Silent Hill: Shattered Memories

Plattform: (Wii)
Release: 15. Februar 2010

User-Wertung:

Wii-Testrunde: Silent Hill, Sky Crawlers, Alice im Wunderland

Drei Mal ausgiebige Nutzung der Bewegungserkennung, drei Mal filmreife Cutscenes, drei Mal Sprachausgabe satt und drei Mal schwarzer Kater (Gelogen!). Dennoch könnten unsere drei Testrunden-Kandidaten unterschiedlicher kaum sein. Ob das nur für's Gameplay oder auch für die Qualität der Spiele gilt, lest ihr in drei Mal hervorragend geschriebenen Testberichten. (Gelogen!).


Alice im Wunderland

Ich wünschte ich hätte auch eine Blaupause für Rezensionen zu Spielen wie Alice im Wunderland. Dann könnte ich es mir sparen jedes Mal mühsam einen neuen Text zu tippen. Schließlich haben die Entwickler eine solche scheinbar auch genutzt, um die Filmumsetzung des Tim Burton-Streifens zu gestalten. Trotz völliger Abwesenheit von Originalität und Passagen lustlosen Voranarbeitens, kann sich Alice, dank solider Production Values und dem Charme der gelungenen Vorlage, auf einem ordentlichen Niveau einfinden, welches inzwischen recht viele Lizenzversoftungen erreichen. Anstatt die Titelheldin (welche komischerweise nicht mal auf dem Cover des Spiels zu sehen ist) durchs wundersame Unterland zu lenken, übernehmt ihr die Rolle der putzigen Nebenfiguren, wie McTwisp, Mally ... Mellykum ... Calcium, die Maus eben oder dem Märzhasen, von denen sich im Laufe der Odyssee noch weitere dazugesellen, bis eure Truppe zu sechst ist, wobei die kleine Alice euch ständig begleitet. Die verschiedenen Charaktere sollen euch aber keine geschmackliche Auswahl bieten, sondern verfügen allesamt über nützliche Fähigkeiten, die ihr überlegt einsetzen müsst, um Wege zu ebnen, Rätsel zu lösen, Schätze zu erhaschen oder Bosse zu besiegen. Mc Twisp kann mit seiner Uhr zum Beispiel die Zeit anhalten oder zurückdrehen und so sich wild drehende Wegweiser kenntlich, viel zu schnell plappernde Vögel verständlich oder Gegner bewegungsunfähig machen. Der Märzhase hingegen beherrscht Telekinese und baut damit Brücken aus Steinplatten, bewirft Feinde mit Felsbrocken oder holt fliegende Truhen auf den Boden zurück. "Überlegter Einsatz" ist dabei allerdings dramatisiert, denn das Spiel ist kinderleicht. Problemlösungen sind meist offensichtlich und solltet ihr mal das Zeitliche segnen, werdet ihr gegen einen kleinen Obulus an Leucht ... dingern wieder ins Leben gerufen. Und von denen gibt es gefühlte Millarden. Wie der Film ist auch das interaktive Alice im Wunderland hübsch anzusehen und anzuhören. Das Design der Kulissen und Figuren hält sich strikt an die Filmvorlage und besitzt einen hohen Wiedererkennungswert. Warme, geschmackvolle Farbgebung dominiert das Bild. Die deutschen Sprecher leisten ebenfalls einen guten Job und sprechen ihre Rollen mit der nötigen Hingabe, auch wenn es nicht immer die Stimmen aus dem Film sind. Fans des Films bekommen also in dieser Hinsicht viel von dem geboten was sie erwarten dürfen. Fans von Videospielen erwarten inzwischen aber mehr. Denn was nützt die ganze gute Technik, wenn die Entwickler es nicht so recht verstehen sie kreativ einzusetzen. Diese Kritik trifft vor allem das Leveldesign, das fast durchgehend willkürlich zusammengeschustert wirkt. Die Welten, welche ihr durchstreift lassen jegliche Glaubwürdigkeit vermissen und bestehen aus zusammenhangslosen Labyrinthen, ohne jede Funktion. Hier gibt es einen Haufen Riesenpilze, da alle zwei Meter Wegweiser, obwohl die Richtung ohnehin eindeutig ist, dann wieder eine Lichtung. Doch selten wirkt die Szenerie organisch oder sinnvoll geschaffen. Obendrein gibt es über weite Strecken nicht mehr zu tun, als wie auf Autopilot Büsche, Schatzkisten, Statuen und andere Büsche zu zerhacken, um an Orbs zu kommen, was schnell das große Gähnen verursacht. Die gute Bedienung, die auch die Motion-Funktionen recht geschickt einzusetzen weiß, aber auf Möglichkeiten der Kamerabeeinflussung fatalerweise komplett verzichtet und das Wechselspiel mit den herzigen Figuren wissen allerdings zu erfreuen. Mal wieder ein Fall für jüngere Zocker.
Wertung: 6 von 10
Wii-Testrunde: Silent Hill, Sky Crawlers, Alice im Wunderland

