AreaGames Jahresrückblick 2012: Juli - September

"Wenn's klappt!" ist unser eingeschworenes Motto, dem wir im neuen Jahr seinen negativen Touch nehmen wollen. Teil 3 und 4 unseres Jahresrückblicks 2012 verdeutlichen deshalb die zeitliche, nicht die mögliche Ausrichtung dieses Slogans. Denn siehe da: Es klappt! Nur "Wann?" ist eben die Frage, "Jetzt!" die Antwort. Viel Spaß also mit frischer Nostalgie im dritten Teil unseres ultimativen Resümees.


Juli

Es ist EM-Finale, welches nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft hier ohnehin niemanden mehr interessiert. Die Spanier gewinnen 4:0 gegen Italien und machen das Meisterschaft-Triple damit voll. Jetzt kann die Südländer endgültig niemand mehr leiden. Geld in die Staatskassen können sie damit auch nicht kicken. Zur Gratulation werden dem Land jedoch Kredithilfen in Höhe von 100 Millarden Euro bewilligt, davon allein 30 aus Deutschland. Dafür lassen sie uns beim nächsten Mal aber gewinnen. Günstiger kommt Sony weg, die für etwa 380 Millionen den Stremingdienst Gakai kaufen. Ohnehin ein Schnäppchen, im Vergleich zu dem was Disney so im Warenkorb hat. Doch wir greifen vor. Vorausnahme ist anscheinend auch Blizzards Devise, die behaupten, dass "Heart of the Swarm" bereits zu 99% fertiggestellt sei. Das Spiel erscheint 2013, denn dieses letzte kleine Fitzelchen erweist sich als hartnäckig. Was wohl auch für das Higgs-Boson gilt, dem kleinsten Baustein eines Teilchens, welches CERN-Wissenschaftler mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit entdeckt haben wollen. Na hoffentlich haben sie auch richtig hingeguckt.
Eine Sensation, bei der es ebenfalls wenig zu sehen gibt, ist auch "Shades of Grey". Die Bestseller-SM-Romane dürfen sich jetzt auch bei uns wie geschnitten Brot verkaufen und das wohl vorrangig bei Frauen. Die ausladende Verbreitung derartiger Inspirationsquellen soll uns nur zum Vorteil gereichen. Auf ehrlichen Männer-Spaß, mit attraktiver Optik setzt hingegen wie immer Creative Assembly. SEGA kündigt "Rome II" für das kommende Jahr an. Das wird ganz sicher noch auf einem Datenträger erscheinen. Doch für EA sieht die Zukunft laut Frank Gibeau vollkommen digital aus. Ganz ohne physischen Controller kommt auch die stark gestengesteuerte Mech-Ballerei "Steel Battalion: Heavy Amor" nicht aus, welche damit aber letztlich nur das spielerische Sommerloch und die Hardcore-Untauglichkeit von Kinect bestätigt. Ohne Tom Cruise kommt hingegen Katie Holmes aus, die sich im Sommer von "Maverick" trennt, der seine Scientology-Sekte wohl mehr liebt als sie. Als Spaßverderber erweist sich derweil ein Namensvetter der süßen Schauspielerin: James Holmes erschießt 12 Kinobesucher und verletzt 59 weitere, bei der "Dark Knight Rises"-Premiere in Aurora, Colorado. Wäre gar nicht nötig gewesen. Der Film selbst enttäuscht viele Fans. Doch Spaß beiseite. Der Anschlag ist nur einer von mehreren schrecklichen Amokläufen, die in diesem Jahr noch folgen sollen. Die AreaGames-Redaktion tut im Podcast ihre Verachtung über solche Taten kund.
