Ratchet & Clank Trilogy

Plattform: (Wii U)
Release: 29. Juni 2012

User-Wertung:

Test: Ratchet & Clank-Trilogy

HD-Remakes und kein Ende! Nach „Sly Raccoon“ und „Jak & Daxter“ war es für die „Ratchet & Clank-Trilogy“ nur eine Frage der Zeit, Sony's Reihe technisch tadelloser PS3-Umsetzungen alter Playstation 2-Knüller fortzuführen. High Definition ist immer ein gutes Argument. Doch wie gut schlagen sich die teilweise über 10 Jahre alten Spiele noch im Jahr 2012?

Dank PSN-Emulationen und hochauflösender Wiederveröffentlichungen kann die Abwärtskompatibilität der Playstation 3 so langsam wieder teuer zurückgekauft werden. Ratchet und Clank gehören, jenseits des Nintendo-Portfolios, zu den letzten großen Helden der vorhergehenden Redaktion. Für unseren geschätzten Chefredakteur Alex sind sie (O-Ton) "ein Geschenk an die Jump'n run-Welt", für die er wahrscheinlich (Jo-Ton) jedes "Super Mario" in den Schredder werfen würde. Doch daran sind schon mal zwei Punkte falsch. Erstens ist die Meinung eines nostalgisch verblendeten "Ratchet & Clank"-Sektenanhängers hier gar nicht von Belang, weswegen auch ich und nicht Alex den Test mache. Zweitens handelt es sich bei den Spielen eigentlich nicht wirklich um Jump'n runs.
Vielmehr steht die Action mit originellen Waffen im Vordergrund, wobei Hüpfpassagen den permanenten spielerischen Unterbau bilden, aber nur selten echtes Geschick beim traversieren über knifflige Hindernisstrecken gefordert wird. Ihr dürft Euch die Spiele also vielleicht eher wie dreidimensionale Versionen der "Mega Man"-Serie vorstellen.
Dazu passt das cartoonhafte Science-Fiction-Szenario, in dem sich Roboter Clank und Mechaniker-Lombax Ratchet zufällig über den Weg laufen und ebenso unvermittelt zu Rettern des Universums werden. Weniger "Mega Man" ist der ziemlich niedrige Schwierigkeitsgrad, welcher nur sporadisch ernsthafte Herausforderungen liefert. Als jemand der seine Action-Abenteuer gerne etwas anspruchsvoller mag, ist das für mich erst einmal schade. Andererseits vermitteln Stil und Inszenierung den stets willkommenen "Für alle Altersklassen, aber trotzdem cool"-Faktor von Animationsfilmen, wodurch die "Einfach genug für jedermann"-Ausrichtung wieder trifft. Zudem ist es äußerst entspannend, mal ein Spiel zu haben, bei man sich jedes Mal sicher sein kann auch wirklich weiterzukommen, wenn man es einlegt, ohne sich der Schmach hingeben zu müssen die Spielstufe auf "leicht" zu stellen - umso mehr bei einem in dieser Form circa 50stündigen Epos. Außerdem ist es ja nicht so, dass man gar nicht ins Gras beißt.
Test: Ratchet & Clank-TrilogyDa muss man den Spielen gleich wieder zugutehalten, dass sie trotzdem keine Sekunde langweilig sind. Ebenfalls an Oldschool-Werke wie "Mega Man" erinnert die Strukturierung in einzelne Level, in Gestalt verschiedener Planeten. Diese sind relativ groß und lassen Raum für freie Erkundung. Immer wieder müsst Ihr aber erst bestimmte Waffen finden, Fähigkeiten erlernen oder Missionen erfüllen, um voranzukommen. "Metroid" hebt wieder einmal die Hand zum Gruße. So werdet Ihr regelmäßig zwischen den Himmelskörpern hin- und hergeschickt, wodurch sich die Kulissen nicht so schnell abnutzen. Diese sind ohnehin recht vielfältig und einfallsreich geworden, ohne in Endlosschleife Standard-Szenarien wie Feuer, Eis und Wüste abzufeiern. Stattdessen erkundet Ihr Wolkenstädte, Sumpflandschaften, Holzfällerplaneten, Luftschiffe, Einkaufszentren und und und.
"Abwechslung" lautet ganz allgemein das Zauberwort in allen "Ratchet & Clank"-Teilen. Naja, nach den Zauberwörtern "Kisten","Schrauben" und "Waffen". Aber dazu kommen wir später noch. Ob es nun gilt einen Hindernisparcour zu meistern, ein Hoverboard-Rennen zu gewinnen, Weltraumschlachten zu bestehen oder im freien Fall Raketen auszuweichen. Schleichmissionen und 2D-Jump'n run-Sequenzen mit Captain Qwark fehlen ebenso wenig. Diese Abschnitte unterbrechen stets nur für kurze Zeit die eigentliche Essenz aus Ballern und Erkundung, sind aber genug, um im Gesamtbild ein enorm vielseitiges Erlebnis zu schaffen.
