Ninja Gaiden III

Plattform: (PS3, XBox 360)
Release: 23. März 2012

User-Wertung:

Test: Ninja Gaiden 3

Die Ninja Gaiden Reihe ging sowohl als legendärer Arschtritt an alle Casual Gamer sowie als in Podcasts immer wieder total falsch ausgesprochener Spieletitel in die Videospielgeschichte ein. Die gute Nachricht: Teil 3 kann man nun immer noch falsch aussprechen und einen Arschtritt gibt es auch wieder: Nur diesmal trifft er alle Fans der Reihe.

Ninja Gaiden Titel waren noch nie Spiele für Otto-Normal-Zocker. Auch nicht für den weichgespülten Autor dieser Zeilen. Denn sie verlangten erbarmungslos die volle Aufmerksamkeit des Spielers. Sie verlangten Können. Reflexe. Gedächtnis. Leidensfähigkeit. Wer jedoch von sich behaupten konnte, ein Ninja Gaiden Black oder Sigma durchgespielt zu haben, konnte auf das respektvolle Schulterklopfen seiner Zockerfreunde zählen. Er war nun auch ein Mitglied im Club der "Skill-Gamer", die mühelos komplexe Kombo-Angriffe aneinander reihen konnten und bockschwere Endgegner geknackt haben. Dieser elitäre Kreis kann sich nun jedoch ein neues Franchise suchen: Mit Ninja Gaiden 3 nimmt Team Ninja der Spielreihe das alles definierende Spielelement: Der aktuelle Teil der Reihe spielt sich derart unangestrengt im Autopilot-Modus, dass man geradezu den "Für Kinect optimiert" Aufkleber auf der Xbox 360 Packung vermisst.
Nun könnte man natürlich den Redakteur verdächtigen, das ganze Spiel nur im optionalen Easy Modus gespielt zu haben: Weit gefehlt. Die Tatsache, dass ich das komplette Spiel auf dem normalen Schwierigkeitsgrad durchgespielt habe, sollte bei jedem Ninja Gaiden Fan die Alarmglocken schrillen lassen. Schließlich gilt es auch nur zwei Tasten und einen Analogstick zu beherrschen: Ryu Hayabusa kennt nur noch einen leichten und einen schweren Angriff. Prima, kann man tolle Kombos draus machen. Muss man aber nicht. Im Grunde lassen sich 90% der Gegner des gesamten Spiels mit der leichten Attacke erledigen. Da sich Ryu meistens auch noch automatisch den nächsten Gegner auswählt kann man sogar noch bequem eine SMS schreiben oder in der Zeitung blättern, während man sich durch Dutzende von Feinden prügelt. Wer den Controller geschickt hält, hat so immer eine Hand frei für sinnvolle Nebentätigkeiten. Man könnte zum Beispiel im Internet die Hintergrundgeschichte des Spiels nachgooglen. Falls die Suche keine Ergebnisse liefert, sollte das niemanden verwundern. Die Mühe, dem konfusen Ablauf der Ereignisse einen halbwegs roten Faden zu verpassen, wollte sich wohl auch bei Team Ninja niemand machen.
Test: Ninja Gaiden 3Und wenn auch schon die Story selbst über die völlig unmotivierten Schauplatzwechsel stolpert, so ist das große moralische Dilemma, das man einem von Selbstzweifel verfolgten Hayabusa im Spiel andichten möchte, nur noch lächerlich: Ist er nun ein gewissensloser Killer? Kämpft er für das Böse oder ist er selbst schon zum Bösen geworden? Ist er Harvey Dent oder Two Face? Auch wenn die Geschichte aus der Feder des Urzeit NES Ninja Gaiden Autors Masato Kato kommen soll, wirkt sie extrem klischeebeladen und belanglos. Zumal ähnliche Fragekomplexe nun schon dutzendfach in Videospielen bearbeitet wurden, man möge hier an Hitman, Deus Ex, Max Payne oder gar Bioshock denken. Ein Spiel, bei dem ich mich stumpf durch hunderte von Gegnern metzle, eignet sich ohnehin schlecht für moralische Debatten.
