Prototype 2

Plattform: (PC, PS3, XBox 360)
Release: 15. Dezember 2012

User-Wertung:

Test: Prototype 2

Mit Prototype 2 wird New York Zero abermals zum Mutanten-Spielplatz, denn schon 2009 tobte sich dort der Protagonist des ersten Teils Alex Mercer ordentlich aus. Für die USK war das allerdings eine Idee zu viel „Getobe“ und dem Titel blieb durch die fehlende Altersfreigabe ein Platz in den hiesigen Händlerregalen verwehrt. Mittlerweile ist Gore-Action massentauglich und so kommen diesmal auch deutsche Zocker ab 18 Jahren in das Vergnügen der virtuellen Zerstörungsorgien. Im Nachfolger von Radical Entertainment begibt man sich in die Rolle von James Heller, welcher Rache an Alex Mercer nehmen will, denn der ist für den Tod seiner Familie verantwortlich.

Allerdings scheitert Heller beim ersten Aufeinandertreffen mit dem allmächtigen Alex Mercer kläglich ... Statt dem endgültigen Todesstoß bekommt er das Blacklight-Virus injiziert, welches ihn quasi zu Mercers Mutanten-Sohn macht. Das Motiv: Heller soll auf seiner Seite kämpfen, da Mercer angeblich selbst Opfer einer Intrige ist. Ob das nun stimmt oder eine miese Lüge ist, wird sich in den nächsten zehn Stunden zeigen. Es gibt ein zackiges Hin und Her, bei dem man schnell die Übersicht verlieren kann, wer einem nun freundlich oder feindlich gesinnt ist. Wieviel Logik diese Wendungsspielchen und die Story dabei ergeben, sei einmal dahingestellt. Die Geschichte selbst wird mit schön anzusehenden Zwischenszenen vorangetrieben, die in Grautönen gehalten sind und mit roten Farbakzenten aufgewertet werden. Das erinnert an Sin City und macht einiges her. Auch wenn die Erzählung etwas Zeit braucht, um in Fahrt zu kommen, präsentiert sie sich durchaus kurzweilig. Solltet ihr Teil eins verpasst haben, kein Problem: Im Startmenü zeigt eine Zusammenfassung kurz die Geschehnisse des Vorgängers.
Und schon geht es hinein ins Vergnügen: Vor einem erstreckt sich der Wolkenkratzer-Dschungel, durch den man mit James Heller problemlos hindurch peitschen kann. Es ist eine Wohltat, wie flüssig der Lauf über die Dächer vonstatten geht. Man bleibt nirgendwo hängen und kommt ungehindert voran. Der Titel fühlt sich geradezu grenzenlos an, wenn man Häuserwände hinauf sprintet, über Dachschluchten springt oder durch die Luft gleitet. Mit dem Wissen, dass man von der Straße sekundenschnell auf ein Hochhaus kraxeln kann, nachdem man Soldaten in einer Straße mit Taxis beschmissen hat, gibt einem dieses Gefühl der herrlichen Überlegenheit.
Test: Prototype 2Da James Heller längst nicht die Krönung der Mutantenschöpfung ist, muss auch er sich seine Kräfte erarbeiten und durch Erfahrungspunkte in Evolutionsstufen aufsteigen. Die XP gibt es nach erfolgreichem Abschluss von Missionen oder wenn man Bonusziele während der Aufträge erfüllt, geheime Gegenstände findet und Feldagenten erledigt. Erreicht Heller die nächste Evolutionsstufe, darf man einen Punkt verteilen, um die Gesundheit, Regeneration oder Kräfte zu verbessern. Die auffälligeren und offensichtlicheren Verbesserungen erhält Heller aber, wenn er Schlüsselfiguren absorbiert und deren Kräfte wie Krallen, Fangarme, Klingen oder Schilde übernimmt. Bei dem äußert blutigen "Ritual", wenn man eine Figur ins sich aufnimmt, sieht man kurze Erinnerungsfetzen des Opfers. Die sekundenlangen Filmchen sind optisch überblendet, sodass man nur wenig erkennt und hinterher meist nicht viel mehr weiß als vorher - dennoch tragen sie einen entscheidenden Teil zur Atmosphäre bei. Neben neuen Mutationen und Skillverbesserungen nimmt Heller aber auch das Aussehen der absorbierten Person an. Dies ist die Grundlage für die zahlreichen Missionen, in denen es meist darum geht, als Fake-Soldat/-Forscher feindliche Basen zu infiltrieren. Das Missionsdesign im Ganzen könnte einen etwas ernüchternden Eindruck hinterlassen und wohl DEN Schwachpunkt des Titels darstellen. Denn über "absorbiere Person X" und "schleiche in Basis Y", um "Ziel Z zu finden" geht es selten hinaus.
Dabei bleibt es einem überlassen, ob man aggressiv die Basis des Feindes zerlegt oder in pseudo-Stealth-Manier hineinschleicht. Aber machen wir es kurz: Als übermächtiger Mutant schleichen ... ? Dabei fehlt mir völlig der Kitzel, denn ich weiß, wenn es hart auf hart kommt, kann ich sämtliche überpowerten Mutanten-Moves auspacken. Lediglich die Bonus-Erfahrungspunkte für unauffälliges Einschleichen, halten meine Kräfte zurück. Entscheidet man sich dennoch für den sanften Weg, fällt die etwas unsensible KI auf, die es nur mittelmäßig juckt, wenn man aus mehreren Metern Höhe krachend vor ihr landet oder neben ihr einen Soldaten absorbiert. Hat man das "Ziel Z" gefunden, gilt es die Basis schnellstmöglich zu verlassen. Glücklicherweise kann man zu jeder Zeit zwischen dem Aussehen von Heller und des zuletzt Absorbierten wechseln. Gelingt die Flucht in eine unbewachte Gasse, ändert man schnell die Form, sodass der Alarm alsbald abklingt.