The Sky Crawlers – Innocent Aces

Natürlich kann ein Flugactionspiel auf der Wii nicht auf die vermeintlich authentische Einbindung der Bewegungserkennung zur Steuerung der schwer bewaffneten Flieger verzichten. Wenn ihr es allerdings nicht auf eine Sehnenscheidenentzündung anlegt, vergesst ihr mal ganz schnell wieder, dass ich sie überhaupt erwähnt habe. The Sky Crawlers - Innocent Aces, welches bei dieser Gelegenheit von mir gleich mal das Prädikat "Dämlichster Titel des Monats" verliehen bekommt, bietet alternativ aber auch eine griffige Analogstick/Button-Kontrolle an, mit der es sich prima aushalten lässt. Völlig ohne jede Wahlfreiheit müsst ihr jedoch die absonderliche englische Sprachausgabe hinnehmen, die euch in Briefings und Zwischensequenzen in der Ohrmuschel reibt. Im Gegenzug ist das auch ein Zeugnis der, für ein derat unbekanntes und wenig beworbenes Spiel, guten Production Values. Statt Comic-Standbildern, wie in vielen anderen Titeln mit Rahmenhandlung im Anime-Gewand, bekommt ihr regelmäßig kurze Zeichentrickfilme auf ansehnlichem TV-Niveau geboten. Darin wird die Geschichte von - wie sollte es anders sein - Kinderpiloten in einem fiktiven Krieg erzählt, bis zur Oberkante gefüllt mit Pathos und pseudophilosophischem Gebrabbel. Alles in allem nichts aufregendes, aber nett anzusehen und die Story hält die Missionen gut zusammen. Trotz erfundenem Hintergrund, orientiert sich das Szenario deutlich am Zweiten Weltkrieg bzw. dessen medialer Aufarbeitung, mit omnipräsenten Grautönen und Propellermaschinen, die sich ausnahmsweise nicht in Roboter verwandeln können. Der Look ist dezent, wirkt aber niemals billig und schafft einen erstaunlich glaubwürdigen Spagat zwischen Cartoon-Fiktion und Echtwelt-Realismus. Während der Flüge sorgen vertonte Funknachrichten für zusätzliche Atmosphäre, sofern ihr sie verstehen könnt. Denn zum Untertitel lesen werdet ihr während der schweißtreibenden Dogfights kaum kommen. Diese stellen das Highlight von Sky Crawlers dar. Habt ihr euch erstmal durch die unnötig umständlich angelegten und minimalistisch hässlichen Menüs gearbeitet und eure bevorzugten Einstellungen gefunden, geht die eigentliche Kontrolle der Flugzeuge schnell in Fleisch und Blut über und findet auch hier den richtigen Kompromiss aus Zugänglichkeit und Anspruch. Nach energischer und gnadenloser Jagd seine Abschüsse präsentiert zu bekommen sorgt für ein befriedigendes Siegergefühl. Wenn ihr Feinde vom Himmel holt, bekommt ihr als Belohnung nach und nach neue Waffen, Lackierungen und Maschinen, die sich alle sehr verschieden spielen bzw. jeweils für bestimmte Zwecke besser oder schlechter geeignet sind. Auch das Missionsdesign bemüht sich um Abwechslung und schickt euch aus, um neue Rekruten zu beschützen oder etwa die Transportzufuhr des Feindes zu unterbrechen, selbstredend stets verbunden mit dem wegholzen von Luft- und Bodenzielen. Besonders cool: Seid ihr einem Gegner lange genug dicht auf den Fersen, füllt sich eine Leiste und je nach dem wie weit sie bereits geladen ist, könnt ihr per C-Knopf ein verwegenes Manöver auslösen, das euch sofort abschussfertig hinter den Strolch setzt. Über das Steuerkreuz lassen sich weitere freie Aktionen, wie Kehrtwenden abrufen.
Während das Weltraum-Shooter-Genre im Koma liegt, schaffen es immer wieder ein paar Himmelsstürmer auf den Markt, meist in zweifelhafter Qualität. The Sky Crawlers gehört zu den lohnenswerten Vertretern. Zwar kratzt auch die Anime-Luftschlacht nicht am Status eines Crimson Skies. Dafür fehlt es hier und da an Feinschliff, einer wirklich interessanten Geschichte und dem Wow-Faktor des Gesamtpaketes. Viel falsch macht das Spiel aber auch nicht. Ich mag's.
Wertung: 7 von 10
Wii-Testrunde: Silent Hill, Sky Crawlers, Alice im Wunderland