"Ratchet & Clanks" Zugänglichkeit und perfekte Balance aller spielerischer Elemente kann man gar nicht hoch genug loben. Jeder Level bietet zahlreiche Möglichkeiten abseits des Weges auf die Suche nach den zahllosen Schrauben, der Währung im Spiel, zu gehen und enttäuscht diesen Entdeckerdrang nicht. Es gibt immer was zu finden. Die Abzweigungen sind jedoch nie so komplex, dass Ihr den Überblick verliert oder endlose Strecken zurücklegen müsst. Die tempoerhaltende Linearität bleibt gewahrt. Das Waffensystem ist simpel doch hochmotivierend und erlaubt Euch ab dem zweiten Teil auch Eure Argumentationsverstärker aufzuwerten, was zusätzlich antreibt.
Test: Ratchet & Clank-TrilogyWomit wir wieder beim "Mega Man"-Vergleich wären, denn vielseitige Kanonen und Technikspielereien sind seit jeher ein Markenzeichen des Blauen Bombers und nicht weniger für "Ratchet & Clank". Blaster, Flammenwerfer, Bomberwerfer, Greifhaken, Grindschuhe, Wurfsternarm, Discokugelwerfer und zahlreiche mehr geben Euch reichlich Potential für zerstörerischen Spaß. Leider ist es oftmals nicht unbedingt notwendig zwischen den Waffen zu wechseln, da Ihr viele Widersacher auch mit Eurem zuverlässigen Schraubenschlüssel zerlegen könnt. Da das aber umständlicher und weit weniger launig ist, werdet Ihr die Schießeisen trotzdem munter variieren wollen. Zumal Gegner auch unterschiedlich empfindlich auf bestimmte Waffen reagieren.
Wie bereits erwähnt ist die HD-Schönheitskur abermals exzellent gelungen. Die "Ratchet & Clank"-Spiele profitieren hier davon, dass sich die Designer schon damals entschieden haben, statt auf hochdetaillierte Texturen, lieber auf hochdetaillierte Umgebungen zu setzen, mit dem Ergebnis, dass selbst der zehn Jahre alte erste Teil noch umwerfend viele bewegte Objekte auf einmal auffährt und mit unglaublicher Weitsicht beeindruckt, das ganze knackscharf und in gebutterten 60 Bildern pro Sekunde auf 16:9-Format. Lediglich die Zwischensequenzen laufen noch im alten 4:3-Verhältnis ab und sind in vorberechneten Fällen sogar noch von der groben PAL-Auflösung gezeichnet. Unschön, aber verschmerzbar. Der zeitlose Samstag-Morgen-Zeichentrick-Stil der Spiele macht das wieder wett. Sehr schnell wird man in ein sympathisches, konsistentes Comic-Universum gezogen, welches durch die vorliegende Zusammenfassung aller drei Teile nur umso dichter und einnehmender wirkt.
Unterstützt wird das unbeschwerte Action-Spektakel von witzigen Soundeffekten und einem professionellen, lebendigen Soundtrack, welcher der Vielfalt der Umgebungen in nichts nachsteht. Im Gegensatz zu Alex bin ich von der deutschen Synchronisation nicht so begeistert. Mir erscheint sie immer ein wenig zu flach und die Intonation nicht perfekt. Sie geht aber dennoch in Ordnung. Und wer will kann im Hauptmenü auch auf die englische Fassung umschalten. Damit sind aber auch die Bildschirmtexte englisch. Zudem könnt Ihr diese Einstellung nicht mehr innerhalb eines Spiels ändern. Überhaupt scheint Sony restlos zufrieden mit seinen HD-Sammlungen zu sein, obwohl, neben der zugegeben hochklassigen Qualität, alle noch ein nerviger Kritikpunkt eint: Wollt Ihr zwischen den enthaltenen Titeln wechseln, müsst Ihr stets wieder ins Playstation-Menü zurück. Das sollte beim nächsten Mal bitte geändert werden. Hm, naja, so viele nennenswerte Spiele bleiben dafür aber wahrscheinlich nicht mehr.
Test: Ratchet & Clank-TrilogyJetzt könnte man natürlich noch meckern, warum nicht auch die restlichen "Ratchet & Clank"-Episoden der PS2- und PSP-Zeit in der Packung sind? Doch wer bin ich, mich bei 50 Stunden vergnüglicher Unterhaltung für 40 Euro noch zu beschweren? Die zusätzlichen, qualitativ schwankenden Einsätze des Duos hätten den edlen Eindruck der ersten drei durchgehend fantastischen Abenteuer womöglich nur geschmälert. Um also mal die eingangs gestellte Frage zu beantworten, ob sich "Ratchet & Clank-Trilogy" auch für Nichtkenner lohnt: Unbedingt! Die Titel spielen sich noch immer traumhaft und verbreiten für lange Zeit mächtig gute Laune. Und was könnte es in solch einem Sommer, der arm an neuen Spielen und reich an Regen ist, besseres geben?

