Divinity 2: Ego Draconis

Die Entwickler vom belgischen Studio Larian haben die Zeichen der Zeit erkannt: Ein Hack n' Slay aus der isometrischen Perspektive dürfte seit der Ankündigung von Diablo III keine Chance auf einen Markt haben, auf dem seit 10 Jahren die unterschiedlichsten Titel vergeblich um die Krone der Königsdisziplin auf dem PC ringen. Daher entschied man sich, den Nachfolger von Divine Divinity, Divinity 2: Ego Draconis in eine Gothic-Perspektive zu verfrachten, übernahm dabei noch ein paar Gameplay-Elemente des „Piranha Byte“-Spiels und mixt es mit ein wenig Overlord und Lair. Wir verraten euch in unserer Vorschau, ob Dtp mit diesem Rollenspiel für PC und Xbox 360 ein drachenfeuerheißes Eisen im Spielefeuer hat.


Herrschaft der Missverständnisse

Um gleich zu beweisen, dass Divinity 2 kein Titel ist, der sich hinter Genre-Kollegen verstecken muss, wurde er uns auf einem 32''-Flachbildschirm präsentiert. Die verbesserte Gamebryo-Engine, die auch Oblivion seinen Charme verlieh, kommt hier zum Einsatz und zeigt, dass sie nicht mehr ganz zu den besten Techniken gehört - gegen ein Fallout 3 zieht Divinity 2 definitiv den Kürzeren. Das interessiert uns aber nicht, wir wollen wissen, wie sich das Rollenspiel in der neuen Perspektive aber mit alten Bekannten wie Bösewicht Damian spielt. Die Handlung ist schnell erklärt: In Rivellon herrscht aufgrund eines Missverständnisses Krieg zwischen den Drachen und Menschen. Der läuft aber anders ab als in "Herrschaft des Feuers", da den Schuppentieren irgendwie die Eier fehlen und sich vom Orden der Drachentöter mächtig abschlachten lassen. Zu diesem Orden gehört auch der Spieler, der sich seinen virtuellen Charakter in einem mäßig umfangreichen Editor zusammen basteln kann und kurz davor ist, als vollwertiges Mitglied aufgenommen zu werden. Natürlich muss er dazu eine Reihe von Prüfungen absolvieren, die gleichzeitig auch als Tutorial dienen, sprich den Spieler in die Gameplaymechanik einführen. In dem lieblichen Dörfchen Broken Valley beginnt man seine Ausbildung und kann sich hier schon für die Richtung seines Charakters entscheiden, dabei haben wir die typischen Klassen Magier, Bogenschütze und Mr. Haudrauf. Die Charakterentwicklung läuft dabei in fließenden Übergangen ab. Man braucht sich also nicht gänzlich für einen Weg entscheiden, sondern kann auch Hybrid-Klassen erstellen, die von allem ein wenig können. Seien wir aber mal ehrlich, in jedem Rollenspiel hat es sich immer bezahlt gemacht, dass man sich spezialisiert hat und das wird in Divinty 2 nicht anders sein. Wir lassen es trotzdem mal als "Feature" stehen.
Divinity 2: Ego Draconis

Es ist gut, böse zu sein!

