L.A. Noire

Plattform: (PC, PS3, XBox 360)
Release: 20. Mai 2011

User-Wertung:

L.A. Noire

Team Bondi müssten eigentlich sehr dankbar dafür sein, dass Ricky Gervais' Szenario einer Welt ohne Lügen aus dem Film "The Invention of Lying" nicht unsere Wirklichkeit darstellt. Dass gerade Verbrecher den Begriff "Wahrheit" in Verhören zu einer äußerst dehnbaren Angelegenheit machen, ist in L.A. Noire wesentlicher Teil des Gameplays. Wie gut die virtuelle Gangsterjagd funktioniert und wie viel Noir-Flair das Spiel zu bieten hat? Der AreaGames-Ermittlungsbericht klärt auf!


Phelps will ganz nach oben schwimmen

L.A. Noire dreht sich um Ex-G.I. und Jetzt-Detective Cole Phelps, der im Los Angeles der 40er Jahre für das LAPD ermittelt. Er ist zu Beginn des Spiels gerade erst von den Pazifikschlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs zurückgekehrt und muss sich in seinem Department noch seine Sporen verdienen. Schritt für Schritt, Fall für Fall. Dabei gilt es in seiner Rolle nicht etwa nur an einen Ort zu fahren und dort alle Gegner abzuknallen, wie man es in etwa von Grand Theft Auto oder Mafia 2 gewohnt ist, sondern tatsächlich auch selber Beweise zu sammeln, Verdächtige bzw. Zeugen zu verhören und daraus letztendlich möglichst richtige Schlüsse zu ziehen. Mit zunehmendem Spielverlauf verdichtet sich in L.A. Noire auch eine alles umfassende Rahmenhandlung, welche dem Spieler bis zum Finale immer mehr die Schattenseiten von Phelps' anfangs so kometenhaftem Karriere-Aufstieg vor Augen führt. Obgleich Team Bondi weder mit ihren einzelnen Kriminalfällen noch mit der großen Hauptstory ihres Spiels so richtig an die Qualität atemberaubend dramatischer Filmklassiker der 40er bis Ende der 50er Jahre anknüpfen können, schlägt sich L.A. Noire hier im Vergleich mit den meisten Standard-Videospielen natürlich trotzdem richtig gut. Gerade bei der Ausarbeitung der charismatischen Hauptfiguren des LAPDs, allen voran Phelps wechselnde Partner, knüpfen die Entwickler an die von Publisher Rockstar Games gewohnten Standards an, ohne dabei auf den überzogen-parodienhaften Stil eines Grand Theft Autos zurückzugreifen.
L.A. Noire

First Class Facials

Das Bild links zeigt zwar keinen Ingame-Screenshot, im Direktvergleich mit der Hauptfigur von L.A. Noire müsste man aber trotzdem zweimal hingucken, um das mit Sicherheit sagen zu können. Hier seht ihr den realen Schauspieler, dessen Gesicht und Mimik für L.A. Noires Hauptdarsteller aufwändig digitalisiert wurden. Aaron Staton könnte euch am ehesten aus der beliebten TV-Serie Mad Men bekannt sein, die passender Weise sogar in Los Angeles gedreht wird (spielen tut sie allerdings in den 1960ern und zudem in New York City). Dass die weiteren Sprecher durch die Bank ebenfalls IMDB-Profile mit Fotos haben, spricht für das Augenmerk auf Schauspielfähigkeiten und passendes Aussehen, welches Team Bondi und Rockstar Games bei der Wahl ihrer Darsteller beherzigt haben. Umso stärker profitiert das Endprodukt hier dank der tollen Mimen von der neuartigen "Motion Scanning"-Technik, welche Team Bondi für L.A. Noire (und künftige Projekte) entwickelt haben. Damit werden echte Schauspieler von allen möglichen Seiten mit zahlreichen Kameras gefilmt, später wird dann aus den Aufnahmen ein lebensechtes 3D-Modell zusammengestellt.
L.A. NoireUnter Einsatz dieses Verfahrens liefert L.A. Noire zweifellos die bis dato realistischsten und zugleich ausdrucksstärksten Gesichtsanimationen der Videospielegeschichte ab, nur was den restlichen Körper angeht versprüht das Gesamtwerk nicht ganz so eine Begeisterung. Viele Figuren im Spiel teilen sich beim Laufen und anderen generellen Aktionen offenbar dieselben Animationsphasen und oft erkennt man, dass sich in den Gesichtern viel mehr Leben abspielt als im zuweilen regelrecht puppenartig agierenden Körper darunter. Letztendlich bleibt diese Diskrepanz jedoch eine bloße Randnotiz, denn ihr kennt ja das alte Sprichwort: "Sind die Füße noch so hässlich und die Haare noch so grässlich, behalt dein Lächeln auf den Luppen und guck ihr einfach auf die Hupen!" - Hier nur eben auf eine andere Körperpartie bezogen. Die faszinierend authentischen Gesichter der Protagonisten in L.A. Noire haben mir jedenfalls kaum Anlass gegeben, meine Augen überhaupt erst auf andere Regionen auszurichten. Wenn der geistige Vater von "Regel Nr. 2" so etwas schreibt, will das schon was heißen!
L.A. Noire

