MadWorld

Plattform: (Wii)
Release: 15. März 2009

User-Wertung:

Mad World

Neben House of the Dead: Overkill schickt SEGA mit Mad World ein weiteres Gorespiel auf die sonst so familienfreundliche Wii. Wir haben den Mix aus „Running Man“ und „ God of War“ getestet und verraten euch, worauf ihr euch dieses Jahr nicht freuen könnt – denn leider wird Mad World offiziell in Deutschland nicht erscheinen.


Mad Story

Wenn man Jack heißt und böse Buben jagt, braucht man eigentlich keine Legitimation, um letztere auf möglichst unangenehme Art ins virtuelle Jenseits zu befördern. Erst recht nicht, wenn man in Mad World ständig mit einer Fluppe im Mundwinkel herumrennt und Protagonist der Serie "Death Watch" ist. In dieser Fernsehsendung geht es darum, dass Gladiatoren (also ich) durch Level gehetzt werden und gegen zahlreiche Gegner kämpfen. Das erklärt auch, warum die Kämpfe aus dem Off ständig kommentiert werden (ein wenig wie in Celebrity Deathmatch). Wer jetzt an "Running Man" denkt, ist nicht etwa bescheuert, sondern hat einfach Ahnung von Filmen. Aber um es einmal gesagt zu haben: Wer ein Spiel mit storytechnischem Tiefgang sucht, der wird bei Mad World fündig - NOT.
Mad World

Tutorial World

Begibt man sich zum ersten Mal in die verrückte Welt von Mad World (mal sehen, wer die Klasse dieses Wortspiels versteht), wird man zuerst mit einem sehr ausführlichen und gut vertonten Tutorial begrüßt. Dort sollte man die vielfältigen Tötungsarten lernen, bevor man sie perfektionieren kann. Damit wir uns gleich verstehen, Mad World von den Platinum Games ist alles andere als zimperlich und will auch nicht mit einem sozialkritischen Ansatz daherkommen. Man will nicht mit übertriebener Gewaltdarstellung die Realität persiflieren. Hier geht es darum, Horden von ziemlich hässlichen Gegnern auf möglichst effektive und brutale Art umzubringen, um einen Highscore zu knacken, der weitere Storyabschnitte freischaltet. Durch die grafische Darstellung in Schwarz-Weiß (Blutrot) driftet das Ganze aber nicht ins Ekelhafte ab, sondern schraubt die eigenen Hemmungen soweit herunter, dass man Mad World eine gewisse Komik nicht absprechen kann. Frauen würden angesichts des Spielprinzips eher eine Augenbraue hochziehen und denken: "Gott, ist das blöd!", Männer dagegen würden sich bei einem Bier auf die Schenkel klopfen und eine neu gesehene Todesart frenetisch feiern (vielleicht auch deswegen, weil sie Ähnliches noch nie auf der Wii sehen konnten). Mit dieser Prämisse, Mad World immer noch als Spiel zu betrachten und nicht als Aneinanderreihung von Gewalttaten wie etwa in Manhunt 2, möchte ich in meinem Testbericht fortfahren.
Mad World

