Shaun White Snowboarding: Road Trip

Plattform: (NDS, PC, PS2, PSP, Wii, Wii U, XBox 360)
Release: 14. November 2008

User-Wertung:

Shaun White Snowboarding: Road Trip

Ubisoft-Balance-Board-Action, die Zweite! Nach dem Multiplayer-Spaß Rayman Raving Rabbids TV Party, dürft ihr auf der Fitness-Platte nun authentisches Abfahrts-Gefühl erleben. Ist Shaun White also ein echtes Brett geworden?

Für die einen eine überflüssige Jahreszeit, die es möglichst ohne Blick nach draußen zu überbrücken gilt, für die anderen die Spaß-Saison schlechthin! Die Rede ist natürlich vom ... Sommer. Aber der Winter ist auch nicht schlecht. Zumindest wenn Schnee liegt. Das sieht hübsch aus und man kann sich endlich wieder den halsbrecherischen Sportarten widmen, für die die weiße, kristalline Masse unabdingbare Voraussetzung ist. Zum Beispiel: Schneeballschlacht! Wem das aber zu brutal ist, der schnallt sich das Snowboard unter (Skier für die Mädchen) und bügelt dem Berg die Falten aus der Schneedecke. Und wer sich das nicht leisten kann, dem bleibt immer noch die entspannte Abfahrt vor der Konsole und die (berechtigte) Brandmarkung als Loser, durch die echten Wintersport-Maniacs.So, nachdem ich auf überkomplizierte Weise eine Verbindung von Snowboarding und Videospielen geschaffen habe (So eine Einleitung will auch schon ihren Weg gegangen sein!) könnte man ja jetzt eigentlich was zu Shaun White Snowboarding für die Wii erzählen. Das Wichtigste gleich zum Anfang: Die Version für das Nintendo-System unterscheidet sich deutlich von der Xbox 360- und Playstation 3-Fassung. Den augenscheinlichsten Unterschied macht dabei natürlich die Grafik. Anstatt der Hochglanz-Realo-Optik der Next-Gen-Konsolen bekommt ihr hier Hardware- und Zielgruppen-entsprechend einen durchgestylten und technisch blitzsauberen Comic-Look serviert, welcher der Wii wirklich zur Ehre gereicht. Die Boarder sind geschmeidig animiert, die Weitsicht ist enorm, die Ausleuchtung stimmig und einige Gebiete sind ziemlich detailliert - andere Strecken dagegen weniger. Letzteres fällt aber nie wirklich ins Gewicht, da die Grafik stets wie aus einem Guss wirkt. Auch die Zwischensequenzen fügen sich nahtlos ins Gesamtbild ein. Moment, Zwischensequenzen? Ja, Road Trip versucht tatsächlich so etwas wie eine Story zu erzählen: Die beiden jungen Schneebrett-Freunde Gordon und Jasmine bekommen von Shaun White persönlich die Einladung an einem Snowboard-Event teilzunehmen. Doch immer wenn sie dort angekommen sind, ist der Meister schon wieder zur nächsten ober-coolen Location gereist. So landet ihr im Laufe des Einzelspieler-Modus in Ski-Gebieten in den USA, Chile, Kanada, der Schweiz und Japan. Dort gewinnt ihr die verschiedenen Herausforderungen, schaltet so nach und nach neue Strecken und kleine Extras, wie Andenken oder E-Mails frei und nehmt schließlich neue Freunde in eure Gruppe auf. Story- und Präsentation sind natürlich nicht preisverdächtig, aber ein willkommener und erfrischender Rahmen für ein Spiel, in dessen Genre immer noch meist flache, unpersönliche Menüs das Höchstmaß der Verbindung zwischen Spieler und Spielcharakter darstellen. Gerade die E-Mails sind eine nette Belohnung nach fast jedem Wettbewerb. So berichtet euch euer zurückgelassener Freund Mike, wie er euch verzweifelt hintererreist und sich dabei in jedem Land neue Verletzungen zuzieht oder machen euch obskure Spam-Mails darauf aufmerksam, wie moralisch verwerflich es doch ist Bären den Kopf zu rasieren.Shaun White Snowboarding: Road TripIn den einzelnen Wettbewerben geht es meist darum möglichst viele Trickpunkte zu verdienen (Oft auch mit Zeitlimit.) oder bestimmte Symbole einzusammeln. Rennen gegen andere Boarder werden eher selten ausgetragen. Jedes Mitglied eurer stetig wachsenden Runde hat typischerweise andere Werte in Kategorien, wie Geschwindigkeit, Sprungkraft, Grip oder Balance, sodass eine kluge Wahl hier jeweils echte Vorteile bringen kann. Ubisoft hat dem Spiel darüber hinaus aber noch ein interessantes Partner-Feature spendiert: Ihr wählt nämlich nicht nur den eigentlichen Fahrer, sondern auch noch einen Kameramann, der hinter euch ins Tal rast und durch dessen Linse ihr die Abfahrt verfolgt. Aber keine Angst, ihr erlebt hier kein Cloverfield im Gebirge, euer Hintermann hat euch stets ruhig im Bild. Verdient ihr während der Fahrt genügend Respekt-Punkte, zum Beispiel durch Tricks oder dem Einsammeln von Kronen, verleiht euch der treue Begleiter auf Knopfdruck, je nach gewählter Figur eine andere