Machinarium

Plattform: (PC)
Release: 27. Oktober 2009

User-Wertung:

Testrunde: Machinarium, 15 Days, Nancy Drew

Wir beginnen das Jahr mit einer neuen Testrunde auf dem PC. Heute überwiegen vor allem die Rätselanteile, da sich Adventures bekanntlich am besten für kalte und verschneite Winterabende eignen: Machinarium, 15 Days und Nancy Drew: Die Legende des Kristallschädels stellen unsere "Regel Nr. 2"-gebeutelten Gehirne ganz schön auf die Probe.


Machinarium

Er kann weder richtig fühlen noch sprechen, trotzdem ist der zum Verschrotten verurteilte Roboter Josef einer der sympathischsten Videospielcharaktere der letzten Jahre. Das liegt wohl vor allem daran, dass er alles und jedem auf seinem Weg hilft und oftmals keinerlei Gegenleistung für seine Bemühungen verlang. Als Restmüll über einem riesigen Schrotthaufen außerhalb von Machinarium City abgeworfen, beginnt man damit, Josef via Mausklick wieder zusammenzubauen. Eine der simpleren Angelegenheiten im Spiel, denn die höchst unterschiedlichen Rätsel sind teilweise wirklich knifflig und verlangen ein bestimmtes Gehirn-Mindestgewicht. Wer wirklich Probleme hat, greift auf die Ingame-Komplettlösung zurück. Dabei ist Machinarium kein klassisches Point&Click-Adventure im eigentlichen Sinne. Zwar schickt man Josef getreu dieses Prinzips durch die wundervoll gezeichnete Welt, lässt ihn Items aufsammeln oder interagiert mit anderen Charakteren, im Grunde dient diese Oberfläche aber lediglich zur Verbindung der abwechslungsreichen Mini-Spiele. Und obwohl bei diesen deutliche Anleihen aus Klassikern wie "Space Invaders" oder "Vier gewinnt!" zu erkennen sind, wirken sie nie deplatziert oder aufgesetzt. Die größte Stärke des Werks von Amanita Design ist es aber, für den Großteil der Spielzeit keine konkreten Aufgabenstellungen vorzugeben. Soll heißen: Das Rätsel selbst ist das Rätsel. Erst gegen Ende ergibt sich dann, wie auch im Falle der schlecht durchschaubaren Geschichte, ein großes Gesamtes.

Besonderes Highlight ist sicherlich die geniale und frische Optik. Machinarium ist ein interaktives Kunstwerk, mehrere Schauplätze hätte ich liebend gerne ohne Interface als Wandgemälde. Dank der doch eher ungewöhnlichen Methode, das gesamte Programm über einen Flash-Player laufen zu lassen, arbeitet der Titel nicht nur mit betagten Rechnern zusammen, sondern funktioniert auch auf Macs. Trotz alledem beschleicht einen nie das Gefühl, etwas Veraltetes zu zocken - dafür sorgen neben den wunderschönen gezeichneten Hintergründe und Figuren auch ein höchst stimmungsvoller Soundtrack, der dem Spiel bei einem Preis von knapp 30 Euro, neben einem Poster und der Vollversion des ebenfalls gelungenen Samorost 2, beiliegt.

Doch Machinarium ist nicht vor Kritikpunkten gefeit: mit einer Spielzeit von ca. 4-5 Stunden ist das Spiel viel zu kurz. Darüber hinaus wird die Story nur begreifbar, wenn man die Anleitung zur Hand nimmt. Nicht einmal der Name des Protagonisten fällt während des Spiels! Auch Dialoge sucht man vergebens, stattdessen werden kleine Trickfilme in Gedankenblasen der Charaktere eingeblendet. Selbige zaubern zwar immer wieder ein Lächeln auf euer Gesicht, nichtsdestotrotz hätte ich mir hier etwas mehr "production value" gewünscht. Doch dann wäre Machinarium vielleicht nicht mehr das, was es ist: Ein sympathisches Meisterwerk eines kleinen Entwicklerteams, das mich durch seine erfrischende Art mehr begeistert als es der nächste Shooter von der Stange je könnte.

Wertung: 8 von 10
Testrunde: Machinarium, 15 Days, Nancy Drew

15 Days

Weg von verzauberten Welten, fantastischen Charakteren, uralten Königreichen und, ja, liebenswürdigen Robotern: 15 Days ist der Wirklichkeit näher als ein erfolgreicher Klimagipfel. Als Spieler schlüpft man abwechselnd in die Rolle einer dreiköpfigen Kunstraubbande und eines amerikanischen Agenten auf britischem Territorium, genauer gesagt in der Hauptstadt London. Natürlich überkreuzen sich die Geschehnisse dieser beiden Welten im Verlauf der langsam in Fahrt kommenden Handlung. Der Außenminister wird ermordet, Teile des Big Bens sind plötzlich verschollen, ... Stoff für einen tollen Krimi eben. Und das ist 15 Days auch: ein toller Krimi. Schade nur, dass dabei die Geschichte inklusive genauer Beleuchtung jeder annähernd relevanten Person so sehr im Vordergrund stehen, dass das eigentlich Spiel im Entwicklungsprozess etwas leiden musste. Allen voran nervt die Tatsache, dass Aufgabenstellungen nicht übersichtlich irgendwo aufgelistet werden, sondern meist nebenbei in Dialogen angeschnitten werden. Wer hier nicht ganz genau aufpasst, steht im Nachhinein vor der Lösung eines Rätsels, das es quasi nicht gibt. Sobald man sich aber darüber im Klaren ist, was getan werden soll, fallen die Aufgaben fast immer viel zu leicht aus und stellen selbst Teilzeit-Adventure-Zocker vor keine größere Herausforderung. Wäre da nicht das simulierte Internet mit der eigenwilligen google-esken Suchmaschine, die oftmals nur durch die Eingabe weit hergeholter Begriffe die entsprechenden Ergebnisse liefert. Das ist äußerst schade, denn besagtes Spielelement wird in sehr regelmäßigen Abständen verwendet. Auch beim Gestalten der "Füllseiten" haben sich die Jungs von House of Tales (The Moment of Silence, Overclocked) nur wenig Mühe gegeben.

