Left 4 Dead 2

Plattform: (PC, XBox 360)
Release: 17. November 2009

User-Wertung:

Left 4 Dead 2

Ja auch ich gehöre zu den Skeptikern, die nach Valves „Left 4 Dead 2“-Ankündigung auf Microsofts E3-Pressekonferenz fassungslos auf ihre Bildschirme starrten, im Hinterkopf den Steam-Account mit unzähligen Stunden „Left 4 Dead“-Spielzeit auf dem Konto und der Hoffnung demnächst mit zusätzlichem Content beehrt zu werden. Mit genau dieser Skepsis bin ich dann auch nach London gereist, um auf dem Preview-Event eines Besseren belehrt zu werden.

Hey es sind die Jungs von Valve, die haben Half Life 1 & 2 gemacht, die machen Team Fortress 2 und hauen dafür jede Menge kostenlosen Content raus. IRGENDWAS muss da doch im Busch sein, die mageren Neuerungen, die man im Vorfeld von Left 4 Dead 2 mitbekommen hat, sind doch nicht etwa schon das Licht am Ende des Tunnels sein. Nun, ich kann euch nach dem, was ich erlebt habe nur sagen: Das war das Licht am Ende.

Same Procedure ...

Vorgeführt wurde Left 4 Dead 2 auf 8 Rechnern und 8 Xbox 360. Inhalt der Demo waren die letzten beiden Abschnitte eines Kapitels (im fertigen Spiel soll es 5 Kapitel geben - also schon mal 1 Kapitel mehr als im Vorgänger). Zeitlich spielt das Geschehen vor Left 4 Dead, die Infektion hat sich noch nicht gänzlich ausgebreitet, das Militär ist präsent - zumindest lassen das die in einer Endlosschleife durch die Luft krachende Düsenjets vermuten (leider bekommt man von denen keine Unterstützung). In dieses Szenario werden die vier Überlebenden geworfen, die mit den Vorgängern höchstens die demografische Zusammensetzung gemein haben. Wieder einmal haben wir drei Männer und eine Frau (ein Anreiz für künftige Nude-Patches muss ja gegeben sein), die sich durch die Horden der vom A.I.-Direktor gelenkten Zombies kämpfen sollen. Man startet, wie man es bereits aus Teil 1 gewohnt ist, in einer sicheren Zone und kann seinen Kämpfer durch die Auswahl der Waffen individualisieren. Da hätten wir die mächtige Shotgun, die vor allem in engen Gängen der beste Freund des Untotenjägers ist und das klassische Schnellfeuergewehr, das vor allem bei großen Gruppen von Zombies gute Dienste abliefert. Geht die Munition aus, kann man auf die "Tomb Raider"-esken Pistole wechseln. Die ist nicht nur äußerst präzise, sondern besitzt unendlich metallhaltige Bohnen. Perfekt, um kleine Scharmützel zu bestreiten und die Kopfschussquote nach oben schnellen zu lassen. Veteranen dürfen sich auch hier wieder über eine später zu findende Zusatzpistole freuen, die den Lara Croft-Vergleich vollends rechtfertigt. Von den Hauptwaffen findet man im späteren Spiel ebenfalls Verbesserungen, zum Arsenal gesellt sich außerdem das äußerst effektive und für Support-Charaktere unerlässliche Scharfschützengewehr (Perfekt, um den unvorsichtigen Voranstürmer aus den Fängen eines Smokers zu befreien). Neu in Left 4 Dead 2: In den Levels liegen Upgrade-Kisten herum, die die Munition der Hauptwaffen temporär modifizieren und ihr z. B. Flammencharakter verleihen. Das dürfte vor allem gegen Tanks interessant werden, normale Zombies sind bei einem gezielten Schuss eh ein One-Hit-Kill. Schade, dass man nicht zwischen der normalen und modifizierten Munition wechseln kann, um sie sich für einen späteren Zeitpunkt aufzubewahren. Optisch unterscheiden sich die Schießprügel zwar vom Vorgänger, die Mechanik dahinter fühlt sich aber genauso an. Wer also den perfekten Rhythmus zwischen Nachladen und Schießen und "Meleen" mit der Automatik-Shotgun gefunden hat (es gibt doch tatsächlich einen vierseitigen Shotgun-Guide), der wird auch hier sein Wissen anwenden können. Naja, vielleicht nicht ganz, denn die Mechanik der Nahkampfattacke mit den Schusswaffen wurde von Valve komplett überarbeitet.
Left 4 Dead 2

