Retro City Ramapage

Plattform: (PC, Wii, Wii U, XBox 360)
Release: 16. Januar 2013

User-Wertung:

Im Test: Retro City Rampage

Es dauerte eine Weile, so ungefähr 10 Jahre, bis aus dem Wunsch, einen 8bit-GTA-Klon zu erschaffen, eines Hobbyentwicklers Retro City Rampage wurde, und noch ein bisschen bis die Konsolen- respektive die PS-Vita-Version endlich bei uns erhältlich war. Doch nun geht es mit genau 88 Meilen die Stunde zurück in die 80er! (Klappe Mcfly, das war nicht witzig.)

Retro funktioniert immer. Nostalgie, dieser heimelige Irrglaube, dass früher alles besser und unbeschwerter war. Dieses "Weißt du noch damals"-Sagen gefolgt von einem "Wäre es nicht geil, wenn". Vor allem Letzteres wird sich Brian Provinciano gesagt haben, als sich 2002 in seinem Kopf die Idee für Retro City Rampage formte, auch wenn das noch lange nicht der letztendliche Name war. Es fing an als "Grand Theftendo", ein Stück Homebrew-Software, das, der Name deutet es ja schon an, ein GTA III-Klon mit 8bit Grafik für das NES werden sollte. Um seine Indie-Credibility noch zu untermauern: Er begann die Entwicklung auf einem selbstgebauten NES-Developer-Kit.
Mit dem Lauf der Zeit baute er immer mehr Charaktere seiner Kindheit ins Spiel ein und auch die GTA-Nachbauszenarien schwanden, sodass es nun ein komplett eigenständiges Spiel werden sollte. Letzten Endes schwenkte er dann auch noch auf den PC als Plattform um und auch die Konsolen- und Handheldportierungen wurden eingeplant. Doch genug der Geschichtsstunde.
Im Test: Retro City RampageGespielt wird Retro City Rampage größtenteils aus der Top-Down-Perspektive wie die ersten beiden Grand Theft Auto-Spiele es bravourös vorgemacht haben, allerdings mischt sich das auch immer wieder mit klassischen 2D-Jump'n'Run-Abschnitten. Mischen ist sowie das Stichwort von RCR. Hier werden wie wild Spiele-, Film-, Comic- und Fernsehuniversum, sodass das pure Name-Dropping locker(!) ein kompletter Absatz werden könnte, aber ich beschränke mich jetzt mal auf Super Mario, Zelda, Mega Man, Duckhunt, Frogger, Batman, Metal Gear, Robocop, Paperboy, Zurück in die Zukunft, Bill und Teds verrückte Reise, Prince von Bel Air, Ninja Turtles und Donkey Kong. All diese Universen parodiert und/oder würdigt das Spiel mit versteckten Bonusleveln (unbedingt nach Ausschau halten!), Spielmechaniken, Gegnern oder Darstellungen. Gerade in den Story-Missionen haben "ältere" Semester gut was zu Lachen. Jedoch macht sich hier auch schon der unangenehme Nebeneffekt von Retro bemerkbar: Das Missionsdesign ist oftmals altbacken. Simple Botengänge von A nach B wechseln sich mit eintönigen Beschattungsmissionen (X Minuten einen Wagen oder eine Person zu verfolgen und dabei nur nicht durch Unfälle die Polizei anzulocken ist nicht spannend) und meist sehr leichten Attentatsmissionen ab. Das war halt damals so…
Im Test: Retro City RampageIch liebe Pixeloptik und Chiptunes, eben weil sie den Charme meiner Kindheit versprühen. So habe ich Videospiele kennengerlernt. Und zumindest in Sachen Grafikstil möchte ich Entwickler Vblank um den Hals fallen, kann mich angesichts der Chiptunes aber wieder beherrschen. Im Optionsmenü könnt zum einen die Rahmengrafik anpassen (Spielautomat, Pixel TV, Super Game Boy und mehr) und zum anderen auch der komplette Pixellook der eigentlichen Spielgrafik (PC DOS EGA, PC DOS, Game Boy, NES und mehr). Ich bin begeistert. Sehr. Jedoch nur kurz, denn davon wird ja die Stadt "Theftropolis" auch nicht größer. Für den Soundtrack hat Vblank einige bekannte Chiptune-Komponisten an Land ziehen können, sagen die Credits und Wikipedia, aber irgendwie will bei den angeblich rund 2,5 Stunden Musik nicht wirklich der Funke bei mir überspringen. Für mich war kein Song dabei, den ich unbedingt auch mal außerhalb von Retro City Rampage hören wollen würde. Aber das ist ja nun wahrlich Geschmackssache.
Im Test: Retro City RampageRetro City Rampage ist ein nostalgisches Stück Software, ein Kind eines flotten Dreiers der Popkultur der 80er und 90er mit dem NES und GTA, und genau deswegen ist es nicht für jeden. Meine Kindheit spielte sich nun mal genau in den Zeiten ab, als es die Teenage Mutant Ninja Turtles, der Game Boy, das NES oder Zurück in die Zukunft noch nicht so sehr Retro waren wie heute oder zu einem Meme geworden sind. Ein Teil der witzigen Szenen funktioniert zwar auch so, aber über bestimmte Gags und Anspielungen kann man halt auch nur als "Beteiligter" wirklich lachen. Und es fühlt sich so an, als würde das Spiel eigentlich nur von dieser Tatsache wirklich zusammengehalten. Retro City Rampage ist ein kurzweiliger, charmanter Spaß in einer im Grunde zu kleinen Spielwelt - und zwar nur für Nostalgiker. Aber selbst die müssen wiederum über das angestaubte Gameplay wohlwollend hinwegsehen oder besser gesagt hinweggrinsen können. Ich tat es jedenfalls - für ein paar Stunden.