Fähigkeit. Das kann etwa ein Tempo- oder Grip-Boost sein oder die zeitweise Verwirrung (Steuerung wird umgekehrt) bzw. Erblindung der Gegner. Somit kommt noch eine kleine taktische Komponente ins Spiel, die sich auch deutlich auswirkt. Das Strecken-Design kann ebenfalls überzeugen. Zwar sind die Kurse nicht so irrsinnig, spektakulär und vertrackt, wie in der SSX-Serie oder so charakteristisch und durchdacht, wie bei den 1080°-Titeln, bieten aber einen ansprechenden Mix aus Realismus und Übertreibung, auch wenn sie optisch ruhig etwas abwechslungsreicher hätten ausfallen können.Shaun White Snowboarding - Road Trip bietet euch zwei Möglichkeiten der Steuerung an: Entweder mit Balance-Board und Wiimote oder nur mit der Wiimote. Durch Gewichtsverlagerung auf dem Brett bzw. Neigung der Fernbedienung wird der Boarder gelenkt, wildes Gefuchtel mit des Controller in Verbindung mit dem A- und B-Knöpfen führt irgendwie zu Tricks. Während das Manövrieren mit beiden Methoden erstaunlich gut und intuitiv vonstatten geht - wenngleich das Balance-Board etwas unpräziser reagiert - erfordert das Vollführen der Kunststückchen allerdings EINIGES an Übung und Disziplin und wird euch vermutlich das ein oder andere Mal frustrieren. Naturgemäß ist die Bewegungserkennung der Wii nun mal nicht 100%ig exakt, sodass man zwangsläufig hin und wieder zu unkontrolliertem Gewedel neigt oder in anderen Fällen die Fernbedienung nicht ganz gerade hält und die Spielfigur ungewollt eine Drehung macht und auf die Schnauze fliegt. Glücklicherweise gleicht sich das dadurch etwas aus, dass das Spiel nicht sehr schwer ist. Zumindest beim erstmaligen Durchspielen, was in etwa fünf Stunden in Anspruch nimmt. Danach werden weitere, wesentlich knackigere Herausforderungen freigeschaltet, bei denen nur noch absolute Konzentration und Beherrschung zum Sieg führen. Seid ihr auch damit durch, könnt ihr mit bis zu drei Freunden im Coop- (Alle Punkte werden zusammengezählt.), Versus- oder Hot-Seat-Modus (Es wird abwechselnd gespielt, wobei jeder gegen den Ghost des aktuell führenden Spielers antritt.) auf Talfahrt gehen. Auf Online-Unterstützung wurde unverständlicherweise wieder einmal verzichtet. Die Schnee-Gaudi wird übrigens Genre-typisch vom einem lizenzierten Soundtrack, mit Künstlern wie Run DMC, Faithless oder Black Rebel Motorcycle Club begleitet, der bei mir persönlich den Eindruck hinterließ aus den Songs zu bestehen, die bei anderen Trandsport-Spielen übriggeblieben sind. Ist aber sicher Geschmackssache. Dafür gibt's, man höre und staune, durchgängig gelungene deutsche Sprachausgabe! Shaun White Snowboarding: Road Trip Als Fan von Snowboard-Spielen war ich ziemlich gespannt auf Shaun White Snowboarding für die Wii. Letztlich ist das Spiel ein solider Vertreter seiner Zunft geworden, der auf dem System mangels Alternativen wohl als Referenz betrachtet werden darf. Road Trip sticht vor allem aufgrund der sympathischen Präsentation aus der Masse hervor. Die Charaktere sind herzig, wenn auch etwas infantil in Szene gesetzt und verbreiten positive Stimmung. Das Partner-Feature ist eine gute Idee, die man aber noch hätte ausbauen können. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Zwei-Spieler-Modus, in dem ein Spieler den Haupt-Boarder übernimmt und der andere den Kameramann, der versuchen muss ihn die ganze Zeit im Bild zu halten? Hätte prima funktioniert, hätte man denn auch das Nunchuck unterstützt. Eine Sache, die ich nie begreifen werde: Wieso wird keine weitere Bedienungsmöglichkeit mit dem Control-Stick angeboten? Bei Ferrari Challenge hat das doch auch geklappt. Ich will nun mal nicht gezwungen sein durch krampfige Neigungen meine Spielfigur zu lenken. Realistischer fühlt sich das auch nicht an. Hier spielt natürlich das Balance Board seine Stärken aus, welches das Gefühl wirklich auf einem Snowboard den Berg hinab zu gleiten recht authentisch vermittelt. Ansonsten kann sich SWS nicht mit den Genre-Größen messen. Es bietet weder den Umfang und die Vielseitigkeit eines SSX, noch den Realismus von Amped 3, noch das geschmeidige Fahrgefühl eines 1080° Snowboarding. Was Road Trip schließlich liefert ist eine überaus schicke Grafik, ein ordentliches Geschwindigkeitsgefühl und insgesamt gut gemachte Standardkost, mit ein paar netten kleinen Einfällen. Fans des Genres machen damit sicher nicht viel falsch, sollten aber keinen Überkracher erwarten und aufgrund der Steuerung vorher mal anspielen.

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