Spec Ops: The Line

Plattform: (PC, PS3, XBox 360)
Release: 29. Juni 2012

User-Wertung:

AreaGames Hands-On: Spec Ops: The Line

Wenn der freundliche Entwickler aus der Nachbarschaft fragt, ob wir nicht einmal vorab einen Blick auf sein neuestes Spiel werfen möchten, sagen wir natürlich nicht nein. So machten wir uns auf, die Räumlichkeiten von Yager Entertainment in Berlin Kreuzberg zu besuchen, um uns einen ersten Eindruck von Spec Ops: The Line zu verschaffen. Und was wir dort vorfanden, hat uns äußerst angenehm überrascht.

Noch ein kurzer Rundgang durch die heiligen Entwicklerhallen und dann bekam ich auch schon den Controller in die Hand gedrückt und durfte die ersten Magazine in den heißen Wüstensand von Dubai entleeren. Und damit wären wir auch schon bei der ersten positiven Überraschung von Spec Ops: The Line. Eine frische, unverbrauchte Location in einem "Modern Military"-Shooter. Kein New York, kein Washington oder sonstige "filmträchtige" Großstadt. Auch passt Dubai nicht ins Armut-Lemhütten-AK47-Taliban-Klischee, welches andere Spiele doch so gerne pflegen, wenn sie im Nahen Osten spielen. Dubai ist reich, exzessiv in seiner Architektur und sogar verschwenderischer als ein Las Vegas. Doch für die Geschichte von Spec Ops: The Line hat das die Entwickler nicht abgehalten, diese Stadt zu verwüsten. Ein gewaltiger Sandsturm machte Dubai zu einer modernen Ruine.
AreaGames Hands-On: Spec Ops: The LineMit jeder Minute in der Stadt wird dem Spieler auf sehr explizite Weise mitgeteilt, dass hier nicht nur eine Naturkatastrophe gewütet hat. Konrad und seine Einheit haben sich zu den Herrschern dieser verdammten und verlorenen Stadt ernannt und lassen ihre soziopathischen Fantasien an der gescholtenen Zivilbevölkerung aus. Man stößt immer wieder auf übel zugerichtete Leichen oder was davon übrig ist. Unter den Opfern sind allerdings auch Soldaten. Wo ist man hier nur hineingeraten? Wer ist hier gut und wer ist böse? Warum benutzt die CIA die Überlebenden für einen Aufstand gegen die Konrad und sein Regime? Warum mischt in diesem Wespennest auch noch die CIA mit? Besonders unsere Hauptfigur Walker kämpft mit diesen Fragen, denn ihn und Colonel Konrad verbindet ein einschneidendes Erlebnis: Konrad rettete Walker einst das Leben. Was hat den Colonel also zu diesem Monster werden lassen, dass er jetzt ist?
AreaGames Hands-On: Spec Ops: The LineIn den knapp zwei Stunden, die ich spielen durfte, hatte ich mehrere Szenen, bei denen ich wirklich ein flaues Gefühl im Magen hatte. In einer Cutscene wird ein tödlich verwundeter CIA-Agent von Soldaten der 33. gefangen gehalten und verhört. Um ihn zum Reden zu bringen, werden immer wieder wehrlose Zivilisten vor seinen Augen brutal hingerichtet. Lugo und Adams reden beide auf euch ein, sie wollen, dass ihr euch entscheidet und überdenkt, wen es in dieser Situation zu retten gilt. Aber das Spiel lässt euch in dem Moment noch nichts tun. Man hört die hilflosen Schreie der Frau, will sie retten, hört die Worte seiner Kameraden, aber man muss die Cutscene noch bis zur Ermordung einer Frau durchhalten. Yager erzeugt mit dieser packenden und quälend langen Szene eine Art ohnmächtiger Wut, der ich in dem Moment auch erlegen bin und blindlings losstürmte. Ich erschoss die Soldaten, um den sinnlosen Tod der Frau zu rächen und erhielt als Dank vom Agenten noch Informationen. Die anderen Geiseln konnte ich hingegen nicht retten. Die Alternative wäre gewesen, in Deckung zu bleiben und so einer Konfrontation mit der 33. aus dem Weg zu gehen. Egal wie man sich entschieden hätte, keines der Leben hätte man retten können.
