Spec Ops: The Line

Plattform: (PC, PS3, XBox 360)
Release: 29. Juni 2012

User-Wertung:

Test: Spec Ops - The Line

Mit Spec Ops: The Line wagt sich der deutsche Entwickler Yager Entertainment ins überfüllte Haifischbecken der Modern-Military-Shooter. Kann die Vollversion nun halten, was uns die Vorabversion versprach, nämlich die Verschmelzung einer außergewöhnlich moralischen Story mit klassischer Shooter-Action zu einem Antikriegs-Spiel?

Der Einstieg in Spec Ops: The Line ist geradezu klassisch für einen solchen Genrevertreter. Es beginnt mit einer spektakulären Railshooter-Einlage. Von Bord eines Helikopters aus, lasse ich mit meiner Gatling-Gun unermüdlich Tod und Verderben auf meine Feine niederregnen. Immer wieder tauchen neue gegnerische Hubschrauber auf, doch gegen mich und meine Gatling sind sie Chancenlos. Sie explodieren oder stürzen in einen der zerstörten Wolkenkratzer. Der wilde Ritt durch den Luftraum des einst so majestätischen Dubais endet abrupt, als ein weiterer Sandsturm die Stadt erreicht.Schnitt. Als Anführer eines kleinen Delta-Force-Teams finde ich mich in der sengenden Hitze der Wüste kurz vor den Toren der Stadt wieder. Seit sechs Monaten ist Dubai von der Außenwelt abgeschnitten, denn ein gewaltiger Sandsturm brach über die Stadt herein. Von den architektonischen Meisterleistungen der Stadt am Persischen Golf sind nur noch Ruinen übrig. Meine Aufgabe in der Rolle des Captain Martin Walker ist es, zusammen mit meinen Waffenbrüdern Seargent Lugo und Lieutenant Adams nach der "33. Infanterie Division der US Army" zu suchen. Die 33. unter "Colonel John Konrad" kehrte nämlich kurz vor dem Sandsturm noch einmal nach Dubai zurück, um auch noch die letzten Menschen zu evakuieren. Seitdem gilt die 33. (Spitzename "The Damned") als tot bzw. verschollen. Doch plötzlich wurde ein Notsignal aus Dubai empfangen, anscheinend hat doch jemand die Katastrophe überlebt.
Test: Spec Ops - The LineDoch schon nach den ersten hundert Metern wird deutlich, dass hier nicht nur die Natur gewütet hat, denn ein Sandtsturm knüpft keine Menschen an Straßenlaternen auf. Die Rettungsmission wird sehr schnell zum Höllentrip. In jedem neuen Kapitel erwarten den Spieler neue Gräueltaten, weitere Kriegsverbrechen, weitere menschliche Abgründe. Denn in den versandeten Trümmern errichtete Colonel Konrad ein eigenes Terrorregime. Man läuft immer wieder an den verwesenden Körpern von Aufständischen und Soldaten vorbei, aufgehäuft zu Leichenbergen oder achtlos an Ort und Stelle liegen gelassen. Manche scheinen wahllos und hinterrücks ermordet worden zu sein, andere jedoch wurden regelrecht hingerichtet. Sie wurden an die Wand gestellt und exekutiert. Es sind stumme und zugleich sehr laute Zeugen von Konrads grausamer Herrschaft. Wer bei dem Namen "John Konrad" noch nicht hellhörig geworden ist, spätestens ab jetzt erinnert Spec Ops: The Line an den Filmklassiker "Apocalypse Now” bzw. an die berühmte Buchvorlage "The Heart of Darkness” des britischen Schriftstellers "Joseph Conrad”. Ein zurück in die Wohlfühlzone, wie man sie von anderen Shootern gewohnt ist, gibt es bei der Geschichte von Spec Ops: The Line nicht. Das Grauen wird den Spieler nicht mehr loslassen.
Test: Spec Ops - The LineImmer wieder verlangt Spec Ops vom Spieler auch moralische Entscheidungen, um ihn zu prüfen. An einer Stelle soll man Richter und Henker spielen. Zwei Menschen hängen gefesselt vor euch und werden zwei verschiedener aber zusammenhängender Verbrechen beschuldigt. Konrad, der euch schon seit eurer Ankunft beobachtet und über Funk verhöhnt, verlangt von euch die Entscheidung, wer von beiden sterben soll. Einer hat Wasser gestohlen, ein Kapitalverbrechen in Konrads Welt. Der andere, ein Soldat der 33rd, hatte die Aufgabe, den Wasserdieb dafür zur "Rechenschaft” zu ziehen. Doch der Soldat erschoss nicht den Dieb, sondern ermordete dessen gesamte Familie. Dafür soll er nun auch mit dem Leben bezahlen. Mit einer Kugel aus eurer Waffe sollt ihr nun ein Urteil fällen, ansonsten eröffnen Konrads Schergen, die euch und die Delinquenten längst umstellt haben, das Feuer. Es gibt in dieser Situation mehrere Möglichkeiten, doch schon aus der Aufgabenstellung geht hervor, dass es keine gute Lösung gibt. Nur Tod.
