Lost Planet 3

Plattform: (PC, PS3, XBox 360)
Release: 30. August 2013

User-Wertung:

Im Test: Lost Planet 3

Kenner der Lost Planet-Reihe denken bei der Serie im Normalfall an etwas japanisch-angehauchte Protagonisten und einem diesem Gedankengang entsprechenden Grafikstil, schließlich ist das Game ja auch bislang intern bei Capcom entstanden. Beim dritten Teil ist das allerdings etwas anders gelaufen, denn die Japaner stellten den Korb, gefüllt mit dem kleinen Lost Planet-Baby, einfach vor die Tür von Spark Unlimited, einem westlichen Studio, dem dadurch die Ehre gebührte, die Verantwortung für das gute Stück zu übernehmen. Und ja, tatsächlich hat's das Team geschafft, kein verzogenes Gör aus ihrem neuen Projekt hervorkommen zu lassen.

Auf dem Zettel, der dem ausgesetzten Baby-Körbchen beilag, muss wohl die Notiz aufgekritzelt worden sein, dass Lost Planet 3 wieder mehr zu dem werden soll, was der erste Teil der Reihe war: Ein aufreibender Third-Person-Shooter, dessen Fokus auf der Story liegt. Da bot es sich ja geradezu an, den dritten Teil als Prequel zu erzählen, damit die Geschichte der beiden Vorgänger nachvollziehbarer und schlüssiger wird. Nur logisch also, dass der Schauplatz derselbe wie in den Vorgängern ist, nämlich der eisige Planet E.D.N. III. Grund für den dortigen Besuch der Menschen ist das Unternehmen Neo-Venus Construction (kurz NEVEC), das entdeckt hat, dass sie einen ziemlich interessanten Rohstoff auf diesem Ball im Universum erbeuten können: Thermale Energie (nächste Abkürzung: T-ENG). Diese T-ENG stellt sozusagen den Lebenssaft des gesamten Planeten dar, treibt daher nicht nur den Himmelskörper selbst, sondern auch jedes dort lebende Alien - genannt Akriden - an. Das ist deshalb notwendig, da jene aufgrund der ungemütlichen Wetterverhältnisse sofort einem eisigen Tod in die Augen blicken müssten - wie der Name nämlich schon sagt, wärmt dieses Gesöff. Somit bietet es sich geradezu an, T-ENG für den Menschen anderweitig brauchbar zu machen.
NEVEC ist also ein Unternehmen, dass Arbeiter auf E.D.N.III für das Wohl der Menschheit schuften lässt. Und in die Rolle genau eines solchen Arbeiters schlüpft der Spieler - namentlich genannt: Jim Peyton. Um sich dieser Aufgabe zu stellen hat Jim Frau und Kind auf der Erde zurück gelassen, um auf dem fremden Planeten mit T-ENG Kohle zu scheffeln - was mich übrigens an einen abgebrühten LKW-Fahrer der einige Monate auf Reisen geht, um daheim die Familie ernähren zu können, erinnert. Nein, so abwegig ist diese Assoziation gar nicht, denn wegen der prolligen Innendekoration des Mechs - mit einem Bild der Frau und einer kleinen Hula-Hoop-Figur - sowie der unerschütterlichen Liebe von Hauptcharakter Jim Peyton zu seinem metallischen Arbeitsgerät, konnte ich gar nicht anders als mich kurzzeitig wie ein Sci-Fi-Brummifahrer zu fühlen. Zudem bekam ich während einigen Abbau-Aufträgen dann auch noch die Auswahl zwischen verschiedenen Klischeebeladenen Countrysongs zu switchen, um vollkommen zum T-ENG-Kumpel zu werden. Was dieser einsamen Arbeitsstimmung die Krone aufsetzte, war das jenes Gedudel auch beim Aussteigen aus dem Mech weiter vor sich hindudelte und somit im Echoklang durch die eisigen Höhlen und Landschaften hallte. Ich fühlte mich dadurch wirklich wie ein einsamer T-ENG-Arbeiter - ausschließlich begleitet von einem Mech mit Greifarm, Bohrer und Countrymusik.
