zum Sterben zurückgelassen wird. Es gelingt Huang jedoch, sich aus seiner misslichen Lage auf dem Rücksitz eines gerade versenkten Autos zu befreien. Nach dieser herzlichen Begrüßung im Moloch von Liberty City führt euer erster Weg nun theoretisch zu Huangs Onkel Wu "Kenny" Lee, praktisch könnt ihr aber ab jetzt völlig frei in der Stadt, von der nur New-Jersey-Kopie Alderney nicht aus GTA IV übernommen wurde, herumspazieren und euch mit der - solltet ihr erst in der 3D-Ära mit GTA in Kontakt gekommen sein - ungewohnten Perspektive vertraut machen.
Grand Theft Auto: Chinatown Wars

Freiheit von oben

GTA Chinatown Wars benutzt eine klassischee Perspektive, bei der das Geschehen in einer isometrischen Draufsicht dargestellt wird, ähnlich der beiden ersten GTA-Episoden, bevor die Serie mit Teil 3 den großen Sprung in 3D wagte. Die leichte Neigung der Perspektive verschafft euch eine größere Übersicht, so dass ihr auch Häuserfronten erkennen könnt und früher seht, was auf den belebten Straßen auf euch zu kommt. Allerdings zoomt die Kamera bei schneller Fahrt nicht heraus. Da sich das virtuelle Auge jedoch immer so ausrichtet, dass ihr am Steuer eines Fahrzeugs stets nach oben fahrt und es zu Fuß per Knopfdruck hinter Huang zentrieren könnt, halten sich die Übersichtsprobleme in Grenzen. Wenn man sich verfährt, liegt das meistens eher daran, dass man aufgrund des Blickwechsels zwischen den Bildschirmen (oben Spiel, unten Karte und Status) eine Ausfahrt verpasst. Auch die Orientierung fällt in den ersten Spielstunden etwas schwerer als z.B. in GTA IV, da man durch die Topdown-Ansicht markante Orte nicht so schnell wiedererkennt. Dèjà-vus werden Liberty-City-Experten dennoch reihenweise haben. Ob Middle Park, der Triumphbogen in Broker oder der Vergnügungspark nahe Firefly Island - wer GTA IV gespielt hat, erlebt eine erstaunliche, neue Sicht auf die riesige Stadt, der der Sprung auf das Handheld hervorragend gelungen ist. Liberty City sieht auf dem DS genau so aus, wie man sich das erhofft hatte.

Suchst du nen Job?

Die typische Missionsstruktur ist auch auf Nintendos Handheld intakt geblieben. Fast immer hat Huang die Wahl zwischen zwei bis drei verschiedenen Auftragsgebern, die ihn alle für ihre eigenen Zwecke einspannen wollen. Wann und in welcher Reihenfolge ihr die Jobs annehmt, ist ganz allein eure Entscheidung. Mit dem PDA bleibt ihr mit den zwielichtigen Gestalten in Kontakt, das in GTA IV lieb gewonnene GPS lotst euch immer auf dem kürzesten (aber nicht unbedingt schnellsten) Weg zum gewünschten Ziel. Auch andere sinnvolle Verbesserungen aus Teil 4 haben ihren Weg auf den DS gefunden, etwa die Möglichkeit, lästige Wegstrecken beim Wiederholen einer Mission zu skippen.In der Regel fallen die Aufträge aber durch einen fairen Schwierigkeitsgrad und nette Ideen auf. Beispiel: Wir sollen einen alten Freund unseres Auftraggebers vom Flughafen abholen, an dem er auf seinen Transfer zum Krankenhaus wartet. Da der gute Mann ein Krimineller ist, wird er schwer bewacht. Wir kapern den Krankenwagen und stellen uns auf die übliche Verfolgungsjagd ein. Auf der Flucht von den Cops hört aber plötzlich das schwache Herz unseres Patienten auf zu schlagen, so dass wir ihn mit ein paar gezielten Stylus-Stichen, die in diesem Fall den Defibrillator ersetzen, wiederbeleben müssen. Solche und ähnliche Intermezzi wissen euch auch noch nach mehreren Stunden Spielzeit zu überraschen. Ins Schwitzen geratet ihr z.B., wenn unter Zeitdruck Fahrzeuge geklaut werden müssen, die mit scharfen Bomben versehen sind. Mit dem Touchpen prüfen wir nun zuerst, auf welchem Kabel sich die größte Spannung befindet, bevor wir es durchschneiden und die Bombe entschärfen. All diese Stylus-Aktionen, zu denen auch das Knacken von Autos, das Basteln von Molotow-Cocktails oder das Durchsuchen von Müllcontainern gehört, wirken dabei aber nicht aufgesetzt, so wie das oft in anderen DS-Spielen der Fall ist, sondern integrieren sich nahtlos ins Gameplay.Erstmals in der Seriengeschichte könnt ihr erledigte Missionen jederzeit von eurem Unterschlupf aus von neuem angehen und Medaillen erringen. Besagte Quartiere befinden sich wieder übers ganze Stadtgebiet verstreut. Manche müsst ihr käuflich erwerben, andere werden euch zur Verfügung gestellt oder lassen sich per Rubbellos gewinnen.GTA wäre aber nicht GTA, wenn es nicht auch abseits des Gesetzesbruchs Möglichkeiten gäbe, sich legal seine Brötchen zu verdienen. Taxifahrer, Sanitäter, Feuerwehrmann oder Polizist - jeder Traumberuf eines kleinen Jungen (Feuerwehrmann), bzw. Einwanderers (Taxifahrer) kann kurzzeitig übernommen werden. Um das wirklich große Geld zu machen, müsst ihr aber wiederum den Pfad der Legalität verlassen und euch das Drogen-Minispiel genauer anschauen.
Grand Theft Auto: Chinatown Wars

