Berufe in der Spielebranche - Einführung

Sein Hobby zum Beruf machen…Wer träumt nicht davon? Gerade im Games-Bereich hört sich das doch sehr verlockend an. Am nächsten GTA mitarbeiten oder ein völlig neues Spielkonzept entwickeln? Der nächste Hideo Kojima werden? Tatsächlich bietet die junge Games-Branche einiges, was in uns die Neugier weckt. Wir stellen euch in unserem sechsteiligen Special Berufe in der Spielebranche vor und präsentieren Interviews mit Brancheninsindern.

Ihr fragt euch: Wer steckt eigentlich hinter meinem Lieblings-Game, dem ich jeden Tag meine volle Aufmerksamkeit widme. Und kann ich das auch? Dann solltet ihr jetzt aufmerksam weiterlesen, denn hier erfahrt ihr nicht nur, was ein "Spielemacher" ist, sondern auch was er macht und wie ihr selbst ein solcher werden könnt. Entscheidet euch, ob ihr "nur" Gamer bleiben oder ob ihr es wirklich zu eurem Beruf machen wollt. Es könnte passieren, dass man Games danach aus einem etwas anderen Blickwinkel betrachtet.

Die Spiele-Industrie: Ein Überblick


Dass die Spiele-Industrie gut läuft und stetig wächst, wird wohl mittlerweile fast jedem bekannt sein. Nachrichten berichten darüber und die steigenden Besucherzahlen der Games Convention in Leipzig sprechen für sich: 203.000 Besucher 2008 (2007: 185.000) und 547 Aussteller (2007: 503). Mit der neuen Generation von Konsolen und Handhelds wurde die Palette für die Entwickler noch erweitert. Mit dem Nintendo DS und der Wii ist es nun auch wieder kleineren Studios möglich, Fuß zu fassen. Das bedeutet unter anderem, dass mehr Studios eröffnen, was wiederum dazu führt, dass mehr Leute gesucht werden. Natürlich wurde auch diese Branche von der Finanzkrise nicht verschont, aber im Vergleich zu anderen ist sie noch recht gut davongekommen. Manche Entwicklerstudios schließen, andere vergrößern sich. Das ist hier nicht anders als in sonstigen Bereichen. Viele fragen sich: Wie läuft es eigentlich in so einem Entwicklerstudio ab und wie ist die Industrie strukturiert? Man weiß irgendwie, dass es einen Publisher und einen Entwickler gibt…und… . Im Grunde genommen weiß man alles und nichts. Was die eben Genannten genau tun und wie sie zusammenarbeiten, schwebt eher etwas schwammig in unseren Gedanken umher und ist schwer vorzustellen. Damit man sich ein besseres Bild machen kann, wie die Industrie aufgebaut ist und wie ein Spielprojekt entsteht, erfolgt ein kleiner Strukturüberblick. Es kann nicht schaden, mit Wissen zu prahlen, besonders wenn die lieben Verwandten und Freunde immer noch denken, dass Videospielentwickler ein chaotischer Haufen ohne Freunde sind, die in einer dunklen Kammer sitzen, den ganzen Tag und die ganze Nacht vor dem Bildschirm hocken und literweise Kaffee und Energydrinks zu sich nehmen. Diejenigen, die glauben, schon alles darüber zu wissen, können ja die Gelegenheit nutzen, ihr Wissen aufzufrischen.
Berufe in der Spielebranche - Einf?hrungDie beiden Hauptakteure der Spieleproduktion sind also der Publisher und das Entwicklerstudio (Developer). Die beiden stehen miteinander im ständigen Austausch. Die Publisher gleichen dabei den Produzenten im Filmgeschäft. Die Aufgabe des Publishers ist hauptsächlich die Planung und Sicherung der Finanzierung diverser Spielentwicklungen. Sie übernehmen unter anderem das Marketing, den Vertrieb sowie die Public Realtion (PR). Bei großen, internationalen Publishern bedeutet es, dass sie auch die Lokalisierung in den verschiedenen Ländern der wichtigsten Märkte (USA, Japan und Europa) übernehmen. Ist das Spielprojekt fertiggestellt, wird es zumeist unter dem Namen des Publishers veröffentlicht.

