Hard Reset

Plattform: (PC)
Release: 15. September 2011

User-Wertung:

Hard Reset

Das euch der Titel „Hard Reset“ kaum etwas sagt, liegt natürlich zum einen daran, dass es sich dabei um einen PC-exklusiven Shooter handelt und zum anderen aber auch, dass die Jungs von Flying Wild Hog nicht wirklich viel Zeit in PR- und Marketingarbeit gesteckt haben. Ob ihr nun die Zeitreise in eine Zukunft voller Oldschool-Shooter-Gameplay antreten sollt oder so ein Nachmittag auf dem Wertstoffhof im Elektroschrottcontainer vielleicht das schönere Erlebnis ist, klärt unser Test zu Hard Reset.

In einem Meer aus Erinnerungen baden, das "Früher war alles besser"-Mantra herunterbeten, sich nach Oldschool-Mechaniken zurücksehnen. Dieser Gefühlszustand ist die beste Voraussetzung, um mit Hard Reset anzufangen. Aber bevor wir uns nun dem Gameplay widmen, werfen wir mal einen Blick auf das Setting und die Story, denn die ist genauso kurz, wie man sie beschreiben kann und eigentlich fast so irrelevant wie bei Serious Sam oder Painkiller. Im Jahr 2436 beherrschen, wie so oft in Dystopien, die Maschinen den Planeten und die Menschheit hat sich in ihrer letzten Stadt Bezoar verbarrikadiert. Um dem Heldenklischee gerecht zu werden, wird man in der Rolle des Major Fletcher dann zu Beginn, bewaffnet aber allein, in Sektor 6 geschickt, der von den menschenhassenden Robotern angegriffen wird. Auf den Ladebildschirmen zwischen den Leveln wird die Geschichte dann in hübschen, stylischen Comics weitererzählt. In den Missionen allerdings wird nur geballert, was das Zeug hält und da man die Storyladebildschirme meist auch nur alle 45 bis 50 Minuten zu Gesicht bekommt, geraten Details der Story schnell in Vergessenheit. Zusätzlich kann man die Comics auch noch überspringen, sobald der Level geladen ist, wodurch man verleitet wird, auch auf das Letzte bisschen Hintergrundinformation zu verzichten.
Hard Reset
Die Welt von Hard Reset verfügt über kein Wetterkontrollsystem, sodass wir ständig im stimmungsvollen Regen unterwegs sind und generell auch nur nachts, aber das gehört nun mal zu einem Cyberpunk-Setting dazu. Die Architektur der detailverliebten Gebäude, die vielen grellen Neonwerbetafeln und das Design der parkenden und fliegenden Autos lassen gar keinen anderen Vergleich zu als mit Ridley Scotts Meisterwerk "Blade Runner". Flying Wild Hog haben für ihren SciFi-Shooter eine eigene 3D-Engine entwickelt, die selbst auf schwächeren Computern eine hervorragende Figur macht. Die Lichteffekte meiner zwei Waffen und die Explosionen der Roboter und der vielen zerstörbaren Levelobjekte kann man nur als fett bezeichnen. Unauffällig waren da hingegen der Sound und die musikalische Untermalung, besonders das MG klang ziemlich schwach auf der Brust.
Hard ResetÜber Waffen sprechen ist ja momentan nicht im Trend, aber bei einem 2011er Oldschool-Shooter kommt man da eigentlich nicht drum herum. Erst recht nicht, wenn sich die polnischen Entwickler für einige der klassischen Shooter-Glaubwürdigkeitsfragen clevere Antworten haben einfallen lassen. Wo verstaut der Held sein ganzes Waffenarsenal aus Pistolen, Gewehren, Schrotflinten, Raketenwerfern samt Munition? Also die Waffen 1-9 auf der Tastatur? Entwickler Flying Wild Hog statte Major Fletcher einfach nur mit zwei Transformer-Waffen aus, eine mit konventioneller Munition und das andere Schießeisen benötigt Energie. Zu Anfang hat man nur einen MG-Modus bei der konventionellen Kanone und bei der Energiewaffe schießt man mit Plasmakugeln auf die mechanischen Killer. Sammelt man genügend orangefarbene Nanobehälter auf, kann man neue Waffen-, Schild- und Gesundheitsboni an speziellen Upgradeautomaten im Level kaufen. Und hat so MG, Granatwerfer, Blitzkanone, Railgun etc. in nur zwei Waffen vereint. Um sich zu heilen, läuft man ganz klassisch über Medipacks, dasselbe gilt für die beiden Munitionsarten, einfach drüber laufen reicht, eine Nachlade-Taste gibt es nicht. Bei dem linearen Leveldesign von Hard Reset wurden auch auf ein Deckungssystem verzichtet. Denn es wäre auch eher kontraproduktiv, wo man doch meist in kleinen arenahaften Levelabschnitten einfach nur Welle für Welle Roboter zerstört. Das kann man durch direkten Beschuss erreichen oder man lockt den zukünftigen Elektroschrott in die Nähe von explosiven Fässern oder in grillt sie mit den elektrischen Entladungen zerstörter Neonwerbetafeln. Von der Geschwindigkeit her spielt sich Hard Reset wie ein schnelleres Serious Sam, die Ruhe eines Half Life hat man nicht. Dauerfeuer bist die Waffe glüht (und das sieht sogar sehr hübsch aus) ist angesagt, nur bei Bosskämpfen ist schon etwas mehr Skill an der Maus gefragt, denn "wie früher" muss man erst auf bestimmte Partien zielen und nacheinander kaputtschießen, bevor der Endgegner fällt.
Hard ResetHard Reset ist zum größten Teil wirklich herrliche, pure Oldschool-Action. Es war schön mal wieder mit WASD durch Arenen zu tänzeln und einfach die linke Maustaste gedrückt zu halten, um massenweise zweibeinige, wandelnde Kreissägenroboter und deren Blechkumpane zu zerstören. Doch nach spätestens zwei Stunden macht sich auch ganz Oldschool etwas Monotonie breit, denn Hard Reset sperrt mich immer wieder und wieder in die kleinen arenenartigen Levelabschnitte ein und hetzt dieselben, zugegeben ausgefallenen, Gegnertypen auf mich. Etwas mehr Gegnervielfalt hätte, auch beim traditionellen Anspruch des Spiels, Wunder bewirkt. So bombastisch, detailverliebt und Blade Runner'esque die optische Präsentation des Shooters auch ist, ich habe mich dennoch ab dem dritten Level sattgesehen und stellte fest, wie menschenleer doch diese letzte Bastion der Menschheit ist. Die Entwickler ließen mit zahlreichen Designentscheidungen durchblicken, dass man keinen Wert auf die wirklich dünne Story legen soll, aber nur mit stumpfer Ballerei und Grafik lockt heute keinen mehr hinterm Ofen hervor, auch nicht wenn man das Spiel als Budgettitel veröffentlicht. Auf Easy ist man bereits nach 4-5 Stunden fertig mit dem Spiel, auf Normal streckt sich das zwar auf ungefähr 7 Stunden, doch das Ende fühlt sich auch dann immer noch sehr abrupt an. Wem also der Sinn nach simpler, generischer Action ist, den bedient Hard Reset wirklich mit einem Oldschoolspielgefühl made in 2011 inklusive der Kehrseiten aus den alten Tagen.
PS: Ein kleines, leicht übersehbares Detail hat mich aber begeistert, weil ich es seit Doom 3 nicht mehr bei einem klassischen Shooter erlebt habe: Wenn man an den Upgradeautomaten einkauft, wird aus dem Fadenkreuz ein Handcursor.
Hard Reset