Bevor es überhaupt "richtig" zur Sache geht, gilt es erst einmal triviale Quests zu erfüllen, die trotzdem recht dramatisch enden können, je nachdem wie sich der Spieler entscheidet. Hier ein Beispiel: Wir treffen auf einem Bauernhof ein Ehepaar, das seit Jahren mehr oder weniger glücklich miteinander verheiratet ist. Die Dame bittet uns, dem örtlichen Schmied einen Brief zu übermitteln, der klar eine Liebesbotschaft enthält. Jetzt haben wir die Wahl: Öffnen wir den Brief und geben ihn an den Schmied weiter, der das gebrochene Siegel natürlich sehen wird. Stellen wir die treulose Tomate sofort zur Rede, oder erzählen wir es gar ihren Mann, der noch ein weitaus finsteres Geheimnis verbirgt (die berühmte Leiche im Keller). Je nachdem wie wir uns entscheiden, dankt uns der Schmied mit besseren Preisen oder aber handelt nicht mehr mit dem Spieler. Der Betrogene schenkt uns nach dem Geständnis einen Ring, der ursprünglich für die Herzallerliebste bestimmt war und der sich prima verkaufen lässt. Die unterschiedlichen Ausgangsmöglichkeiten haben uns ziemlich beeindruckt, da sie nicht künstlich wirken und uns öfter mal den Spielstand haben laden lassen, nur um herauszufinden, was SONST passiert wäre. Leider passiert es aber auch, dass bestimmte Quests eine völlig unverhältnismäßige Belohnung abwerfen. Im "Turm der Moral" gilt es auf mehren Ebenen moralische Entscheidungen zu treffen. Helfe ich dem sterbenden Vater, der seinen Sohn nur noch einmal sehen möchte, indem ich ihn wertvolle Attributpunkte gebe. Altruistisch, wie AreaGames-Redakteure nun mal sind, haben wir auf dem Weg zur Spitze mächtig Erfahrungs- und Attributpunkte verschenkt, nur um auf der Spitze mit einer besseren Waffe belohnt zu werden und es war definitiv nicht die "Ultimative". Hätte ich das vorher gewusst, hätte der sterbende Vater seinen Sohn mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr gesehen. Schade, dass sich der bedingungslose Pfad der Tugend nicht ausgezahlt hat. Hier sollten die Entwickler noch mal an der Designschraube drehen, da 99 Prozent aller Spieler nach diesem Ergebnis einen alten Spielstand laden werden, um zwangsläufig, aber ungewollt "böse" zu sein. Das KANN nicht gewollt sein.
Divinity 2: Ego Draconis

Was Frauen wollen

Widmen wir uns einem weiteren Quest, das eindrucksvoll die Wichtigkeit eines weiteren Features in Divinity 2 demonstrieren soll: die Fähigkeit Gedanken zu lesen. Was wollen die Frauen, das haben wir uns doch alle schon mal gefragt (Die Antwort ist so simpel ...) und hier darf man es endlich erfahren, denn unser Held darf gegen einen Obolus von Erfahrungspunkten im Hirn der NPCs wühlen. Nicht etwa, weil er wissen will, ob sie sich nach dem Geschäft die Hände gewaschen haben, sondern um sich einen Vorteil zu verschaffen. So finden wir nach dem Anwenden der Fähigkeit heraus, dass Goblin-Herzen eigentlich viel wertvoller sind, als es uns ein Auftraggeber, der ein paar von den Pumpen haben möchte, weiß machen will. Mit diesem Wissen behaftet können wir unsere Forderung bezüglich der Herzen deutlich erhöhen. Die Anwendung kostet mal mehr, mal weniger Erfahrungspunkte und hängt von der Wichtigkeit des Gegenübers ab. Keine Angst, ist man gerade im Level aufgestiegen und hat keine EXP, gewährt einem Divinity 2 einen Kredit (wenn das im wirklichen Leben auch so einfach wäre), der später ausgeglichen werden muss. Das Gedankenlesen hat jedoch nicht immer zur jeweiligen Situation gepasst. Als wir einen Bauern verraten haben, dass wir wissen, dass er einen Menschen umgebracht hat, denkt der nicht etwa "Sch*** jetzt bin ich im A****", sondern "Heute ist ein guter Tag für eine Ernte." Aber gut, es wäre wohl auch zuviel verlangt gewesen, wenn die Entwickler jedes mögliche Szenario berücksichtigen müssten. Außerdem hat man auf diese Art immer etwas zu lachen.
Divinity 2: Ego Draconis