AreaGames Hands-On: Spec Ops: The LineAber Spec Ops: The Line hielt noch weitere verstörend, intensive Szenen bereit. Das Team bewegt sich durch eine lange Gasse voller verwesender Leichen. Man steigt über die toten Körper hinweg, nur um danach auf einen kleinen Platz zu kommen und einen Angriff mit weißem Phosphor zu erleben. Wo eben noch auf dem Platz feindlich gesinnte Überlebende waren und auf Angreifer warteten, sieht man nun Menschen die bei lebendigem Leib verbrennen. Sie schreien, stöhnen und sterben. Doch die Entwickler setzen noch eins drauf und lassen nun ein Killerkommando der Armee auftreten. Drei Mann, zwei in normaler Montur und einer in einem Minenräumanzug, welche die letzten Überlebenden des Bombardements auslöschen sollen. Es ist eine abstoßende Szene. Damit man diesen Schrecken auch ja nicht vergisst, wird diese Szene nochmal wiederholt, allerdings mit verschärften Ausgangsbedingungen. Diesmal wird der Spieler nämlich so einen Angriff durchführen, eine Wahl hat man nicht. In gekonnter Call of Duty-Schwarz-Weiß-Optik steuert man eine Drohne mit einer Phosphorbombe über seine ehemaligen amerikanischen Kameraden der 33. (von denen man immer noch nicht weiß, warum sie so handeln, wie sie handeln) und lässt sie per Knopfdruck im Feuer sterben. Alles aus der CoD-BF-Position über dem Schlachtfeld. Doch so leicht lassen einen die Entwickler nicht davonkommen. Danach müssen Walker, Lugo und Adams genau dort entlang gehen und wieder hört man die Todesschreie und Hilferufe.
AreaGames Hands-On: Spec Ops: The LineAber auch spielerisch hat Spec Ops: The Line einiges zu bieten. Wenn es etwas gibt wovon man in der Wüste genug hat, dann ist es Sand. Den darf man an bestimmten Missionspunkten zu seinem Vorteil nutzen. In einer modernen Stadt wie Dubai finden sich natürlich allerlei Glasfronten, die nach dem zerstörerischen Sandsturm allerdings nicht mehr dem Lichteinlass dienen, sondern den Sand aus den Gebäuden heraushalten. Wie klug vom Feind, sich genauso zu positionieren, dass man sie mit ein paar gezielten Salven auf die Fenster unter Tonnen von Wüstensand begraben kann. Solche zerstörbaren Levelelemente sind nicht neu, aber von Yager richtig gut in Szene gesetzt. Ein Deckungssystem und Autoregeneration sind auch vorhanden und gehören zum heutigen Standard. Die Genre-üblichen Waffen, Aufsätze, Granaten und Feuermodi sind ebenfalls drin. Explodierende Granaten wirbeln natürlich jede Menge Staub auf, was hier nicht nur ein kosmetischer Effekt ist, sondern auch euch kurz vor feindlichem Feuer schützt, da sie euch nicht anvisieren können.
AreaGames Hands-On: Spec Ops: The LineAuf Nachfrage teilte man mit, dass wohl dennoch eine USK 18 Bewertung drin sein soll. Spielbar waren vier Kapitel, die aus den ersten acht Kapiteln zusammengeschnitten wurden. Insgesamt wird sich die Einzelspielerkampagne über 20 Kapitel erstrecken und deutlich länger als die Ein-Nachmittag-Egoshooter sein. Die Level sind linear und stark gescripted, aber dank der Architektur von Dubai und opulenten Inneneinrichtungen der dortigen Hotels äußerst abwechslungsreich für eine vom Sandsturm verwüstete Stadt. Hier und da war die Steuerung noch etwas ungenau, allerdings nicht bei der Waffenhandhabung, sondern eher wenn man sich an den bestimmten Punkten auf eine untere Ebene abseilen oder über eine Deckung springen wollte. Auch die unterschiedliche Buttonbelegung für solche Interaktionen mit der Umgebung bremste meinen Vorstoß ab und an. Ansonsten fühlte sich diese Preview-Version schon sehr gut an. Auch die Grafik der Xbox 360-Version kann sich sehen lassen, bis auf vereinzelte Texturen vielleicht. Weitere Vorschusslorbeeren gehen an die Sound-Designer, die Musikauswahl für den Soundtrack und an die englischen Sprecher. Falls es eine deutsche Lokalisierung geben wird, hoffe ich, dass der Sprecher mit den stimmlichen Fähigkeiten von Nolan North (er spricht die Hauptfigur Captain Walker) mithalten kann.
AreaGames Hands-On: Spec Ops: The Line

