Ridge Racer Unbounded

Plattform: (PC, PS3, XBox 360)
Release: 30. März 2012

User-Wertung:

Test: Ridge Racer Unbounded

Knapp zwei Wochen nachdem uns Capcom mit Resident Evil: Operation Racoon City gezeigt hat, das es nicht immer eine gute Idee ist, ein japanisches Franchise in westliche Entwicklerhände zu geben, beweist Namco, dass es auch besser geht: Mit Unbounded erhält die zuletzt ins Straucheln geratene Ridge Racer Reihe eine Frischzellenkur, die es wahrlich in sich hat.

Das Experiment scheint gewagt: Namco gibt den finnischen Entwicklern von Bugbear Entertainment, die sich vor allem mit den chaotischen Flat-Out Spielen einen Namen gemacht haben, das kultige Ridge Racer Franchise und ein hohes Maß an Narrenfreiheit in die Hand und tauft das Spin-Off dann schließlich "Unbounded", wobei man im Titel dreist den "Underground"-Stil von Need for Speed imitiert. Und entfesselt ist das Ergebnis dann auch wirklich: Denn das rasante Rennerlebnis in der fiktiven Stadt Shatter Bay entfaltet nach einer kurzen Eingewöhnungszeit ein unerwartetes Suchtpotential.
Eins vorweg: Unbouded ist nicht das klassische Ridge Racer. Hier geht es nicht darum, auf meist sterilen Kursen endlose Drifts hinzulegen um an einem großen Gummiband-Feld vorbeizufahren und als Belohnung ein paar hübsche Bilder des digitalen Topmodels Reiko zu bestaunen. Stattdessen hat Bugbear aus zahlreichen anderen Spielen ein Racing-Mixtape gebastelt, das viele bekannte Ideen zu einem Adrenalin geladenen Gesamtpaket vereint: Die Rennen in Shutter Bay zeigen deutlich die Flat-Out Erfahrung der Entwickler und verwenden außerdem Elemente aus Split/Second, Blur, Burnout, Trackmania und Splinter Cell: Conviction. Kein Scherz.
Test: Ridge Racer Unbounded Ziel des Spiels ist es natürlich, die Stadt zu übernehmen, oder wie es in Unbouded heißt, zu dominieren. Dafür rast man auf zahlreichen Rennevents um Punkte und Sterne. Punkte bekommt man für bestimmte Manöver, Sterne für die letztendliche Platzierung im Rennen. Mit den Punkten steigt man im Rang auf und schaltet neue Fahrzeuge und Rennevents frei. In jedem Event können bis zu drei Sterne erreicht werden, eine Wertung an die wir uns durch dutzende iPhone Spiele ja langsam gewohnt haben sollten. Das besondere an Unbounded ist allerdings das große Spektrum an Rennevents: Die sogenannten Shindo-Rennen sind noch am ehesten mit dem klassischen Ridge Racer Spielerlebnis zu vergleichen. In einem Feld mit 12 Gegnern gilt es den ersten Platz zu erreichen. Schlüssel zum Erfolg ist auch hierbei das Beherrschen der Drift-Funktion. Mittels gedrückter B-Taste (bei der Xbox 360 Version) versetzt man das Fahrzeug in den Handbremsen-Schlidder-Modus. Gerade im Vergleich mit dem schienenhaften Auto-Drift der traditionellen Ridge-Racer Teile dauert es hierbei etwas, bis man den Dreh, bzw. den Drift raus hat.
Im Vergleich zu den Shindo-Rennen lässt man dann aber in den Dominierungsrennen die Sau raus: Hier kommt die Zerstörung ins Spiel. Wer genug Boost-Energie durchs Driften gesammelt hat, kann Action-Events auslösen und so Abkürzungen freirammen. In dem man direkt durch ein Parkhaus, Einkaufszentrum oder Rathaus donnert. Aber Achtung. Ohne den Action-Boost bleibt man schlicht an der Wand kleben. Natürlich weckt dieser Spielmodus sofort Erinnerungen an Split/Second, wenn auch in Ridge Racer nicht der Streckenverlauf an sich geändert wird, sondern durch die Action-Events lediglich Abkürzungen freigeschaltet werden. Darüber hinaus können in diesem Modus die Gegner auch gerammt werden und hier zeigen sich natürlich deutliche Verweise auf Burnout. Die Takedowns, mit denen man gegnerische Fahrer aus der Bahn schubsen kann erinnern genauso an die Criterion-Spiele wie Boni für Rache-Kills, wenn man jemand an die Wand nagelt, der einem selbst zuvor ins Heck gefahren ist. Andere Spielmodi sind reine Zeitrennen, die manchmal auch in extrem anspruchsvollen Kursen stattfinden, die stark an Trackmania erinnern und sehr viel Geschick und ein gutes Gedächtnis erfordern. Bei Events der Kategorie "Drift-Attacke" kann der Spieler dann unter Beweis stellen, wie gut er die Handbremse wirklich beherrscht.
Test: Ridge Racer Unbounded Optisch macht das Spiel einen sehr guten Eindruck. Wie von Flat Out gewohnt, regnet es auf den meisten Strecken munter Partikel-Effekte, wenn die Fahrer durch Beton-Absperrungen donnern oder ganze Mauern in ihre Kleinteile zerlegen. Die schönen Lichtlinien, die beim Einsatz des Boost entstehen, erinnern sofort an den optischen Tricks eines Blur. Das die Framerate dabei stets konstant bleibt, hatten wir von Bugbear gar nicht anders erwartet. Besonders schick in meinen Augen und hier kommt dann auch der Splinter Cell Conviction Verweis: Informationen wie "Letzte Runde" "2 Sekunden Vorsprung" werden in großen weißen Buchstaben auf Wände in der Spielwelt projiziert. Alle Strecken können in verschiedenen Tages-Zeiten gefahren werden, was meist zu sehr stimmungsvollen Lichteffekten führt.
Wer will, kann diese Spielwelt auch selbst gestalten. Der mitgelieferte Strecken-Editor gibt dem Spieler die Möglichkeit, eigene Stadtkurse zu entwerfen. Dafür werden auf einem Raster vorgefertigte Elemente miteinander verbunden, was einem Trackmania Lite entspricht. Natürlich ist man dank der modularen Elemente nicht ganz so flexibel und kann damit nicht wie in anderen Streckeneditoren gleich bekannte Rennpisten nachbauen. Dafür kann man dank des Editors aber vor allem im Multiplayer immer jede Menge frischer Pisten bestaunen, was für Spannung und Abwechslung sorgt.
Test: Ridge Racer Unbounded
Glückwunsch, Namco: Mit Bugbear habt ihr den idealen Partner für den Ausbau des Ridge Racer Franchise gefunden: Unbounded ist eine riesige Pralinenschachtel voll knackiger harter Racing-Action. Wer in letzter Zeit durch Autopilot-Spiele wie Need for Speed: The Run zu sehr weichgespült wurde, kann nun mit Unbounded feststellen, dass Rennspiele durchaus fair und schwierig zu gleich sein können. Konsequent ist hierbei auch, dass Bugbear auf die von Codemasters eingeführte und in letzter Zeit inflationär eingesetzte Rückspulfunktion genauso wie auf einen nervigen Gummibandeffekt verzichtet. Natürlich möchte man manchmal den Controller in die Ecke werfen, wenn man in der letzten Runde mal wieder nach einem mißglückten Drift an der Hauswand hängen bleibt und vier Plätze verliert, aber diese Art der Herausforderung war vor einigen Jahren noch selbstverständlich in Rennspielen. Ridger Racer Unbounded ist damit die perfekte Empfehlung für alle Rennspielfans, die ihr Spiel gerne roh serviert bekommen und noch über intakte Beißwerkzeuge verfügen.

