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User-Test: ICO & Shadow of the Colossus [Classics HD] (PS3)
27.11.2011 16:14:44 von cody
Die beiden
von Fachpresse und Spielern gleichermaßen gefeierten Titel, aus der japanischen Entwicklerschmiede Team ICO, konnten damals nicht an den Kassen überzeugen. Trotzdem erfreuen si
Zum Anfang kann man mit aller Sicherheit festhalten, dass es sich hier um die bisher sinnvollste und wohl am meisten erwartete Reinkarnation zweier Klassiker handelt, die mit aller Sicherheit nicht nur aus kommerziellen Gesichtspunkten erfolgte. Entsprechend wurde der Collection einiges mehr an Aufmerksamkeit entgegengebracht, als bei seinen Kollegen. Doch worum geht es denn in den beiden „vermeintlichen“ Kunstwerken?
ICO
Im Jahre 2001 war es so weit und der junge Game-Designer Fumito Ueda brachte nach Jahrelanger Arbeit, mit seinem Team und Unterstützung seitens Sony, ICO auf den Markt. Nach kaum einer negativen Stimme, seitens der kritischen Fachpresse, floppte der Titel auf dem Markt und war nur unter Feinschmeckerkreisen ein häufig diskutiertes Abenteuer. In eben diesem schlüpft der Spieler in die Rolle des kleinen ICO. Der hat allerdings ein Problem, denn ihn wachsen zwei Hörner aus dem Kopf. Sein Heimatdorf will ihn somit aus dem Weg schaffen – viel mehr erfährt man nicht über die Heimat des Protagonisten – so bringen zu Beginn zwei Krieger den gehörnten Knaben in ein abgelegenes, riesiges Schloss, dass auf den ersten Blick, einen unbewohnten Eindruck macht. Dort wird er in einem kleinen Steinkäfig festgemacht und es sieht so aus als würde es kein Entkommen mehr für ihn geben. Doch schon nach kurzer Zeit, nachdem die Übeltäter den Steinkoloss verlassen haben, kann sich der Held befreien und folgt zuerst einem merkwürdigen Geräusch. Dieses führt ihn zu einem weiteren Raum in der ein Käfig von der Decke hängt, in diesem befindet sich Yorda. Ein kleines Mädchen, das durch ihre Schemenhafte, vollkommen in weiß getauchte Erscheinung, wie aus einer anderen Welt wirkt. Darauf begehen wir unsere erste Heldentat und befreien sie aus ihrem Gefängnis. Darauf schließt sie sich uns an und es beginnt ein Abenteuer der besonderen Art.
Dieses steuert sich aber recht konventionell und simpel. Eine Taste zum Springen, eine zum Kämpfen, eine zum Interagieren und die R1-Schultertaste, welche wohl die wichtigste verkörpert, aber dazu später mehr. Der Kern von ICO besteht aus Rätseln, die es zu lösen gilt um dem Schloss zu entfliehen. Die Kopfnüsse entpuppen sich als abwechslungsreich und äußerst fair gestaltet, so werdet ihr wohl nie große Probleme haben, aber gleichzeitig auch nicht unterfordert werden. Zwischen den Knobeleinlagen befinden sich die Kämpfe. Neben der Taste mit der ihr eure Kontrahenten angreift, kommt hier der bereits angesprochene Button, der sich rechts oben auf dem Sony-Pad befindet entscheidend hinzu. Denn mit dieser interagiert ihr mit eurer geheimnisvollen Begleiterin. Ihr ruft sie damit herbei und nehmt sie bei der Hand. Kommen nun noch die Schattenmonster - eure Gegner – hinzu, die euch Yorda wiederrum entreißen und in ein schwarzes, sich am Boden befindendes Loch entführen wollen, entwickelt der Spieler Führsorge für das weiße Mädchen. So passiert schnell etwas, dass mit großer Sicherheit Mangelware auf dem Massemarkt ist. Der Spieler wird emotional berührt, vorausgesetzt er lässt sich auf das Geschehen und seine Charaktere ein. Ist das erst einmal gegeben, lässt einen das Spiel nicht mehr los, man möchte zusammen mit Yorda das Schloss verlassen und der unheimlichen Welt entfliehen.