Im Test: Lost Planet 3Ihr merkt schon, beim Aufbau der Atmosphäre scheint Lost Planet 3 einiges richtig gemacht zu haben. Und das hat es zwar auch tatsächlich, allerdings gibt es das ein oder andere dennoch zu bemängeln. So ist man also mitten in dieser Lone-Ranger-Stimmung, mit dem Ziel jetzt einfach nur T-ENG abzubauen und plötzlich kämpft dieser 'Arbeiter' gegen Scharen von Akriden. Zwar ist es schlüssig, dass Waffen als Notwehr-Instrumente mitgeführt werden, allerdings wirkt Jims Gleichgültigkeit eher so als sei er ein Soldat und eben kein gewöhnlicher Arbeiter, der eben nur in Ausnahmefällen mit Waffen umgehen muss. Die Glaubwürdigkeit, die beim Hauptcharakter fehlt, bekommt Spark Unlimited bei der Darstellung des Planeten jedoch umso besser hin. Denn der eisige E.D.N. III wurde durchgehend beständig dargestellt, immer mit dem Gedanken im Hinterkopf: Hier ist es verdammt kalt. Zugegeben erscheinen die anfänglichen Levelabschnitte eintönig, da man sich hauptsächlich über Schneedecken und durch Höhlen begibt, dafür aber schaffen sie es ein reeles Gefühl für das Leben auf diesem Planeten entstehen zu lassen. Dass diese triste Darstellung auch wirklich nicht an der Unfähigkeit der Entwickler lag, zeigt sich ganz einfach an den zwischendurch eingestreuten Abschnitten, die sich ziemlich eindrucksvoll mit Schneestürmen (nach denen man den Mech von Eis befreien muss, damit er weiterläuft!), beeindruckenden Landschaften und einem befremdlich wirkenden Horizont präsentieren. Konsequente Spielgestaltung also, die auch in der später folgenden Inszenierung anderer Settings Wirkung zeigt. So schafft es nämlich auch ein verlassenes Kraftwerk mit langen Fluren, verlassenen Räumen und dramatisch wirkenden Szenarien auch ohne Schockmomente, sondern durch Sounddesign Spannung aufzubauen: Und zwar mit undefinierbarem Gequietsche in Gängen, Geschreie von Akriden oder der gelungenen, aber manchmal ein klein wenig nervtötenden Musikuntermalung. Das alles mag vielleicht an Dead Space erinnern, allerdings gerade durch das Fehlen von gescripteten Grusel-Überraschungen wird gezeigt, dass die Darstellung in einem anderen Kontext geschieht. Bereits im Vorfeld wurde die Stimmung gezielt so aufgebaut, dass der Spieler sich absolut bewusst ist, dass er sich in keinem Horror-, sondern einem Sci-Fi-Shooter befindet. Es kommen also keine Akriden plötzlich um die Ecke gesprungen. Und es gibt auch kein Baby in einer Waschmaschine. Oder eine Katze in einem Spind.
Ihr habt's vermutlich zwar schon verstanden, aber dennoch betone ich es noch einmal, damit auch wirklich keine Missverständnisse in euren Erwartungen aufkommen: Trotz der gestalerischen Ähnlichkeiten zu Dead Space wird keine Horrorstimmung, sondern Actiongeladene Spannung aufgebaut. Zwar präsentieren sich die Szenarien atmosphärisch durchaus geschickt und ansehnlich, allerdings ist es dennoch die Technik, die desöfteren veraltet wirkt. So begegnet ihr hölzernen Menschen (allen voran Jim Peyton himself), unnatürlichen Animationen und müsst euch darüber hinaus mit sehr unschönen Framerateeinbrüchen herumschlagen. Hinzu kommen fehlerhaft gescriptete Events und nicht sauber verarbeitete Übergänge bestimmter vorgegebener Wege.
Im Test: Lost Planet 3Gehen wir mal fort von der Atmosphäre und widmen uns den Shootouts, zeigt sich leider, dass genau das, was das Spiel ausmachen sollte, leider im Gameplay und seiner Präsentation dezent schwächelt. So wirkt die Zielsteuerung bedauerlicherweise ein wenig träge und das wuchtige Äußere der Waffen wird beim Abfeuern selbiger nicht untermalt, sondern eher entkräftet. Während es der Plasmacutter in Dead Space bei den Necromorphs (ja, ich habs schon wieder getan - Dead Space als Vergleich herangezogen) schafft, mit einem unverwechselbaren Impact abzufeuern, wirken die Schüsse bei Lost Planet 3 wie Inhaltslose Luftgeschosse. Auch spätere Upgrades, die den Waffen zwar mehr Angriffstärke verleihen, können nicht dafür sorgen, dass diese Kampfwerkzeuge überzeugend wirken. Negativ fällt außerdem auf, dass die mühevoll inszenierte Glaubwürdigkeit des Planeten durch die überall verstreute und auffindbare Munition in gewissem Maße verloren geht. Und ist der Mech in der Nähe, habt ihr auch noch Zugriff auf unendlich große Munitionsvorräte. Klingt unlogisch? Ist es auf einem von den Menschen frisch angedockten Planeten auch.