Kommentare

Pausenbrot
  

Kann die Euphorie um das Teil hier überhaupt nicht nachvollziehen - find das Game zeimlich mau. Die wohl schlechteste Mucke die ich seit langem in einem Spiel gehört hab und der Rest kann auch nicht wirklich was...

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CeeJay
  

So lustig der 4 Players Test... Selten so eine gequirlte Scheisse gelesen. Aber da hat ja auch Mass Effect 3 nur 75 % (unabhängig vom Ende total absurde Wertung)
Schön dass Areagames einfach nach dem Spielspass bewertet, und der ist, wenn man sich mal in die etwas ungewohnte Spielmechanik reingefuchst hat, auf jeden Fall da. Dass Gegner Autos was die Boosts angeht schummeln stimmt übrigens nicht. Das wirkt zu Beginn des Rennens gerne mal so weil die Gegner aneinander Windschatten fahren und dann eben die Leiste schnell voll haben. Selbst kann man das nur wenn man ein ziemlich beschleunigungsstarkes Auto wählt.
Bei solch einem Nischentitel ists wieder schön zu sehen wer wie bewertet, da kein Zwangskonsens vorliegt (zB wird niemand ein CoD unter 8/10 bewerten, wäre auch absurd). Häufige "Kritikpunkte":
- Schwierigkeitsgrad als Faktor (Gern von Spieleredakteuren als unfaire Spielmechanik kritisiert weil sie sich nicht so lange mit einem einzigen Titel auseinandersetzen wollen/können)
- Vorgefasste Meinungen (hier zB: ein RidgeRacer MUSS _SO_ sein.... blablabla)
- Innovationsmangel (Gern gesehen bei Spieleredakteuren: "Das Spiel XYZ bietet ja gar nichts neues!" erwähnt wird aber mit keinem Wort oder bestenfalls in einem Nebensatz dass das Gameplay durch extremen Feinschliff absolut perfektioniert wird (zB Halo Reach oder vor allem Gears of War 3) oder dass Fans der Reihe keine krampfhaften drangetackerten Neuerungen wollen)

