AreaGames Awards 2012: Bestes Spielkonzept

Das Videospielrad wird wohl schwerlich neu erfunden werden. Doch immer wieder sind Entwickler bereit Konventionen aufzubrechen, um uns ungekannte Spielerfahrungen zu bescheren. In der Kategorie „Bestes Spielkonzept“ krönen wie dabei nicht nur originelle Spielideen, sondern auch mutige Ansätze an althergebrachte Mechanismen. Letztlich zählt aber auch ganz besonders deren konsequente und ansprechende Umsetzung. Denn eine Idee wird erst dann zu einer Innovation, wenn sie auch in einem guten Produkt resultiert.

Die Nominierten für den AreaGames Award für das beste Spielkonzept 2012 sind:

Mark of the Ninja (Xbox Live Arcade)

2D-Ninja-Spiele sind fast so alt wie Videospiele selbst. Das Stealth-Genre wurde ebenfalls bereits in der 8bit-Zeit begründet. Doch die Verbindung aus beidem hat seltsamerweise noch keiner gewagt. "Mark of the Ninja" gibt dem mythischen, japanischen Meuchelmörder seinen Ruf als ebenso laut- wie gnadenlosen Schattenkrieger zurück, der jahrzehntelang (abgesehen von der untergegangenen "Tenchu"-Reihe) als wenig subtiler Massenschlächter auftrat. Entgegen des heutigen Trends zur "Bombastisierung" jeder Spielgattung, setzen Klei bei "Mark of the Ninja" kompromisslos auf Schleichen, Verstecken und hinterhältige Angriffe. Eurer Ninja hält einer offenen Konfrontation kaum stand. Die Umsetzung in der ungewöhnlichen Perspektive erweist sich dabei als durchweg durchdacht. Ihr habt unzählige Möglichkeiten mit der Umgebung zu interagieren, das optische Feedback ist stets eindeutig und die Steuerung ist so präzise und leichtgängig wie ein geschliffener Shuriken.
AreaGames Awards 2012: Bestes Spielkonzept

Journey (PS3)

Simple Prämisse, große Wirkung: Eine vermummte Gestalt mitten im Irgendwo, ein leitendes Licht am Ende des Horizonts und dazwischen eine Reise. Wie jedes Spiel der That Game Company quält Euch "Journey" nicht mit ausschweifenden Erklärungen oder Bildschirmanzeigen. Es setzt ganz auf eine sich selbst erklärende oder eben nicht erklärende emotionelle Erfahrung. Sämtliche Funktionen und interaktive Elemente erschließen sich aus der perfekt durchdesignten Spielgrafik. Dabei zwingt Euch "Journey" zu nichts. Es gibt keine Gegner und kein Zeitlimit, die Euch durch die atemberaubende Landschaft hetzen. Seichte Rätsel bestimmen das Fortkommen, die nie zu knackig sind, um Euch zu frustrieren, aber genug Geheimnisse bieten, um zu unterhalten. Eine der schönsten Ideen ist jedoch der nahtlos eingebundene "Multiplayer"-Part. Auf Eurer Reise durch die schier unendliche Wüste trefft Ihr immer mal wieder zufällig auf einen anderen Menschen. Dann könnt Ihr Euch entscheiden, ob Ihr ein Stück mit ihm reist, ihn einfach beobachtet oder schlicht ignoriert. Das Spielerlebnis von "Journey" und dessen Reiz ist schwer zu erklären. Alles hängt miteinander zusammen, das Glitzern des Wüstensandes, die Erhabenheit des Fliegens, die Freude beim Hinabrutschen einer Düne, die feine Zeichnung von Gefühlen, das allumfassende Mysterium, die völlige Verlorenheit, die umwerfende Schönheit der Welt, die Aufregung, wenn Ihr das erste Mal auf einen fremden Wanderer trefft. "Journey" will das Ihr Euch klein und ehrfürchtig fühlt und nimmt Euch gleichzeitig jede Aggression und jede Angst.
AreaGames Awards 2012: Bestes Spielkonzept

DayZ (PC)

Die ArmA2-Modifikation Day Z im Vergleich zu anderen Mods noch sehr jung, schlug aber ein wie eine Bombe. Dabei hätte man meinen können, Spieler hätten inzwischen genug von Zombies. Doch es sind nicht primär die wandelnden Toten um die es in Day Z geht, sie liefern nur den Rahmen für das Setting. Es geht wirklich einmal ums nackte Überleben und euer schlimmster Feind sind keineswegs die schlurfenden oder sprintenden Untoten, es sind eure Mitspieler. Denn mit denen streitet ihr euch um Wasser, Nahrung, Medikamente und natürlich Waffen und Munition. Jede Begegnung mit anderen Überlebenden wird in Day Z zum Wagnis. Day Z schreibt Spielern keinerlei Rollen vor. Ob ihr der gute Samariter sein wollt, der einsame Wolf oder als Bandit von anderen Spielern leben wollt - alles eure eigene Entscheidung. Der Zombie-Killcounter ist in Day Z tatsächlich einmal Nebensache.
AreaGames Awards 2012: Bestes Spielkonzept

New Super Mario Bros. U (Wii U)