Während die Kinos trotzdem aus allen Nähten platzen, herrscht in der Spielebranche mal wieder ein beispielhaftes Sommertief. Und wenn es nichts zu tun gibt, macht man schon mal Ankündigungen für bessere Zeiten, legt alte Perlen neu auf und probiert die aktuellen Trends. Dass Crowd-Founding nicht nur bei Spielen funktioniert, beweist die Android-Konsole Ouya, von der noch keiner so richtig weiß, was sie eigentlich wirklich können soll und die anscheinend trotzdem viele haben wollen. Statt eines echten Remakes legt Square Enix die PC-Version ihres Magnum Opus "Final Fantasy VII" neu auf. Und alle so: "Uiiii ... Tollll ..." Während Bradley Wiggins als erster Brite überhaupt die Tour de France gewinnt, deren Existenzberechtigung wir nur in höllisch unterhaltsamen Domino-Fahrrad-Stürzen sehen, quält sich Jan durch "London 2012" - dem Spiel, nicht der Stadt. Und alle so: "Uiiii … Sport …"
Alle drei Tage kommt die Sonne raus, doch für THQ herrscht weiterhin dauerhaft Regenwetter. Nächstes Opfer der Sparmaßnahmen: Die Vertriebsrechte für Tomonobu Itagaki's potentielles AreaGames-Lieblingsspiel "Devil's Third" wandern zurück ans Valhalla Team, das sich jetzt einen anderen mutigen Publisher suchen muss. Einen neuen Geldgeber braucht auch Neckermann. Den hat AreaGames glücklicherweise schon gefunden.
In einem historischen Deal verkaufen wir uns an einen reiferen Herrn namens IDG und werden ins Onlinewelten-Netzwerk eingegliedert. Das verspricht eine rosige Zukunft. Was folgt ist aber erst mal ein weiteres Jahr mit einigem inkonsequenten Hickhack (Stichwort: Video-Tests), in gewohnt … ähem … sympathischer "Do it yourself!"-Manier, den die beste User-Gemeinde der Welt mit uns geduldig durchsteht. Im nächsten Jahr wird alles besser.
Wir arbeiten jetzt zwar unter menschenwürdigeren Bedingungen, viel zu testen gibt es dennoch nicht. Die erzählerisch starke "Buchversoftung" "Spec Ops: The Line" aus der deutschen Hauptstadt ist das einzig nennenswerte neue Spiel in diesem Monat. Jan vergibt lokalpatriotische 8/10. Für kaufenswert hielt es anscheinend aber niemand. Schämt Euch was! Ansonsten erscheint mit "Project Zero 2" ein feines Remake, welches uns daran erinnert, dass Nintendo wohl noch eine Heimkonsole auf dem Markt hat und das es einst ein Genre names Survival-Horror gab. Nur die "Ratchet & Clank Trilogy" bietet sich noch als Leiter aus dem Spielspaßloch an. Zumindest für alle, die sie noch nicht kennen. Shigeru Miyamoto sitzt derweil wohl am Strand und träumt wie wir von einem neuen "Metroid" oder "Starfox" für die Wii U. Wir bekommen aber trotzdem erstmal "Mario".
