No More Heroes 2 – Desperate Struggle

Plattform: (Wii)
Release: 21. Mai 2010

User-Wertung:

No More Heroes 2: Desperate Struggle

Sie wollten nicht, dass wir No More Heroes 2 für euch testen. Doch das hat schon bei Split/Second nicht geklappt. Wenn kein Testmuster eintrudelt, gehen wir eben selbst in den Laden und geben echtes Geld aus. Da heißt es, Zeichen setzen! Das seid ihr uns einfach wert. Doch genug der Selbstbeweihräucherung. Travis Touchdown ist zurück und brennt sich mit dem, in jeder Hinsicht verbesserten Nachfolger des Wii-Kulthits endgültig ins das Gedächtnis der Videospielwelt, der die entfesselte Blutorgie gleichzeitig ihren Tribut zollt.

Schon zu Beginn von No More Heroes 2 diskuttieren Hobby-Killer Travis und sein feuchter Traum Silvia darüber, ob es die Spieler überhaupt interessiert, was im Vorgänger passiert ist. Zu diesem Zeitpunkt ist bereits der erste Kopf durch die Luft geflogen ... ohne dazugehörigen Körper und ihr gehört entweder zu der Sorte von Leuten, denen aufgrund der schwindelerregenden Kompromisslosigkeit des Spiels bereits ein lautes Lachen rausgerutscht ist oder denjenigen, die, ob der, mit geradezu herablassender Gleichgültigkeit zelebrierten Gewaltdarstellung die Blässe ins Gesicht fährt. Denn anders als der, trotz alledem schon äußerst harte erste Teil, erscheint das Sequel auch bei uns mit der Extraportion Vampir-Nahrung, die niemals subtiler als in meterhohen Fontänen durchs Bild sprudelt. Worum geht es also in Teil 2? Was bedingt diesmal das endlose Blutbad? Hm, prinzipiell das Selbe wie zuvor auch: Die Gewalt als Selbstzweck. Während Travis in No More Heroes aber einfach nur davon besessen war, die Nummer 1 unter den Assassinen zu werden, ist sein Motiv diesmal aber die klassische Rache. Sein bester Freund und Lieblingsvideothekar (!) Bishop wurde ermordet oder sagen wir lieber vernichtet. Zufälligerweise führt der Weg zu den Verantwortlichen direkt an die Spitze der Auftragsmörder-Elite und somit über einen Berg aus mindestens 50 Leichen plus Beilage.

Charts-Stürmer

Halt! Vollbremsung! 50 Tote? Hat sich Travis im Vorgänger unter eurer Wiimote-Führung nicht zum Killer-König geschnetzelt? Wie kommt es, dass er nun plötzlich auf Rang 51 rumgurkt? Nach seinem Rocky-mäßigen Aufstieg ist in Santa Destroy ein wahrer Boom im Tötungsgeschäft ausgebrochen, während unser nerdiger Beam-Katana-Künstler eine Auszeit genommen hat. Zurückgekommen erwartet ihn nun ein toter Freund, der Loser-Platz im Ranking und ... Schnee. Großartig Worte über die Handlung zu verlieren wäre Zeitverschwendung, denn was in Desperate Struggle abgeht spottet grundsätzlich jeder Beschreibung und klassisch ist an der Erzählung eigentlich gar nichts. Ohne Rücksicht auf Sehgewohnheiten, Moralvorstellungen und Gemütszustand des interaktiven Publikums, wie im Fast Forward-Tempo und mit einer unbeschwerten Selbstverstädnlichkeit mischt der Titel Comic-Gewalt mit provokanter Satire, philosophischen Refketionen, Slapstick, Fantasy- und Science-Fiction-Elementen, Momenten ernsthafter menschlicher Gefühle, Film-Noir-Anleihen und zahllosen Retro-Gaming-Reminiszenzen, gestrickt um einen Haufen durchgeknallter Charaktere, die von bizarr, über lächerlich, cool, ekelerregend, bis zu verstörend jedes Adjektiv zulassen, dabei aber jeder auf seine Art krank und stets auf die Spitze getrieben daherkommt. Allein Travis, der gewalt- und notgeile Fan schlechter Animes und des Mexican Wrestlings ist eigentlich vollkommen unsympathisch. Trotzdem muss man ihn lieben, weil er auch immer menschlich bleibt und sowohl Überheblichkeit, als auch Trauer, Zorn, Angst oder Skrupel zeigt und so einer der eigenwilligsten und grandiosesten Videospielhelden aller Zeiten ist.
No More Heroes 2: Desperate Struggle