Was zählt sind Kombos

Die Steuerung ist (auch ein ausgelutschter Begriff) intuitiv, jedenfalls was die Hauptaktionen im Spiel angeht. Taste drücken, um die Motorsäge zu zücken. Wiimote in die entsprechende Richtung schwingen, und siehe da, der Gegner wird anatomisch höchst unkorrekt zu Klump verarbeitet. Merkwürdig ist dagegen der Umstand, dass man bestimmte Items nur per Druck auf das Digikreuz aufnehmen kann. Einfach Drüberlaufen hätte doch auch gereicht. Drücke ich auf die A-Taste, schlage ich zu, und betätige ich die frühere Sprungtaste für Super Mario, halte ich mein Opfer fest und kann es mit einem sanften Schüttler der Wiimote werfen (vornehmlich auf Stacheln an der Wand oder Ventilatoren mit Klingenblättern). Bewege ich mich mit meinem Gegner, dessen Wehrlosigkeit von der Lebensenergie abhängt, auf eine Todesfalle zu, kann ich ein besonders brutales Quicktime-Event starten, dass noch ein bisschen mehr Punkte gibt. Denn wie schon oben beschrieben, geht es in Mad World darum, möglichst viele Gegner in Kombos umzubringen, damit man schneller Punkte bekommt, die den nächsten Levelabschnitt freischalten. Kombos kann man sich übrigens auch "zusammenstellen". So kann man, bevor man sein Opfer endgültig in den erlösenden Schlaf schickt, ihm zuvor ein Straßenschild durch den Kopf jagen, wenn man will sogar noch eines (Kombo x2). Es geht sogar noch ein drittes. Vielleicht findet man bei der Gelegenheit ein paar Autoreifen, die man seinem immer stärker blutenden Gegner über den Kopf ziehen kann. Das hat neben der positiven Punkteausbeute auch noch den Effekt, dass er nahezu bewegungsunfähig wird. Doch man sollte sich beeilen. Trotz seiner Hässlichkeit ist die Lebenserwartung eines Feindes mit drei Straßenschildern im Kopf nicht besonders hoch. Will man also nicht, dass die Kombo vorher "abbricht", sollte man seinen Gegner möglichst schnell mit den punktefördernden Maßnahmen bearbeiten. Mit diesem Wissen und der Motorsäge bewaffnet geht man aus dem Tutorial heraus und startet die erste Mission.
Mad World

Bossfights? God of War lässt grüßen!

In dem ersten Level wendet man das Gelernte an und stellt schöne Kombos zusammen. Da werden Gegner an einen Bus genagelt, auf ein Dartbrett mit Stacheln geschleudert, in Kisten geworfen, die sie in der Mitte zerteilen, oder per Quicktime-Event in der Mitte durchgebrochen (sieht echt schmerzhaft aus, wenn man den Kopf des Gegners rückwärts durch die Beine zieht). Mein Punktekonto rast in die Höhe und ich kann neue Gebiete erforschen. Ab und an bekommt man neue Zusatzwaffen und frischt seine Energie mit Heilkapseln auf. Die Moderatoren kommentieren dabei die Aktionen, wiederholen sich aber mit der Zeit. Nachdem ihr ein besonders brutales Event, in dem man unter Zeitdruck eine Grube mit Blut füllen muss (Gegner in die Grube werfen, eine Presse erledigt den Rest.) absolviert habt, kommt es endlich zu ein wenig Abwechslung im Gameplay: Ein Bossfight! Euer Gegner ist ein stachelbesetzter Fettklops, der in feinster Zelda-Manier durch die Gegend kugelt und euch vornehmlich als Ziel wählt. Also weicht ihr seinen Angriffen aus und verpasst ihm eine Kostprobe mit eurer Motorsäge, die übrigens Energie verbraucht. Nach ein paar Schlägen startet ein Quicktime-Event, das bei erfolgreichem Absolvieren zu einem dramatischen Lebensenergieverlust beim Gegner führt. Nach ein paar weiteren Angriffen ist der Klops erledigt und man kann seinen brutalen Streifzug fortführen. Ein bisschen Abwechslung kommt in Mad World mit kleinen Fahrsequenzen auf. Der Protagonist fährt dabei auf einem Motorrad durch die Straßen und muss neben Hindernissen auch auf verfolgende Gegner achten. Die kann man natürlich ebenfalls mit der Kettensäge bearbeiten und somit vom Gefährt werfen. Angesichts der Tatsache, dass es so UNGLAUBLICH viele Arten des Tötens gibt, fragt man sich schon ab und zu, was in den Köpfen der Entwickler von Platinum Games vor sich ging. Jedes Mal, wenn man im Laufe des Spiels denkt, dass man eigentlich schon alles gesehen hat, taucht ein neues, völlig abstruses Element auf. Gut es gibt auch abgewandelte Todesarten, die ein wenig von der Umgebung abhängen. So befindet man sich in einem chinesischen Garten, in dem die berüchtigten Straßenschilder durch Laternen ersetzt werden - der Effekt, den ihr mit den Dingern erzielen könnt, ist aber derselbe. Trotzdem werdet ihr immer wieder von neuen Möglichkeiten überrascht und ertappt euch dabei, wie ihr die brutalsten Kombos ausbaldowert. ("Hmm, ramme ich ihm zuerst das Schild rein und dann den Reifen, oder umgekehrt?") Ich kann mich nur wiederholen und betonen, dass man Mad World unter dem sportlichen Aspekt betrachten sollte. Nur so kann man sich auf das Gameplay einlassen und braucht kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man eine "besonders gute Stelle" gefunden hat, an der sich die besten Kombos zusammenstellen lassen. Ob man nun seine Lieblingskombos beim Flipper hat oder bei Mad World, ist im Prinzip egal.
Mad World

