Pro Evolution Soccer 2010

Plattform: (PC, PS2, PSP, Wii, Wii U, XBox 360)
Release: 15. September 2009

User-Wertung:

Wii-Testrunde: PES, Winter Sports, Marvel

In der heutigen Wii-Testrunde steht vor allem der Sport im Mittelpunkt, denn mit Pro Evolution Soccer 2010 und Winter Sports 2010 gehören gleich zwei der insgesamt drei Titel dieser Gattung an. Wobei nur einer davon wirklich gelungen ist... Dafür kämpfen die Marvel-Helden für bessere Videospiele! Oder sind sie etwa selbst das Problem?


Pro Evolution Soccer 2010

Mein persönlicher Sieger im diesjährigen Duell EA gegen Konami steht fest. Auch wenn es mir als alter PES-Junkie noch immer weh tut, muss ich zugeben, dass für mich FIFA 10 das klar bessere Spiel ist. Die Partien sind flüssiger, ereignisreicher und aufregender. Die Konkurrenz mag in taktischer Varianz die Nase vorn haben, spielt sich aber spürbar biederer. Bei der Wii-Version werden die Karten allerdings wieder neu gemischt, denn diese steht aufgrund ihrer speziellen Eigenschaften für sich und gab in den vergangenen Jahren keine schlechte Figur ab. Ex-Kollege Kaphahn war (für seine Verhältnisse) sogar richtig euphorisch, als er über den Vorgänger seinerzeit schrieb: "Ich bin froh über Pro Evolution Soccer 2009 für die Wii - ganz ehrlich. Denn es erweitert einfach meinen Fußball-Horizont, der mittlerweile durch die immer gleichen Spielzüge und das Knöpfedrücken zum richtigen Zeitpunkt ziemlich nah heran gerückt ist." Dem kann ich nur bedingt zustimmen, denn zum einen ist z.B. FIFA richtig gespielt mehr als nur Knöpfedrücken zum richtigen Zeitpunkt, und zum anderen ist die besondere Wii-Steuerung von PES 2010 für mich mehr ein spaßiges Gimmick, denn eine langfristige Alternative. Dabei ist die Idee dahinter sehr clever.
Anstatt auf den Eigensinn der Mitspieler zu vertrauen, lassen sich die Laufwege auf der Nintendo-Konsole präzise per Wiimote vorgeben. Pässe in den freien Raum und ultra-elegante Zuspiele sind damit um einiges einfacher, als in den anderen Versionen. Mit ein wenig Übung (und das ist hier mehr als nur die übliche Floskel) zaubert ihr Ballstafetten auf den Rasen, die selbst der FC Barcelona an einem guten Tag kaum hinbekommen würde. In dieser Beziehung glänzt Pro Evolution Soccer auf der Wii. Doch genau das Maß an Kontrolle, über das man beim Passspiel verfügt, vermisse ich bei der restlichen Steuerung. Torschüsse und Abwehraktionen durch Nunchuk-Wackeln und automatisch ablaufende Zweikämpfe sind dann eben doch eher eine Verlegenheitslösung, mit der Fußball-Veteranen auf Dauer nicht zufrieden sein können. Weitere Symptome der Steuerung sind oft aufkommende Hektik (gerade in Strafraumsituationen) und ungewollte Dribblings über die Seitenlinie oder in flinke Gegnerbeine, weil man mit der Bewegung des anzuspielenden Teamkameraden zu beschäftigt war, um auf den ballführenden Spieler zu achten. Ganz abgesehen davon, dass Gelegenheitsspieler schnell überfordert sein könnten und sich auf's wilde Button-Malträtieren beschränken. Kein Wunder, schließlich nimmt die Erläuterung der zahlreichen Kontroll-Finessen satte 22 Seiten im Booklet ein. Das Spiel unterstützt allerdings auch die klassische Kontrollvariante per Pad, bzw. beim kooperativen Spielen eine Mischung aus beiden Formen. Für Fans des Rasenkicks, die nur eine Wii daheim stehen haben, ist und bleibt PES damit eine lohnenswerte Anschaffung, mit der jeder Spielertyp glücklich werden kann.
Geblieben ist allerdings auch auf der Wii das altbekannte Lizenz-Dilemma der Reihe. Nun tritt zwar u.a. die deutsche Nationalmannschaften mit ihrem richtigen Kader an, viele Klubteams laufen aber weiterhin mit Fantasienamen auf, die Bundesliga fehlt erneut komplett. Da wird auch aus der in diesem Jahr erstmals vorhandenen 'Champions League'-Lizenz ein schales Gebräu, denn während Teams wie Real Madrid oder der FC Liverpool in ganzer Pracht dabei sind, fehlen andere, eigentlich qualifizierte Teams. Aber PES-Fans kennen diese Situationen ja bereits aus den etlichen Vorgängern zu Genüge und nehmen das mittlerweile mit Humor. Schließlich gibt es ja den wie immer umfangreichen Editor, bei dem sich die gröbsten Versäumnisse beheben lassen. Es soll ja nicht wenige PES-Spieler geben, die in dessen Menüs ebenso viel Zeit verbringen, wie auf dem virtuellen Fußballplatz.
Wertung: 7 von 10
Wii-Testrunde: PES, Winter Sports, Marvel