Ein Militärshooter aus Deutschland, was sollte das denn schon groß werden? Mit dieser Einstellung ging ich an Spec Ops: The Line ran. Immerhin ist das Spiel schon über vier Jahre in Entwicklung. Umso erstaunter und begeisterter wurde ich mit jedem Moment, den ich Spec Ops ausprobieren durfte. Das bombastische Introspektakel mit (oder trotz?) Hubschrauberaction und die soliden Gameplay-Mechaniken müssen sich vor der aktuellen internationalen Konkurrenz keineswegs verstecken. Weit voraus ist Spec Ops: The Line ihnen allerdings bei der Story und dem Einzelspielererlebnis. Die Entwickler setzen alles daran, dass man der hässlichen Fratze des Krieges ganz tief in die Augen schaut. Krieg wird weder verharmlost noch verherrlicht. Die gezeigten Kapitel weisen bereits jetzt einige Parallelen zu Francis Ford Coppolas Antikriegsfilm "Apocalypse Now" auf bzw. dessen Buchvorlage "Herz der Finsternis". Um nur ein Beispiel zu nennen, wäre da die Namensparallele des Colonel John Konrad zum britischen Autor von Herz der Finsternis, Joseph Conrad. Solospieler erwartet hier wahrscheinlich das erste BigBudget-Antikriegsspiel.

Kommentare

Germaniax
  

03.02.12 - Take-Two hat den Shooter Spec Ops: The Line (PS3, Xbox 360) verschoben. Statt im Frühjahr 2012 soll das Spiel jetzt erst in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2013 (01.04.12 - 30.09.12) auf den Markt kommen. Ein Grund für die Verspätung wird nicht genannt. Quelle: gamefront.

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Saibot
  

Ich wei? noch wie Daniel vor einer Ewigkeit davon geschw?rmt hat. :) Mal sehen wann's kommt.

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gelöscht
  

@Salasar natürlich habe ich die Frage nach dem "Wann" gestellt, extra im Hinblick auf unser übernächstes AGM. Man bekommt aber auf solche Fragen meist nur ein Lächeln und "Das wissen wir noch nicht" was im Klartext meist nichts anderes heißt "Dürfen wir nicht sagen". Und mehr kommt dann da auch nicht, verplappern tun sich die Mitarbeiter bei solchen Events in den seltensten Fällen.

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Pumpenmann
  

das hört sich ganz gut an bisher, ich hab das schon seit dem ersten video auf dem schirm , das ist bereits 2 jahre her,glaube ich. ende märz oder april wäre wundeerbar

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salasar
  

2K hat das Game auf nächste Fiskaljahr verschoben (irgendwann ab April - September 2012) Wenn mann allerdings mal bei den entwicklern zu gast ist sollte aber mann allerdingsmal nachfragen. Die müßten es schließlich am besten wissen. Auserdem gehört ein Datum zu jeder vorschau dazu.

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gelöscht
  

Mir wurde nur Frühling gesagt, aber diese Woche solle noch eine weitere Info kommen.

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Jace
  

Hmm ich bin skeptisch. Hört sich für mich nach "lokaler Entwickler-Bonus" an.

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Jacuzzi
  

Wann soll es denn rauskommen?

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salasar
  

Momentan wird mann ja regelrecht zugeschissen mit 3rd person shootern. Binary Domain, RE operation R. City, Inversion, Ghost Recon... aber von allen scheint mir Spec Ops noch das vielversprechenste von allen!

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