Da Kinos dieser Tage ohnehin den größeren Reibach machen, präsentiert sich der Juli als Monat der Film-News für Videospieler. CBS sichert sich die Rechte an einem "Deus Ex"-Streifen. Mann der Stunde Michael Fassbender wird äußerst treffend für die Hauptrolle in einem "Assassin's Creed"-Film verpflichtet, den er selbst mitproduziert. Und für 2014 ist eine Leinwand-Adaption der "Need for Speed"-Reihe angekündigt. Sam Raimi's Abgang vom "World of WarCraft"-Film erinnert uns aber wieder unmittelbar daran, dass derlei Projekte selten unter einem guten Stern stehen. Apropos WoW: Den unter anderem durch den MMO-Hit unverschämt erfolgreichen Publisher Activision bietet Mutterfirma Vivendi zum Verkauf. Nur will ihn keiner haben. Rockstar muss hingegen nur zwei Screenshots veröffentlichen, um Interesse zu wecken. Bei neuen Bildern zu "GTA V" zeigen in den folgenden Wochen regelmäßig alle Penisse dieser Welt gleichzeitig nach oben. "Dishonored"-Designer Viktor Antonov zeigt sich hingegen wenig begeistert über die Flut an Fortsetzungen. Witzig, dass der Steampunk-Rache-Trip selbst einen Nachfolger bekommen wird. Der Nachfolger zum Nachfolger des verteufelt schröcklichen "Dead Space" stinkt immer noch nach Action-Achterbahn, ohne Grusel. Dass wir es selbst so wollten, will EA durch Umfragen erfahren haben. Habt Ihr eine Umfrage ausgefüllt? Wir auch nicht. Noch einer, der es nicht kapiert hat: "Resident Evil - Revelations"-Produzent Masachika Kawata meint im Erfolg des 3DS-Spiels zu lesen, das klassischer Survival-Horror für die Spieler zu sperrig und Action doch viel beliebter sei. Welch Ironie, dass gerade dieser Teil durch einen erhöhten Horror- und Adventure-Faktor glänzte.
"Sniper: Ghost Warrior 2" wird im Juli gleich mehrfach verschoben, zuerst auf den Herbst, dann in das nächste Jahr und ist damit schon das zweite potentiell mittelprächtige Spiel, neben "Aliens: Colonial Marines", welchem dadurch viel zu viel Aufmerksamkeit zuteil wird. Wenig Begeisterung kann auch Crytek entfachen, die ihre Drohungen wahrmachen und mit "Warface" einen Free-to-play-Ego-Shooter ankündigen. Bei unserem Blick in die Zukunft, schnappten wir folgenden Satz auf: "Wisst Ihr noch, als Crytek damals ihren ersten und einzigen Free-to-play-Shooter ankündigten …?" Dass Ihr kein Spaß mehr am Spielen habt, will übrigens auch "Heavy Rain"-Vater David Cage. Für sein "Beyond: Two Souls" legt er sich andere Ziele. Und wenn er wieder Kinder und schöne Frauen sterben lässt, wird er die wohl auch erreichen. Weit utopischer gestalten sich da die Visionen von Branchenschnuckelchen Jade Raymond, die von einem echten Holodeck träumt. Wir auch, liebe Jade. Wir auch. Alex weckt in seiner desillusionierenden Kolumne hingegen sämtliche Fanboys aus ihren Träumen über die nächste Konsolengeneration. Die Wunschvorstellung von einer schöneren Zukunft bombardieren Irrational Games aber gleich wieder. In einer Stellenausschreibung suchen sie nach einem Mitarbeiter, der jedoch wenigstens ein Spiel in seiner Vita mit einem Metacritic-Score von mindestens 85 Punkten aufweisen muss. (Das ist komisch, egal wie man es versteht.) Wir diagnostizieren Tiefenrausch.
AreaGames Jahresr?ckblick 2012: Juli - September

