Killzone 3-sehr gut aber noch nicht perfekt
Killzone 2 war und ist ein Grafikfeuerwerk ohne gleichen. Ein Konsolenshooter der Technik und Grafikreferenz war. Ein Shooter der altbekannte Gameplayelemente mit einer recht ungewöhnlichen Steuerung kombinierte die ebenfalls als einzigartig zu bezeichnen war.
Alles in allem war und ist Killzone 2 ein rundum sorglos Packet für Egoshooterfans das nur in Sachen Storytelling und Charakterzeichnung hätte besser sein können.
Guerilla Games wollen nun mit Killzone 3 an die alten Tugenden anknüpfen und alte Kritikpunkte ausmerzen.
Killzone 3 beginnt (wenn man das Tutorial außen vor lässt) genau an der Stelle wo Killzone 2 endet. Im Palast von Visari...bei seiner Leiche.
Rico, die charismatichste und idealistichste Figur in der Killzone-Reihe (und die einzige die in allen 3 Teilen eine große Rolle spielt), hatte Visari trotz gegenteilig lautenten Befehlen erschossen. Ein bisschen impulsiv ist er halt.
Wie auch immer....kurz nach dem Tod Visaris wurde der ISA und damit auch dem Spieler klar, das die Helghast noch einige militärische Ässer im Ärmel haben.
Die ISA sitzt nun nicht mehr nur in der von einer Atombombe zerstörten Hauptstadt Helghans fest, sondern auf dem ganzen Planeten!
Nach einer Filmsequenz in der beschlossen wird sich zurück zu ziehen, übernimmt der Spieler wieder die Kontrolle über Sargeant Thomas Sevchenko und man ballert sich durch die Ruinen der Stadt Pyrrus.
Innerhalb der ersten Spielminuten fallen zwei Dinge besonders auf.
Zum ersten ist die Steuerung von GG an den Shooterstandart angepasst wurden. Die "Eingabeverzögerung" die in Killzone 2 die schwere der Ausrüstung und die Bewegung des Körpers sehr gut simulierte, wurde fast komplett entfernt.
Ich schreibe deswegen "fast" weil die Animationen immer noch sehr gut den Körper und die schwere der Ausrüstung darstellen, ohne den für einige störenden "lag".
Ich muss zugeben das ich die Steuerung aus Teil 2 etwas vermisst habe, aber bin beeindruckt das GG einen zufriedenstellenden Kompromiss gefunden hat!
Das zweite auffällige ist die Implementierung der Gespräche zwischen den Hauptprotagonisten.
Alles in allem muss man zugeben das GG es schafft die Dialoge und die Story, zwei der Hauptkritikpunkte in Teil 2, besser zu präsentieren.
Die Gespräche sind neben der verbesserten Mimik auch auf darstellerischer Ebene sehr gut gelungen. Es gibt zwar immer noch die raue Kommandosprache und klischeebelastete Kriegsdialoge, aber die sind bei weitem nachvollziehbarer geschrieben und wirken realistischer. Die Charaktere sind nicht mehr so eindimensional wie noch in Teil 2. Auch sehr gut gelungen ist die Darbietung der Moral und Stimmung der ISA -Truppen. Erstere ist am Boden und zweitere ist gereizt!
Besonders fällt es bei der Beziehung zwischen Narville und Rico auf. Die beiden brüllen sich an, sie fluchen und drohen, da beide gegenteilige Standpunkte haben.
Narville will seine Truppen von dem Planeten holen, Rico möchte bleiben und weiterkämpfen und dafür sorgen das die Helghast nie wieder einen anderen Planeten angreifen können!
Aber nicht nur bei der ISA krieselt es. Auch die Führung Helghans ist nach dem Tod Visaris uneins.
Da ist zum einen Jorhan Stahl, der mächtigste Waffenindustrielle des Planeten und zum anderen Admiral Orlok (da hat wohl jemand Murnau´s Nosferatu gesehen). Beide wollen die Nachfolge Visaris antreten was recht interessante Szenen zur Folge hat.
Um ehrlich zu sein sind die Szenen in denen diese beiden sich gegenseitig die Verachtung füreinander ins Gesicht kotzen, die besten Videosequenzen von Killzone 3.