Kommentare

dormitzer
  

also ich hab es schon. und kann mich dementsprechend auch nicht mehr positiv oder negativ beeinflussen lassen.
mcih hätte es halt interessiert. am besten wäre ein test, egal was für ein spiel, natürlich vor dem erscheinungstermin.

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The_Jo
  

Ich finde es durchaus lustig, dass ihr die Leute auf den GoW3 Test warten lasst... Andererseits braucht dieses Spiel einen aktuellen Test? Wer die-hard GoW Fan ist hat das Spiel sowieso schon (durch). Wer GoW auch so gut findet und von den ersten beiden Teilen überzeugt ist, wird sehr wahrscheinlich auch den dritten mehr früher als später selbst testen. Einzig die PS3only Leute könnten sich auf einen solchen Test freuen um zu sehen obs schlecht wird .. (GoW schlecht..wohl eher nicht) .. Es sei denn natürlich euch ist die Meinung von Areagames dermaßen wichtig, weil ihr sonst GoW einfach nicht mit den richtigen Hintergedanken spielen könnt. Das ehrt natürlich die Redaktion :)
PS: Ich gehöre der Gruppe: GoW ist toll wird bald geholt. an
PPS: Schöner Test Jan :)

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Alexander Voigt
  

Der kommt ja auch noch. Aber welche Überraschung bietet der GOW 3 Test wohl? Spiele wie Hard Reset sind als Test für uns spannender, weil das die Titel sind, die sich nicht jeder sowieso holt..

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CrawlToChina
  

Das wollte ich auch grad schreiben :)

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dormitzer
  

@ jan:
ich glaube den meisten hier wäre lieber, wenn ihr euren gears of war 3 test bringen würdet.

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