Sergeant Matt Baker ist zurück, in Brothers in Arms: Hell's Highway!
Nach einer, für heutige Verhältnisse, langen Entwicklungszeit ist der neuste Teil der Brothers in Arms Serie fertig. Nach Road to Hill 30 schlüpft man erneut in die Virtuelle Haut von Sergeant Matt Baker um in der Operation „Market Garden“ von Holland aus Richtung Deutschland Vorzustoßen. Dass jenes Unterfangen scheiterte dürfte bekannt sein, hat auf das Spiel aber auch keinen größeren Einfluss.
Entwickler Gearbox Software hat abermals sein Augenmerk auf die Inszenierung der Geschichte rund um die 101. US-Luftlandedivision gelegt. Zwischen und während der Missionen gibt es gut in Szene gesetzte Zwischensequenzen zu bestaunen, die leider vereinzelt unter Grafikaufbau und kleineren Rucklern leiden. Mimik und Gestik ist leider kaum vorhanden und die nur „guten“ englischen Sprecher sorgen nur selten für „echte“ Emotionen. Für Neulinge werden wichtige Ereignisse der beiden Vorgänger nochmals in Rückblenden erzählt, was auch für Fans der Serie eine gelungene Sache ist.
Am Spielablauf hat sich nichts geändert. Mit ein paar Ausnahmen hat man stets mindestens ein Team, in den letzten beiden Missionen sogar drei Teams im Schlepptau, die möglichst günstig positioniert werden wollen. Namentlich handelt es sich bei den Teams um ein MG, ein Angriffs und ein Bazooka Team. Hat man seine Kameraden dann hinter eine Deckung dirigiert, kann man ihnen den Feuerbefehl erteilen und sogleich entbrennen heftige Feuergefechte mit den Deutschen Soldaten. Was sich vielleicht sehr spannend anhört, ist in
Wirklichkeit nur mäßig aufregend. Würde man nicht selber ins Geschehen eingreifen, würden sich beide Parteien stundenlang aus ihren Deckungen heraus beschießen, ohne dass etwas passiert. In den beiden Vorgängern konnte man noch den Befehl zum überrennen der gegnerischen Stellungen geben, dieser fehlt in der neusten Auflage. Nur wenn man wirklich Nah an der gegnerischen Deckung steht, werfen die Kollegen auch Granaten mit denen Sie die Gegner erledigen können. Sollten Deutsche über offenes Gelände laufen, trifft die KI ziemlich gut, nur eben nicht im „Stellungskrieg“. In den Abschnitten, in denen einem das Bazooka Team zur Verfügung steht, kommt es ebenfalls zu merkwürdigen Situationen. Gegner hinter Sandsäcken löscht man mit Leichtigkeit aus, Gegner hinter Deckungen wie Mauern hingegen beeindruckt das Bazooka Feuer so gut wie gar nicht. Selbst wenn der Feind Theoretisch getroffen werden könnte, feuern die Jungs als zu gerne einfach darüber hinweg, oder die Rakete bleibt schon früh an einer anderen Mauer hängen. In solchen Momenten möchte man den Kollegen die Waffe am liebsten entreißen.
Es liegt also doch wieder am Spieler die Initiative zu ergreifen. In den meisten Tests zum Spiel wird immer davon gesprochen, dass man den Gegner Flankieren muss. Auch der gute Colonel John Antal, den die meisten schon mal im gesehen haben sollten, preist diese Taktik immer wieder an. Wer so spielen möchte, kann das auch tun, da es im Spiel fast immer eine offensichtliche Flanke gibt, die man nehmen könnte. In der Praxis reicht es aber auch aus, sich selbst einfach hinter einer Deckung zu verschanzen und gemütlich einen Deutschen nach dem anderen mit gezielten Kopfschüssen auszuschalten. Die sehen es nämlich gar nicht ein ihre Stellung mal zu wechseln und stecken ihren Köpfe immer wieder an den gleichen Stellen raus. Nur wenn man selbst eine Granate wirft, nehmen Sie, oft viel zu spät, reiß aus. Ihrerseits werfen Sie übrigens keine Granaten.