Stil-Ikone

Zusammengehalten wird der wilde Mix von der ehrfurchterregenden Stilsicherheit der Designer. No More Heroes 2 übernimmt den ausgewaschenen, von scharfen Konturen durchzogenen, ich nenn' es mal Pre-Cel-Shading-Look des Vorgängers. Die Grafik ist insgesamt etwas reichhaltiger, weil schärfer und versierter in der Farbgebung und mit zunehmender Spieldauer wird das Spiel immer hübscher. Allerdings betreten auch diesmal vereinzelt Kantenflimmern und Ruckler die Szenerie und manchmal verschwimmen Details vor dem Hintergrund. Zwar kennt man einige der abgedrehten Ideen, etwa die "Speicher-Toilette", bereits aus No More Heroes. Dass die Künstler an irgendeiner Stelle die Ideen ausgegangen wären, kann man aber kaum behaupten. Völlig genial sind die, in originalgetreuer 8bit-Optik gehaltenen Minispiele. Hier wurde nicht mal ansatzweise der Versuch unternommen, sie im Zuge der Hardware-Möglichkeiten doch ein Stück aufwendiger zu gestalten. Ihr habt wahrlich das Gefühl ein altes NES-Spiel zu zocken. Doch egal ob auf einmal riesige Kampfroboter in der Stadt wüten, Travis sich in einen Tiger verwandelt, Grafikfilter das Gemetzel in Pixelpracht "erstrahlen" lassen oder knackscharfe Zeichentrick-Sequenzen über den Screen laufen, man hat nie den Eindruck, man wäre Teil eines inkonsistenten Stückwerks. No More Heroes 2 schafft es den Spieler gleichzeitig in seine Welt zu ziehen, sie aber dennoch latent aufzubrechen und es von außen betrachten zu lassen, was es inhaltlich zu einem der interessantesten und wegweisendsten Titel der letzten Jahre macht. Mir kommen Assoziationen zu Fight Club oder Funny Games in den Kopf, villeicht sogar zum Theater. Das galt aber auch schon für den ersten Teil, den Nicht-Kenner in diesem Zusammenhang unbedingt noch nachholen sollten. Ebenfalls schon vorher geil: Der rasante Soundtrack, der munter durch alle Genres springt und die, mit Hingabe und dem entsprechenden Verständnis für das entfesselte Szenario dargebrachte Synchronisation. Äußerst fein gewählte Effekte sorgen zudem dafür, dass Lichtsäbe ... ich meine Beam Katanas glaubwürdig summen, Blut wie Regen auf den Boden prasselt, Möbel sich krachend in ihre Bauelemente zurückverwandeln und es in den Fights allgemein niemals leise wird.
No More Heroes 2: Desperate Struggle

Arbeitstier

Tja, das war das Fazit! Hähä. Ich hab' mich mal wieder hinreißen lassen. Doch auch wenn Stil und Handlung alles überstrahlen, Desperate Struggle ist kein Spiel, dem es an Substanz mangelt. Die Essenz lautet freilich Abschlachten, als gelte es die Überbevölkerung mit harter Hand zurückzufahren. Statt langewierig zu euren nächsten Mordauftrag zu heizen, wählt ihr sämtliche Locations nun bequem auf einer Übersichtskarte an und werdet sofort dort abgesetzt. Zwar wird somit ein wenig das Gefühl genommen in einer zusammenhängenden Welt unterwegs zu sein, die man vorher noch frei erkunden konnte, andererseits aber auch gleich einer der größten Kritikpunkte des Vorgängers von der Mängelliste gestrichen. Im menschenfeindlichen Santa Destroy gab' es nämlich ohnehin nicht viel zu tun - Tempo + 1. Das Killer-Handwerk ist inzwischen auch günstiger geworden, denn die üblichen Startgebühren für Ranglistenkämpfe entfallen diesmal, was euch ewiges Kohlescheffeln mit Nebenaufträgen und Mini-Jobs erspart. Wer will, kann sich von einer Story-Mission zur nächsten metzeln - Tempo + 2. Die meist abseitigen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen kehren mit dem bereits angesprochenen Gruß aus der Videospielsteinzeit zurück und sind ebenso abwechslungsreich wie schwierig, was sie eigentlich nur noch authentischer macht. Ihr dürft zum Beispiel in Jump'n run-Manier Kokosnüsse sammeln, Rohre verlegen á la Pipemania, per Jetpack Müll im All (!) einsammeln, aus der Vogelperspektive Käfer wegsaugen oder vorgegebene Tetris-Steine so anordnen, dass sie lückenlos ein Rechteck füllen. Die Games machen Laune und sind weitaus weniger zeitraubend als früher (Tempo + 3), sofern ihr sie denn meistert. Hin und wieder kommt Frust auf, wenn ihr nur fix das Geld für ein neues Schwert zusammenklauben wollt, aber an den Aufgaben verzweifelt. Zum Glück gibt's genug Auswahl. Den schwer verdienten Zaster könnt ihr dann nach eigenem Empfinden komplett für neue Klamotten ausgeben, in weitere Beam Katanas investieren oder im Fitnessstudio lassen, um eure Stärke und Ausdauer zu pushen, was abermals in witzigen Retro-Spielchen abläuft. Wer keinen Bock auf Stress hat hilft Travis' fetter Katze Jeane mit Sprung- und Stretchübungen oder Massagen beim abnehmen oder vergnügt sich mit dem Bizarr Jelly-Shoot'em up (der Name ist wirklich Programm) auf seiner Glotze. Es gibt also genug zu tun. Pausen oder Leerlauf findet ihr bei No More Heroes 2 nicht.