Und das ist als Lob zu verstehen.....ausnahmslos alle der ca. 70 Minuten Film im Spiel sind auf sehr hohem Niveau...nur diese sind besser.
In den Videosequenzen spiegelt sich auch das gut und böse der Story von Killzone 3 wieder.
Die Story ist, wie schon in Teil 1 und 2, recht vorhersagbar und banal.
Was an sich nicht schlimm ist...was stört ist, das dieses Setting in dem Killzone spielt bei weitem mehr Potenzial hat, man kann viel mehr aus der Geschichte, den Charakteren und vor allem aus dem Universum in dem Killzone spielt herausholen. Aber genau das machen GG wieder nicht!
Das ist enorm ärgerlich und schade. Und enttäuschend...denn GG hatten versprochen etwas mehr von den Helghast und deren Leben zu zeigen. Leider machen sie das nicht....obwohl es innerhalb der Killzone 3 Story sogar mehr als glaubhaft gewesen wäre. Man hätte wirklich einmal das Zivile leben der Helghast zeigen können.
Ihr Privatleben, in einem totalitären System, dessen Design eine Mischung aus dem Nationalsozialistichen Deutschland der 30/40ger und der Stalinistichen Räteunion mit ein bischen Darth Vader ist.
Wieder einmal schafft es GG mit ihrem Design der Umgebung und Gegner maximale Atmosphäre und Bedrohung zu erschaffen.
Wobei das Aussehen der obersten Helghast durch seine Kaiserbärtchen und Hitlerrotzbremsen unfreiwillig Trashig wirken. Oder vieleicht auch gewollt?
Vom Gameplayablauf her ist Killzone 3 seinem Killzone 2 Vorgänger fast komplett treu geblieben. Man kämpft sich meist zu Fuss durch beeindruckende Schlachtfelder in denen es nur so rummst und kracht. Fast plastisch wirkende Raussäulen, dichte real anmutende Nebel aus denen man immer wieder die rotglühenden Augen der Gegner erkennen kann. Kugeln die vorbeipfeiffen, Granaten die explodieren, Trefferzonen die den Gegner bei entsprechnder Einwirkung stolpern und ab und zu die Waffe verlieren lassen, die elektrorauchigen Stimmen der Helghast die sich Befehle und Informationen zurufen. Wind der Fahnen, Leitungen, Rauchsäulen und Funkenregen über den Bildschirm verteilt und ein nicht zugefrorenes Eismeer das durch seine Bewegungen die Eisberge herumwirft.
Killzone 3 ist im Gegensatz zu seinem Vorgänger weitaus abwechslungs- und actionreicher präsentiert. Wo sich in Teil 2 die Kampange doch recht dröge spielte geht GG in Teil 3 genau den gegenteiligen Weg. Frei nach dem Motto "in der Kürze liegt die Würze" (denn die Kampangne kann man in knapp 5 Stunden durchspielen) jagt man durch ein nervenaufreibendes Gefecht in das nächste. Einzige Pause bieten da nur die Videosequenzen und ein kurzer "Stealth" Abschnitt im Helghandschungel der wie der restliche Planet eine Gefahr an sich ist...ich wurde soweit ich mich erinnern kann noch nie so offen von Pflanzen attakiert...und ich bin Allergiker, gegen den jedes Frühjahr die Natur einen Privatkrieg führt ;-).
Nervenaufreibend sind die Gefechte auch wegen der KI die bemerkenswert klüger vorgeht als noch in Teil 2...was wunderbar ist, denn schon in Teil 2 war die KI sehr schlau und kam sogar an die FEAR KI heran.
FEAR, Killzone 2 und 3 sind die einzigen Egoshooter die mich durch das kluge Vorgehen der Gegner immer wieder unter Druck setzen.
Sie schmeissen geziehlt und effecktiv Granaten, gehen in Deckung und wechseln bei Bedrohung die Stellung, geben sich gegenseitig Unterstützungsfeuer, umrunden den Spieler, Fallen in die Flanke usw.
Alles in allem wie in Teil 2 nur noch etwas besser. Es gibt mit den Scouts eine neue Gegnerart die sich, nur mit Messern bewaffnet auf den Spieler stürzen und ihn töten.