Kommentare

jangxx
  

So, ich möchte auch nochmal kurz etwas dazu schreiben.
Ich habe die Trilogy monatelang erwartet und die Verschiebung hat meine Erwartungshaltung nur noch vergrößert. Als Liebhaber der Originale, aheb ich eine fast perfekte Umsetzung erwartet, wurde aber leider relativ hart enttäuscht; Das Spiel strotzt vor Bugs.
Nicht nur die nervigen Slowdowns (z.B. 2. Teil - Endgegner) sondern auch grobe Sound & Grafikfehler schmälern den Spaß an den Spielen. Um ein paar zu nennen:

Schiff Sounds im 3. Teil sind kaputt
Ratchets Helm ist zu groß (das wirkt echt komisch)
Manche Grafiken (Verkäufer aus Teil 1) sind einfach nur kaputt
Multiplayer (Teil 3.) ist quasi unspielbar, da die Konsole ständig einfriert
Der Soundtrack loopt nicht richtig
Start-Taste bringt schließt nicht das Menü in Teil 3.

Diese Punkte mögen wie Kleinigkeiten erscheinen, aber sie zerstören die Atmosphäre der Spiele enorm und erinnern einen immer wieder daran, dass man nur eine gehetzt bugtestfrei zusammengeworfene Neuauflage großartiger Spiele spielt, nicht aber großartige Spiele an sich.
Sehr Schade, dass du die Bugs nichtmal in einem Nebensatz erwähnt hast...

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sunnywusch
  

ich würde mir noch gradius und the getaway wünschen. wundert mich eh dass da nichts kommt. letztere haben sich sehr gut verkauft.
ich hab die beiden teile geliebt ;)

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Cohaagen
  

2happy: 360 R&C Titel? Du meinst wahrscheinlich die R&C-Future-Spiele auf der PS3.
Aber so allmählich sind alle meine Lieblings-PS2-Spieleserien in HD (und größtenteils sogar in 3D) spielbar: Jak & Dexter, Sly Raccoon, Ratchet & Clank, MGS 2+3, ICO, SotC und God of War. Auf die Zone-of-Enders-Collection bin ic auch schon gespannt.
Fehlen eigentlich nur noch die PS2-Final-Fantasy-Spiele.

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2happy
  

@Johannes; hast du die drei spiele tats?chlich durchgespielt, oder lediglich "traversiert"?

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Saibot
  

Jetzt gibt's das Podcastgebashe auch noch in Textform, genial! :D

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Böller K.
  

@Johannes Kron: Was bist du denn für eine arrogante Pfeiffe?

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2happy
  

Was mich fasziniert hat, ist, dass man den Titeln das Alter kaum anmerkt. Wenn man nicht die letzten 360 R&C Titel im Direktvergleich hat, wird man nie das Gef?hl haben, in die Vergangenheit zu blicken. Man hat das Gef?hl der Wertigkeit einer aktuellen Produktion ohne Abstriche.

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Alexander Voigt
  

Lieber Johannes, da ich heute abend Dark Knight Rises gucke, prallen jegliche negative Äußerung so schnell an mir ab, wie Diätberater bei deiner Mutter. Mein Leben ist gelebt. Und vergiss nicht, heute abend deine Mailbox abzuhören. Die Spoiler gibts gratis.

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Johannes Krohn
  

@ Alex: Dass du deine Gesichtslähmung als "selig entrücktes Lächeln" umschreibst, find' ich irgendwie süß. Ich mag auch immer Silvester Stallones selig entrücktes Lächeln. Man beachte übrigens das einzelne "e" in dem Wort "selig". Ein gängiger Fehler. So wie "Loser", ein weiteres Wort, welches dich ganz gut umschreibt, auch nur mit einem "o" geschrieben wird. Mann, bin ich heute drauf. Wieso nehmen wir nicht gleich den Podcast auf und ich nehm' dich darin auseinander? B) Hier schreibt übrigens Kappi und nicht Johannes und es ist Arroganceday. Jawoll!

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Alexander Voigt
  

Ist auch ein bißchen wie bei Filmem auf Blu-ray. Klar, die bessere Auflösung macht Blade Runner auch nicht zu einem noch besseren Film, aber schärfer ist trotzdem einfach schicker. Zumindest wenn man den Unterschied noch deutlich wahrnimmt. Ab 4K wirds dann langsam wohl etwas albern.

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