Neben den gewöhnlichen Kämpfen im Stil von 'Peyton-gegen-Akriden-Wellen' gilt es natürlich auch wieder einige der, die Reihe auszeichnenden, Riesenaliens zu besiegen. Allerdings sind diese nicht mehr so pompös wie in den Vorgängern, sondern stellen sozusagen nur die mutierten Muttertiere der gewöhnlichen Akriden dar. Sprich: Es existiert nicht mehr die Notwendigkeit auf den Monstern herumzuklettern, sondern ihr benötigt nun ausschließlich Ausdauer für diese Kämpfe, in denen ihr Attacken exakt ausweichen und das Wesen nach und nach zerstückeln müsst. Dank ganz offensichtlich ausgeschildeter Stellen an den Körpern dieser Krabben, Skorpione oder Shrimps - auffällig grellorange leuchtende Gelenke, Köpfe und Bäuche, um genau zu sein - wisst ihr immer genau, wohin geballert werden muss, damit's das Vieh auch tatsächlich zerlegt. So arbeitet man nach und nach die verwundbaren Stellen ab und wartet letztlich nur darauf endlich die dampfenden T-ENG-Haufen, die das Wesen nach seinem Ableben hinterlässt, einsammeln zu dürfen und weiterziehen zu können. Um dem ganzen Abwechslung zu verleihen, müssen die regelmäßig auf euch stoßenden Endbosse ab und an auch mit dem Mech besiegt werden. Hinter dem Steuer dieses Arbeitsgerätes setzt ihr Bohrer sowie Greifarm in Duellen der Art Mega Shark vs. Giant Octopus ein. Das Kampfsystem erinnert bei solchen Fights zwar an Quick-Time-Events, allerdings sind diese übergangslos in das Spiel integriert. Es muss also während des dynamisch ablaufenden Kampfes und eben nicht in extra gerenderten Sequenzen auf die Knopfeinblendungen reagiert werden. Wer sich erhofft hat, dass man mit seinem Mech auch irgendwann wild herumballern kann, wird leider enttäuscht - denn trotz der Möglichkeit das Gerät upzugraden, bleibt das Teil genau das, was es von Anfang an ist: Ein reines Arbeitsgerät um T-ENG abzubauen - okay, ja: mit der Power Körperteile von übergroßen Akriden abzureißen.
Im Test: Lost Planet 3Kehrt Jim Peyton (der übrigens ein bisschen wie eine Mischung aus Rapper Casper und Schauspieler Nicholas Cage ausschaut - aber tatsächlich eigentlich Bill Watterson ist) von seinen Akriden-Zerfleischenden-Streifzügen zurück, kann die gesammelte T-ENG übrigens gleich auch wieder verpfeffert werden - was irgendwie nicht ganz folgerichtig scheint, da man das Zeug ja sammelt, um der Menschheit einen Gefallen zu tun. Da wäre es passender gewesen, wenn sich die T-ENG bei jeder Rückkehr von einem Auftrag in Credits, Dollar oder Schokomünzen umtransferiert hätte. Habt ihr also eine stattliche Anzahl dieser Währung gefunden, kann man in der Basis neue Waffen, Upgrades für selbige und Verbesserungen für den Mech einkaufen. Darüber hinaus können in dieser Station Nebenmission - die meist mit dem Einsammeln von T-ENG oder Erkundungstouren zu tun haben - angenommen beziehungsweise abgegeben werden. Das Erfüllen letzterer verhilft euch übrigens meist zu mehr T-ENG oder neuen Upgrades, wodurch das Durchspielen wesentlich geschmeidiger verläuft. Ohne das ganze Side-Quest-Drumherum ist es selbstverständlich auch machbar problemlos durch das Game zu kommen: Bei meinem Durchlauf habe ich ungefähr 14 Stunden gebraucht und nur einige wenige Nebenmissionen abgeschlossen.
Solltet ihr zwischendurch genug von der Hauptkampagne haben, könnt ihr euch auch in den Multiplayer stürzen. Der bietet verschiedene Spiel-Modi, die vom bekannten Team Deathmatch über einen leicht an den Horde-Modus in Gears of War angelehnten Akriden-Überlebenskampf bis zu einem T-ENG-Extraktionsmodus reichen. Der interessanteste Modus ist hierbei der eben erwähnte Akriden-Überlebenskampf, bei dem zuerst gegen Wellen von Akriden gekämpft werden muss, um anschließend gegen das mitstreitende Team zu siegen. Kämpft ihr fein, gibt's als Belohnung T-ENG die ihr für neue Fähigkeiten und verbesserte Waffen einlösen könnt. Wegen der kleinen Maps wird im Multiplayer letztlich auf den direkten und hektischen Player-versus-Player-Kampf gesetzt. Und bis auf das unvorteilhafte Matchmaking, das fast immer eine volle Lobby erfordert, darf man sich hier auf einen unbeschwerten und kurzweiligen Multiplayer-Spaß freuen, der allderings eben auch nichts weltbewegendes darstellt.