Kommentare

KeksDose
  

Mir geht bisher nur das ständige Geruckel auf den Straßen von L.A. auf den Keks. Ansonsten ist recht solide. Ist eben kein echtes Rockstar-Game, was leider immer wieder vergessen wird. Das Spiel hat der Gateway-Macher zusammengeschraubt und die PS-Londongurken waren schon nicht der Knaller, da kann man von L.A. Noire kein bahnbrechendes Spiele-Epos erwarten.
Der Ansatz, mal aus Sicht eines Polizisten in virtuelle Verbrechen verwickelt zu werden ist lobenswert. Mich hat es in den letzten GTAs und Mafias schon etwas ermüdet, immer als geistesgestörter Massenmörder durch die Stadt zu rennen (auch wenns Spaß machte). Das Suchen nach Hinweisen und Beweisen und die Verhöre laufen eigentlich auch so ab, wie ich mir das vorstellte und bin auch nicht enttäuscht. Eine GTA-Spielwiese hab ich nie erwartet, da mir eben immer bewusst war, dass es sich um kein Rockstar-Game im herkömmlichen Sinne handelt.
Als ich gestern am virtuellen Arthur Park war und die Tretboote am Steg sah, dachte ich; tja, wäre es wirklich ein Rockstar-Game, könnte man nun in so ein Paddle-Boat steigen und auf dem See umherpaddeln. ;-)

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Creed Diskens
  

@MachDichNass
haste recht. klare kaufempfehlung nicht so ein einheitsbrei.

auch wenn sich viel wiederholt ist doch scheißegal wenn es sehr gut gemacht ist. wird halt wieder gebasht von den killstreak / yo gangsta gta leuten. auch wenn ich san andreas und vice city liebe, kann man das spiel doch gar nicht mit gta vergleichen.

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Daniel Pook
  

Na klaro, ein Klassiker. Habe ich ja auch hier im Test verlinkt bzw. wird in meiner "Backstage"-Story aus der ersten "L.A. Noire"-Vorschau erwähnt. Musste deswegen auch etwas darüber lachen, dass am Anfang des Spiels glaube ich kurz zu lesen ist, dass es keine Bezüge zu realen Personen oder tatsächlichen Geschehnissen gäbe. Dabei hatten Team Bondi und Rockstar Games vorher immer in Interviews das Gegenteil bestätigt und dazu noch eine einteraktive L.A.-Map mit Markierungen der realen Vorlagen für die virtuellen Verbrechen veröffentlicht. :)

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II FatFox II
  

wusstet ihr, dass es elizabeth short und den black dahlia fall tatsächlich gab? im realen wurde short in zwei teile zertrennt und gilt als besonders brutaler mordfall in LA.

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MAC DALTON
  

L.A: Noire ist für mich bis jetzt das beste Game des Jahres.

Endlich mal ein Spiel für Erwachsene, in dem es nicht wirklich um ballern geht. Welches eine Story bietet die sich vom täglichem Videospiel Schrott deutlichst abhebt.

Ein Spiel das sich den Luxus erlaubt eine frei Erkundbahre ,glaubhafte Stadt (der 40er Jahre) als Kulisse zu nutzen. Die Stadt mag auf den ersten Blick einen nicht so weg hauen wie damals Liberty City in GTA aber wenn man genau hin schaut, sieht man wie viel liebe und Können investiert wurde.
Die Innenräume sind zwei Klassen besser als von GTA4. Die Kleidung, Musik Gegenstände etc sind zeitlich korrekt nachgebildet worden. Dazu ist der Übergang meist fliessend und das Spiel besitzt kaum Ladezeiten.