Die Angriffe von den Scouts kann man recht gut durch Beschuss oder durch drücken der Nahkampftaste, wenn sie eingeblendet wird, verhindern.
Dies ist auch ein neues Gameplayelement. Jedesmal wenn man einem Gegner so nahe ist das man das weise in seien Augen sehen könnte (bei den roten Schutzbrillen schwierig) wird die Nahkampfmanövertaste eingeblendet. Wenn man sie drückt wird der Gegner, jenachdem wie und wo er steht über ein Geländer oder in einen Abgrund gestossen, die Kehle aufgeschlitzt, das Genick gebrochen, mit einem Messer ein Auge ausgestochen oder die Sichtfenster der Helghastbrillen in die Augen des Besitzers der Brille gedrückt.
Auch die Freunde KI hat dazugelernt....sie zielen jetzt effecktiver und nachvollziebarer und können den Spieler sogar widerbeleben....wenn sie nah genug sind!
Grafisch bietet Killzone 3 so einiges mehr als noch in Killzone 2. Es macht zwar keinen so riesigen Sprung wie zb von Uncharted 1 zu dem derzeitigen Grafik und Technikprimus Uncharted 2 aber ist denoch bemerkbar.
Die Charakterdetails wurden, vor allem in den Gesichtern bemerkbar erhöht. Aber auch Umgebungstexturen sind besser und abwechslungsreicher. Auch die Beleuchtung ist wieder sehr stimmugsvoll und sorgt ebenfalls für Plastizität der Umgebungen. Und die Effeckte wie Rauch, Feuer und Funken etc sind wieder auf sehr hohem Nieveau.
Auch bemerkenswert ist das ein Teil der Level weitläufiger sind als noch in Teil 2. Helghan ist größer geworden! Und prachtvoller. In den einzelnen Leveldetails sind auch einige Verbesserungen zu sehen. Kleinigkeiten wie perforierter Stoff, bessere Holztexturen sowie an der Bekleidung der KI Kameraden und Gegner sind Feinheiten wie Falten, Risse etc zu erkennen.
GG hat es geschaft den Planeten der Helghast etwas mehr Tiefe zu verleihen durch Kleinigkeiten und Erweiterungen. Die engen grau in grau gehaltenen Betonschluchten, die anscheinend nur aus Stahl bestehenden Gebäude und Fabriken gehören in ihrer Menge der (Spiel)Vergangenheit an.
Wie ich schon schrieb durchquert man als Sev nicht nur die völlig zerstörte und glaubwürdig designte Hauptstadt sondern stattet einem Dschungel und unter anderen einer Polarregion einen Besuch ab.
Das grafisch und spielerische Highlight begegnet dem Spieler aber erst kurz vor Schlus, auf einem schrottplatzähnlichen Gebiet und in der Nähe der Abschussrampe einer Orbitalstation wo es auch den einzigen großen Bosskampf gibt.
Und "Groß" ist wörtlich zu nehmen. In Form eines geschätzt 200 Meter hohem, vierbeinigen Metallkolosses der die ISA Streitkräfte an der Flucht hindern will. Der Kampf gegen diesen MAWLR ist in mehrere Phasen eingeteilt. Er beginnt am Boden und endet in einer Railshootersequenz in der Luft. Nichts besonderes aber dafür gut inszeniert!
Neben der recht kurzen Kampange kann man noch einen Koopmodus und den Multiplayer bestreiten.
Der Multiplayer ist...um es hier nicht ausarten zu lassen...kurz gesagt genauso gut wie im Vorgänger und bietet mit Fahrzeugen und Jetpack ein erweitertes Spielgefühl.
Man eleminiert Gegner, bekommt dafür Punkte und steigt im Rang auf mit denen man regelmäßig neue Waffen und Gadgets freischalten kann.
Desweiteren gibt es den "Einsatz" Mp Modus in dem man bestimmte Ziele ereichen muss und der mit Zwischensequenzen in den man seinen eigenen Charakter sieht aufgefrischt wird!
Eine gute Idee...und er macht Spass, kommt doch etwas "Zusatzkampangen" flair auf, unterscheidet sich aber bis auf das genannte nicht viel vom normalen MP modus.