In einigen Abschnitten kämpft man sich mit Matt Baker allein durch die Reihen der Gegner. Besonders der Abschnitt, in dem man allein durch ein verlassenes und verfallenes Krankenhaus schleicht, sorgt für eine fantastische Atmosphäre. Überall bröckelt Putz von der Decke, Brennen Korridore und unheimliches Mondlicht fällt durch Fenster und Einschlaglöcher in das Innere des Gebäudes. All das wird von einer nicht aufdringlichen, sondern eher subtilen Musikkulisse untermalt. An dieser Stelle zeigt das Spiel, wie gut es noch hätte werden können. Trotz aller Kritik, muss man sagen, dass die Atmosphäre in den meisten Missionen wirklich gut ist.
Aufgelockert wird das Geschen zusätzlich durch Abschnitte, in denen man am Steuer eines Panzers sitzt und alles niederwalzt, was einem in die Quere kommt.
Es gibt insgesamt drei Schwierigkeitsgrade, wovon der schwerste „Authentisch“ ist erst nach dem ersten durchspielen verfügbar ist. Auf dem untersten Schwierigkeitsgrad stehen gefallene Kollegen am nächsten Checkpoint wieder zur Verfügung. Frei Speichern ist wie so oft nicht möglich.
Auch grafisch gehört das Spiel nicht in die Shooter Elite. Die Videos die vor knapp zwei Jahren vom Spiel veröffentlicht wurden, waren offensichtlich nicht echt. Im fertigen Produkt gibt es matschige Texturen, Popups und auch die Animationen der Soldaten hat man in Titeln wie CoD 4 schon deutlich besser gesehen. Immerhin die Feuer und Explosionseffekte gehen in Ordnung. Die groß angekündigte zerstörbare Umgebung entpuppt sich ebenfalls als ziemliche Mogelpackung. Lattenzäune und Sandsackbarrikaden zerbröseln noch effektvoll, alles andere ist unzerstörbar. Selbst Holzstapel, die eigentlich wie Zäune zerstörbar sein sollten, erleiden nicht einen Kratzer.
Die Soundkulisse ist gut, aber auch hier wird die Brillanz von Titeln wie CoD 4 oder auch Battlefield: Bad Company nicht erreicht. Es gibt gute direktionale Effekte und die Musikuntermalung passt auch.
Die Steuerung geht gut von der Hand, nur sollte man aufpassen wenn man den Befehl zum feuern gibt, nicht aus Versehen seinen Trupp auf offenes Gelände führt. Mir ist das aus Erfahrung mit den Vorgängern zum Glück nicht passiert. Das Werfen von Granaten ist aber deutlich zu umständlich und man braucht schon mal 2-3 Versuche bis man gezielt trifft.
Natürlich darf ein Multiplayer Modus nicht fehlen. Im Gegensatz zu den Vorgängern fällt das Squad Gameplay mit KI Soldaten weg. Es gibt zwar die Möglichkeit Befehle zu geben, aber ob die Mitspieler diese auch ausführen ist nicht gewährleistet. Immerhin kann man mit bis zu 20 Leuten, Capture the Flag auf sechs Karten spielen. Zumindest theoretisch, praktisch fristet das Spiel auf Xbox Live schon jetzt ein Randdasein. Eine zusätzliche Hürde entsteht dadurch, dass Spieler der geschnittenen Deutschen Version nur gegen ihres gleichen antreten können.
Fazit: Das von mir geschriebene klingt jetzt vielleicht negativer als es wirklich ist. Ich hatte durchaus Spaß mit dem Spiel, nur wird es dem eigenem Anspruch fast nie gerecht. Man bemerkt an zu vielen Stellen Ungereimtheiten und Fehler, die einfach ausgebügelt werden müssten. Brothers in Arms: Hells Highway ist der ideale Titel, den man sich über ein Wochenende ausleiht und durchspielt.
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