Gewalt in Schwarz-Weiß

Alleine an der Wii zu hocken und mit Handbewegungen Todesqualen auslösen, kann jeder. Wie wäre es aber, wenn das Ganze im Wettstreit stattfindet? Wer sich diese Frage stellt, ist im Multplayer-Modus von Mad World gut aufgehoben. Ihn kann man als eine Art "Minispiel"-Sammlung bezeichnen. Hier treten mehrere Spieler gegeneinander an und versuchen, Gegner auf möglichst brutale und punktefördernde Art und Weise zu zerlegen. Nettes Gimmick, aber eines, das die Spieldauer, die knapp 6-8 Stunden beträgt, sicherlich nicht großartig verlängern wird. Betrachtet man die Technik von Mad World, kann man Platinum Games nur auf die Schultern klopfen. Neben House of the Dead: Overkill gibt es wohl kaum einen Titel, der die schwächen der Wii-Hardware so konsequent kaschiert wie Mad World. An sich wirkt das Ganze wie ein "Frank Miller"-Comic in Bewegung. (Wer einen Vergleich sucht, sollte sich Sin City angucken.) Ihr werdet keinen Hardcore-Spieler finden, der euch beim Spielen über die Schuter guckt und sagt: Man sieht das s**** aus. Der Schwarzweiß-Stil passt perfekt zum absolut übertriebenen Gewaltszenario und gibt ihm regelrecht eine künstlerische Note. Wenn Jack dem Gegner das Herz herausreißt, das als einziges Objekt auf dem Bildschirm rot ist, und er es voller Verachtung in der Hand zerquetscht, dann denkt man jedenfalls nicht "Widerlich!". (Es "schön" zu nennen, wäre auf der anderen Seite vielleicht auch übertrieben. Übrigens, die Frauen heben an dieser Stelle sicherlich wieder die Augenbraue.) Soundtechnisch gehört Mad World ebenfalls in die erste Liga der Wii-Titel. Unser guter Jack mit seiner Reibeisenstimme könnte ein Verwandter von Markus Fenix sein und die Kommentatoren aus dem Off sollte man in jedes Fußballspiel integrieren. ("Was für eine Blutgrätsche!") Musikalisch wird das blutige Geschehen von "Hip Hop"-lastigem Sound untermalt, der selbst für Hasser dieser Richtung nicht störend wirkt. Alles richtig gemacht also.
Mad World

Für Schwarzweiß-Maler

Kommentare

chiefrebelangel
  

it's HAZARD TIME

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Cuberde
  

Hab?s schon verstanden. Du magst den Stil des Spiels und das "Hauptziel" des reinen t?tens nicht. Ich auch nicht. Aber deshalb werde ich es nicht als 'f?r die Tonne' oder die hohe wertung als 'traurig' bezeichnen, sondern einfach ignorieren. Wo kommen wir denn dahin, wenn wir Werke schlecht reden die wir selbst nicht gelesen, geh?rt, geguckt oder gespielt haben? (Ein Hype ist aber auch nicht viel besser.)

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kebabDeLuxe
  

lieber cuberde: erst beitrag von anderen richtig lesen und verstehen, dann darauf antworten. ansonsten begibst du dich auf das niveau von menschen die sich nicht viel m?he geben und deshalb vieles falsch auffassen...

