Risen

Plattform: (PC, XBox 360)
Release: 02. Oktober 2009

User-Wertung:

Exklusiv Interview mit Sascha Henrichs (Risen)

Im Rahmen unseres "Berufe in der Spielebranche" Specials haben wir ein Interview mit Sascha Henrichs geführt, der bei der deutschen Rollenspielschmiede Piranha Bytes am PC- und Konsolenspiel "Risen" arbeitet. Erfahrt alles über den Arbeitsalltag eines deutschen Game-Designers.

AreaGames: Hallo Sascha. Zuerst zu deiner Person: Welche Tätigkeit führst du aktuell aus und was sind deine Aufgaben? Was war dein erstes Spiel?
Sascha Henrichs: Zur Zeit sitze ich am 3D Environment Modeling bei Piranha Bytes für das Spiel Risen. Mein erstes Spiel, an dem ich mitgearbeitet habe, war Gothic 1.
Wie bist du auf die Idee gekommen, Spiele zu entwickeln? War das ein gezielter Entschluss oder eher Zufall?
Ein Kollege von mir hatte vor ca. 10 Jahren bei Piranha Bytes aufgrund eines Stellengesuchs seitens Piranha Bytes dort angeheuert. Er sagte mir, wenn ich 3ds Max lerne, kann ich auch einsteigen. Das tat ich dann, und so kam ich zu meinem Beruf.
Hattest du zuvor eine spezielle Ausbildung oder eine, die dir in diesem Bereich von Nutzen war, z.B. ein Kunststudium oder Grafik-Design?
Nein, zu diesem Zeitpunkt hatte ich nur Abitur und keinen Plan, was ich machen wollte. Tatsächlich habe ich zu der Zeit schon ein paar Jahre auf der Baustelle gearbeitet. Im Abbruch, um genau zu sein. Einen PC habe ich mir erst, ein halbes Jahr bevor ich bei PB anfing, gekauft und habe direkt 3ds Max installiert und gelernt. Das war 1998.
Exklusiv Interview mit Sascha Henrichs (Risen)Wie sieht denn so dein Arbeitsalltag aus?

  • ca. zwischen 8-12 Uhr auf der Arbeit erscheinen
  • Computer an, Mails lesen, Kaffee, bisschen quatschen nebenbei
  • dann, je nachdem was ansteht, modellieren, texturieren, uvmappen, rendern, zeichnen, testen, Objekte setzen oder sonstige Editorarbeit, fortbilden, planen, Meetings, Fanpost lesen oder Interviews bearbeiten
  • oder von allem ein bisschen, über den Tag verteilt
  • nicht stressen lassen, sondern immer nach bestem Wissen und Gewissen handeln
  • abends meist gegen 21-22 Uhr das Büro verlassen; evtl. noch eine Stunde am Arbeitsrechner zocken

Exklusiv Interview mit Sascha Henrichs (Risen)Ist es überhaupt noch möglich, als völliger Quereinsteiger ohne jegliche Tool-Kenntnisse, außer der Leidenschaft für Spiele und Kreativität, anzufangen?
Ohne jegliche Tool-Kenntnisse war es schon immer schwierig bis unmöglich
.Ausschlaggebend sind in der Reihenfolge
1. Vitamin B
2. Portfolio, Motivation und Social-Skillz
3. Ausbildung im Game-Bereich
In allen Punkten, außer der Motivation und den Social-Skills (einmal Arschloch, immer Arschloch), kann man sich seit einigen Jahren an entsprechenden Schulen Unterstützung suchen. Ich begrüße die Entwicklung, da die Studenten aus solchen Instituten schon versierter und gleichzeitig auch näher am Thema ausgebildet werden als der klassische Autodidakt.Wenngleich ich selber niemals das Geld für so eine schule hätte aufbringen können.

Welche Fähigkeiten sind unerlässlich, um überhaupt als Artist in Betracht gezogen zu werden.
Spaß und Willen, etliche Stunden sitzend vor dem Computer zu verbringen und Dinge zu erstellen, die ohne Elektrizität nicht mehr existieren. Zudem sollte ein technisches Interesse vorhanden sein, sich in umfangreiche Softwareprogramme einzuarbeiten.Die Existenz von Orks, Außerirdischen, Magie und Spontanheilung nach Nahtoderfahrungen sollte beim Aspiranten Inspirationsschübe auslösen.

