Resident Evil 2

Plattform: keine Angabe
Release: keine Angabe

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Mein Herz für Klassiker - Ich, mein fehlender Fluchtreflex & wie ich Resident Evil 2 nie spielte

Resident Evil 2 ist ein Klassiker des Survival Horror-Genres, das einen ganz besonderen Platz in Raes Herzen eingenommen hat – obwohl sie es nie wirklich gespielt hat.

Resident Evil 2 - Der Beginn einer ungewöhnlichen Beziehung

Resident Evil 2 - Der Beginn einer ungewöhnlichen Beziehung

Als ich ungefähr zwölf Jahre alt war, brachte mein Vater eines Tages eine Liste voller Spiele mit nach Hause und meinte, ich solle mir etwas aussuchen. Da es einfach eine Ansammlung verschiedener Titel war und ich mein Dasein relativ abgeschottet von handfesten Informationen über Computerspiele fristete, siegte bei meiner Wahl das Zufallsprinzip und ich nannte ihm ein paar Namen, die halbwegs interessant klangen. Irgendwas mit Evil konnte schließlich nicht schlecht sein, oder?

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Das Resultat war, dass sich irgendwann eine gebrannte CD des damals nicht in Deutschland erhältlichen Resident Evil 2 im Laufwerk unseres altersschwachen PCs drehte. Er war mindestens ebenso überfordert wie ich.

Leon und Claire – Das Dreamteam aus Resident Evil 2, das ich so nie erlebte

Leon und Claire – Das Dreamteam aus Resident Evil 2, das ich so nie erlebte

Um das zu verstehen müsst ihr wissen, dass bei mir jeglicher Fluchtreflex fehlt. In Spielen suche ich aktiv die Auseinandersetzung und es dauert sehr lange bis ich auch nur auf die Idee komme, dass ich einem Gegner vielleicht (noch) nicht gewachsen bin und Weglaufen in Erwägung ziehen sollte. Daher dürfte es auch niemanden überraschen, dass ich bei der ersten Konfrontation mit den Zombies in Resident Evil 2 nicht das Weite suchte, sondern hektisch versuchte herauszufinden, wie ich ihr untotes Nicht-Leben beenden konnte.

Spoiler: Das ist nicht möglich.

Was ist "Mein Herz für Klassiker"?

In diesem wöchentlichen Format stellt euch die GamePro-Redaktion abwechselnd ein Spiel vor, das mindestens zehn Jahre ist und erklärt euch, warum es sich dabei aus unserer persönlichen Sicht (!) um einen Klassiker handelt. Mal ist es das Gameplay, das seiner Zeit voraus war, mal eine Story, die nie an Relevanz verloren hat oder einfach nur ein Spielelement, das uns nicht mehr aus dem Kopf geht.

You Died

Das Spiel verlangt es von euch, als frisch gebackener Polizist Leon S. Kennedy die Flucht zu ergreifen, anstatt die zu diesem Zeitpunkt unbekannten Monster zu bekämpfen. Ich probierte jede Taste, jede Kombination und suchte hektisch nach einer Möglichkeit, mich zur Wehr zu setzen, während die Zombies langsam auf mich zu schlurften - vergeblich. Ich wurde eingekreist, übermannt, gefressen. "You Died". Blutrote Buchstaben, die mehr als einmal auf meinem Monitor standen, gefolgt von der Nahaufnahme eines Untoten, die mich überzeugte, dass es vielleicht doch keine so gute Idee war, im Dunkeln zu spielen.

Worte, die mich noch heute verfolgen

Worte, die mich noch heute verfolgen

Gefangen zwischen meiner Sturheit, meiner Dummheit und der grauenhaften Performance meines PCs, der mit einer Zeitverzögerung von ein paar Sekunden auf Befehle reagierte, durchlebte ich einen Bildschirmtod nach dem anderen. Es war eine frustrierende und traumatisierende Erfahrung, die mich das Spiel irgendwann beenden und nie wieder beginnen ließ.

Ja, ich schreibe mein Herz für Klassiker gerade über ein Spiel, dessen erste 20 Sekunden ich nicht einmal problemlos spielen konnte und über dessen Anfangssequenz ich nie hinaus gekommen bin. Warum gebe ich diese zugegeben sehr demütigende Erfahrung nicht nur öffentlich zu, sondern widme ihr noch dazu einen kompletten Artikel? Weil sich die Resident Evil-Reihe trotz unserer immensen Startschwierigkeiten dennoch mit ihrem ersten Teil einen Platz in meinem Herzen sichern konnte.

Wer braucht schon Spiele, wenn man Bücher haben kann?

Ich verfolgte Resident Evil von da an auf meine Art und Weise: durch Lesen. Und nein, damit meine ich nicht Fanfiction über die fragliche Verwendung von Lickern, sondern Bücher. Ja, es gibt Bücher zu den Spielen und ja, ich habe sie gelesen. Alle. Mehrmals.

Denn obwohl die Survival Horror-Reihe weder für ihre qualitativ guten Dialoge, noch für ihre herausragende Handlung bekannt sind - eher das Gegenteil, wenn wir ehrlich sind -, wurde jedem Spiel ein Buch gewidmet und auch die Zeiträume zwischen den einzelnen Teilen wurden mit eigener Literatur abgedeckt. Ich verschlang die Roman-Adaptionen von S.D. Perry mehrmals und entwickelte so nicht nur eine Liebe für die Zombies von Capcom, sondern allgemein für Untote.

Die Resident Evil-Romane von S.D. Perry

Die Resident Evil-Romane von S.D. Perry

Während mein Horror-hassender Vater wahrscheinlich bis heute bereut, mir jemals Resident Evil 2 beschafft zu haben, hatte meine Mutter endlich eine Verbündete gefunden, die bei jedem Zombiefilm-Marathon an ihrer Seite den Fernseher anbrüllte oder um das Schicksal der Charaktere bangte (oder ihr Ableben feierte).

Zombies - Eine Liebesgeschichte

Auf seine Art war Resident Evil 2 trotz der fürchterlichen, demütigenden Erfahrung, die ich mit dem Spiel machen musste, der Anfang einer großen Liebe zu Zombies, die mich seit vielen Jahren begleitet und sich über alle Medien von Comics bis zu Videospielen erstreckt.

Mittlerweile ist sie ein wenig abgeflaut, was wohl an der schieren Masse an Untoten liegt, die spätestens seit The Walking Dead über uns hereingebrochen ist und für Übersättigung gesorgt hat. Trotzdem blicke ich gern auf meine persönliche, ein wenig ungewöhnliche erste Resident Evil-Erfahrung zurück und spiele auch ab und an mit dem Gedanken, die Bücher vielleicht noch einmal zu lesen.

Resident Evil 2 habe ich im Gegensatz zu dessen Nachfolgern bis heute nicht nachgeholt und plane es auch nicht, obwohl mittlerweile ein Remake für PS4 angekündigt wurde. Irgendwie glaube ich, dass es meinem Gefühl der Nostalgie, die ich mit dem Spiel verbinde, nicht gerecht werden könnte.

Außerdem habe ich noch immer keinen Fluchtreflex.

Dieser Artikel erschien am 1. Dezember 2015 zuerst auf gamespilot.de und wurde für die Neuveröffentlichung leicht verändert.

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23.05.2017, 10:07 Uhr

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