August

Wie die deutschen Sportler bei den Olympischen Sommerspielen abschneiden, erfahren die Sport-TV-Muffel der Redaktion nur aus dem Radio. Zuletzt Gold beim Achter-Ruder, im Radsprint, beim Diskusswurf und im Doppel-Vierer-Rudern, was irgendwie wieder ein Achter-Ruder ist, wenn Ihr uns fragt. Insgesamt landen die Deutschen auf Platz 6 der Gesamtwertung. Sie haben's also noch drauf. Ebenso wie Codemasters, die endlich "GRID 2" ankündigen. Square Enix versucht uns hingegen unnachgiebig von "Final Fantasy XIII" zu überzeugen und meldet Arbeiten an einem weiteren Ableger zum wohl zweifellos beliebtesten Teil der Rollenspielreihe. EA meint allerdings auch, dass ein drittes "Army of Two" notwendig wäre, mit mehr Ernst und weniger Humor und so. Müssen sie wohl durch eine Umfrage herausgefunden haben. Dass sich ein Dreier lohnt, weiß inzwischen auch Blizzard, deren "Diablo III" sich bis dahin über 10 Millionen Mal verkauft hat, was sich nicht wenig mit den Kundenrezensionen bei Amazon beißt. Weniger erfolgsverwöhnt ist 2012 Sony, die einen Umsatzeinbruch ihrer Spiele-Sparte von über 14% hinnehmen müssen. Die Einzelverkaufszahlen der Vita werden dabei gar nicht genannt. Das nennt man in Japan wohl "Sein Gesicht wahren.". Da hilft es auch nicht, dass "Assassin's Creed III" auf der Playsi mit sagenhaften 60 Minuten mehr Gameplay in den Handel kommt. Der PR-Wahnsinn grassiert eben auch noch im Angesicht des Weltuntergangs. So kann einen nur noch das Unglück anderer aufmuntern. Dauerschmollgesicht THQ gibt weitere Spielsachen zurück. Die Rechte am Grusler "InSane" darf Guillermo del Toro anderen schmackhaft machen. Vielleicht kreativen Marsmännchen, denn die Curiosity landet unbeschadet auf dem Roten Planeten und findet dort tatsächlich Kohlenstoff.
Wen das nicht aus den Sitzen haut, der staunt über das Gerücht, dass die BioWare-Gründer Greg Zeschuk und Ray Muzyka den Rollenspiel-Entwickler verlassen wollen. Aber es ist ja Gott sei Dank nur ein Gerücht. Wahr ist hingegen, dass Muammar al-Gaddafi erst sein Amt und dann auch die Welt der Lebenden verlassen musste. An seiner Stelle tritt im August mit Muhammed el Megarif das erste demokratisch gewählte Oberhaupt Lybiens seinen Dienst an. Der ist hoffentlich selbstironischer als Russlands Präsident Putin, über den man nicht mal Lieder singen darf. Die dreiköpfige Frauen-Punk-Band Pussy Riot wird zu zwei Jahren Haft verurteilt und die Welt kotzt. Was uns zu Piranha Bytes bringt, die uns wirklich überraschen konnten. "Risen 2" sieht diesmal auf allen drei Systemen gleich scheiße aus und verlangt selbst alteingesessenen Fans viel Verständnis ab. Selbiges braucht man auch, um zu begreifen, dass Apple inzwischen das wertvollste Unternehmen aller Zeiten ist. Als nächstes wird vermutlich Club Mate den Börsen-Rekord brechen. Dann folgt der AreaGames-Kartoffelsaft. Schmeckt wie Oma unterm arm, aber man gewöhnt sich dran. Eine derartige Hemmschwelle musste offenbar auch die BPjM überwinden. So werden zahlreiche, teils erstaunlich junge Titel vom Index gestrichen. Darunter auch das Add-on zu "Doom 3". Worüber sich Interessenten der BFG-Edition des id-Shooters freuen dürfen.
David Cage proklamiert, dass "Beyond"-Heldin Jodie Holmes, gespielt von Ellen Page kein Sex-Objekt werden soll. Anscheinend meinte er es ernst, als er sagte das Spiel solle keinen Spaß machen. Ebenfalls traurig: Statt Vladimir Putin, stirbt Pandabär Bao Bao im Berliner Zoo. Nicht totzukriegen ist hingegen die Vorfreude auf die nächste Konsolengeneration. In einer Stellenausschreibung grenzt Microsoft den Release-Zeitpunkt der nächsten Xbox ein: 18 Monate, also etwa 14 Monate von jetzt an, soll es maximal noch dauern. Das ist nur etwa ein Hunderstel in Umweltvernichtungszeitrechnung. Also eigentlich gar nicht so lang, nicht wahr?