Kommentare

Saskia Thudium
  

Vielen Dank! Wie Musik für die Augen, eure Worte :)

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Valium
Valium
  

@Saskia
NEIN, ich meine seit Deiner Rückkehr. Du warst so lange weg, ich dachte eigentlich Du kommst nie mehr zurück - gab/gibt ja auch nirgendwo ne Info wer bei euch mit wem und wann und wo und sowieso (vllt. im Podcast, aber die höre ich zu selten seit der Pook weg ist). Wie gesagt, bin absolut positiv überrascht wie Du AG seit Deiner Rückkehr boostest !!!!!!!!!!!!!!! Du allein gibst Feedback wie der ganze Haufen zusammen.
WEITER SO !
@Test
Schön geschrieben, die JUST A CAT szene, wow, ist das ewig her... Danke für den Tip mit den Frame Einbrüchen - solche Games zocke ich dann schon aus Prinzip nicht. Bin da mittlerweile zu verwöhnt von meinem PC, wo´s grafisch läuft wie kalte Selters im Sommer.
ICH BETE dass GTA5 KEINE Frameprobleme haben wird, das würde mir das ganze Game versauen :(

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Claudandus
  

Nachdem ich von Saints Row 4 etwas ernüchtert war und mir Lost Planet 1+2 schon sehr gefallen hat. Werd ich teil drei mal im Auge behalten.
Geil geschriebener Test

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MikeSEMILIA
  

Schöner Test sogar ziemlich viel Text find ich gut.

Für alle die Teil 1 mochten stellt der "Side-Kick" ein schönes Goddie dar.

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Saskia Thudium
  

Meinst du jetzt allgemein oder was?Wenn ja, dann bin ich enttäuscht: Es gab schon sooo viele Tests von mir und DU hast sie nicht gelesen!? :'(

Wenn nein, und du das nur auf meine Rückkehr beziehst, dann verzeihe ich dir und sage: Gestern kam mein Erster seit meiner Rückkehr online - von Castle of Illusion. ;)

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Valium
Valium
  

OHOOOO !
Saskia´s first Time oder ?
Lese ich dann später zuhause durch :)
bin ick ja ma jespannt wa ?!

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