Der auf Bodenhöhe heruntergedrosselte Schwierigkeitsgrad hat natürlich auch etwas Gutes: Man spielt Ninja Gaiden in maximal 8-10 Stunden durch und bekommt dabei jede Menge hübscher Grafik zu sehen. Denn sowohl auf PS3 als auch Xbox 360 kann sich das Spiel durchaus sehen lassen. Die Animationen der einzelnen Angriffe wirken immer auf eine brutale Art elegant und die großen Bossgegner wissen ebenfalls zu gefallen. Die Bossgegner sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern zeigen auch noch Team Ninjas seltsames Bestreben, Quicktime-Events noch weiter zu vereinfachen. Meist sind nur ein bis zwei verschiedene Knöpfe zu drücken und das Spiel drückt auch gerne mal ein Auge zu, wenn man zu spät reagiert oder den falschen Button erwischt. Irgendwie hat man bei jedem Quicktime-Event ohnehin das Gefühl, als würde irgendwo im Hinterkopf ein kleiner Kratos den Spieler hysterisch auslachen.
Test: Ninja Gaiden 3Natürlich gibt es auch keine Orbs mehr einzusammeln, denn aufrüstbare Fähigkeiten oder gar ein Inventar gibt es nun ja auch nicht mehr. Wir wollen das Spiel ja mal nicht unnötig komplizieren, wird man sich bei Team Ninja gedacht haben. Der Spieler hatte schließlich schon genug Mühe, die Packung zu öffnen oder das Geld zu verdienen, um sich dieses Spiel zu kaufen. Neben den beiden Angriffsarten gibt es lediglich noch einen magischen Super-Duper-Zerstörungs-Angriff, der einen großen Drachen herbei ruft, der alles platt macht, was in der Umgebung zum falschen Moment atmet. So richtig brauchen tut man diesen geflügelten Napalmangriff zwar nicht, aber schick sieht es schon aus. Beim ersten Mal. Und da wir gerade vom ersten Mal sprechen: Natürlich liegt auch Ninja Gaiden 3 ein Online-Pass bei, der den obligatorischen Multiplayer-Modus freischaltet. Hier kann man auch gerne mal reinschnuppern, da zumindest der Mehrspieler-Ninja aufgerüstet werden kann und einige der Sechs-Spieler Deathmatch-Karten auch durchaus kurze Zeit Spaß machen können. Leider hat man das Verstecken-Anschleichen-Töten beim Mehrspieler-Modus von Assassins Creed Brotherhood alles schon in weitaus besser gesehen. Da hilft auch der Zwei-Spieler Coop-Horde-Modus-Klon nicht, der genau die Art von Gameplay bietet, der man schon seit 2 Jahren überdrüssig geworden ist.
Kann es wirklich so gewesen sein, dass Tomonobu Itagaki bei seinem Abschied von Team Ninja auch gleich noch die Eier des gesamten Teams mitgenommen hat? Und wenn ja, wo hat er sie versteckt? Anders ist die gnadenlose Kastrierung des einstigen Hardcore-Titels Ninja Gaiden nicht zu verstehen. Mit Teil 3 erwarten den Spieler ein zwar hübsch anzusehendes, aber nahezu selbstablaufendes Spiel, das weniger Anspruch an die sensorischen Fähigkeiten des Spielers stellt als eine gepflegte Runde Uno Rush. So bekommen zwar auch ungeübte Spieler das hoffentlich einmalige Erfolgserlebnis, ein Ninja Gaiden durchgespielt zu haben, müssen dafür aber eine pseudo-tiefe Moral-Lektion ertragen, die auf dem Niveau von "Schöner töten mit dem kleinen Arschloch" über die Konsequnzen des harten Ninja-Lebens sinniert. Wer ein weiteres Beispiel dafür braucht, dass japanische Spieleentwickler zur Zeit in einer ernsten Kriese stecken, braucht nicht mehr weiter zu suchen.