Wer hätte das gedacht? Da hat Nintendo den altgedienten Klempner doch tatsächlich nochmal zu einem Lieferanten für ein neuartiges Spielprinzip gemacht. Schuld daran ist der ultra-coole Boost-Modus, des ansonsten klassisch-genialen Hüpfspielmeisterwerks "New Super Mario Bros. U". Hierin springen bis zu vier Helden durch die kniffligen Hindernis-Parcours der bunter Mario-Welt, während ein weiterer Spieler über den Touchscreen hilfreiche oder eben auch störende Plattformen baut und Gegner stänkert. Mal wieder simpel-brillant und vollendet ausgeführt. Dieser Modus sorgt nicht nur für grölende Mehrspielerfreuden, sondern beweist zugleich die angepriesene Innovationstauglichkeit der Wii U. Ein Doppelsieg.
AreaGames Awards 2012: Bestes Spielkonzept

The Last Story (Wii)

Es mag vordergründig nur ein Rollenspiel sein. Doch was uns an "The Last Story" in spielerisch eigenständiger Hinsicht begeistert hat, ist die Art und Weise, wie der Titel seine Geschichte mit dem Gameplay verbindet. Nicht nur, dass Ihr praktisch immer Mitstreiter an Eurer Seite habt, die Gespräche führen und Eure Aktionen kommentieren und somit selbst während der Action die Handlung vor dem Narrationskoma bewahren. Die Macher waren auch kompromisslos genug Genre-Standards wie das Aufleveln und Ausrüsten so geschickt zu vereinfachen, dass das Erzähltempo konstant hoch bleibt, ohne deren Wirkfaktor zu verlieren. Mit einer guten Portion Action-Adventure, grandiosem inszenatorischen Timing und einem originellen, sich toll mit dem Leveldesign ergänzenden Kampfsystem, fühlt sich "The Last Story" so vielfältig, dicht und frisch an, wie schon lange kein Rollenspiel mehr.
AreaGames Awards 2012: Bestes SpielkonzeptUnd der AreaGames Award für das beste Spielkonzept 2012 geht an:

Kommentare

Fagballs
  

Völlig zurecht, für mich nicht nur das innovativste Spielkonzept, sondern auch das Spiel des Jahres!

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Pairikas
  

The Unfinished Swan hätte wie ich finde auch zumindest eine nominierung verdient, hatte frische und ungebrauchte Ideen. Journey wollte ich immer zocken, habs aber noch immer nicht gemacht, kann es also nicht beurteilen, genau so DayZ, nie gezockt.
Aber ich wurde wohl Mark of the Ninja nehmen, 2D Sidescrolling Stealth-Action ist schon ne coole sache ^^

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Jace
  

@chaos: und wer sagt dass das Spielkonzept neu sein muss. Solltest dir mal den Header durchlesen: "althergebrachte Mechanismen".

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Johnson
  

Kam Dark Souls 2011 raus?? Muss wohl. Das hatte ich hier irgendwie erwartet.

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Stalkingwolf
  

Der Tablet Controller hat bei Mario auf der Wii U keine Zusatzfunktion. Du kannst halt das Spiel auf den Controller holen und dort weiterspielen. Ist ganz nett gemacht, aber ich finde der Controller ist ein wenig zu dunkel und man kann es nicht verstellen. Zumindestens habe ich die Funktion noch nicht gefunden.

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Bramahummel
  

New Super Mario Bros nominiert als "bestes Spielkonzept"?! Ja gut, stimmt, was ewig bekanntes kann ja trotzdem noch super rocken ;) Ach ja, ich hab ja auch den Tablet- Controller vergessen.Ich hab kein einziges der oben genannten games gezockt von dem her kann ich hier eh nicht mitreden :)

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Agent Morgan
  

@ Stalkingwolf
Brauchst du deswegen nicht, That Game Company macht jetzt Multiplattformspiele.

Ja, ich würd auch sagen das Journey der verdeinte Sieger ist, zumindest von dem was ich von dem Spiel gesehen und gehört hab. Sonst seh ich unter den Nominierten nur nach DayZ als wirklich passend an.
Mark oif the Ninja ist super, aber kein wirklich neues Spielkonzept. Ich denk mal das Mario (trotz dieses neuen Spielmodus) nominiert war war eher ein kleiner Gag der Redaktion.
Aber dieses Jahr war mal wieder ein gutes Beispiel dafür, dass Innovation momentan nur bei Indi-Spielen stattfindet.

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Stalkingwolf
  

Journey und Mark of the Ninja sind in der Tat zwei sehr gute Spiele und das für nur ein paar Euro eines Arcade Games. Da sollten sich einige der großen mal eine Schnite von abschneiden.
Journey war mein letztes Game auf der PS3, bevor ich sie eingepackt habe. Falls " That Game Company " mal wieder ein Spiel rausbringt,dann werde ich sie wieder aus dem Karton befreien. Und es war seit langem wieder ein Spiel wo ich mich an die Konsole gesetzt habe und das Spiel ohne Pause durchgespielt habe. Das Spiel war wirklich beindruckend und hat mich Emotional total gepackt.
Das hier auch genannte Walking Dead kann ich nicht unterschreiben. WD machts nichts besser als die unzähligen anderen Adventures die es gibt. Die Rätsel sind eher von der einfachen sorte. Und die Entscheidungen sind nur oberflächlich und haben keine Auswirkung.

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cHaOs667
  

@Jace: Nur dass das Spielkonzept nicht neu ist...

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Jace
  

Xcom geh?rt f?r mich auch klar dazu. Nur weil es vor etlichen Jahren mal ein Spiel mit dem gleichen namen gab besitzt das Spiel genug Eigenat?ndigkeit und ist in dieser Generation einzigartig.

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