Kommentare

  

Ein Spiel für Generation 30+ ;) Auch mal was...

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Max @ home
  

Dann hier auch mal mein Eindruck zur Demo: Ich habe diese mehrmals gespielt, weil ich die zahlreichen, teils subtilen Anspielungen auf NES-Klassiker und sonstige Phänomene der Medien unserer Zeit einfach sehr charmant finde. Wie im Test beschrieben, RCR spielt man definitiv nicht wegen seines spielerischen Gehalts, sondern eben wegen seines Humors und des konsequenten Retro-Stils. Ich spekuliere mal auf einen Deal of the Week, dann schaue ich's mir gerne mal genauer an.
Ach ja, wo wir schon dabei sind: Baujahr '81! :D

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Bugl4r
Bugl4r
  

Ich feier es einfach nur. Bin Baujahr 79.
Bin ein absoluter Chiptune, Pixelfreak und Amiga Cracktro/Demo -Lover.
Es ist vollgestopft mit lustigen Anspielungen der 70/80er Games und Filme.
Es war klar das hier 1er Wertung oben vergeben werden, bei der CoD-Generation von heute.
Die nicht wissen was ein Atari 2600 ist.

Geht einfach scheissen...

mfg

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Hatte das Spiel mal angetestet und nach 5 Minuten wieder von der Box gelöscht. Retro finde ich immer gut und störe mich auch keineswegs an Spielen im Stil von anno dazumal (GTA 2 bzw. Chinatown Wars sieht halt immer noch besser aus, als GTA 3 ^^), aber dieses Spiel hier ist einfach zu schnell, zu detailliert und zu... zu... verschissen klein o0 Weiß auch nicht, wie ich das beschreiben soll, aber ich habe - selbst als Jahrgang 86 - kaum einen der Witze bzw. Anspielungen verstanden und vom Gameplay kam ich einfach nicht klar.

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Fagballs
  

Danke für den Test. Mich hat die Grafik gereizt, aber das allein sagt ja nichts über das Gameplay aus. Dann muss ich wohl Hotline Miami spielen.
Grundsätzlich zeigt es auch, dass Retro nicht die Lösung ist. Spiele waren früher "besser", weil sie schlicht waren und das, was sie machen wollten, einfach gut gemacht haben und dabei halt Pixelgrafik und Chiptune Musik hatten. Aus den beiden letzten Punkten allein wird aber noch kein gutes Retro-Spiel.
btw: Für mich ist die Krone der Retro-Sektion 16bit und nicht 8, die Musik war immer noch gut und nicht so Ambient-Gedönse wie heute, die Grafik war feiner und hat zum Ende der Ära sensationelle Qualität erreicht (Super Metroid, Final Fantasy VI, Chrono Trigger, Star Ocean, Yoshi's Island) und es war alles durch diagonale Eingaben wesentlich besser steuerbar. Viele meiner All-Time Favoriten stammen aus der Ära.

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forzaaaaaa
  

Ich bin auch ein Kind der 80/90er Jahre, trotzdem finde ich so ein Spiel in der heutigen Zeit total überflüssig. Was hab ich mich gefreut als GTA3 auf den Markt gekommen ist, seit dem habe ich die Vorgänger nicht mal angerüht. Es gibt Spiele die gehen halt gar nicht in 2D bzw. "Retro" und das ist hier das beste Beispiel!

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