Bevor ein Projekt beginnen kann, stellt der Entwickler dem Publisher seine Idee vor, was in der Branche als "Pitching" bezeichnet wird. Dieser Schritt erfolgt mittlerweile durch eine bereits funktionsfähige Demo des Spiels, die alle wichtigen Elemente enthält und das gewünschte Spielgefühl vermitteln soll.
Die Entwicklerstudios sind, sobald sie die Zustimmung von einem Publisher erhalten haben, für die Umsetzung des Spielprojekts zuständig. Das umfasst das Spiel-Design, die künstlerische Gestaltung, die Programmierung (teilweise auch die einer neuen Software-Engine) und die Konzeption der Inhalte. Dabei können die Entwickler feststellen, inwiefern bestimmte Ideen im Projekt machbar sind oder inwieweit das gesamte Projekt realisierbar ist. Es gibt nur wenige Entwicklerstudios, die ohne Publisher arbeiten (können). Da in der Produktionszeit kaum oder gar keine Einnahmen gemacht werden, ist es für die meisten Studios finanziell nicht tragbar.
Es ist unumgänglich, dass beide "Parteien" sich im ständigen Austausch befinden. Um dies zu vereinfachen, stellt der Publisher in der Regel dem Entwicklerteam einen Produzenten (Producer) zur Seite, der das Projekt überwacht und sich um die finanziellen Belange kümmert (mehr dazu bei "Berufe im Detail": Producer). Bei kritischen Entscheidungen kann der Produzent sogar direkten Einfluss auf das Spieldesign nehmen. Geregelt ist die Zusammenarbeit durch einen Vertrag. Dieser beinhaltet auch die sogenannten "Milestones" (Meilensteine). Sie bezeichnen die einzelnen Entwicklungsschritte, die der Entwickler in einer bestimmten Frist einhalten und zu diesem Termin fertiggestellt haben muss. Bei der Abnahme der Milestones erhält der Entwickler entsprechende Zahlungen. Diese Art der Bezahlung in Stufen ist die gängigste in der Industrie. Für die Kontrolle über die Einhaltung der Vertragsvereinbarungen ist ebenfalls der Produzent verantwortlich. Am Erscheinungstermin (Release) muss das Spiel fertig sein und im Handel zum Verkauf bereitstehen. Ein anderes Modell der Produktion basiert auf einem internen Entwicklerteam. D.h., dass manche Publisher ihre eigenen Entwicklerteams unterhalten, sogenannte "In House Studios". Diese Studios können mittlerweile selbst einen regelrechten Promi-Status erlangen und ein weiterer Kaufreiz für die Spieler sein.
Neben dem Kern-Entwicklerteam können unter anderem noch freiberufliche Mitarbeiter (Freelancer) das Projekt unterstützen, die nicht fest angestellt sind. Sie übernehmen je nach ihrem Berufsfeld (z.B. Animation oder Character-Artist) bestimmte Aufgaben und unterstützen das Entwicklerteam mit Content (Inhalt). Die Dauer der Beschäftigung eines Freelancers ist projektabhängig und somit unterschiedlich. Auch die Tatsache, ob er vor Ort ist oder von seinem privaten Sitz aus arbeitet, wechselt sich von Fall zu Fall ab. Es kommt eben darauf an, was mit dem Auftraggeber vereinbart wurde. Hat man sich für den Freelancer-Job entschieden, sollte man unbedingt die Vor- und Nachteile abwägen, denn alle Kosten, die normalerweise der Arbeitgeber übernimmt, muss der freie Mitarbeiter (meistens) selbst tragen. Außerdem ist es nicht garantiert, dass man nach einem Projekt sofort einen neuen Auftrag erhält. Das bedeutet eventuelle finanzielle Durststrecken. Dessen sollte man sich bewusst sein.
Das eben war lediglich ein Umriss der komplexen Beziehung zwischen dem Publishers und dem Entwicklers. Diese beiden Abteilungen haben wiederum ihre eigenen Arbeitsstrukturen. Auch der Produktionsablauf ist noch wesentlich komplexer. Es gibt viele verschiedene "Stationen", die gut zusammenspielen müssen, um möglichst reibungslos zu funktionieren.
Berufe in der Spielebranche - Einf?hrungBerufe in der Spielebranche - Einf?hrungGrundsätzlich gehören zur Entwicklung die folgenden vier Bereiche: Producing, Game Design, Game Art, Programming. In diesen Hauptgebieten setzen sich die einzelnen Aufgaben zusammen.Von der Idee zum fertigen Spiel im Handel sind mehrere Phasen zu durchlaufen. Es wird geprüft und getestet, diskutiert und redesignt. Das Spiel befindet sich in ständiger Bewegung. Bei all den verschiedenen Massen an Komponenten sind regelmäßige Zwischenstatus unvermeidbar.
Berufe in der Spielebranche - Einf?hrungHier ein paar Zahlen und Fakten, interessante Tatsachen und andere allgemeine Informationen.