Der Kampf selbst ist einfach wie zugänglich und deswegen extrem spaßig. Man hat diese überwältigenden Mutantenkräfte, mit denen man ganz einfach heftige Kettenangriffe vollführt oder durch Gedrückthalten der Taste noch mächtigere Attacken entfesselt. Auch die Waffen der Soldaten, vom MG bis zum Raketenwerfer, lassen sich für die Zerstörungsorgien einsetzen. Wem das zu gewöhnlich ist, der bewirft die Gegner einfach mit Autos, Bänken oder Menschen. Blocks sind ebenso möglich, um Angriffe zu parieren und direkt an den Absender zurückzuschicken. Wer dann noch einen draufsetzen will, der kapert einen Panzer oder Helikopter, um die Schlacht endgültig ins Chaos zu stürzen. Während einem pfeifend Salven und Raketen von Geschütztürmen um die Ohren fliegen, spritzt durch den ausgeprägten Gore-Faktor unverschämt viel Blut durch die Luft. Der rote Lebenssaft, überdimensionale Tentakeln, die von einer Hauswand zur anderen reichen, und schwarzer Rauch zieren den Kampfschauplatz und runden die Katastrophenstimmung ab.
Test: Prototype 2Auch wenn Prototype ein Open-World-Titel ist, sind nicht alle Gebiete sofort zugänglich. Euer Spielplatz ist dabei je nach Kontaminierung in drei Zonen geteilt: Rot, gelb und grün. Das Abenteuer startet in der gelben Zone, in der es noch gemächlich zur Sache geht. Der Anteil der Soldaten und der Mutanten hält sich die Waage. Kommt man in die grüne Zone ändert sich das Bild. Das Militär ist omnipräsent und man kann sich nicht mehr so leichtfüßig über die Dächer schwingen. Richtig brutal wird es aber in der roten Zone, in der einfach alles verseucht ist und nacktes Chaos herrscht. Zerfallene Gebäude, verrostete Busse und massenweise Mutanten bestimmen das Stadtbild. Es ist dabei völlig unproblematisch zwischen den einzelnen Zonen zu reisen, da sie durch Luftbrücken verbunden sind. Das ist nützlich, da in jedem Bereich zahlreiche Nebenmissionen, Geheimnisse und Upgrades zu finden sind, die man eventuell später noch einheimsen möchte. Der Spielfluss gestaltet sich auf dem Schwierigkeitsgrad "Normal" (es gibt noch "Leicht" und "Schwer", nach dem Durchspielen wird "Wahnsinnig" freigeschaltet) angenehm und lässt das Spiel fließen. Etwas anspruchsvoller wird es bei Zwischenbossen und mächtigeren Widersachern, die durch faire Speicherpunkte aber gut zu überwältigen sind. Etwas unangenehm kommt allerdings das Zielsystem daher, das es einem stellenweise unmöglich macht (vor allem in Massenschlachten), bestimmte Gegner zu fokussieren.
Heller ist wütend und will so ziemlich jedem in den Arsch treten. Damit unterscheidet er sich nicht großartig vom Ex-Halbgott Asura, hat aber dennoch weniger Charakter. Seine Gründe und sein Handeln sind nachvollziehbar, dennoch bietet die Figur nicht genügend Substanz, um im Gedächtnis zu bleiben. Auch lässt sich Heller bei seinen Entscheidungen merkwürdig schnell von anderen Charakteren umstimmen, was so gar nicht zu seinem sonst sturen Verhalten passt. Was dagegen unbestreitbar ist, ist die exzellente englische Synchronisation. Egal ob man einen Funkspruch hört oder den Dialogen bei Erinnerungsfetzen lauscht, alles wirkt sehr authentisch und verleiht dem Spiel eine erwachsene Note. Auch wenn so gut wie jeder Satz mit "Fuck" begonnen und beendet wird. Die Dialoge lassen sich mit deutschen Untertiteln verfolgen, die aber für meinen Geschmack viel zu kurz eingeblendet werden.
Optisch liefert Prototype 2 eine solide Leistung ab und für ein Open-World-Game gibt es grundsätzlich nichts zu meckern. Sicherlich treten auch weniger schöne Charakter-Modelle auf und einige Explosionen sehen eher wie zweidimensionale Folien aus, das lässt sich aber verkraften. Beim genauen Betrachten fallen aber auch die liebevollen Details auf; und so winkelt Heller das Bein an, wenn er an einer Kante steht oder der Schatten des Helikopters huscht im Hintergrund über die Wolkenkratzer hinweg. Was Prototype 2 einwandfrei beherrscht, ist das Belohnungssystem: Für jede Aktion erhält man einen angemessenen Gegenwert in Form von Erfahrungspunkten und Mutationen, sodass man nie das Gefühl hat, leer aus der Sache herauszukommen. Schön sind ebenfalls auch die kaum auffallenden Ladepausen und der zügige Übergang vom Statbildschirm ins Spiel.
Prototype hat wirklich Power und der zweite Teil setzt schöne Akzente, die Spaß machen. Radical Entertainment hat die Stärken seines Titels erkannt und schafft es wunderbar sie auszureizen. Ungehindert kann man mit Heller die höchsten Höhen erklimmen und er lässt sich dabei so geschmeidig Steuern, wie man es sich nur wünschen kann. In derben Schlachten legt man sich mit unzähligen Gegnern an, während einem Panzer und Helis ordentlich einheizen. Dazu gibt es drei prall gefüllte Zonen, in denen zahlreiche Missionen, Geheimnisse und Gegner warten. Die Geschichte bietet kurzweilige Unterhaltung mit einem nicht allzu erinnerungswürdigen Protagonisten. Das abwechslungsarme Missionsdesign ist eindeutig der Schwachpunkt von Prototype 2. Mich hat das allerdings nicht wirklich gestört, denn ich hatte viel Spaß dabei, der Mutanten-Hahn im Open-World-Stall zu sein.