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Cuberde
  

@kebabDeluxe: Erst Spiele spielen, dann eine Meinung dar?ber abgeben. Ansonsten begibst du dich auf in etwa das Niveau von Politikern, die den Verbot von "Killerspielen" fordern.

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kebabDeLuxe
  

dieser titel ist einfach nur f?r die tonne! dieses pseudo-kunst gequatsche geht mir echt auf die nerven. was ist daran bitte kunst: einfache schwarz-wei? comicgrafik, das gabs schon zuhauf in etlichen filmen und spielen etc..
weiterhin ist das spielprinzip sowas von primitiv. hoffentlich wird dieses spiel ein flop, denn die idee "je brutaler desto besser" darf nicht ?berleben.
diesen titel als eine art gelungene "r?cksichtnahme" f?r erwachsene spieler auf der wii zu bezeichnen ist derart seltsam... gute story, intelligentes gameplay und frische ideen, das sind die dinge die die spielebranche voranbringen und spiele f?r uns zocker besser machen.
traurig, da? areagames so eine hohe wertung vergibt. ach ja, den charakter als cool zu bezeichnen ist auch so ne sache, aber damit will ich jetzt gar nicht erst anfangen.

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Spielereins
  

ich bin froh das es mit sega wieder berg aufgeht! yakuza 3, overkill, mad word und einiges mehr. hoffe das es mit den jungs weiter so geht und an die glorreichen zeiten ankn?pfen k?nnen. einige jahre gab es viel m?ll auch wenn es zwichendurch mal ein paar gute titel gab. jetzt m?sste das mal auch mit sonic so gut funktionieren. ein shenmue 3 oder ein neues jet set radio w?r auch nicht schlecht ; )

achja toller test! langsam ?berlege ich mri doch ne wii zu kaufen. nintendo ist schon lange nichts f?r mich. aber nun bringen sega, capcom und ea einige gute titel f?r das system. schade das die net auch f?r die anderen systeme kommen.

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IM Carlos
  

@hidef: Es gibt einen Unterschied zwischen lang und langatmig, genau so zwischen kurz und ?bersichtlich. Ein langer Text MUSS gerade ?bersichtlich sein und in leicht verdaulichen Happen serviert werden, sonst schreckt er ab.

Bestes Beispiel: Ein Buch mit ellenlangen absatzlosen Monologen. Am besten noch im Blocksatz. Das kann vielleicht gerade mal noch als Satzspiegel-Beispiel herhalten.

Ein etwas sinnfreier, aber durchaus passender Ausspruch lautet dann auch:

Das Auge liest mit.

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IM Carlos
  

@z101: Irgendwie scheints mir Du bist Sternzeichen Zwilling, oder warum redest Du mit gespaltener Zunge?

... oder wolltest Du uns mit Deiner laaaangen Liste mitteilen das die Zielgruppe der Wii die jungen Bartlosen (welchen "Bart" ...) sind? Im Zweifel gilt die Aussage: man soll nicht immer von sich selbst ausgehen, gell. ;-)

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highdef
  

Also ich lese lieber l?ngere, ausf?hrliche Texte. Kurze, oberfl?chliches Geschreibsel findet man ja heutzutage mehr als genug in den Boulevardbl?ttern und ?hnlichem Quark.

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IM Carlos
  

@Daniel: Okay wenn nicht mehr K?rz und W?rze, dann aber etwas mehr Struktur mit Hervorhebungen. Ich jedenfalls les meistens nur die Fazits, weil ich keinen Bock hab mich durch 1.500 Worte zu qu?len, auf der Suche nach den wenigen Infos die f?r mcih wichtig sind.
Hervorhebungen (bold, Unterstreichungen, Links zu Beispielen, etc.) W?ren doch ein passender Kompromiss.
Wer will kann ja immer noch den kompletten Test lesen.
Allerdings versteh ic auch, dass das ein gewisser Mehraufwand ist, so ein Doppelklick auf ein Wort und eine Shortcut ...

Ich komm zwar prim?r aus dem Prinbereich, aber da l?uft das, bis auf die Links genau so.

Das Moto ist: Zeit ist Geld.

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