Der Feind in meinem Körper

Das "Beste" und aus unserer Sicht gewagteste Spielelement haben wir uns natürlich für den Schluss aufgehoben. Nach ca. drei Stunden Spieldauer ist Prüfung zum Drachentöter beinahe beendet, da begegnet unser Held dem letzten Drachenritter. Dieser Orden beschützt die Schuppenwesen und versucht wieder Frieden zwischen Mensch und Kaltblüter mit heißem Atem zu schließen. Ein Umstand, den Bösewicht Damian natürlich nicht gerne sieht. Der Drachenritter überträgt mit seinem letzten Atem dem Spieler seine Fähigkeiten. Das ist nicht etwa das besonders schnelle Abwaschen von eingetrockneten Milchresten in Müslischalen (einfach widerlich), sondern die Möglichkeit sich auf Knopfdruck und bei genügend Platz in einen waschechten Drachen zu verwandeln - damit dürfte der Untertitel von Divinity 2: Ego Draconis erklärt sein. Mit diesem "Feature" ist man bei den Kollegen Drachentöter natürlich nicht gerne gesehen und muss sich fortan eine andere Karriere suchen (Wie wäre es mit "Rivellon sucht den Drachenstar"?) In Drachengestalt kann unser Held durch die Gegend fliegen und Areale erreichen, die ihm sonst verwehrt blieben. Das klingt auf dem Papier verdammt cool und sieht auch so aus, nur wirkt das Ganze ein wenig befremdlich und passt nicht so richtig in das stimmige Gothic-Gameplay hinein. Plötzlich gilt es Luftkämpfe mit anderen Flugviechern zu absolvieren, Gebäude mit dem Atem zu zerstören und Geschützen auszuweichen. Zudem gibt es überall Drachenschutzschilder, die uns von einem weiteren Vordringen abhalten. Also muss man wieder in die menschliche Gestalt wechseln, um die Schilder in einer Bodenmission zu zerstören. Befremdlich: Wechselt man in die Menschengestalt, sind alle Flugviecher und Abwehrkanonen wie vom Erdboden verschwunden. Wir hoffen, dass die Entwickler das ganze Drachendingsbums noch ein wenig homogener in die Spielwelt von Divinity 2 einbauen, dann kann es durchaus Spaß machen. Vielleicht haben wir auch einfach zu wenig Drachen-Action gesehen, um uns ein genaues Bild machen zu können. Ein bald folgender Test wird das natürlich genauer und kritisch beleuchten.
Divinity 2: Ego Draconis

Kommentare

ToXsic WaRgoD
  

@ Elfenlied: Das Game verzichtet auf Klassen!

Die Idee mit dem Kreaturen "bauen" find ich geil. Auch das mit den Dienern die auf die Suche nach Rohstoffen gehen ist cool.

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chiefrebelangel
  

vllt k?nnen sich andere f?r ihre pr?sentationen nur 24" leisten

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Elfenlied
  

Wow ein 32" LCD ! na da habens aber keine Kosten und M?hen gescheut was ?

Auf das Spiel selbst freu ich mich sehr die richtigen zutaten f?r ein gutes Spiel sind schon mal vorhanden und damit meine ich nicht die technik sondern: Mittelaltersetting, Drachen, verschiedene Klassen.
Einzig eine Party w?re w?nschenwert.

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Athavariel
  

Ich find die Entscheidung sehr gut! Denn Iso-Perspektive ist IMO die Schlechteste.

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Spratz
  

Fand Divine Divinity auch sehr genial...
Hoffe, dass das Spiel auch sehr gut wird.
gegegn gute Rollenspiele hab ich nie was einzuwenden :)

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Vinci
  

Die Zeichen der Zeit?
Divine Divinity war wortw?rtlich g?ttlich...
Ich vermisse die guten alten isometrischen Titel :(

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L1ghT
  

naja ich freue mich drauf, hoffe dass es gut wird k?nnte mal wieder ein gutes rollenspiel vertrasgen=)

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