Singularity

Plattform: (PC, PS3, XBox 360)
Release: 24. Juni 2010

User-Wertung:

Singularity

Der Kalte Krieg lebte seinerzeit von der Angst vor und den Fantasien über alles, was die Aufrüstungsstrategie des jeweiligen Feindes betraf. Und genau eine solche Fantasie bewog die beiden Raven-Gründungsbrüder nun dazu, einen neuen Shooter mit Zeitreisethematik ins Leben zu rufen. Wir ließen uns eine aktuelle Version von Singularity auf der gamescom vorführen und wagen auf Basis dessen gleich schon mal eine Prognose für... ja, die Zukunft des Titels abzugeben.


Back to the 50s

Nate Renko mag ein echtes "U.S. Air Force"-Flieger-Ass sein, vor dem Absturz über einer mysteriösen Insel der Russen konnten ihn aber selbst seine Fähigkeiten am Steuerknüppel nicht bewahren. Ob der Flugunfall etwas mit den geheimen Experimenten auf dem Eiland zu tun haben könnte? Die Blackbox von Nates Jet wird gewiss Auskunft darüber geben und darum gilt es für euch auch primär, das Kästchen wiederzufinden. Euer Reiseführer im ungewollten Urlaubsort ist Yuri, der einsame Überlebende eines schiefgelaufenen Versuchs der Russen, mit Zeitmanipulation herumzuspielen. Bei der Katastrophe, welche sich bereits in den 1950ern ereignete, wurde ein Großteil der Insel Katorga-12 mit einem Stoff namens E-99 in Kontakt gebracht. Das Raum/Zeit-Gefüge ist dort entsprechend instabil und so driftet ihr in Singularity auch ständig zwischen dem Jahre 2010 und der 60 Jahre früher spielenden Vergangenheit hin und her. Script-Events mit Geisterformen, bzw. in Endlosschleifen feststeckenden Zeitspuren aus der Vergangenheit, enthüllen nach und nach, was genau sich damals beim Fehlversuch im Großkomplex zugetragen hat. Welche Rolle die stark entfremdete, fast wie von einem anderen Planeten aussehende Pflanzenwelt auf Katorga-12 einnimmt, dürfte Ravens Story gewiss noch um einen interessanten Handlungsstrang erweitern.
Singularity

Hier wird an der Uhr gedreht

Über das TMD (Time Manipulation Device) wurde in unserer Singularity-Newsberichterstattung schon jeder einzelne lustige Handjob-Wortwitz gemacht, entsprechend können wir uns hier ausnahmsweise mal ganz der trockenen Fingerarbeit widmen und euch die humorlosen Fakten zum Gerät liefern. Die zu Anfang des Spiels gefundene Vorrichtung macht eure Hand zur Waffe, indem es euch mit simplen Bewegungen der fünffingrigen Extremität über den zeitlichen Zustand von Gegenständen und sogar Lebewesen entscheiden lässt. Drückt man den entsprechenden Trigger auf der linken Seite des Controllers, geht's in den Verjüngungsmodus. Der rechte Trigger dagegen lässt alles im anvisierten Bereich altern. Falls ihr euch jetzt denkt "Jungbrunnen, alter!", kommt ja nicht auf die Idee, eure eigene Hand gegen euch selbst zu richten, um ein paar Fältchen oder Schulhofnarben zu bereinigen. Zum einen lässt sich nur manipulieren was mit dem E-99 kontaminiert wurde und zum anderen ist der Effekt des TMD doch recht radikal. Gegner altern in Sekundenschnelle zu Staubmumien oder verjüngen bis zur... Monsterexistenz? Da die Verwandlung in Babys ein wenig zu... grenzwertig gewesen wäre, so erklärten uns die Entwickler, bewirkt die massive Zeitrückversetzung bei Feinden stattdessen, dass sie zu so 'ner Art Phasenzombies (genannt "Reverts") werden. Andere Gegnerarten umfassen Soldaten beider Zeitepochen des Spiels und verschiedene Dimensionsmonster wie die "Zecks" (russisches Wort für Gefangener), von Seelensaugern infiltrierte Menschen mit Teleportationsfähigkeit und übel entstellten Körpern. Seine Kampftauglichkeit beweist das TMD übrigens auch noch mit weiteren Fähigkeiten, wie dem Auffangen euch entgegengeschossener Raketen samt anschließendem Zurückwerfen oder auch der Erschaffung von Stasis-Kugeln, welche euch vor Geschossen schützen. Steht irgendwo ein kaputtes Explosionsfass herum? Dann verjüngt es doch einfach in seinen zündfreudigen Normalzustand und schmeißt es einem Gegner per Stoßangriff an den Kopf! Hm, da steigt einem gleich der Geruch frisch abgefüllten Benzins, kochenden Blutes und gebratenen Hirns in die Nase. Na ja, so ganz explizit ist die Gewaltdarstellung von Singularity dann doch nicht. Abgetrennte Körperteile und Blut (je nach Wesen in unterschiedlicher Farbe) gibt es zwar, einen übertriebenen Splatterfaktor scheinen Raven mit ihrem neuen Shooter jedoch nicht anzustreben. Auch nicht in jenen Momenten, in denen man zu konventionellen Ballerwaffen greift.
Singularity