Unnütze Nahkampfwaffen

"Left 4 Dead"-Spieler kennen das: Man wird von einem Boomer vollgekotzt, daraufhin begibt man sich schnell in eine Ecke, duckt sich und drückt ständig die Taste für Nahkampf. Auf diese Art ist man nahezu unbezwingbar, denn die Untoten haben keine Chance diesen Block zu durchbrechen. In Left 4 Dead 2 wird das nicht mehr möglich sein, denn ab sofort gibt es eine Kraftanzeige im Fadenkreuz, die dann aufblinkt, wenn euch die Puste ausgeht. Maximal drei Melee-Attacken lassen sich hintereinander ausführen, bis ihr zwei Sekunden warten müsst, um erneut zuschlagen zu können. In diesen Sekunden kann verdammt viel passieren, vor allem, wenn man von einer Horde Untote umgeben ist. Glücklich sind, die gerade ein neues Feature von Left 4 Dead 2 in der Hand halten: Nahkampfwaffen. Keine Gewehrkolben, keine Healthpacks, nein RICHTIGE Nahkampfprügel. Eine Pfanne zum Beispiel. Gut klingt vielleicht nicht ganz so cool, da ist die Feuerwehraxt doch die bessere Wahl. Mit den neuen Prügeln lassen sich verheerende Attacken gegen die Untoten ausführen, die mit dem erneuten Ableben der Angreifer einhergehen. Das Benutzen verbraucht im Gegensatz zu den Projektilwerfern keine Energie, sodass man theoretisch unendlich mit der Feueraxt durch untotes Fleisch fahren könnte. Wenn sich die Dinger nicht abnutzen würden. Ja, das Diablo-World of WarCraft-Phänomen schlägt wieder zu. Zu häufig verwendete Bratpfannen geben nach einiger Zeit den Geist auf - kein Wunder, ist die Teflonbeschichtung nicht dafür geeignet, Schädel einzuschlagen. Leider kann man den Status des Geräts nicht erkennen, sodass man niemals weiß, ob man nach der nächsten Attacke plötzlich mit leeren Händen vor einem heranfliegenden Hunter steht. Ein weiteres Problem mit Bratpfanne und Co ist, das man sie nur temporär mitschleppen kann. Wechselt man zwischendurch auf die Primärwaffe, wird sie weggeworfen und muss wieder aufgehoben werden. Umständlich finde ich. Auf mich wirken die Nahkampfwaffen eh wie ein aufgesetztes Feature, damit man sagen kann "Hey Leute, wir haben hier nicht nur neue Charakter- und Waffenmodelle, wir haben auch NAHKAMPFWAFFEN! Sogar eine MOTORSÄGE!" Toll, von der haben wir leider nichts gesehen. Als ich mit einem Valve-Mitarbeiter gesprochen habe und fragte, ob man Left 4 Dead 2 auch OHNE Nahkampfwaffen durchspielen kann, also auf die klassische Art, sagte er "Ja, das kann man." Man wird also an keinem Punkt des Spiels dazu gezwungen, die Dinger zu nutzen. Ich konstatiere: Nahkampfwaffen haben eine geringe Reichweite, sie nutzen sich ab, man weiß nicht, wann sie kaputt gehen und man muss sie immer wieder aufheben, wenn man zwischendurch doch schießen will. Und laut Valve kommt man auch ohne sie durch das Spiel. Merkt ihr was? Warum zur Hölle brauche ich dann Nahkampfwaffen? Damit der pubertierende Teenie sagen kann "GEIL, Motorsäge und Zombies - FLÄTSCH"? Spätestens, wenn er mal einem Tank gegenübergestanden hat, oder von hinten von einem Smoker gegriffen wurde, kann er sich die motorisierte Baumstamm-Killermaschine in den Hintern stecken.
Left 4 Dead 2

I wanna be Daylight in your eyes

Aber es gibt ja noch andere Neuerungen. Tageslicht zum Beispiel. Jepp, Left 4 Dead 2 spielt nicht nur in dunklen Hinterhöfen und verranzten U-Bahnhöfen, nein, jetzt darf auch am helllichten Tag über Autobahnbrücken gehetzt werden, die von Kampfjets flankiert werden (Seit Stirb Langsam 4.0 wissen wir, dass Brücken die Todesfeinde von Kampfjets sind - vor allem, wenn man einen LKW fährt). Das lässt den Gruselfaktor zwar ein wenig geringer ausfallen und die Taschenlampe überflüssig werden, dennoch freut man sich, dass man den Untoten, die grafisch ein wenig detaillierter ausgefallen sind, auch mal bei Tageslicht die Rübe einschlagen darf. Valve hat betont, dass es aber auch Nacht-Szenarien geben wird. Zombies und Dunkelheit - das muss einfach sein. In Left 4 Dead sollte neben der einzigartigen Art kooperativ zu spielen, der sogenannte A.I.-Direktor Star des Spieles sein. Zombie-Spawnpunkte, Menge und Verhalten sollte immer anders sein und sich an die Fähigkeiten der Spieler anpassen. Wir wissen alle, dass dies nur bedingt geklappt hat. Klar, ab und zu stürmte eine Horde mal aus der linken, mal aus der rechten Gasse. Trotzdem gab es viele standardisierte Szenarien. In der "No Mercy"-Kampagne kam der Smoker immer zuerst, dann der Hunter, dich gefolgt vom Boomer. Zwischendurch eine Horde. Das soll in Teil 2 natürlich anders bzw. besser werden. Der A.I.-Direktor soll dabei nicht nur bei den Untoten die Fäden im Hintergrund ziehen, sondern auch bei den Levels. Die sollen nämlich unterschiedliche Routen besitzen, die verschieden schwierig sind. Die künstliche Intelligenz schickt die Überlebenden also abhängig von ihrem Können auf die dementsprechende Strecke. Aber auch das Wetter ist vor dem allmächtigen Direktor nicht sicher. Unterschiedliche Wettereffekte sollen nicht nur das "Immer anders"-Gefühl untersteichen, sondern sich auch auf das Gameplay auswirken. Dass man bei Nebel nichts sehen kann, ist da wohl selbstverständlich. Wir sind gespannt, ob Regen z. B. den Einsatz von Molotov-Cocktails neutralisiert. Das feurige Getränk wird auf jeden Fall nutzlos gegen eine neue Art von Zombie sein. Ab und zu laufen nämlich infizierte Wissenschaftler in Schutzanzügen herum, die gegen Feuer immun sind. Sie gilt es auf die klassische Art zu beseitigen, was auch sehr leicht von der Hand geht, da die Jungs in den Ganzkörperkondomen nicht besonders viel aushalten. Ist mir jedenfalls zu wenig, um als neues Feature zu gelten.
Left 4 Dead 2