Kommentare

Mastersheep
  

Weichgespülte Games für ne Weichgespülte Gesellschaft...

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cody
  

Ich denke, dass Ninja Gaiden 3 wieder Mal perfekt zeigt, was passiert, wenn sich japanische Entwickler versuchen am Westen anzubiedern. Mit der Vereinfachung und dem optionalen Hero-Mode denken sie sich, dass sie ein größeres Zielpublikum erreichen. Doch diejenigen, die sie dazugewinnen wollen nehmen von Ninja Gaiden 3 überhaupt keine Notiz, weil sie die Serie zuvor noch nie interessiert, eher abgeschreckt hat. Stattdessen verkleinert man die Gemeinde indem man nämlich die Fans verschreckt, die einfach nur ein neues Ninja Gaiden haben wollten, wie sie es zuvor kannten. Allerdings bekommen sie eine verweichlichte Geschichte mit grausam, einfachen Gameplay vorgesetzt. Diese Mogelpackung werden die Meisten hoffentlich durchschauen.

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Zed01
  

Danke für die ausführliche Antwort. Ich bin überzeugt.

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Bhomas Tischler
  

Von der Demo hab ich noch nix gesehen, ich glaub die gibts nur auf dem Japanischen Markt, der Umfang ist wirklich gelungen, schwer ist wirklich SCHWER, ja Waffenauswahl mhhhhhh es gibt wirklich nur das Katana, (mit absicht genannt weil das Spoilern könnte was mit dem legendären Drachenschwert passiert) aber ich war eh immer der typ der mit dem Katan am besten umgehen kann. Hätte der Lasche-Vogt mal auf Select gedrückt hätte er wohl gemerkt das viel mehr als nur Button Smashing hinter Ninja Gaiden steckt. Habs jetzt durch und finde es extrem geil. Für Einsteiger ist der Normal Modus super, für NG Profis gibts auch wieder viel zu tun, Bosskämpfe und harte Zwischengegner gibts genug, also auch für Fans (auch wenn viel verändert wurde) immer noch eines der besten Hack n Slays auf dem Markt dezeit. Ich glaub ja das der Lasche-Vogt das ding nichtmal durchgezockt hat. Ganz ehrlich, gerade am Ende kommt das Ninja Gaiden Feeling wieder voll zurück
Ich finds Geil und ich bin Ninja Gaiden Fan, ich hab den ersten auch auf Sehr Schwer durchgezockt und kann mir selbst auf die schulter klopfen

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Zed01
  

@Bhomas Tischler
Cool, genau auf so einen Kommentar habe ich gehofft. Kannst du noch was zum Umfang sagen und wie sieht es mit der spielerischen Abwechslung aus, wenn man nur eine Nahkampfwaffe hat? Wie gefällt dir die DoA5 Demo?

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Bhomas Tischler
  

Ich habs jetzt fast schon durch, aber ne 5/10 ist schon etwas tief gegriffen, klar ist es kein Ninja Gaiden 1 und 2 geworden, aber es macht immer noch extrem viel Spaß, wenn man Hack ´n Slays mag, Und der Schwere Schwierigkeitsgrad ist auf ''SCHWER'' wirklich ''SCHWER''. Wers Combolastig mag kann es auch spielen wie die Vorgänger, aber es stimmt schon das Buttonsmashing reicht, aber auch nur im Normalen Schwierigkeitsgrad.
Es ist zwar kein ultimativer 3ter Teil geworden, aber ein Totalausfall ist es keineswegs. Spielt sich schnell und flüssig und so muss das sein.
Ich würde ne 7 oder vielleicht sogar ne 8 geben.

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Mango
  

Ich finde den Test sehr gut! Toll geschrieben und vor allem witzig.
Wenn das Spiel schlecht ist, sollte wenigstens der Test einen wieder zum Lachen bringen! :)
Übrigens hatte ich von Anfang an keine Hoffnung und keine Interesse mehr für Ninja Gaiden, als Itagaki das Studio verlassen hatte. Genauso geht es mir mit DoA5...
Und warum? Weil Itagaki gleich das ganze Team mitgenommen hat...all die Leute, die NG1-2 und DoA so genial gemacht haben, sind jetzt weg. Warum sollte jetzt die Qualität erhalten bleiben!? Siehe Rare! Da liefen auch alle weg und nun haben wir Avatare und Kinect Spiele...
Nicht der Name des Studios oder der Spielemarke, sondern das Personal sind wichtig!! Natürlich läuft jeder den Spieletiteln hinterher, deshalb gibt es ja auch Fortsetzungen, auch wenn sie oft gar nichts mehr mit der Serie gemeinsam haben.

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BLaZin
  

So ein Test war ja schon absehbar (Podcast). Da hat der Herr ALV wohl keinen richtigen Bock auf den Test gehabt und die Serie scheint ihn auch nicht zu interessieren. Wieso wird eigentlich der Schwierigkeitsrad so in den Focus gerückt. Zumal nur der normale Modus getestet wurde. Das Aushängeschild war schon immer der Master Ninja Schwierigkeitsgrad. Ninja Gaiden 1 und 2, sowie die diversen Ableger, waren im normalen Modus nie wirklich eine Herausforderung.
Auch werden mal wieder Kritikpunkte genannt die so keine sind. Was soll der Vergleich mit dem Horde-Modus schon wieder? Die Trials gab es auch schon in den Vorgängern und das war lange vor GoW.
Was ist eigentlich genau mit "Sechs-Spieler Deathmatch-Karten" gemeint? 3vs3 oder 6 Karten? Übrigens beides falsch. Ein Blick auf die Spielehülle reicht schon aus um das mitzubekommen.
Auch der Vergleich mit AC ist doch sehr weit hergeholt. Das ganze ist viel dynamischer (oft ein großes Chaos) und verstecken tut sich da auch keiner.
NG 3 ist in vielerlei Hinsicht nicht sonderlich gut und wohl ein Rückschritt gegenüber der Vorgänger, aber so einen Test hat es auch nicht verdient. Da liegt wohl noch jemanden das Ende von ME schwer im Magen ^^.

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Saibot
  

"Kann es wirklich so gewesen sein, dass Tomonobu Itagaki bei seinem Abschied von Team Ninja auch gleich noch die Eier des gesamten Teams mitgenommen hat?" Sch?n zu lesen, das ihr sie noch habt! Made my day ;)

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konsolenrocker
  

@bullseye:

Oh man was bist du f?r ein vogel?? Was denkst du womit sie sehr viel mehr Geld machen w?rden!!!

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