Präsentationstechnisch ist 15 Days ein zweischneidiges Schwert: vorgerenderte Hintergründe überzeugen dank zahlreichen Details, wobei interaktive Gegenstände durch eine HotSpot-Funktion sichtbar gemacht werden können. Auch die animierten Spielfiguren fügen sich aus entfernter Perspektive perfekt in das Geschehen ein. Während den Nahaufnahmen fällt dann jedoch die nicht vorhandene Mimik und Gestik der Charaktere auf - ein echter Atmosphärenkiller. Da helfen auch die überdurchschnittlichen bis guten Synchronsprecher nicht viel weiter. Insgesamt enttäuscht 15 Days in puncto Gameplay auf nahezu jeder Ebene. Übrig bleibt ein Produkt für Liebhaber guter Krimigeschichten, wobei die mit einem guten Buch wohl besser beraten sind.

Wertung: 4 von 10
Testrunde: Machinarium, 15 Days, Nancy Drew

Nancy Drew: Die Legende des Kristallschädels

Ganz ehrlich? Ich habe in meinem Leben noch nie was von Nancy Drew gehört, gelesen oder gar gespielt. Und sobald mir im Untertitel das Wort "Kristallschädel" entgegensprang, schwang sich Shia LaBeouf vor meinem geistigen Auge mit CGI-Affen durch den Dschungel. Konnte es noch schlimmer kommen?

Nein, konnte es nicht, denn "Nancy Drew: Die Legende des Kristallschädels" ist beileibe kein schlechtes Adventure. Die Titelheldin macht sich dabei auf die Suche nach besagtem Schädel, welcher der Legende zufolge sogar den Tod selbst besiegen kann. Damit ist klar, dass auch dessen vorheriger Besitzer nicht auf normalem Weg dahingeschieden sein kann. Mehr will ich an dieser Stelle gar nicht verraten. Eines sollte klar sein: so realistisch wie 15 Days ist das Abenteuer von Nancy Drew nicht, und es erreicht auch keine vergleichbare, erzählerische Tiefe. Wer aber auf der Suche nach seichter Unterhaltung mit einem gewissen Mysterie-Faktor und gelegentlichen Gruseleinlagen ist, wird hier fündig. Als Schauplätze dienen vorrangig ein riesiges Herrenhaus sowie ein Friedhof, abseits davon wird Nancys Freundin Bess an weitere Orte geschickt. Der Wechsel zwischen den beiden Damen erfolgt, ohne jetzt irgendwelche geschlechtlichen Vorurteile schüren zu wollen, über‘s Handy. In Letzterem sind auch weitere Nebencharaktere gespeichert und können per Knopfdruck angerufen werden.

Mit "Nancy Drew: Die Legende des Kristallschädels" erwartet euch ansonsten ein klassisches Adventure aus First-Person-Sicht, das mit meist logischen Rätseln und Minispielen zur Abwechslung aufwarten kann. Etwas altbacken wirkt die Grafik, was nicht verwunderlich ist: Der Titel erschien im englischen Original bereits vor rund zwei Jahren! Etwas nervig sind nicht nur die kleinen Dialogtexte, sondern auch das Inventar, denn Gegenstände werden beim Berühren mit dem Mauszeiger nicht vergrößert oder zumindest textlich erläutert. Somit bleibt oftmals nur ein unmotiviertes Ausprobieren eines jeden Gegenstandes, bis das richtige Objekt für das jeweilige Denkspiel gefunden wurde. Für Genre-Neulinge gibt es übrigens den so genannten "Junior Detective"-Level, in dem eine Checkliste bei der Aufgabenbewältigung hilft und ganz besonders schwere Rätsel entschärft werden. Routiniers hingegen geben sich als Senior Detective aus, denn unfair oder unlösbar ist Nancy Drew eigentlich nie. Und das bei einer angenehm langen Spielzeit von 20 bis 30 Stunden!

Wertung: 7 von 10
Testrunde: Machinarium, 15 Days, Nancy Drew

Kommentare

Robert Buch
  

Hat die auch ein ?hnlich gro?es Lachmaul??

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Daniel Pook
  

Was, der kannte Nancy Drew bisher noch nicht? Dann ist ihm garantiert auch Julia Roberts' eeeeeendhei?e Nichte entgangen. Armer Junge... :P

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EL POLLO DIABL0
  

machinarium is schon cool, nur das space invaders vorm dem hilfe system nervt so sehr, das mans echt lieber ohne hilfe versucht, is aber auch besser so

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