Kommentare

Picknicker
  

hab es mir übers lange we ausgeliehen und joa, es macht ein wenig spaß. ich will es schnell durchspielen und wieder zurückbringen, denn kaufen würde ich es mir auf jeden fall nicht. vllt. ein guter low budget titel für einige leute.

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Demon Cleaner
  

Also Prototype 1 hat mir ziemlich gefallen, wurde allerdings nach einiger (kurzer) Zeit ziemlich monoton, man tat eigentlich immer nur dasselbe. Hatte aber trotzdem kurzweilig Spass.
Da ich solche Open World Spiele allerdings mag, versuchte ich mich dann auch kurzerhand später an Infamous, wobei ich leider sagen muss, dass dies nicht viel abwechslungsreicher war, und ebenfalls nach ein paar Stunden Langeweile bei mir eintrat.
Infamous 2 habe ich zwar auch, aber leider noch nicht angespielt, gibt ja noch so viel anderes, und Abwechslung ist eben das was ich am meisten mag, sei's nun FPS, Sport, Rennsimulation oder RPG.
Prototype 2 scheint ja dann auch wieder nicht viel anderes zu sein als der erste Teil. Abwechslung in den Missionen muss einfach eben sein, anders machts auf lange Dauer eben einfach keinen Spass.

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Freestyle27
  

BullsEye1977
so ein DIng aber auch, über sowas kann man doch nicht schmunzeln.....war unlustig und unnötig.

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BullsEye1977
  

Kohlenstoff

sag was ist dein problem?
ist dein spatzerl so klein dass es von alleine steht?? oder warum bist du so auf zumpferln fixiert?
also bitte lass es gut sein!

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gelöscht
  

Wie geil es mal w?re durch paris zu brettern bei gta. Oder ein prototype in hamburg... Europ?ische st?dte sind eh zu selten in videospielen.

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Kohlenstoff
  

Bullseye1977
bei deinem flachen Humor muss dir mein Satz fast Schädeldecke gesprengt haben...außer ich habe damit einen wunen Punkt getroffen...sorry wegen dem kleinen Glied..du weisst doch dass Frauen dicke Brieftaschen bevorzugen...oh...ja..ehm..

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richard50
  

Endlich mal ein Videogame, das New York als Schauplatz hat*schnarch*
Die Produzenten lassen sich ja mächtig was einfallen in letzter Zeit, das muss ich schon sagen. GTA 5 wird auch zum 2.Mal in der Serie ein und die selbe Stadt verwenden. Dort drüben gibt es so viele Städte, warum gibts nicht mehr Abwechslung?

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cHaOs667
  

Ist das Spiel auf der 360 eigentlich regionfree?

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Bumskop
  

Wenn einem der Protagonist aus irgendwelchen Gründen optisch nicht zusagt kann man ja zu einem anderen "Skin" wechseln.
Da gibt es bald sogar den Mercer aus dem ersten Teil.
Skins "muss" man zwar freispielen, aber ich finde das ok und empfinde das eher als Anreiz um in der "Sandkastenwelt" noch mehr Spass zu haben. :)

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Saibot
  

Genau richtig f?r eine Schnetzelorgie zwischendurch. ;)

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