Ein Spiel das technisch mit der Gesichtsdarstellung einfach einen Meilenstein gesetzt hat. Die Gesichter sind so gut, das man denken könnte, ein Konsolen Spiel der nächsten Generation zu spielen. Ich will das jetzt in jedem guten Spiel haben.

Mich unterhält das Spiel jetzt seit ca 15 Stunden + seht gut.

Von mir bekommt es eine 10., Denn es ist erwachsen, technisch vorrausgehend und spielerisch erfrischend. Letztlich ist es einfach sehr unterhaltend.

MAC DALTON

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thelaw
  

Also ich kann es auch nur jeden ans Herz legen - bin ca. bei der Hälfte und kann dem Test eigentlich nur voll und ganz zustimmen.
Nichts desto trotz, macht das Spiel spaß, was ja am Ende des Tages das Wichtigste ist. Klar gibts Verbesserungspotential - und gerade in Sachen Verhör und Tatortuntersuchung, darf man nicht all zu viel hinterfragen.. lässt man jedoch die simple Spielmechanik ausser acht und konzentriert sich auf die Story bekommt man einen wirklich sehenswerten Krimi abgeliefert.
Von der Aufmachung ist es meiner Meinung nach, mehr ein Law&Order als ein Hollywood Thriller geworden, da einem teilweise der Polizeialltag doch stark im Griff hat - was jetzt nix schlechtes ist! :-)

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II FatFox II
  

ich finde technisch hat es höhen und tiefen, einerseits haben mich zB die treppensteig animationen ziemlich beieindruck, oder die verschiedenen glas varianten, die super aussehen.
andererseits sehen die nicht relevanten charaktere teilweise schon grottig aus...dafür sehen die wichtigen umso besser aus, was wohl auch an den guten schauspielern liegt, die ich schon in etlichen filmen gesehen habe. so ein dejavu ist echt cool in einem videospiel, und begeistert mich.
gameplay mässig muss ich auch sagen könnte es besser sein. es ist aber immer noch gut und macht spass. die story ist bis jetzt seht fesselnd und motiviert mich sehr. ich bin gespannt wies weiter geht. :) für mich eine 9/10 dank inovation und kreativität, super leistung der schauspieler (für die war das sicher auch nicht leicht), und die tolle stadt!!
nach so einem spiel habe ich mich schon lange gesehnt, ein spiel das neue wege geht, das für mich als super zocker was neues ungesehenes bietet. einfach super arbeit von team bondi!

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MachDichNass
  

Super Spiel; absolute Kaufempfehlung.
Wer wieder mal ein gutes Singelplayerspiel spielen möchte und nicht immer durch Stumpfe Gewalt und Action unterhalten werden muss.
Freue mich auf weitere Titel in der zusammenarbeit von Bondi und Rockstars, weiter so.

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Robot7
  

Sorry, konnte nicht mehr editieren. Sollte heißen:
Natürlich stören Pop-ups und gelegentliches Ruckeln, aber die lassen sich bei Open World-Spielen nicht vermeiden.

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Robot7
  

Ich kann die Wertung durchaus verstehen, dennoch ist es für mich bisher ein absoluter Toptitel.
Man kann natürlich nicht verleugnen, dass L.A. Noire seine Fehler hat. Wie im Test beschrieben, ist das Verhören der potenziellen Täter etwas unbefriedigend. Zunächst, da man nie weiß wie Phelps reagiert oder was er sagen wird und man das Gegenüber nicht so direkt beschuldigen bzw. sie mittels gezielter Fragen in die Falle locken kann. Andererseits stört die richtig/falsch Anzeige doch sehr. Gerade weil man dann immer das Gefühl verspürt, man hätte es besser machen können. In den ersten Fällen habe ich teils neu geladen nur um 100% richtige Antworten zu bekommen. Mit Spaß hat das dann natürlich nicht mehr viel zu tun und man sollte dieses R/F Feedback einfach ausblenden und ignorieren.
Für mich ist es trotz der Fehler ein sehr gelungens Spiel mit genialer Atmosphäre. L.A. sieht wunderschön aus, gerade nachts und alles ist mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet. Natürlich stören Pop-ups und gelegentliches Ruckeln, aber die läst sich bei Open World spielen

P.S.: Das Fazit und die Pro/Kontra-Liste fehlt mir auch.

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