Massenmörder

Wenn es schließlich ans Eingemachte geht, verteilt ihr ganz Buttonmasher-Style Schwerthiebe und Fußtritte bis die Daumen bluten. Wrestling-Moves, Finisher, Aufladen oder Clinches handelt ihr wieder durch Bewegungen mit der Wiimote ab, die diesmal weitaus gnädiger reagieren, aber immer noch ein befriedigendes Gefühl hinterlassen, wenn ihr etwa einen Gegner mit einem beherzten Streich halbiert. Auch der "einarmige Bandit" kehrt zurück. Erhaltet ihr nach gelungenen Finishern drei gleiche Symbole fegt Travis mit einem Rundumschlag den Bildschirm frei, schaltet den Prügel-Turbo ein oder verwandelt sich in einen "Mit einem Biss ist alles weg"-Tiger. Die Steuerung bleibt die selbe wie im Vorgänger. Neu hinzugekommen ist die Möglichkeit das Spiel auch komplett mit dem Classic-Controller zu bestreiten. Hier entfallen zwar leider die coolen Motion-Elemente, durch die höhere Button-Anzahl und den zwei Analogsticks gehen die Kämpfe und speziell die wichtige Ausweichrolle aber einen Tick intuitiver von der Hand. So erhält man bereits einen Eindruck davon, wie sich die Umsetzung des ersten Teils auf PS3 und Xbox 360 spielen dürfte, sofern sie es denn jemals zu uns schafft. Letztlich sind aber beide Methoden fast perfekt. Ebenfalls genauso wie im Vorgänger und leider gar nicht perfekt ist die tollwütige Kameraführung. Der Bildschirmausschnitt ist allgemein etwas zu klein und die virtuelle Linse setzt sich nur widerwillig in Travis' Rücken, wo sie am besten aufgehoben wäre. Da heißt es regelmäßig nachjustieren. Dennoch werdet ihr Momente erleben, in denen ihr euch darauf besinnen müsst, was euer Meister euch über das Kämpfen mit verbunden Augen gelehrt hat. Auch wenn das Kampfsystem übersichtlich gehalten ist und zum Freidrehen einlädt, immer neu hinzukommende Gegnertypen sorgen dafür, dass ihr später doch lieber erstmal euren Kopf aus der Waschmaschine nehmt und mal für eine halbe Sekunde über Ausweichen, taktischen Rückzug und die Wahl der richtigen Waffe sinniert. Langsame, heftige, aber mit hoher Reichweite gesegnete Klingen können im Zweifelsfall schon den Unterschied beim Tranchieren massiver Kettensägenschwinger machen, im Vergleich zum flinken Doppel-Katana, das wiederum bei blitzschnellen Messerkämpfern die bessere Lösung sein dürfte. Gameplay-Ausfälle wie Schleichpassagen und Motorrad-Touren oder temporärer Charakterwechsel sorgen für die nötige Vielfalt. Highlights sind aber auch diesmal die Bosskämpfe. Mit der protzig klingenden Anzahl von 50 Ranglisten-Plätzen werdet ihr aber etwas hinter's Licht geführt. Der, mit dem Ego einer Atombombe gesegnete Football-Playboy wird beispielsweise von einer ganzen Armee heißer Cheerleader-Groupies umringt, die ihr gleich mit ins Jenseits pustet und somit mal ganz geschwind von Platz 50 auf der Nummer 25 landet. Dennoch gibt es mehr Duelle als noch im Vorgänger, was sich mitunter auf deren Qualität auswirkt. Sind die Kontrahenten durchgehend wieder mal an überirdischer Irrsinnigkeit nicht zu übertreffen und warten stets mit anderen Eigenarten und Techniken auf, die es zu durchschauen gilt, so sind doch besonders am Anfang einige Auseinandersetzungen recht seicht und selbst gedankenloses Draufschlagen führt hier mal zum Sieg. Später finden die Fights aber wieder zur gewohnten, schweißtreibenden Dramatik zurück. Originell und unterhaltsam sind sie sowieso immer.
No More Heroes 2: Desperate Struggle