Eher Opfer als Täter: Der Charger

Wie in Left 4 Dead werden auch im zweiten Teil die Bosszombies für die wirkliche Herausforderung sorgen. Der kotzende Boomer, der Zungen-Virtuose Smoker, der hinterhältige Hunter und der alles vernichtende Tank sind wieder mit von der Partie. Auch die unkontrollierbare Witch wird wieder für Aufstöhnen in den Teams sorgen, wenn irgendein Idiot auf die ständige Heulsuse schießt. Gut, jetzt kann es leichter passieren der hässlichen Dame mit furchtbarer Kindheit zu begegnen, denn ab sofort läuft die Witch durch die Levels, um Stress zu suchen. Die Zeiten, in der sie als jammerndes Häufchen Elend in katatonischer Starre auf den Boden starrt, um gurrend auf einen baldigen Ausraster aufmerksam zu machen, dürften damit vorbei sein. Und dann kam ER. Der Charger. Ein hässlicher Kerl, der wie der kleine Bruder des Tanks aussieht und auf die Gruppe zustürmt. Beim ersten Mal reichten zwei Kopfschüsse, um dem Pseudo-Wüterich die Lebensgeister auszupusten. Dabei wollte ich doch wissen, was diese Missgeburt so drauf hat. Zum Glück tauchte der Charger später noch einmal auf und erwischte ein unaufmerksames Teammitglied. Seine Spezialfähigkeit: Er wirft den Spieler nach einem unblockbaren Schlag zu Boden und schlägt auf ihn ein. Ähnlich wie der Hunter nur mit mehr Durchschlagskraft und Lebensenergie. Trotzdem hält der Geselle für meinen Geschmack zu wenig aus. Laut Valve soll es neben dem Charger noch drei weitere neue Bosszombies geben. Ob dafür ein paar der alten Bekannten aus dem Gameplay fliegen, ist noch nicht geklärt. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was sich die Jungs diesbezüglich noch einfallen lassen.
Left 4 Dead 2
Als ich am Ende der Demo im Rettungshubschrauber saß, einer meiner Teamkollegen ist heroisch im Kampf gefallen, wusste ich, dass Left 4 Dead 2 Spaß machen wird. Verdammt viel Spaß. Eben wie der Vorgänger. Zu sehr, wie der Vorgänger. Und hier ist auch mein Problem mit Left 4 Dead 2. Ist das Hauptspiel vom Konzept her wie die von mir gespielte Demo, nur mit 5 Kapiteln und einem Versus-Modus, kommt man um den Begriff der "Abzocke" einfach nicht drum herum. Mein Vertrauen in Valve ist jedoch immer noch vorhanden. Ich glaube und hoffe (wie so viele), dass die Jungs noch eine Schippe drauflegen können. Neue Bosszombies, mehr Maps und ein noch geheimer Spielmodus, das sinnvolle Einbauen der Nahkampfwaffen, die momentan noch recht witzlos scheinen, können das Quasi-Addon doch noch zum Vollpreistitel mutieren lassen.
Left 4 Dead 2 erscheint am 17.November für PC und Xbox 360.

Kommentare

rorschach
  

"Zeitlich spielt das Geschehen vor ..." Das kann ich bei Spielen und Filmen nicht mehr lesen.

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bnaked
  

"Seit Stirb Langsam 4.0 wissen wir, dass Br?cken die Todesfeinde von Kampfjets sind ? vor allem, wenn man einen LKW f?hrt"
absolut geil geschrieben.. ROFL

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Tom Turbo
  

wird sich eh verkaufen wie bl?d. kommerziell absolut richtig von valve und ms, image-m?ssig wohl eher nicht.

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Lord_Arschbacke
  

Was wieder best?tigt, dass L4D2 total sinnlos ist. Leider gibt es genug leute die diese Geldmacherei Unterst?tzen und die Entwickler wissen lassen werden, dass sie damit durchkommen. Schade.

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Ibrahim Lindström
  

jo h?tte man auch einfach in teil 1 packen k?nne...

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