Der Mann mit dem Koks ist da

Hier weht der Hauch einer Wirtschafts-Simulation durch Liberty City. Zahlreiche Dealer bieten euch in Hinterhöfen oder aus Kofferräumen ihre Waren an. Mit bis zu sechs verschiedenen Rauschmitteln - von Heroin bis Cannabis - kann Handel betrieben werden. Dabei ist natürlich immer auf die Ein- und Verkaufspreise zu achten. Das Spiel sagt euch netterweise, welche Deals profitabel sind und welche nicht. Zudem bekommt ihr via PDA ständig Tipps, wo es welche Ware günstig zu erwerben bzw. abzustoßen gibt. In kurzer Zeit kann man so relativ problemlos ein kleines Vermögen machen. Relativ deshalb, weil manches Geschäft durch die Cops gestört wird, die an verdächtigen Orten Überwachungskameras installiert haben. Eine Möglichkeit bestünde nun darin, diese auszuschalten, was aber zu schlechteren Preisen führen würde. Es ist also auch hier eure Entscheidung, ob ihr das Risiko im Kauf nehmt, verhaftet zu werden und die teure Ware zu verlieren, oder geringere Gewinnspannen akzeptiert.

Echte Typen

Auch Huang trifft in Liberty City auf ein Potpourri skurriler Typen. Neurotische Gestalten wie drogensüchtige Undercover-Cops oder ebenso dumme wie aufschneiderische Möchtegern-Gangster gehören in einem GTA zum guten Ton. Die deftigen und witzigen (aber leider unvertonten) Dialoge entschädigen dafür, dass die Story hardwarebedingt nur in Standbildern erzählt wird und auch narrativ nicht an ein Schuld-und-Sühne-Epos wie GTA IV heran kommt. Huang als Held der Geschichte eignet sich als etwas profilloses Bürschchen ebenfalls nicht so gut zur Identifikation, wie es bei Niko Bellic der Fall war.Vermisst habe ich auch die unterhaltsamen Radiosender mit ihren Fake-News und absurden Gesprächen, sowie das üppige Musikangebot der stationären GTA-Episoden. Beides trug immer sehr zur Atmosphäre im kleinen Rockstar-Mikrokosmos bei. Es war allerdings von vornherein klar, dass man auf dem DS Abstriche in Kauf nehmen muss. Die reduzierte Musikauswahl, die ausschließlich aus instrumentalen Stücken besteht, deckt aber dennoch das gesamte Spektrum von Jazz bis Rock ab und passt gut zum Geschehen.Für alle Freunde des gemeinsamen Spielens bietet Chinatown Wars sowohl Multikarten- als auch Wi-Fi-Mehrspielermodi an. Spielvarianten wie Rennen, Bandenkriege oder Basen-Verteidigung vermögen den eh schon gewaltigen Umfang noch einmal auszubauen.
Grand Theft Auto: Chinatown Wars

GTA macht auch im Kleinformat eine tolle Figur

Kommentare

Daniel Pook
  

GTA hei?t auch Grand Theft Auto und nicht irgendwas auf Deutsch. Willkommen in der Spielebranche, willkommen im 21. Jahrhundert! :D Und wer klickt schon auf den Link da unten? Ist doch total uninteressant. ;)

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Vival
  

"Production Value", "Edutainment-Programmen"......soso....alles was ich in Deutschland in einem "Review" unbedingt lesen mag...ekelhaft....naja, anyway, is halt nen absolutes no go....ach ja ?brigens "by the way" Euer doller Link hier unten Area Digital bringt nur ein "Database Error: Unable to connect to the database:Could not connect to MySQL" zur?ck.....whatever.

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methi
  

ich bin grad am ?berlegen mir nen ds zuzulegen
aber nen dsi
ich bin mir aber ned sicher^^

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Scrub
  

Ich habs mir geholt und find es klasse, vor allem kostet es nur 35? das ist schon ok, f?r den Wert den man geboten bekommt.

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Crimson
  

WAS IST MIT PEGGLE f?r den DS ?? das w?rde doch 10/10 bekommen wenn es denn nur in deutschland erscheinen w?rde...??!!
ansonsten stimme ich zu, klasse game tochscreen-nutzung super...rubbellose..scheiben eintreten, sch?n gemacht ;)

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Kashik
  

Muhu, ich hatte gerade schon ein breites Grinsen im Gesicht und mich gefreut bald wieder einen neuen Teil auf meiner PSP zu zocken... b???h schei? ds :P

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mindVex
  

Ich hab's auch und ich find's g?ttlich. Wie ein perfekt aufgepimptes GTA1 oder GTA2. Macht echt Laune und ist definitiv ein Must-Have - f?r vollj?hrige DS-Spieler ;-) !

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Tim Hopmann
  

@Der Papa: Im Prinzip stimme ich dir zu, aber wenn man sich mal die DS-Abteilung in einem der gro?en Elektronik-Fachm?rkte anguckt, sieht man oft den Wald vor lauter B?umen nicht, wenn du verstehst, was ich meine. ;)
Und Spiele in der Art von Chinatown Wars gibt es nun wirklich nicht so viele.

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Der Papa
  

Es gibt f?r den DS eine ganze schwemme "echter" Games, da kann man sich wirklich nicht beklagen. Allein die ganzen hochklassigen RPGs, welche aktuell kommen besch?ftigen den Coregamer doch f?r Monate.
Also auch wenn es sehr viel Edutainment und Casualsachen gibt, ist die Spielesituation auf dem DS- anders als bei der Wii - sehr angenehm.

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Krebsverwertung
  

Nur eine 9/10? ist man von Areagames ja gar nicht gew?hnt.

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