Die Umgebung spielt nämlich auch eine entscheidende Rolle. Vollkommen leer, keine Menschenseele, Schattenmonster, Geheimnisvolle Plätze. All diese Attribute führen zu einer stimmigen, unglaublich atmosphärischen, bis melancholisch anmutenden Welt. Die Einsamkeit ist gleichzeitig faszinierend und beängstigend. Doch trotzdem möchte der Spieler unbedingt entrinnen, daraus bezieht das ganze Abenteuer letztendlich seine Motivation. Doch nicht nur deswegen ist ICO so besonders. Die bereits angesprochene Beziehung zwischen Spieler und den Protagonisten und wiederrum die Beziehung unter den beiden Gefangenen selbst, spielt hier ebenfalls eine wichtige Rolle. Anfangs scheinen ICO und Yorda so unterschiedlich zu sein und sich auf zwei verschiedenen Ebenen zu befinden. Verstärkt wird das dadurch, dass sich die beiden nicht verständigen können, da sie beide verschiedene Sprachen sprechen. Der Spieler vor dem Fernseher, bekommt auch nur, via Untertitel mitgeteilt, was ICO sagt, was Yordas Aussagen angeht, stochert der Spieler genauso im Dunkeln, wie der Junge. Trotzdem entsteht zwischen den drei Hauptbeteiligen eine unglaubliche Bindung, die für einige magische Momente sorgt und wohl niemanden ohne Kloß im Hals zurück lässt. Vorwerfen kann man den Entwicklern eigentlich nur, dass sie selbst beim Remake nichts, außer der Grafik verbessert haben. Die Steuerung mag damals zwar durchaus noch vertretbar gewesen sein, ist aus heutiger Sicht, aber viel zu ungenau und umständlich. Da hätte man noch einiges mehr rausholen können.
Shadow of the Colossus
Ganze fünf Jahre nach dem Erstlingswerk erschien Shadow of the Colossus. Zuerst als Multiplayer-Spiel angedacht, wurde aus dem ambitionierten Projekt, doch wieder ein Solo-Abenteuer, dass in einigen Facetten an den Vorgänger erinnert. So konnte der Titel ebenfalls gute Wertungen einfahren, der Erfolg an den Kassen blieb aber erneut aus, doch nicht nur diese Eigenschaft teilt sich das Spiel mit ICO.
Das Spiel handelt vom jungen Wanda, der sich in ein abgeschiedenes Land begibt, was im Allgemeinen als verboten gilt. Doch er hat ein besonderes Anliegen, denn er hat ein totes Mädchen dabei. In welcher Beziehung sich unser Held zu ihr befindet ist unklar, doch das Motiv von Wanda steht schnell fest. Denn als er in einem großen Tempel angekommen ist, legt er sie auf eine Art Altar und spricht dort zu einer größeren Macht, die sie wiederbeleben kann. Doch diese knüpft an den großen Gefallen eine noch größere Bedingung. Sie schickt ihn auf eine Reise in das unbekannte Land, in dem es 16 Kolosse gibt, die er töten soll. Warum? Wieso? Auf diese Fragen gibt es keine Antwort, Hauptsache seine verstorbene Freundin oder Schwester wird wiederbelebt.
Darauf schlüpft der Spieler in die Rolle von Wanda und erneut beginnt ein spezielles Abenteuer. Dieses Mal geht es wieder in eine geheimnisvolle Welt, in der ihr euch ohne jegliche Hintergrundinformationen befindet. Hier und da finden sich Bauten, die auf eine vergangene Zivilisation hindeuten, aber die Interpretation bleibt erneut der Fantasie des Spielers überlassen. Des Weiteren seid ihr wieder alleine, es gibt keine anderen Gegner, neben den Kolossen die euch erwarten und keine weiteren lebendigen Kreaturen oder gar Menschen, die euch etwas verraten könnten. Auf der Gameplayebene erwartet euch klassische Abenteuerkost, ihr habt ein Schwert und einen Bogen, die ihr gegen die übergroßen Gegner einsetzten könnt. Hinzu kommt, dass ihr im Gegensatz zu ICO die Welt vollkommen alleine durchstreift, obwohl so ganz stimmt das nicht. Zumindest tierische Begleitung in Form eures Pferdes Agro steht euch zur Seite. Diese Unterstützung auf vier Beinen ist in der großen Welt auch unabdingbar. Doch könnte der Name des Pferdes kaum treffender euren Gemütszustand beschreiben, wenn ihr Mal versucht euch auf das Pferd zu schwingen, um die Reise zu den nächsten Kollos zu starten. Auch ansonsten fällt hier die Steuerung noch weitaus unpräziser und unhandlicher aus, als bei ICO.