Doch noch müssen wir mit dem zufrieden sein, was wir bekommen. "Darksiders II" ließ Ex-Redakteur Nils ernüchtert aus der Vorpräsentation kommen. Aber der mag ja eh nur "The Darkness". Tester Jan ist begeistert, stößt damit aber wiederum auf wenig Zustimmung bei den Lesern. Wir leben in einer komplizierten Welt. Wenigstens scheint die Sommerebbe nun vorbei. "Sleeping Dogs" ist schon jetzt die Überraschung des Jahres. Was Activision für unrettbar hielt, hat Square Enix zu einem rundum gelungenen Open-World-Abenteuer gezaubert, dass sogar den Größten in einigen Belangen noch zeigt, wie man es macht. Hong Kong-Action-Fan Johannes vergibt eine harte 8/10. Ist ja schließlich nicht von Nintendo. Wie man aus sicheren Hits mögliche Risiko-Kandidaten macht, zeigen im Gegensatz dazu "Bioshock Infinte" und "Gears of War - Judgement", die beide den Abgang mehrerer wichtiger Mitarbeiter verkraften müssen. Für Erheiterung sorgt dafür Kazunori Yamauchi, der schon mal die Arbeit an "Gran Turismo 6" verkündet, aber bei Gott keinen Release-Termin nennen will.
Es ist GamesCom! Hohe Besucherzahlen, wenig Aufregung. Man durfte vor allem neues Material zu unlängst angekündigten Titeln bestaunen. Als eine der wenigen vielversprechenden Neuankündigungen, stellt Capcom die stylische Cyberpunk-Action "Remember me" vor, entwickelt bei den Franzosen von Dontnod. Sony kündigt eine noch schlankere Playstation 3 an. Für uns ein Indiz, dass diese Generation eindeutig schon zu lange andauert. Mit Cross Buy versuchen die Japaner weiterhin die Vita attraktiv zu machen. 2012 bedeutet das vor allem, dass Spiele auf der PS3 nicht mehr zu super aussehen dürfen. Überhaupt zeigt sich Sony hartnäckig bei der Anpreisung ihrer Produkte. Mit "Until Dawn" kündigen sie ernsthaft ein auf starke Move-Einbindung ausgerichtetes Teenie-Horror-Spiel an. Respekt.
Auffälligster Trendsetter: Free-to-play bauscht sich in Spieleraugen auf zum Untergangsvorboten der Videospielbranche. Beliebtestes Opfer, neben Online-RPGs sind die ohnehin strauchelnden Strategiespiele, in diesem Monat "Anno" und "Command & Conquer Generals 2". Ubisoft's Creative Director Alex Hutchinson meint derweil einen subtilen Rassimus im Spielejournalismus erkennen zu können, da die doofen japanischen Spiele stets viel besser bewertet werden als die guten westlichen Produkte. Wir finden es hingegen rassistisch von Johannes auf die Allgemeinheit der Spielejournalisten zu schließen. Dass aber Leute, die mit Videospielen zu tun haben, scheinbar tatsächlich eine genetische Vorbestimmung aufweisen niemals erwachsen zu werden, veranschaulichte uns der Flamewar zwischen Ex-Blizzard-North-Mann und "Diablo"-Designer David Brevik, der sich kritisch zum dritten Teil der Hack'n Slay-Reihe äußerte, was "Diablo III"-Chefdesigner Jay Wilson nur mit einem "Fuck that loser!" quittierte. Der Stoff aus dem Legenden sind. Und bevor es zu Verwechslungen kommt: Der norwegische Massenmörder Anders Breivik wird im August zu 21 Jahren Haft verurteilt, dem Höchststrafmaß des Landes. Fuck that Loser!
Auf ein Gerichtsverfahren hat es auch EA abgesehen, die erstmals in der Geschichte stellvertretend für die gesamte Spieleindustrie den Social Game-Giganten Zynga verklagen, weil dessen "The Ville" doch einfach zu sehr an (erfolglose) "The Sims Social" erinnerte. Weniger eine edle Robin Hood-Mentalität, als eher kommerzielles Kalkül wird den mysteriösen Käufer von OnLive angetrieben haben. Ende Juli geht das Cloud Gaming-Unternehmen insolvent. Alle Mitarbeiter werden entlassen. Ein neuer unbekannter Finanzier übernimmt, löst die Marke, aber nicht deren Funktion auf, stellt einige Mitarbeiter wieder ein und kündigt an, später möglichst viele weitere wieder mit an Bord zu holen. Das muss doch auch unkomplizierter funktionieren. So wie die Schließung von Sony's Studio Liverpool. Der aus Psygnosis hervorgegangene "WipeOut"-Entwickler wurde nach 28 Jahren rigoros dichtgemacht. Wir warten dann mal auf das nächste Kickstarter-"WipeOut". Denn die Macht der Masse sollte man nicht unterschätzen, wie die Petition für eine PC-Umsetzung des RPG-Meilensteins "Dark Souls" beweist. Ende August erscheint das Meisterwerk auch für Windows-Computer, allerdings in wenig meisterlicher technischer Ausführung. Mit einer Fan-Mod kann die 720p-Begrenzung umgangen werden. Ein doppeltes Hoch auf die Community.
Das Ende des Monats wird vollends von "Metal Gear Solid" beherrscht. Auf die Verlautbarung einer Leinwand-Version zu Kojima's Werk unter Marvel-Stammproduzent Avi Arad folgt die Ankündigung von "Metal Gear Solid - Ground Zeroes" in Form eines Bildes, mit einem deutlich gefisherten Snake.
AreaGames Jahresr?ckblick 2012: Juli - September