Test: Spec Ops - The LineTest: Spec Ops - The LineDas Gameplay von Spec Ops: The Line ist im Vergleich zum Storytelling und der Atmosphäre eher Durchschnitt. In Third-Person-Optik geht es von Deckung zu Deckung und man pumpt die Gegner mit Blei voll, entweder gezielt oder blind aus der geschützten Position heraus. Wenn die Feinde günstig stehen, kann auch eine Granate die Situation klären. Im Gegensatz zur Vorabversion, die ich damals anspielen durfte, habe ich keinerlei Munitionsprobleme mehr gehabt. Entweder ließen erledigte Gegnerwellen passende Munition für mein aktuelles Gewehr zurück oder gleich eine neue Waffe. Im Gegensatz zu manch anderem Deckungshootern stellt Spec Ops die Tödlichkeit der Waffen sehr gut dar. Je nach Trefferzone benötigt es nur wenige Kugeln und nicht wie bei anderen Shootern gleich ein komplettes Magazin. Manche Feinde tragen jedoch auch Schutzwesten und erfordern etwas mehr Blei. Dennoch fühlt sich jede Waffe sehr kraftvoll an. Der "Punch” stimmt. Ein Kopfschuss ist natürlich immer sofort tödlich und je nach Kaliber ist der Kopf auch gleich komplett weg.Etwas hakelig ist allerdings die Deckungsmechanik. Nicht immer gehorcht Walker auf Knopfdruck, sodass er ungewollt dem Feind ein Ziel bietet. Auch die KI ist nicht besonders schlau. Flankierungsmanöver finden so gut wie nie statt. Spec Ops schmeißt dem Spieler oftmals einfach nur Welle für Welle entgegen, die man dann einfach niedermäht. Auch wenn der Spielfigur die platte Hurra-Es-Ist-Krieg-Attitüde fehlt, spielerisch ist Walker genauso ein Supersoldier wie seine Kollegen aus Call of Duty, Medal of Honor oder Battlefield - er erledigt hunderte Feinde im Alleingang. Denn die zwei Kollegen Lugo und Adams halten sich eher im Hintergrund bei den Kämpfen. Sie schießen zwar auch selbständig, aber ihre Schießkünste sind eines Delta-Force-Soldaten einfach nicht würdig. Erst wenn man ihnen einen direkten Befehl gibt, schalten sie den markierten Feind in kurzer Zeit aus. In bestimmten Kampfsituationen kann man ihnen auch, ähnlich einem Quicktime-Event, den Befehl geben, eine Blendgranate zu werfen.
Grafisch reißt Spec Ops: The Line nicht unbedingt Bäume aus, kann sich aber dennoch sehen lassen. Realisiert wurde das Spiel mit der Unreal Engine 3 und man sollte sich auf den Konsolen auf die üblichen Probleme dieser Engine einstellen, wie zu Beispiel die nachladenden Texturen. Denn so gut wie Rocksteady (Arkham City) beherrscht Yager diese Spielengine anscheinend nicht. Das Dubai-Setting ist dabei eine willkommene Abwechslung und eine gute Möglichkeit, der optischen Eintönigkeit einer Wüste zu entkommen. Yager konstruierte zahlreiche wunderschöne (und verstörende) Setpieces. Man kämpft sich durch die Trümmer farbenfroher Luxushotels, notdürftig zusammengezimmerte Flüchtlingsbarracken, vorbei an Ozeandampfern mitten in der Wüste und durch Sandstürme, die einem die Überreste moderne Zivilisation entgegenschleudern. Mehr möchte ich jetzt nicht beschreiben, dass das schon fast ein Spoiler wäre. Als gelungen kann man jedoch noch die detailreichen Charaktermodelle bezeichnen, die auch äußerlich den moralischen Verfall im Lauf des Spiels mitmachen. Absolut tadellos ist die Audiokulisse von Spec Ops: The Line. Alles klingt sehr satt und entsprechend der Umgebung angepasst. Rockige Gitarrenriffs peitschen euch genau im richtigen Moment auf, während atmosphärische Klänge euch wieder runterholen. Hier hat Yager wirklich verdammt gute Arbeit geleistet. Auf der Disk befinden sich sowohl die deutsche als auch die englische Sprachausgabe. Qualitativ können sich beide sehen lassen. Etwas besser kommt die Dramatik aber in der englischen Sprachausgabe rüber, was auch, aber nicht nur, der Verdienst des omnipräsenten Synchronsprechers Nolan North ist.
Test: Spec Ops - The LineNach rund fünfeinhalb Stunden hatte ich auf dem normalen Schwierigkeitsgrad das großartige und unerwartete Finale erreicht. Ist Spec Ops: The Line nun das erste Antikriegs-Spiel? Von mir gibt es da ein klares Jein. Es ist ein ungeheuer atmosphärisches Spiel mit einer bedrückenden und beeindruckenden Story. Und eines, das mit der Tradition der ultracoolen, patriotischen Super-Soldaten bricht und den Spieler aus der Helden-Wohlfühlzone heraus holt. Die explizite Gewaltdarstellung schockt und die Zwischensquenzen regen oft zur Reflektion des Erlebten an. Dem gegenüber steht das nur durchschnittliche Shooter-Gameplay, das zwar die Supersoldier-Attitüde abgelegt hat, aber nicht dessen Fähigkeiten. Beim tatsächlichen Spielen ist Spec Ops: The Line nämlich wieder 08/15 Ballerkost mit Moorhuhngegnern, der dazu der letzte Feinschliff fehlt.
Noch ein Stück weiter entfernt sich Spec Ops:The Line aber vom ambitionierten Antikriegsthema, als es anfängt, in bester Shooter-Manier den Spieler für seine Kills zu belohnen. Immer wenn man mit einer Waffe besonders gut zielt und trifft, wird ein grüner Fortschrittsbalken (z.B.: Scharfschütze - Gewehr) eingeblendet, der anzeigt, wie weit man noch vom nächsten Achievement entfernt ist. Aber auch Kopfschüsse werden sofort mit einer kleinen "Bullet Time”-Zeitlupe belohnt. Das ist mit der Antikriegs-Thematik meiner Meinung nach nur bedingt vereinbar. Das Spiel ist dennoch eine klare Empfehlung, wenn auch hauptsächlich wegen der atmosphärischen und spannenden Story. Aber wann hat man das schon mal in der letzten Zeit von einem Shooter sagen können?