Doch kommen wir zum eigentlichen Kern, nämlich den Kolossen. 16 unterschiedliche erwarten euch in der Welt. Allesamt erfordern von euch eine andere Herangehensweise, die immer schwieriger herauszufinden ist. Manchmal müsst ihr euren Bogen einsetzten um den Gegenspieler anzulocken oder die Umgebung nutzen um den Koloss beispielswiese in eine Falle zu verfrachten. Das sorgt dafür, dass sich das Spiel trotz, dem auf den ersten Blick einseitigen Spielablauf, überwiegend Abwechslungsreich spielt. Einzigartig klingt das alles noch nicht. Doch hier kommt die Unwissenheit ins Spiel. Die bereits angesprochenen Fragen, die der Spieler zu Beginn hat, werden nicht geklärt und während der Spieler in die friedliche Umgebung der Kolosse eindringt, sie erklimmt und ihm seine spitze Klinge in den Kopf rammt, empfindet man Mitleid. Mitleid mit dem Feind, der weder aus Hass noch aus Vergeltung niedergestreckt wird. Alles nur wegen dem Mädchen, von dem man als Spieler nicht gerade viel weiß. Das Handling erweist sich hier noch mehr als bei ICO als umständlich. Gerade in den Kämpfen von denen es euren Feind vom Pferd aus zu schwächen gilt, kann euch die Steuerung schnell in den Wahnsinn treiben.
Auch aus heutiger Sicht sind beide Spiele absolute Meisterwerke, der jeder Mal gespielt haben sollte. Danach kann man immer noch entscheiden, ob deren spezielle Art einen selbst zusagt. Beide Abenteuer bestechen durch ihre Atmosphäre und jeweils durch eine emotionale und besondere Geschichte. Trotz des simplen Gameplays das hinter beiden Titel steckt, sind sie unglaublich intensiv und fesseln einen an den Bildschirm. Beeinflusst von vergangenen Geheimtipps, wie Eric Chahis Antoher World, hat hier das Team rund um Fumito Ueda ein zeitloses Meisterwerk geschaffen, das wiederum andere Entwicklergenerationen beeinflussen wird. Des Weiteren zeigen beide Spiele, wie man ein intensives und brillantes Spielerlebnis schaffen kann, ohne sich dem Massenmarkt anzupassen. Technisch sind beide Werke sicherlich nicht ausgereift und gerade Shadow of the Colossus vermag es einen in den Wahnsinn zu treiben. Ansonsten präsentiert sich die Neuauflage in erträglicher Optik und das Spielgeschehen läuft nun auch deutlich flüssiger als auf der PlayStation 2.
Bewertung
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Kommentare (2)
cody
27.11.2011 20:30 - Schade das man die Tests nicht mehr editieren kann. Es heißt natürlich:Auch aus heutiger Sicht sind beide Spiele absolute Meisterwerke, die jeder Mal gespielt haben sollte.
2happy
29.11.2011 12:01 - Seit gestern habe ich auch die Collection und spiele grade ICO. Ich empfinde es nicht mehr ganz so stark berührend wie damals auf der PS2. Vor allem die Kämpfe zerstören die Atmosphäre total, da wird meine Frustrationstolleranz häufig auf eine harte Probe gestellt. Doch in den ruhigen Momenten entsteht wieder die alte Magie (und mit eingeschaltetem 3D kommt sogar noch eine neue hinzu ...)Tipp: Nach dem ersten Durchspielen werden die Texte des Mädchens lesbar dargestellt:-)