September

Konami legt sofort mit einem 11minütigen Gameplay-Video zu "Ground Zeroes" nach, das zu gut aussieht, um war zu sein, aber angeblich noch ein Spiel für die aktuelle Generation zeigt. Im Laufe des Monats werden wir recht regelmäßig mit Bildern und Infos zum Spiel versorgt. Auf welche Art Kojima aber tatsächlich die Spieleindustrie mit dem "Metal Gear"- Franchise wie angekündigt erschüttern will, wird sich schließlich erst im Dezember zeigen. Viel mehr erschüttern uns derweil die Ereignisse um ein den Propheten Mohammed persiflierendes Filmchen, das wahrscheinlich niemand jemals wirklich je gesehen hat. Es führt zu zahlreichen antiwestlichen Protesten von Muslimen und dem Angriff auf eine deutsche und eine amerikanische Botschaft, wobei in letzterem Fall vier Amerikaner getötet werden. Nach den zurückliegenden Nachrichten aus 2012, nur ein weiterer Beweis dafür, dass die menschliche Dummheit international und der bevorstehende Weltuntergang nicht so unwahrscheinlich ist.
Vorher muss aber noch die Wii U erscheinen, deren Launch immer näher rückt. Ein französischer Händler gibt Veröffentlichungsdatum und Preis der Konsole mit dem 7. Dezember und 349 Euro an und liegt damit genauso halb richtig wie andere vor ihm. Nintendo veröffentlicht derweil weitere Screenshots zu "New Super Mario Bros. U", die uns irgendwie bekannt vorkommen. Ebenso wie die ungebrochene Motivation findiger Hacker, die Sony-Hardware zu knacken. Etwas schneller als die PS3, wurde die Vita im September bereits sieben Monate nach Release erfolgreich gehackt. Von feierlichen Besäufnissen ist in der Tschechischen Republik in dieser Zeit abzuraten. Wohl kaum aus erzieherischen Beweggründen wurden dort 15.000 Liter hochgefährlich gepanschten Alkohols unters Volk gebracht. 25 Menschen starben, viele weitere mussten mit dauerhaften Schäden rechnen. Keine Party-Stimmung herrschte auch nach dem kommerziell ernüchternden "Summer of Arcade". Wahrscheinlich waren alle noch zu sehr mit "Trials Evolution" und "Minecraft" beschäftigt.
Ähnlich enttäuschte Strategie-Fans, versucht EA davon zu überzeugen, dass das Free-to-play-Sequel "Command & Conquer Generals 2" noch eine Kampagne und vielleicht sogar eine Konsolenfassung bekommt. Die "Dead Space"-Macher von Visceral Games reden beim dritten Teil der Horror-Reihe indes nur noch von einem Quad-A-Spiel. Das sollte man wohl eher mit Humor nehmen. Und wo gerade Science-Fiction wieder an Aufschwung gewinnt, taucht Chris Roberts, wie ein James Cameron der Spieleindustrie aus der Versenkung auf und redet so geheimnisvoll wie verlockend von seinem neuen Spiel. Die lange Wartezeit lässt sich bekanntermaßen prima mit dem Zocken anderer Spiele überbrücken. Wenn diese auch noch ein gewalttätiges Gameplay haben, macht uns das sogar schmerzunempfindlicher, wie Wissenschaftler herausgefunden haben wollen. Double-Win!
Doppel-Pech haben hingegen zwei "ARMA III"-Entwicklern, die in Griechenland wegen Spionage-Verdachts verhaftet werden. Der Iran verbietet später schon mal vorsorglich den Verkauf des Spiels im eigenen Land, wegen verunglimpfender Darstellung der Nation.