Silent Hill – Shattered Memories

Nennenswerte Wii-Testmuster sind in diesem Monat knapp und deswegen muss Silent Hill - Shattered Memories in der Testrunde Platz nehmen, obwohl es eigentlich einen alleinstehenden Langtext verdient hätte. Leider wird diese Behandlung für einige wohl Alex' These bestätigen, dass die exklusive Veröffentlichung eines Silent Hill (das Spiel erscheint parallel aber auch in beinahe gleichwertigen Versionen für PS2 und PSP) auf Nintendos Lifestyle-Konsole den entgültigen Todengesang für die Serie bedeuten würde, nachdem schon The Room und Homecoming nicht mehr an die Qualität der ersten drei Teile anknüpfen konnte. Ein solches Urteil aber deswegen vorab auch auf Shattered Memories zu beziehen, würde dem Titel Unrecht tun. Climax, die bereits für Silent Hill: Origins verantwortlich zeichnen, haben mit großem Enthusiasmus und handwerklicher Versiertheit, einen intimen, fiebrigen Albtraum in Videospielform geschaffen, bis in die Ecken poliert und in seiner künstlerischen Ausführung mit einem enormen Gespür für suggestive Situationen und beispielhafter Konsequenz dargebracht. Man hat nie das Gefühl, dass hier unter Auftragszwang lustlos ein Spiel programmiert wurde oder die Hardware-Leistung die Entwickler in der Umsetzung ihrer Vision eingeschränkt hätte.
Keine Zombies, kein alter Kult und schon gar keine Dinosaurier bedrohen das Wohl der Welt. Harry Mason erlebt seine ganz persönliche Odyssee, als er mit seinem Auto in den Graben kracht und, nachdem er wieder zu sich kommt, seine siebenjährige Tochter Cheryll verschwunden ist. Nur mit Taschenlampe und Handy ausgerüstet, macht er sich im, durch einen Schneesturm von der Außenwelt abgeschnittenen Silent Hill auf die verzweifelte Suche nach dem kleinen Mädchen. Allerdings liegt dieses Erlebnis bereits hinter euch. In der Gegenwart berichtet ihr euer Trauma einem Psychotherapeuten. Dieser stellt euch immer wieder bestimmte Fragen, lässt euch Tests machen oder gibt euch Aufgaben, wie zum Beispiel ein Bild auszumahlen oder einen Stundenplan zu erstellen. Abhängig von euren Antworten ändern sich in den gespielten Rückblenden Wege und Zwischensequenzen, ihr trefft andere Personen oder sie sehen anders aus. Eine brillante Idee, die das Spiel mit zunehmender Dauer zu einer ganz persönlichen Erfahrung macht. In der Folge nicht so bedeutungsschwer wie bei Heavy Rain, dennoch sind die Spiele durchaus vergleichbar. Hier wie dort setzten die Entwickler auf eine nahtlose und vielseitige Verschmelzung mit der Spielwelt. So verzichtet auch Silent Hill komplett auf Bildschirmanzeigen. Speichern und laden erledigt ihr über das Handy, mit dem ihr auch Fotos schießen, Textnachrichten und Audioaufzeichnungen abrufen und - wer hät's gedacht - telefonieren könnt. Zudem haben es Climax verstanden, die Bewegungserkennung durchdacht und sinnvoll zur Interaktion mit eurer Umwelt einzubinden, etwa wenn ihr Schränke öffnet, Schalter verstellt, Gegenstände ausrichtet oder euch, wie schon bei No More Heroes, die Wiimote ans Ohr halten müsst, wenn ihr Telefonate führt. An einigen Stellen ist die Durchführung dann zwar doch etwas fummelig. Dennoch ist Silent Hill wieder ein Beweis, wie sich auch etablierte Spielkonzepte mit der Wii-Steuerung überzeugend ergänzen lassen. Das betrifft vor allem die Nutzung eurer Taschenlampe, deren Schein ihr eins zu eins mit dem Wiimote-Pointer über die Umgebung wandern lasst. Lichtkegel und Schattenwurf wirken dabei dermaßen authentisch, dass Silent Hill in diesen Momenten zur ultimativen Illusion einer einsamen, nächtlichen Wanderung durch einen Wald oder eine Ruine wird, wo jedes Geräusch und jede nur schemenhaft zu erkennde Silhouette ganz unweigerlich urängstliche Vorstellungen unbekannter Bedrohung hervorruft. Die vibrierende Soundkulisse, mit markerschütternden Schnarrgeräuschen und sporadisch einsetzender Gänsehautmusik, fügt sich nahtlos in das Bild verstörender Unterschwelligkeiten. Diese nehmen in den Eisabschnitten allerdings erschreckend greifbare Form an. Deren Entstehung gehört, nebenbei bemerkt, schon jetzt zu den definitiven "What the Fuck?"-Momenten in diesem Spielejahr. Hier werdet ihr gnadenlos von gesichtslosen, schauderhaften Kreaturen verfolgt. Und das Survival-Horror-Genre findet zur Bedeutung seines Namens zurück. Den Unwesen könnt ihr nämlich nichts anhaben. Euch bleibt nur ... zu rennen. Umgeworfene Hindernisse oder Leuchtfakeln halten sie nur kurz fern, während ihr wie ein getriebenes Kaninchen den Ausgang aus dem Labyrinth sucht. Hier stieg bei mir die Panik auf, die schon Resident Evil 4 hätte auslösen sollen. Shattered Memories gibt euch aber keine Schrotflinte in die Hand, mit der ihr die Gefahr flux in einen Haufen kleinteiliger Gehirnmasse verwandeln könnt. Dieses Gefühl der Hilflosigkeit, in Verbindung mit der stetig ansteigenden Verzweiflung und Verwirrung des Hauptdarstellers, die direkt auf den Spieler überspringt, zieht euch mit festem Griff in die Welt von Silent Hill und zwingt euch zum Weiterspielen.
Leider ist das Spiel mit ca. sechs Stunden sehr kurz geworden. Doch die individuellen Verläufe erzeugen einen gewissen Wiederspielreiz. Abgesehen davon, kann ich dem Titel nichts ankreiden. Die Grafik überzeugt vollends, mit realistischen, aber abwechslungsreich ausgestalteten Gegenden, die trotzdem eine unterkühlte Unwirklichkeit an sich haben und fein modellierten Charakteren, die mit lebendigem Minenspiel glänzen, an dem sich Emotionen deutlich ablesen lassen. Dezent eingesetzte, aber wirkungsvolle optische Effekte runden den Eindruck ab. Die englische Sprachausgabe darf ohne Zurückhaltung als perfekt bezeichnet werden. Das Rätseldesign erweist sich als originell, wenn auch nicht immer sofort nachvollziehbar. Da die Lösung aber meist in der Nähe liegt, solltet ihr vor keine allzu großen Probleme gestellt werden. Somit ist Shattered Memories ein kleines Meisterwerk geworden, das in Sachen psychologischer Tiefe sogar Quantic Dreams Serienkiller-Jagd auf der PS3 übertrifft. Hier beweisen Climax, dass man mit viel Leidenschaft auch auf der Wii einen echten Vorzeigetitel erschaffen kann und zeigen dabei ihr ganzes Können.
Wertung: 9 von 10
Wii-Testrunde: Silent Hill, Sky Crawlers, Alice im Wunderland