RTL Winter Sports 2010

Wir bleiben sportlich, begeben uns jetzt allerdings auf Schnee und Eis. Demnächst finden ja die Olympischen Winterspiele im kanadischen Vancouver statt, und da zu solchen Großereignissen bekanntlich auch Leute einschalten, die mit Biathlon und Bob sonst gar nichts am Hut haben, wäre es ja taktisch nicht unklug, wenn auch die diesjährige Wintersport-Ausgabe aus dem Hause RTL und 49Games das Zeug hätte, die Spieler verstärkt auf ihre Seite zu ziehen.
Hat sie aber nicht. Denn mit nur acht Disziplinen fällt das diesjährige Update nicht nur sehr mager aus, die Sportarten verfügen zudem auch über einen recht überschaubaren Spaßfaktor. Die ausführlichen Tutorial-Erläuterungen vor dem Start eines Wettkampfs können nicht darüber hinweg täuschen, dass ihr oft nicht mehr zu tun habt, als zu lenken und mit der störrischen Steuerung klar zu kommen, die eure Bewegungen manchmal gar nicht, manchmal viel zu spät registriert und mit unverständlichen Einblendungen verwirrt. Am besten funktioniert sie noch beim Eiskunstlauf, der auf der rhythmischen und korrekten Wiedergabe von Wiimote- bzw. Nunchuk-Kommandos basiert. Ebenfalls ganz akzeptabel sind das Skifliegen (auch wenn es hier reiner Zufall zu sein scheint, ob man den optimalen Absprungpunkt findet) und Biathlon ausgefallen. Letzteres gibt es allerdings auch als eigenständiges Spiel zu kaufen, das dem interessanten Sport eher gerecht wird und ihn deutlich umfangreicher präsentiert. Komplettiert werden die angebotenen Disziplinen mit Short Track (boring), Bob (extrem boring), Abfahrtslauf (ganz ok), sowie den sehr ähnlichen Ski Freestyle und Snowboard Cross.
Allen Sportarten gemein ist hingegen, dass sie sehr schnell ausgereizt sind. Ein Karriere-Modus ist ja an sich nichts schlechtes, bei Winter Sports 2010 leidet er aber darunter, dass ihr ständig dasselbe macht und irgendwann die Schneeblindheit erleidet. Auch die 44 Herausforderungen, bei denen ihr z.B. Goldmünzen aufsammelt und ähnliche Vorgaben erfüllt, langweilen schnell. Selbst mit mehreren Mitspielern hält sich die Motivation nicht besonders lange. Mehr Strecken, Bahnen und Schanzen hätten hier Abhilfe geschaffen, doch ist nicht nur hieran zu erkennen, dass es sich bei der Wintersport-Sammlung um ein ziemlich lieblos zusammengeschustertes Produkt handelt, das gar nicht erst versucht, so zu tun, als hätte es besondere Qualitäten, oder gar gegenüber dem Vorjahr zugelegt. Das Gegenteil ist der Fall. Weniger Sportarten, weniger Abwechslung, weniger Spaß. Und das im Olympia-Jahr. Auch die Grafik ist selbst für Wii-Verhältnisse allenfalls zweckmäßig und die Sprachausgabe nervt bereits nach drei Sekunden. Schwache Leistung, RTL.
Wertung: 4 von 10
Wii-Testrunde: PES, Winter Sports, Marvel