  • es gibt ca. 200 Entwicklerstudios in Deutschland (ca.2.300 - 2.800 Mitarbeiter)
  • Marktanteil in Deutschland: PC-Spiele 42%, Konsolenspiele 58%
  • 2008 wurden in Deutschland 1,4 Mrd. Euro mit Softwareverkäufen eingenommen (Platz 3 in Europa)
  • 44% der Spieler in Europa haben einen Schul- oder höheren Bildungsabschluss
  • 20% haben einen Universitätsabschluss oder einen vergleichbaren Abschluss
  • "draußen spielen" und "sich mit Freunden treffen" zählen zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen von Spielern
  • 80% der Spieler aus Europa spielen einfach nur aus Spaß, 55% spielen zum Stressabbau und zur Entspannung
  • 54% sind Freizeitspieler, 24% Gewohnheitsspieler und nur 5% Intensivspieler ("Zocker")
  • zu der Gruppe der Intensivspieler gehören die jüngsten Spieler, die meistens Online oder Multiplayer mit Freunden spielen

Die Zukunft der Games:
Berufe in der Spielebranche - Einf?hrung
Quellen: Studie "Spielplatz Deutschland", BIU - Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V., Nielsenreport Europa 2008, G.A.M.E -Bundesverband der Entwickler von Computerspielen e.V., GmaeDev.net, Gamasutra, www.hessen-it.de, KIM Studie 2005

AreaGames Special: Berufe in der Spielebranche

Kommentare

Gorm1on
  

Ich habe lange in so einem Laden gearbeitet......
Nur ich hatte das gl?ck das ich direkt mit dem Grosshandel verbunden war (Partner).
Sonst w?re das nie m?glich gewesen.
Wenn du den bei uns den Grosshandel nicht im Nacken hast ist es fast unm?glich so lange zu ?berleben das es sich rentiert.

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tastepolice
  

prinizipell w?re ich da super gerne t?tig. ist quasi mein gr?sster berufswunsch. meinen eigenen
videospiele laden. hab das schon bis ins detail ausgemalt und viele lustige ideen gehabt um den
laden was besonderes zu verleihen.

aber bei den verdienstaussichten lasse ich es lieber beim tr?umen ;)

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Rush
  

@tastepolice....

Bei Gamestop kriegst sogar Vorgaben gemacht was Du umzusetzen hast als Leiter eines solchen Stores aber selbst als solcher verdienst Du dort nicht die Welt. Die normalen Angestellten hauen auch Stunde um Stunde auf den Kopf (besonders zur Weihnachtszeit) und bekommen einen kargen Lohn f?r ihre Arbeit. ;)

Die ganzen unabh?ngigen Shops verdienen an den neuen Spielen auch nicht die Welt, da die Gewinnmargen ?u?erst klein sind aber der Gebrauchthandel ist nicht nur bei Gamestop das Hauptinteresse...

Dennoch stimme ich dir zu das es keine Branche ist in der ich als H?ndler gerne t?tig sein w?rde. ;)

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tastepolice
  

ich hatte das mal ins auge gefasst. allerdings handelsseitig. sch?n gewerbe angemeldet und
bei den grossh?ndlern und publishern vorstellig geworden und angebote eingeholt.

als ich dann gesehen habe was die spiele im einkauf kosten habe ich mein gewerbe sofort wieder
abgemeldet.

wobei so nen gameshop schon was feines w?re. aber um damit das zu verdiehnen was ich als
angestellter verdiehne m?sste man schon utopisch viele games verkaufen. von den konsolen
mal ganz zu schweigen.

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kleiner Lemming
  

Sehr sch?n, freu mich auf die anderen Artikel.

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