AreaGames Awards 2011: Bestes Artdesign

Eine starke Engine lässt unsere Kinnlade nach unten klappen, doch erst der Künstler, der sie auch einzusetzen weiß, zaubert damit Bilder, die sich uns auf ewig ins Gedächtnis brennen. Kreative Energie kann dabei sogar technische Mängel wegwischen. In unserer Kategorie “Bestes Artdesign” zeichnen wir das gesamte visuelle Konzept eines Spiels und dessen Umsetzung aus. Vom allgemeinen Stil, über die Ingame-Architektur, das Kreaturendesign, den Einsatz von Effekten, bis hin zur Gestaltung des Covermotivs, fließt alles mit ein, was den optischen Charakter dieser Werke transportiert. Unsere Nominierten zeigen eindrucksvoll, in welch vielfältiger Weise man durch die Augen das Gemüt stimulieren kann.


Dark Souls

Es ist schon erstaunlich, dass ausgerechnet ein japanischer Entwickler, ein Dark Fantasy-Rollenspiel in deutlich europäisch-mittelalterlichem Ambiente vorlegt, wie es düsterer und unheilvoller kaum sein könnte. Hier werdet ihr keine androgynen Emo-Helden und theatralischen Manga-Kitsch vorfinden. "Dark Souls'" Welt ist klar künstlich aufgebaut. Die gigantische Architektur unterliegt dem Gameplay, nicht einer realistisch-logischen Funktion. Tag und Nacht wechseln auf Wegen, nicht über Zeiten. Auch Vegetation und Klima fließen ineinander, als gäbe es keine Naturgesetze. Gleichzeitig wirkt die Landschaft jedoch total natürlich, ist mit erdigen Farben und einer authentischen Stofflichkeit gepinselt. Man kann die Beschaffenheit eines jeden Materials förmlich spüren. Dadurch zieht "Dark Souls" den Spieler nur noch tiefer in sein Mysterium, ein Reich, das wie unseres (vor langer Zeit) wirkt, doch gleichsam entrückt, unergründlich und gefährlich. In diese Kerbe schlagen auch die vielgesichtigen Monster, die mit ihrer grotesken Kreuzung aus Tieren, Pflanzen, Sagengestalten und morbider Kreativität, ebenso grauenvoll wie faszinierend daherkommen. Bei aller Düsternis und Gnadenlosigkeit, finden die Künstler dennoch immer wieder Zeit für Schönheit und Hoffnung. Die stille Erhabenheit eines schneebedeckten Gebirges, Sonnenstrahlen, die sich ihren Weg durch eine dichte Wolkendecke schneiden, verdeutlichen uns wofür wir weiterkämpfen. Sorgfältig gesetzte magische Elemente, die hier nicht in die inflationäre Bedeutungslosigkeit abdriften, erzeugen einen subtilen Sinn für das Übersinnliche. Selten lagen Abscheu und Anziehung so dicht beieinander.
AreaGames Awards 2011: Bestes Artdesign

The Legend of Zelda – Skyward Sword

Als 3D-Spiel hat "Skyward Sword" erstmal seine Liebe Mühe HD-verwöhnte Zocker von seiner Pracht zu überzeugen. Doch Nintendo's Grafiker haben auf der zehn Jahre alten Hardware auch visuell eines der bezauberndsten Spiele des Jahres geschaffen. Technische Einschränkungen wussten sie dabei clever durch stilistische Finesse zu umgehen, etwa indem Landschaft und Objekte im Hintergrund zu einem impressionistischen Tupfgemälde verschmelzen. Skulpturen, Wandzeichnungen und Tempelarchitektur formen das Bild einer konsistenten Mythologie, zeigen Inspirationen aus chinesischer, südamerikanischer oder auch afrikanischer Kunst, ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren. Das Monsterdesign, zum Beispiel eine Art fliegender Tausendfüssler oder der riesige, zweibeinige, mit Schuppen überzogene Verbannte, sowie die malerischen Wald- und Unterwasserlandschaften wecken Erinnerungen an Studio Ghibli-Filme, deren Geist das Spiel in jeder Sekunde atmet. Die liebenswerten und charakteristische Personen wurden hingegen im typischen, munter mit Proportionen spielenden Stil der letzten "Zeldas" zum Leben erweckt. Es ist erstaunlich wie nahtlos und organisch sich diese Einflüsse ineinanderfügen. Am beeindruckendsten ist aber die brillante Farbgebung, welche die Welt von "Skyward Sword" in märchenhafter Strahlkraft erleuchten lässt. Jeder Pinselstrich wurde mit versiertem Auge gesetzt. Das Ergebnis ist ein einzigartiges, traumhaftes Sinnesfest.
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El Shaddai: Ascension of the Metatron