Kommentare

Johannes Krohn
  

Naja, aber 'ne Testrunde mit nur zwei Titeln ist einfach etwas sp?rlich. Deswegen ist Silent Hill hier noch mit reingerutscht, um auf die ?blichen drei zu kommen und gleichzeitig noch halbwegs Aktualit?t zu waren, denn die Tests waren ja ?berf?llig.

Zitieren  • Melden
0
consolefan22
  

Was haben knappe Testmuster mit einen allein stehenden Test zu tun, den h?tte man doch auch so machen k?nnen?

Zitieren  • Melden
0
Johannes Krohn
  

Ach, ich bekomme immer wieder feine Geschenke in Form von Spielen oder technischen Ger?ten und wurde schon mehrfach zum Essen eingeladen. Kann mich also nicht beklagen. Aber danke f?r die Blumen und die Anstiftung zu noch mehr Lob. ^^

Zitieren  • Melden
0
Thanatos
  

Also, da sieht man mal wieder, wie flei?ig Herr Krohn ist. Und das alles ganz unentgeltlich! Alex und Daniel sollten ihre Dankbarkeit mal im Podcast anklingen lassen, das hat der Johannes verdient.

Zu den Tests: Dass Silent Hill SM so gut abschneidet, freut mich sehr. Das Silent Hill-Fanboy-M?nnchen in meinem Kopf spielt Ukulele ;)

Zitieren  • Melden
0

Kommentar schreiben

B I U Link Zitat Bild Video