Nicht unbedingt besser als PGR3
Ich behaupte mal, wer PGR3 kennt, der kennt auch PGR4. Anders ist der 4. Teil der Rennserie trotzdem. Inwiefern anders und warum nicht unbedingt besser kommt jetzt:
Project Gotham Racing 4 hat einen Vorteil und einen Nachteil. Der Vorteil: Großer Fuhrpark und viele Strecken. Der Nachteil: Fährt man Arcade oder den Karrieremodus, muss man oft vorgeschriebene Fahrzeuge benutzen. So gilt es gerade am Anfang, wenn man mit den schlechteren Klassen beginnt, dass man erstens furchtbare Fahrzeuge benutzen muss und zweitens oft nur mit einem oder zwei Boliden eine wirkliche Siegeschance hat.
Ich weiß, das ist Geschmackssache und ich werde das bei meiner Bewertung berücksichtigen, aber wenn ich eine Rennsimulation zocke, dann will ich weder einen Mini Cooper oder Mazda MX-5 fahren, noch irgend einen anderen Kleinwagen und auch keinen Oldtimer. Das man nicht mit der brutalsten Rennkarre anfängt und sich erst etwas erspielen muss steht natürlich außer Frage. Der ein oder andere mag vielleicht Oldtimer sogar begrüßen, mein Fall ist es gar nicht. Da der Fuhrpark so groß ist, würde ich mich daran auch nicht stören, aber man wird eben gezwungen mit den Dingern zu fahren…
Weiterhin kommt es vor, zumindest erging es mir so, dass man pro Klasse nur mit den ein, zwei vermeintlich besten, und damit meine ich leistungsstärksten, Fahrzeugen gewinnen kann. Mit anderen Autos, die einem vielleicht persönlich besser gefallen, hat man dagegen kaum eine Chance. Das finde ich auch sehr schade.
Weiterhin unübersichtlich und unpraktisch finde ich den neuen Karrieremodus. Man steigt in eine Meisterschaft ein, die sich um den ganzen Globus erstreckt und somit alle Rennlocations abdeckt. Dazu kommen sporadisch Spezialrennen, zu denen man eingeladen wird und bei denen man Fahrzeuge gewinnen kann. Das wirklich blöde bei den Rennen ist nun, wenn man über die Ziellinie gefahren ist, dann kann man das Rennen nicht wiederholen. Das ist bei manchen Events sehr ärgerlich, bei denen man auf jeden Fall z.B. Streckenkenntnisse braucht. Und das sind einige. Viel zu oft habe ich das Rennen kurz vor Schluss neu gestartet (ja, das geht dann wieder) und noch mal von vorne gemacht, bis ich die Strecke kannte und damit auch eine Siegeschance hatte.
Dazu kommen die Wettereffekte. Die sind zwar schön anzusehen, aber wenn z.B. eine Strecke vereist ist, dann muss man wissen, an welchen Stellen sich Glatteis befindet und muss seine Linie anpassen. Weiß man nicht, wo die glatten Stellen sind, kann man kaum crashfrei fahren. Das hat wieder so einen Beigeschmack von auswendig lernen… Zumal ich das ganze spätestens bei Eis und Schnee total übertrieben finde. Vor allem mit den Motorrädern. Das hätte nicht sein müssen. Und auch beim Wetter ist es so: das vom Spiel festgelegte Wetter ist unabdingbar…
Das aller, aller, aller schlimmste an PGR4 ist aber folgendes. Eine Sache des Gamedesigns, die bei mir auf völliges Unverständnis trifft. Und zwar habe ich PGR immer sehr geschätzt, weil man nicht nur die Verfolgerkamera hat, sonder auch aus der Egoperspektive bzw. Cockpitansicht fahren kann. Das ist für mich persönlich eigentlich essenziell an einem Rennspiel. Mit Entsetzen habe ich aber festgestellt, dass in PGR4 einiges unternommen wurde, um nicht aus der Cockpitperspektive zu fahren. Warum auch immer. Die Fahrzeuginnenräume sind super modelliert und der Motorsound ist im Fahrzeuginnenraum der Hammer, aber: Manche Autos haben getönte Frontscheiben. Kombiniert man das mit einer Strecke, auf der es viele schattige Stellen gibt oder schlimmstenfalls mit dunklem Regenwetter, dann ist es fast unmöglich so noch etwas zu sehen! Es ist so dunkel, dass man fast nichts mehr erkennen kann. Bei anderen Autos (dem TVR Sagaris zum Beispiel) ragt das Lenkrad so weit nach oben, dass wirklich die Strecke vom Lenkrad verdeckt wird! Wie kann das sein!? Beim Ferrari Enzo dagegen ragt das Dach so weit herunter, dass beim Bergabfahren die Strecke verdeckt wird! Weiterhin gab es in PGR3 auch in der Cockpitansicht einen virtuellen Tacho/Drehzahlesser/Ganganzeige. Hier nicht mehr. Hier werden, wenn man Glück hat, Geschwindigkeit und eingelegter Gang an den Armaturen angezeigt. Aber nur bei wenigen Autos. Ich habe mehr als ein mal ein Rennen verloren, weil ich durchs manuelle schalten in einer engen Kurve den Rückwärtsgang eingelegt hatte. Manchmal zählt man eben die Gänge nicht mit… Aber zum Glück gibt es auch viele Autos mit normaler Frontscheibe, bei denen man die Straße gut im Blick hat und somit auch in der Cockpitperspektive gute Zeiten fahren und Rennen gewinnen kann.