Wie hoch sind die Anforderungen an den Neuling? Wird er anfänglich noch geschont oder bleibt für wirkliche Betreuung keine Zeit?
Das kommt auf die Größe des Studios an. In der Regel haben kleinere Studios keine Zeit, Neulinge auszubilden. Sie sind auf die Motivation des einzelnen angewiesen, sich selbständig fortzubilden. Daher ist die eigene Motivation auch so wichtig. Man sollte viel zu zeigen haben und viel in der CG-Community unterwegs sein, wenn man seine Chancen maximieren will. Im übrigen lese ich mir selber noch ab und zu Anfänger-Tutorials durch, weil man immer noch den ein oder anderen Wissensfetzen auffangen kann, oder mal einen anderen Workflow kennenlernen kann.
Exklusiv Interview mit Sascha Henrichs (Risen)
Würdest du es empfehlen, eine Ausbildung im Art-Bereich wahrzunehmen? Es gibt ja mittlerweile einige Angebote und Schulen.

Ich habe vor ca. 2 1/2 Jahren als Dozent in der Games Academy in Berlin angefangen, und ich war anfangs selber skeptisch, ob dieses Schulkonzept aufgeht und Akzeptanz in der Games-Branche findet. Ja, ich habe es sogar belächelt.Mittlerweile muss ich sehen, daß sich beide Fronten, nämlich die Firmen und die Berufseinsteiger, durch diese Institution erheblich näher gekommen sind. Wahrscheinlich hat es sich so entwickelt, weil nicht nur Schüler an den Schulen sind, sondern auch Dozenten. Und gerade im Fall der Games Academy findet man überwiegend Dozenten direkt aus der Branche. Ich selber werbe mittlerweile bei Piranha Bytes dafür, lieber Games-Academy-Absolventen einzustellen, anstatt den üblichen Weg über Ausschreibungen zu gehen.

Wird bei der Bewerbung darauf geachtet, dass man bereits eine Ausbildung in dem Bereich genossen hat? Oder siehst du das eher als einen kleinen Bonus? Ich meine, es gibt ja sehr viele kreative Köpfe da draußen, auch ohne Abschluss.
Der Abschluss selbst ist vollkommen nebensächlich. Wichtig ist, wie und wo er gelernt hat und ob seine Sachen gut und konkurrenzfähig sind. Für mich ist es zudem sehr wichtig, den Bewerber zu kennen und seine Teamfähigkeit und Motivation einschätzen zu können. Also wieder Vitamin B. Die Kenntniss der Programme wird ohnehin vorausgesetzt.

Irgendwelche motivierenden Worte an unsere Leser oder ein guter Rat zum Schluss? Vielleicht könnte das einen letzten Unentschlossenen umstimmen.
Sollte sich die Welt nicht durch massive Katastrophen verändern (als Sci-Fi-Fan muss man ja ständig davon ausgehen), dann ist die Games-Industrie nach wie vor ein Zukunftsmarkt. Hier wird Geld gemacht. Wenn ihr auch was davon abhaben wollt, dann ran an den Kuchen. Die Bezahlung ist anfangs eher schmal, dafür hat man schnell sehr viele Aufstiegschancen, wenn man gut ist.Und außerdem: Stundenlang im warmen Büro auf seinem Hintern zu sitzen und kreativ zu sein, ist zumindest für mich angenehmer als jede andere Arbeit, die ich mir vorstellen kann.
Exklusiv Interview mit Sascha Henrichs (Risen)
Danke, dass du dir Zeit genommen hast.
Gern geschehen und besten Gruß!

AreaGames Special: Berufe in der Spielebranche

Kommentare

Werner Stelzenpop
  

"*Zuf?g* War das vorhin nicht noch ein anderer auf dem Interview-Bild ? O.o"
Ein Mann - zwei Friseure, oder so ?hnlich...

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FraggerC
  

*Zuf?g* War das vorhin nicht noch ein anderer auf dem Interview-Bild ? O.o

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FraggerC
  

Danke schonmal f?r das Special !

Gleich vorraus, ich weiss nicht ob etwas in die Richtung schon geplant ist...

Im Interview wird vom mageren Einstiegsgehalt gesprochen, wenn ihr so etwas habt, w?rde mich eine
ungef?hre Gehaltstabelle interessieren. Nat?rlich kann man je nach Leistung und Arbeitgeber unterschiedlich verdienen, aber vllt. gibt es ja durchschnittswerte ;D

Gru?

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Werner Stelzenpop
  

Das klingt schon mal vehei?ungsvoll. Jetzt hab ich doch mal wieder einen Grund das gute alte Internetz zu besuchen.

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Alexander Voigt
  

Und es geht morgen noch weiter :-)

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Werner Stelzenpop
  

Ich finde das komplette AG-Special richtig klasse und sch?n informativ - danke und weiter so!!

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