More No More Heroes, please!

Kommentare

paulfect
  

That game is legen ...wait for it ... dary. Guter Test.

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Jetzt weiss ich auch wieso du dich hier rumtreibst, um den M?ll zu sagen, den kein Mensch mit einer gesunden Gehirnzelle sagen w?rde, weil sie sogar ihm zu peinlich w?ren. Way to go!

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Freestyle27
  

Es hat mich erleuchtet!
Jetzt wei? ich wof?r die Wii gemacht wurde!
Nat?rlich um PS2 Spiele die keiner haben wollte zu verkaufen... :D
Eindeutig M?ll und w?rde wohl keiner auf ner PS oder Xbox zocken....

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Johannes Krohn
  

[Lex] DirtyP2002: Ganz genau, wie schon bei den Tests zu Metal Gear Solid: Peace Walker, Monster Hunter Tri, Prince of Persia, Kampf der Tinanen, Mod Nation Racers oder Red Steel 2. H?tt' mich aber auch gewundert, wenn du nicht wieder rumgemeckert h?ttest. Was ist eigentlich los mit dir? ?rgerst du dich ?ber gute Spiele oder was versuchst du uns damit zu sagen? Naja, ich nutze die M?glichkeit und verweise mal wieder freundlichst auf Daniels treffende Kolumne "Wertungen sind kein Wunschkonzert, lieber Leser.". Gut geschrieben und extra f?r Leute wie dich, lieber Leser.

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Athavariel
  

2010 wird das Jahr von Nintendo oder das Imperium schl?gt zur?ck! :-)

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Cuberde
  

zaziki78:
"Geht ja nicht um reines HD, sondern um die dahinter stehende Hardware zB der Xbox 360 und Ps3." H?h? Sorry, der Satz ergibt f?r mich keinen Sinn. ?_?

@NMH(2)
Fand den ersten Teil abseits der K?mpfe ziemlich lasch. Wollte dem zweiten Teil eigentlich nicht weiter beachten, aber wenn da wirklich die Markel beseitigt wurden, sollte man sich den vielleicht doch mal genauer ansehen.

*seufz* Als ob die Wishlist nicht schon lang genug w?r... damn you, AreaGames!

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[LeX] DirtyP2002
  

WAS?! Johannes testet und es gibt ne 9/10???? Surprise Surprise.

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zaziki78
  

Geht ja nicht um reines HD, sondern um die dahinter stehende Hardware zB der Xbox 360 und Ps3.

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Rammtier
  

Genau das ist auch meine Meinung zu HD! HD ?ndert nichts an der Story und die find ich pers?nlich wichtig bei Spielen.

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Ich habe nicht geschrieben, dass du auf HD verzichten sollst, es hat f?r das Spiel nur keinerlei bedeutung, das Spiel bleibt dasselbe ob in HD oder ohne, genauso bei Filmen. Obwohl ich in meinem Leben sehr viele Filme gesehen habe und mitlerweile eine Solide Blu-Ray Sammlung habe, denke ich nicht, dass sich an Film durch die h?here Ausfl?sung etwas ?ndert, es ist sch?n h?here Bildqualit?t zu haben, aber nicht zwingend notwendig, und f?r die Inhaltliche Qualit?t des jeweiligen Mediums vollkommen unerheblich.

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