Kommentare

Fagballs
  

So rein vom Titel hätte ich es in die 08/15-Schublade gepackt. Deswegen Danke für den Test. Werde mir das definitiv geben, wenn es etwas günstiger ist. Ist mit Sicherheit relativ bald der Fall ;)

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LookMyBullet
  

8/10 geht klar...Aber der Test kommt zu spät! habs schon auf 1000 :P
Ach und wer gefordert werden will fängt mal direkt auf dem 2 höchsten schw. grad an..Wer das noch mau findet zokkt danach auf FUBAR und wird richtig gefickt :P
Und so kommt auch ne passable spielzeit zusammen.
Ach, der Test zu Ferrari Racing Legends kommt auch zu spät :P
So, habe fertig!

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Eine 8/10? Ich empfand die Demo als unterdurchschnittlich, wenn nicht sogar schlecht. Uninspirierter 3rd-person shooter mit herausragender Story, der das Spiel leider nicht gerecht wird :|

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cHaOs667
  

WhiteWings hat gar nicht mal so unrecht. Vor 2 Jahren in der geschlossenen Beta hat, wenn ich mich recht erinnere, die Steuerung genauso funktionert. Jeder dachte dass das noch gefixt wird aber nichts ist passiert.
Und genau bei der Steuerung merkt man den Unterschied zwischen einer echten AAA Produktion wie Gears of War und Spec Ops: The Line. Letzteres ist klassen von ersterem entfernt.

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ultra
  

@whitewings
danke für deine einschätzung ;)

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WhiteWings
  

an deiner stelle würd ich warten bis es sehr billig is. was der test nämlich nich verrät is das die steuerung echt haarig is. zielen, schießen, rennen und in deckung (oder darüber) hechten is ja als einzelaktion ok, aber wenn man das alles gleichzeitig machen muss dann steck ich freiwillig meine hände freiwillig in nen gemüsehobel und hab dabei mehr spaß. Is halt ne schlecht gemachte gears steuerung.

Ps.: die multiplayer-maps sind zum teil so verwinkelt das die kamera idealweise die action für deine gegner einfängt, das heißt: du siehst nix aber man sieht dich.

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ultra
  

nach 5 1/2 stunden schon durch gewesen ? o.0
Das ein bißchen mau finde ich.Dann schlage ich lieber zu, wenn der titel billiger geworden ist.

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