Wie gesagt schön Areagames, weiter so!

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metropolisstreetracer
  

So gut mir RRU auch gefällt: ich hab gestern aus Neugierde mal wieder Flatout Ultimate Carnage eingelegt und war etwas schockiert, dass ein Spiel aus dem Jahr 2007 so viel besser aussieht und sich irgendwie auch besser spielt. Die Grafik wirkt viel schärfer, hat eine bessere Weitsicht - die Partikel und Wassereffekte sind ein Traum. Und durch das "normale" Driften und den Nitroboost spielt es sich viel intuitiver. Will hier nicht rumjammern, aber manchmal wird man das Gefühl nicht los, dass sich die Entwickler früher mehr Mühe gegeben haben - solche Premium-Spiele wie Flatout, PGR4 oder auch GRID sind jedenfalls schon länger nicht mehr erschienen. So, und jetzt wieder zurück ans Unbounded-Zocken ;-)

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mr. rogers
  

Ja gut ähhh...ist nen Argument:)

Aber trotzdem, hab nix gegen ein leichtes, dynamisches Gummiband in (Arcade-) Racern, kann durchaus die Spannung erhöhen. Aber denke hier gibts große Unterschiede was die Ausprägung betrifft...wenn ich ein perfektes Rennen fahre, dann sollte man das auch im Ergebnis sehen.

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Ashesfall
  

@mr. rogers
ganz einfach 4players ist eine trollseite was die tester angeht vorallem Michael Krosta. aber wer lange in der scene ist weiß das auch ... wenn ein tester sachen schreibt die einfach nicht der wahrheit entsprechen und man dies selbst leicht testen kann dann sagt das alles aus ...

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MachDichNass
  

@mr. rogers
Und ich dachte immer der "Gummibandeffekten" sei Real, da er in so vielen "guten" "Rennspielen" integriert wurde. :))

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mr. rogers
  

Schöner Test!
Aber manchmal weiß ich echt nicht, ob Redakteure völlig andere Testmuster erhalten. Ich will hier keinesfalls eine erneute Wertungs- bzw. 4Players Diskussion lostreten, aber wenn man bspw. dort von fürchterlichen Gummibandeffekten usw. liest und schließlich auf die Endwertung schaut, fragt man sich doch wirklich, was hier eher der Wahrheit entspricht. Dabei geht es ja nicht um subjektive Vorleiben usw., sondern um gamplayrelevante Mechanismen, die doch durchaus Argumente für oder gegen den Kauf eines Spiels darstellen...
Dennoch, jetzt hab ich auch lust drauf:)

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MachDichNass
  

@Alex
Was wills du mir damit zeigen?
1. mit dem ":))" wollte ich anzeigen das es nur als Witz gemeint war...
2. Was ist mit den Tests, AAA Titel haben doch fast alle eine hohe Wertung. Unbekannte Titel, die eh niemand spielt ligen da weiter hinten... Da haben woh 10x mehr den Test gelesen als das Spiel gekauft :)
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Da seh ich gerade ein Scandal, "Shaun White Snowboarding" eine 5/10 - zum Glück ist SSX sowas von besser :))
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Will mich auch garnicht über Bewertungen streiten, das sind nun mal eure Bewertungen.

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BigSM
  

Zock es seit Mittwoch und bin wirklich begeistert vom Spiel. Anfangs war es bissl frustend schwer, aber wenn man den dreh so langsam raus hat und mehr Auto freischaltet läuft es immer besser. Der Editor ist wirklich mal für Konsole einzigartig. 8/10 geht mit mir auch konform.
Einzig der MP ist bissl dünn geraten mit nur schnelles Spiel und dann nur Dominationsrennne, ich wittere da einiges an DLC.

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Alexander Voigt
  

@ MachDichNass:
Wirf mal einen Blick hier drauf
//games/spieletests
Und vergleiche das mit deiner "heutigen Skala".

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