Soweit so gut....jetzt will ich aber mal meckern.
GG hat es geschafft die meisten der Kritikpunkte aus Teil 2 zu überarbeiten und zu entfernen.
Die meisten......bei der Story leider nicht.
Die Geschichte die Killzone 3 erzählt ist an und für sich nicht schlecht für einen Shooter. Sie hält die Spannung größtenteils und verbindet die einzelnen Level nachvollziebar miteinander.
So weit so gut so Standart.
Ärgerlich ist das diese Story eigentlich viel mehr Ebenen hat, diese aber nicht zeigt. Sie hat enormes Potenzial das aber nicht genutzt wird!
Da wäre z.Bsp. Jammer...eine Soldatin der ISA. Sie taucht plötzlich in der Kampange auf, lässt ein paar mehr oder weniger kluge Sprüche ab, verschwindet wieder und taucht gegen Ende wieder auf.
Schön....und das wars...warum gibt es da keine Liaison zwischen ihr und einer der Hauptfiguren? Keine Eifersucht oder Verrat....das hätte die ganze Story aufgepeppt.
Auch bleibt der oben erwähnte Konflikt zwischen Rico und Narville so geradlinig und vorhersagbar?
Desweiteren frage ich mich wieso die Helghast erst nach der Zerstörung ihrer Hauptstadt und dem Tod ihres sicherlich hoch geliebten Anführers mit ihren mega super tollen Waffen an die Front fahren.
Da sind vor allem die Fahrzeuge und der MAWLR gemeint?
Und scheisse nochmal.....Klonen sich die Helghast?...oder warum sehe ich keine Weiber bei denen? Sind die so hässlich das selbst die Helghastkerle sie nur mit gesichtsmasken ertragen?
Verdammt nochmal da wäre mehr drin gewesen! Vor allem weil es storytechnisch gepasst hätte mal das Privatleben der Helghast zu zeigen....aber nöööööö...man stapft nur durch eine, zugegebenermaßen ansehnliche, Waffenfabrik.
Ausserdem frage ich mich was Rico in den 6 Monaten gemacht hat wo er aus der Story verschwindet...und überhaupt...was ist in den 6 Monaten genau passiert?
Was auch störend auffält ist das bei all den guten Texturen einige nicht so gute auffallen...es sind nicht sehr viele vorhanden...aber wenn fallen sie auf! Da hätte bei der Qualitätssicherung etwas besser darauf geachtet werden müssen.
Desweiteren versteh ich nicht wieso zum Henker man den Koopmodus nur Splitscreen spielen kann?!
Und auch an dem Splitscreenmodus habe ich etwas zu bekritteln. Es ist natürlich nachvollziehbar das man bei so einen Grafikspielchen wie Killzone 3 einen Splitscreenmodus grafisch reduzieren muss.
Umso schöner ist es das es nicht so sehr auffällt und die Texturen, Details und Efffeckte auch im Splitscreen großartig sind. Aber leider fallen da sehr Texturpopups, Tearing und Framerateeinbrüche auf.
An der Stelle hätte man etwas mehr sorgfalt walten lassen sollen.
Auch finde ich es merkwürdig das man im Koop nicht Sev und Rico spielt.....sonder Sev und Natko!
Natko...der unsympatische Arsch aus Killzone 2, der in der ganzen Killzone 3 Kampange nicht auftaucht und auch nicht vermisst wird ist im Koop mit dabei! rofl
Alles in allem ist Killzone 3 eine sehr gute Fortsetzung mit einigen Verbesserungen.......nur auf die Story hätten sie ein Auge mehr werfen können.
Und der Optimierung der Engine für den Koopmodus hätten sie etwas mehr Aufmerksammkeit zukommen lassen sollen!
Abgesehen davon ist Killzone 3 ein Heidenspass und sehr gut gelungen!
Wenn sie in Killzone 4 der Story etwas mehr Beachtung schenken wird es mir sicherlich eine 10/10 wert sein.
Denn eine voll ausgeschöpfte Story wäre für die Killzone Reihe einfach ein großer, längst überfälliger Schritt vorwärts.
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