Bei Nintendo muss jetzt keiner mehr spionieren. Der Mario-Konzern beendet die Gerüchte um das Launchdatum der Wii U. Am 30. November ist es bei uns soweit. Preise werden dem Handel nicht vorgegeben, liegen aber wie zu erwarten bei 300 bis 350 Euro. Echte Kracher fehlen noch im Start-Line-up. Doch Nintendo bleibt am Hardcore-Ball und sichert sich "Bayonetta 2" als Exklusiv-Schmankerl. Sehr zum Unmut einiger Fans der adretten Hexe. BioWare-Fans dürfen sich hingegen freuen - "Dragon Age III: Inquisition" wird angekündigt - und gleich darauf in einen Heulkrampf fallen. Die Gerüchte sind wahr. Greg Zeschuk und Ray Muzyka verlassen BioWare. Zeschuk geht Bier brauen. Das sollte dann zumindest etwas Trost spenden. Doch die Show muss weitergehen. Und so stehen bei den Rollenspiel-Experten auch noch "Mass Effect 4" und eine völlig neue IP auf dem Plan.
Wer keinen reichen Publisher zum Papi hat kickstartet weiterhin Herzensprojekte. Das "Baphomet's Fluch"-Sequel überschreitet die angepeilte Mindestsumme fast um das Doppelte. Genauso erfolgreich, doch deutlich unter der Wunschsumme war die geplante Fortsetzung zu einem anderen, noch reizvolleren Revolution-Klassiker. Für "Beneath a Steel Sky 2" wollten die Entwickler aber auch eine Million Dollar haben. Das Spiel wird trotzdem gemacht. Es gibt also doch einen Gott. Den Kickstarter-Dreh haben Capcom allerdings noch nicht raus und offerieren, dass sie ein Remake von "Resident Evil 2" berücksichtigen würden, wenn die Fans es wirklich wollen. Eine etwas andere Art von Lohnvorschuss beschert der "Forza Horizon"-Season Pass dem Entwickler. 45 Euro für ein paar DLC-Inhalte stoßen selbst beim härtesten Fan ans Rachenzäpfchen.
Im September sind wir nicht mehr nur auf Ankündigungen und Zukunftsspinnereien angewiesen. Die Endjahres-Spielewelle kommt langsam ins Rollen. "Tekken Tag Tournament 2" gibt Fans, was sie so dringend brauchen. "Borderlands 2" erscheint und AreaGames verzichtet auf den Test, weil ohnehin jeder weiß, dass es geil ist. Vor allem dieser Typ hier, der sich über 43 Stunden nicht vom Shoot'n Loot -Knaller lösen konnte.
Die Wii U ist noch gar nicht draußen, da zeigt sich Nintendo Ende des Monats nochmal als Spaßbremse. So wird die neue Konsole über einen Region-Lock verfügen. Achtet also drauf, wo Ihr die Spiele klaut.
AreaGames Jahresr?ckblick 2012: Juli - September

Kommentare

Johannes Krohn
  

Ups, das hatte ich wohl falsch in Erinnerung. Danke für den Hinweis.

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Claudandus
  

hehe wieder sehr schick zu lesen und auch witzig.....ABER zu den Teil mit Steel Battalion sag ich einfach mal nichts. "Ohne physischen Controller kommt schon mal „Steel Battalion: Heavy Amor" aus"
Man brauchte nen Controller um es zu spielen.
Kinect half einen nur IM panzer selber zu arbeiten....da es aber eh keiner ernst getestet hat sehe ich mal drüber hinweg^^

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