Letzter Kritikpunkt ist noch das Fahrverhalten der Gegner. Die K.I.-Boliden fahren nämlich mal wieder wie auf Schienen. Wenn man die Gegner sogar durch übelstes Rammen kaum aus der Bahn bringt, verliert man selbst schon beim geringsten Kontakt die Kontrolle übers Fahrzeug. Sehr frustig.
Nun gut, so viel zu den negativen Aspekten. PGR4 hat aber auch seine guten und starken Seiten. Der bereits erwähnte Fuhrpark ist natürlich grandios. Die vertretenen Marken zähle ich hier gar nicht erst auf, das würde mir zu lange dauern. Zusätzlich zu den Vierrädern sind ja im neuen Teil auch Zweiräder von Honda, Suzuki, Yamaha, Ducati, MV Agusta und weiteren Herstellern dabei. Die Bikes steuern sich zwar nicht ganz so gut wie bei Moto-GP, aber durchaus gut. Eine nette Dreingabe sozusagen. Man braucht allerdings etwas mehr Übung als mit den Autos.
Die Rennen sind dann, je nach dem was für ein Fahrzeug man hat, mal mehr und mal weniger spannend. Man merkt schon die Leistungsunterschiede einiger Fahrzeuge innerhalb einer Klasse.
Die Strecken sind auch zahl- und abwechslungsreich. Bekannte Locations wie London oder Las Vegas wurden aus PGR3 übernommen und zum Teil modifiziert und es sind weitere Schauplätze wie z.B. St. Petersburg und China dazugekommen. Der Nürburgring darf natürlich auch nicht fehlen.
Die Grafik ist weiterhin auf hohem Niveau. Die Fahrzeuge sind sehr detailliert und liebevoll nachgebildet. Tolle Spiegel- und Glanzeffekt am Lack machen Freude. Die abperlenden Regentropfen sehen wirklich sehr schön aus. Auch die Umgebungen sind schön in Szene gesetzt.
Beim Fahrverhalten ist PGR weiterhin mehr Arcade als Simulation, weiß aber auf jeden Fall zu gefallen und macht Spaß. Auf das Kudos-Puntesystem, bei dem man Kudos-Punkte für spektakuläre Manöver erhält, wurde noch mehr Fokus gelegt. Die Punkte bekommt man nun auch für Rennsiege und sie werden dann im Shop als Zahlungsmittel verwendet, um neue Fahrzeug-Pakete frei zu schalten. Sprich, wer spektakulär fährt und trotzdem noch den ersten Platz belegt, kriegt die meisten Punkte. Ob einem das jetzt gefällt oder nicht, ist denke ich Geschmacksache. Mir hat das System von PGR3 besser gefallen.
Neben den Normalen Straßenrennen gibt es wieder die Ausscheidungsrennen, bei denen pro Runde der Letzte ausscheidet, die Slalom-Fahrten und weitere Challenges bei denen es um Geschwindigkeit , Rundenzeit und Kudos-Punkte geht.
Im Großen und Ganzen ist PGR4 ein Rennspiel mit recht vielen Strecken, einem großen Fuhrpark, tollem Umfang und toller Grafik, dessen Gesamtbild allerdings durch ein paar Schwächen getrübt wird. Das aufgezwungene Wettersystem steht sich irgendwie selbst im Weg, mache Autos kann man nicht aus der Cockpitperspektive fahren und es gibt deutliche Leistungsunterschiede innerhalb der Fahrzeugklassen. das kaum vorhandene Schadensmodell ist auch sehr unspektakulär. Wer PGR3 besitzt sollte sich mehr als gut überlegen, ob die paar Fahrzeuge und Strecken es Wert sind den Nachfolger zu kaufen, oder zumindest noch mal persönlich testen.
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