Vermutlich gab es nie ein Spiel, welches die Formulierung "Stil über Substanz" zu einem solch epischen Sieg für den Stil gemacht hat. Wenn jemals eine grafische Idee ersonnen wurde, findet sie sich höchstwahrscheinlich in "El Shaddai" wieder. Hier gibt es nichts was es nicht gibt, aber viel von dem man kaum glauben will, dass es so etwas geben könnte. Japan- und Anime-Fans dürften sich an der einen oder anderen Stelle an wegweisende Werke erinnert fühlen, seien es animierte Hokusai-Malereien oder Kreaturen, die auch in der Rolle als Engel in "Neon Genesis Evangelion" bestens besetzt gewesen wären. Anspielungen und Inspirationsquellen hin oder her, der visuelle Einfallsreichtum von "El Shaddai" ist schlichtweg erschlagend. Ob ätherisches, weiß leuchtendes Himmelsreich, metallisch glänzende Cyberpunkwelt, regenbogenhafte Feuerwerkskulisse oder geschwungene Aquarelllandschaft: Alle paar Sekunden erhebt sich eine neue, fantastische Welt vor Euren Augen. Jeder Screenshot wäre würdig gerahmt an die Wand gehängt zu werden. Trotz des stilistischen Rundumschlags, wirkt das Spiel wie aus einem Guss, denn alles scheint sich stets in einer fließenden Bewegung zu befinden. So zeichnet der überbordende Surrealismus von "El Shaddai" noch am nachvollziehbarsten das Bild vom mythischen, nicht greifbaren Jenseits.
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Alice: Madness Returns

Tim Burton gilt sicher als unumstrittener Guru des märchenhaften Gothic-Horror's. Doch seine filmische Interpretation des Kinderbuchs "Alice im Wunderland" von Lewis Carroll erwies sich als erschreckend uninspiriert und witzlos. Adäquaten Ersatz liefert "Alice: Madness Returns". Das basiert zwar gestalterisch auf American McGee's erster, blutig-verstörenden und bereits eine Dekade zurückliegenden Videospielauslegung des Stoffes. Nicht zuletzt die höhere Leistung aktueller Konsolen gab den Künstlern aber mehr Entfaltungsmöglichkeiten und macht "Alice: Madness Returns" auch heute zu einer weitgehend konkurrenzlosen Erfahrung. Der dynamische Comiclook taucht die Welt des 19. Jahrhunderts in einen stimmungsvollen Sepiaton, um Euch daraufhin in die abseitigen, gedämpft farbintensiven und zertrümmerten Albtraumwelten der geistesgestörten Alice zu entlassen. Hier verwandelt sich die Heldin in einen Schwarm Schmetterlinge, zerballert wandelnde Fische mit einer Pfeffermühle, erkundet die blutbeschmierten Gänge einer Irrenanstalt, trifft auf verstümmelte Kinder, zerschneidet Kartenmännchen, wobei der rote Lebenssaft nur so über den Bildschirm spritzt oder hüpft durch zweidimensionale Scherenschnittparcours. Humorvolle Verrücktheit und bedrückender Wahnsinn gehen hier Hand in Hand, was den Titel "Madness Returns" kaum treffender machen könnte.
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Kirby und das magische Garn

Dass grafische Extravaganz nicht nur die Atmosphäre eines Spiels bedingt, sondern auch sein Gameplay, kommt selten vor und wird in diesem Jahr wohl von kaum einem Spiel besser demonstriert als von "Kirby und das magische Garn". Mit dem kindgerechten Jump'n run hat Nintendo wieder mal einen Weg gefunden, die Unterlegenheit der zugrundeliegenden Hardware zu umgehen. Man sieht dem Spiel praktisch nicht an, dass es auf der Wii läuft. Grund dafür ist das originelle Stoffdesign. Alle Hintergründe, Objekte und Figuren wurden virtuell aus unterschiedlichen Stoffen wie Wolle, Jeans oder Watte kreiert und erscheinen, trotz 2D-Ansicht greifbar plastisch. Wie durchdacht und "glaubwürdig" dieser Stil durchgezogen wurde, zeigt sich besonders bei den Animationen der häufig nur aus Garnfäden gezeichneten Wesen und in der Interaktion mit der Welt. Wandert Kirby hinter eine tieferliegende Schicht, ist seine Position nur an deren Ausbeulung auszumachen. Zwirbelt er eine Naht auf oder zieht an einem Reißverschluss, kann er bestimmte Elemente freilegen. Um durch schmale Gänge zu gelangen, fädelt er sich einfach selbst ab. Oder er knautscht die gesamte Umgebung zusammen und holt so eine Plattform näher heran. Mit immer neuen solcher optisch-spielerischen Einfälle hält "Kirby und das magische Garn" sein Szenario lebendig und schafft es, dass wir bis zum Schluss mit leuchtenden (Knopf-)Augen auf den Bildschirm starren.
AreaGames Awards 2011: Bestes ArtdesignUnd der AreaGames Award für das beste Artdesign 2011 geht an...