Marvel Super Hero Squad

Weg vom Sport, hin zu den Superhelden aus dem Hause Marvel. Leider richtet sich Super Hero Squad offensichtlich an ein jüngeres Publikum. Dafür spricht nicht nur die kindgerechte Präsentation, sondern vor allem das "niedliche” Erscheinungsbild von Iron Man, Thor, Hulk und Co.. Die eigentlich coolen und oft ambivalenten Helden sind im THQ-Spiel zu gedrungenen Kopffüßlern geworden, die sich durch spartanische Umgebungen kämpfen und immer gleiche Gegnerwellen zunichte machen. Die zugrunde liegende Story ist dabei ebenso irrelevant wie schnell erzählt: Dr. Doom will die Splitter des in Zillionen Teile zerbrochenen Unendlichkeitsschwerts aufsammeln und die Waffe neu zusammen setzen. Dies würde ihm unvorstellbare Macht verschaffen. Aber da gibt es ja noch das Super Hero Squad, das nichts lieber macht, als größenwahsinnigen Superschurken in die Suppe zu spucken. Nach einem Prolog, der bereits die Kernelemente der Kampagne umreißt (Prügeln, Prügeln und - tada!- Prügeln), habt ihr die Wahl zwischen verschiedenen Kapiteln, die je einem der Marvel-Gutmenschen gewidmet sind. Doch wie gesagt: Ziel und Spielablauf unterscheiden sich im Grunde kaum. Ständig auf die gleichen zwei Knöpfe einzuhämmern und sich über die schlechte Kameraführung und die grässlichen Kommentare von Teamleiterin Ms. Marvel zu ärgern, ist im Prinzip alles, was von euch verlangt wird. Immerhin kann jederzeit ein Freund in die "Action” miteinsteigen.
Marvel Super Hero Squad wäre damit ein Spiel, das am Wühltisch von Lidl am besten aufgehoben wäre, gäbe es da nicht den Kampf-Modus, der das Machwerk zumindest ein wenig vor dem Dasein als totales Debakel bewahrt. Um weitere Kämpfer für die Arena-Balgereien freizuschalten, müsst ihr allerdings zwangsläufig den Abenteuer-Modus zocken. Im Kampf-Modus funktioniert MSHS wie eine schlechte - aber kurzfristig ganz spaßige - Kopie des Dreamcast-Klassikers PowerStone. Bis zu vier Helden bzw. Schurken stehen sich in einer offenen Arena gegenüber. Mit ihren bescheidenen Aktionsmöglichkeiten prügeln die Comicfiguren nun solange aufeinander ein, bis entweder die Zeit abgelaufen ist, oder die Erste die vorgegebene Anzahl von Punkten (gibt es für Niederschläge oder Ring-Outs) erreicht hat. In Kisten und Fässern finden sich zudem Power-Ups, wie Lebensenergie oder ein Kraft-Boost.
Zumindest im Kampf-Modus macht Marvel Super Hero Squad für ein paar Runden Laune, auch wenn die heldeninternen Auseinandersetzungen oft unübersichtlich sind und das Move-Repertoire arg eingeschränkt ist. Dennoch reicht es nicht, um für das Spiel von Entwickler Blue Tongue auch nur den Ansatz einer Kaufempfehlung auszusprechen. Wenn ihr riesige Marvel-Fans seid und euch die infantile Aufmachung nichts ausmacht, dann leiht es euch vor mir aus für einen Abend aus, aber kauft es euch bloß nicht. Denn das haben selbst notorische Troublemaker wie Magneto oder Sabretooth nicht verdient.
Wertung: 4 von 10
Wii-Testrunde: PES, Winter Sports, Marvel

Kommentare

Johannes Krohn
  

@ Cuberde: Ja, das wurde absichtlich so f?r die Extra-Verwirrten gemacht, die das bald erscheinende Tatsunoko vs. Capcom, mit dem (nicht existenten) Marvel vs. Tatsunoko verwechseln! :P

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Drahcir1710
  

Das Cover von Marvel finde ich doof.

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Pousch
  

@Boron 78: Na toll, das hatte ich jetz schon fast verdr?ngt...

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Cuberde
  

Oh, und ich hatte nach lesen der Einleitung mit einer Kurzeinsch?tzung von Marvel vs. Tatsunoko gerechnet. Irref?hrend... *g*

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Boron 78
  

More Stig...
Sch?n, vor allem da diesen Sonntag kein Top Gear kommt...

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