Wiederaufbauarbeiter

Singularity wird euch an viele interessante Orte führen, die ihr teilweise erst noch selbst wiederaufbauen müsst. Anhand von speziellen Verstärkungsanlagen werdet ihr im Laufe des Spiels Großobjekte wie versunkene Schiffe oder eingestürzte Gebäude per TMD restaurieren, um euch darin mal näher umzusehen. Zeitmanipulation diesen Ausmaßes ist jedoch extrem instabil und so seid ihr in solchen Situationen angehalten, eure Plünderaktivitäten unter Zeitdruck zum Abschluss zu bringen, ehe die sich stetig langsam zurückbildende Location erneut zur unbegehbaren Ruine wird. Kleinere Rätsel erfordern dagegen mehr Braid'sches um die Ecke Denken, wie bei der Spielvorführung ein exemplarisch präsentiertes Treppenhaus bewies: Von der Rückseite aus mussten die unteren Stufen weg-gealtert werden, damit man durch die so geschaffene Öffnung hindurchschlüpfen und sie von der Vorderseite aus wieder her-verjüngen konnte. Anschließend ließ sich die Treppe zum Aufstieg in die nächste Etage nutzen. Simpel, clever,... aber auf so eine Lösung muss man trotzdem erst mal kommen. In den meisten Fällen sind per TMD beeinflussbare Objekte von einem leichten Nebelschleier umgeben und mit einem weiteren nützlichen Tool, dem Chrono-Light, lassen sie sich sogar schon vor der Manipulation im jeweils anderen Zustand betrachten. In manchen Fällen ist es sogar nötig, dass man durch das so geschaffene Zeitfenster hindurchgreift und Objekte zu sich rüber zieht, welche man zum Weiterkommen in der jeweils anderen Epoche benötigt. In manchen Fällen beeinflusst man durch den Dimensionsriss auch Dinge in der Vergangenheit, welche sich dann entsprechend in der Zukunft auswirken. So schafft ihr z.B. Brücken, wo vorher kein Weiterkommen war. Euer ständiger Wegbegleiter wird übrigens auch ein Standard-Zaubertrick sein, mit dem ihr verrotete Kisten wieder auf Vordermann bringt und euch zur Belohnung an deren wiedererfrischtem Inhalt (sprich: Munition) laben dürft.
SingularityEin mysteriöser Flugzeugabsturz über einer Insel, eine isolierte Station in der Experimente außer Kontrolle geraten sind, dadurch massiv veränderte Einwohner, eure Hand als mächtige Waffe mit unterschiedlichen Funktionen, ein Überlebender der euch Anweisungen per Funk gibt, Geistersequenzen welche die Vergangenheit nacherzählen,... und trotzdem ist hier nicht von BioShock die Rede (wobei das natürlich seinerseits eifrig von System Shock 2 geklaut hat). Es kommt einem tatsächlich so vor, als haben da ein paar große Fans des 2k-Games das Grundgerüst des Shooter-Hits genommen und ein leicht verändertes Setting draufgestülpt, das Ganze dann Singularity genannt und um einige Features erweitert. Die Zeitmanipulation und speziell die damit verbundenen Rätsel sind es dann auch, die dem neuen Raven-Game tatsächlich genug Eigenständigkeit im Vergleich zum offensichtlichen Vorbild einräumen. Leider wirkt die Gesamtqualität des gezeigten Levels auf der gamescom noch deutlich weit entfernt vom Kaliber Rapture oder vergleichbaren AAA-Shootern der jüngeren und kommenden Monate. Zwar sieht Singularitys Grafik schon ganz nett aus, ein richtiger Optikflash ist sie aber bei weitem nicht und den Schusswechseln fehlt es nach unserem Eindruck noch etwas an Geschwindigkeitsabstimmung. Wollen all die coolen TMD Features im Kampfgeschehen greifen, sollten die Feinde sich doch einen Tick weniger hektisch bewegen, während der Hauptcharakter gerne etwas fixer sein Handwerk verüben dürfte. Zum Glück bleibt Raven Software noch etwas Zeit, um aus Singularity bis Anfang 2010 mehr als nur einen guten Standardshooter mit origineller Randidee zu machen. Doch auch wenn's so bleibt, so viel können wir jetzt schon orakeln, wird das Game bestimmt für jeden Actionfreund einen virtuellen Blick in die 1950er Wert sein.

Kommentare

PaterSigmund
  

@ Johnson:
Dann probier mal Jericho aus, die Sniperin (sagt man das so) kann das auch. Ist recht witzig, nur das Spiel ansich find ich recht unfair.

@ Topic:
Sieht echt vielversprechend aus... naja sah Blinx und Timeshift auch -.- Aber bin ja optimistisch ^^

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Daniel Pook
  

Ich finde die Verschiebung eher gut, so haben sie vielleicht noch mal Zeit mehr aus dem Potenzial herauszuholen und sch?n Feinschliff zu betreiben.

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Johnson
  

Also seit der Demo auf der GC bin ich richtig hei? auf das Spiel. Die war sehr viel besser als ich erwartet habe. Das Kind von Bioshock, Half Life und Timeshift quasi. Die Element 99 Pistole mit den steuerbaren Projektilen ist eine der coolsten Waffen mit dernen ich je hantiert habe. Ich ?rgere mich dass ich wegen Modern Warfare noch l?nger darauf warten muss.

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Saibot
  

Naja, nichts besonderes...
Und wenn das mit den nicht alterden Kisten so bleibt wird das Spiel eh nicht gekauft.

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