Kommentare

misterblake
  

artdesign?das verstehe ich nicht. el shaddai sieht anders aus als viele spiele,okay,aber artdesign?
zeichnet sich die kategorie wirklich dadurch aus einfach ungewöhnliche optik zu bieten? dann verstehe ich nominierungen wie dark souls nicht. irgendwie scheint ihr mir keine klaren kriterien für die kategorie zu haben. wieso zum beispiel wurden spiele wie skyrim nicht genannt? (jaja,wieder so ein fanboy - nein!) es ist keine große schwierigkeit einen kontrastfilter über ein spiel zu werfen, aber eine kleine meisterleistung eine welt so homogen,so kunstvoll und so mythisch zu gestalten wie es in skyrim geschehen ist. nichts darin fühlt sich fremd an, selbst roboterspinnen fügen sich perfekt in die welt. so etwas ist artdesign. von vorne bis hinten ein konzept in seiner fülle ausgeschöpft. ähnlich wie es schonbei portal 2 erwähnt wurde.
aber nunja,das ist meine meinung. îrgendwer muss das ding ja gewinnen (;

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Johannes Krohn
  

"Rayman Origins" war tatsächlich in der engeren Auswahl, hatte gegen die anderen nominierten dann aber doch das es, abgesehen vom Monsterdesign, aber doch vor allem in den Kulissen zu sehr Konventionen wiederspiegelt, dies aber nicht auf eine ganz so elegante, inspirierte Weise wie etwa "Dark Souls" macht. Ähnliches gilt für "Deus Ex III". Es sind nunmal nur fünf Nominierungen. Klar, dass da ein paar Favoriten das Nachsehen haben. Aber dafür ist ja auch unsere Kommentarsektion da. :)
Download-Spiele werden oder wurden zumindest hier nicht ausgeschlossen. So war zum Beispiel auch "Outland" ein stärkerer Kandidat.
Aber nochmal etwas Grundsätzliches: Es werden keine Remakes bei den Nominierungen beachtet, weil das erstens das falsche Zeichen wäre und wir dann im schlimmsten Fall in jedem Jahr die gleichen Kandidaten hätten. Deshalb beispielsweise auch keine Musik-Nominierung für "Halo". Ebenso fallen diesjährige Releases auf anderen Systemen raus, von Spielen, die eigentlich schon im letzten Jahr erschienen sind. Das betrifft dann etwa "Limbo". Und Selbiges gilt auch für Import-Spiele, deren Veröffentlichung in hiesigen Gefilden erst noch ansteht. ("Catherine")
@ johnboy: Find' ich gar nicht schwul, denn am Ende wurde das Rennen tatsächlich zwischen "Kirby und das magische Garn" und "El Shaddai" entschieden.

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johnboy
  

Also ich weiß es klingt leicht schwul aber: Ich hätt Kirby den Award gegeben. Find des Stoff artdesign einfach saucool (um nicht zu sagen Süß)

El Shaddai hat zwar auch son abgefahrenes richtig krasses Design, wirkt aber auf mich zu einfach.

Aber da alle anderen Mitbewerber iwi nich so cool sind geht des schon in Ordnung.

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spyro
  

Kein Rayman, kein Portal 2, kein Deus Ex - bizarre Auswahl...

spyro

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Saibot
  

El Shaddai sieht wirklich abgefahren aus. Geht absolut in Ordnung.

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Nils Lendeckel
  

Um Download-Spiele kümmern wir uns am 18.12. ;)

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Jace
  

Limbo ist für PC und PS3 doch erst dieses Jahr erschienen oder?!
Dann ist das mein Vorschlag... bzw. wäre gewesen.

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Micherl
  

hätt jetzt trine 2 erwartet

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BLaZin
  

Für mich wäre der Sieger eindeutig Bastion gewesen. Schade das es nicht mal nominiert war ...

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karatecat
  

Wie kann mann Zelda Skyward Sword nominieren??das ist doch nur hasslich(und ich meine nicht die texturen).

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