E3 Backtracking: Legendäre Fehltritte

Nachdem wir nun schon unsere unerfüllbare Wunsch-E3 2012 vorstellten, blicken wir einmal auf die E3-Messen der vergangenen 17 Jahre zurück. Und zwar auf die Pressekonferenzen und Hardwareankündigungen, die die Industrie am liebsten ungeschehen machen würde.


1995 - Saturnday

Gleich im ersten Jahr der Messe wollte Sega alles richtig machen und mit einer richtig tollen Überraschung punkten. Stolz verkündete man am 11. Mai 1995, dass der neue Sega Saturn ab sofort erhältlich ist. Bombe! Denn eigentlich sollte der Saturn erst Monate nach der E3 (Nordamerika September 2, 1995) in den Handel kommen.
Problem an dieser Ankündigung nur war, dass Sega es vermieden hat diese Überraschung den Entwicklerstudios rechtzeitig mitzuteilen. Somit startete der Sega Saturn nur mit sechs Titeln, alle aus dem Hause Sega. Die Third-Party-Entwickler planten alles (Marketing, Pressung etc) noch mit dem September-Release oder waren schlicht und ergreifend nicht mit der eigentlichen Spielentwicklung fertig.
Aber Sega zog sich mit einer weiteren Entscheidung noch den Zorn einer anderen Gruppe auf sich. Der Saturn-Hersteller hatte für den Verkauf der Konsole Exklusivveträge mit vier Händlerketten (Toys "R" Us, Babbage's, Software Etc. und Electronics Boutique) abgeschlossen. Sämtliche anderen Retailer, darunter US-Größen wie Walmart und KB Toys, gingen leer aus. Was diese teilweise dazu bewog, alles was auch nur im entferntesten mit Sega in Verbindung stand, aus den Regalen zu verbannen und/oder mehr Platz für die Konkurrenz zu schaffen. Sega hatte mit diesen Händlern auch bis in Dreamcast-Ära noch Probleme.
Aber die Blamage war noch nicht ganz vorbei für Sega. Olaf Olafsson, damal Präsident von Sony Electronic Publishing, unterbrach für einen kurzen Auftritt von Steve Race seine PlayStation-Präsentation, damit dieser nach den Worten "Two hundred and ninety-nine dollar" und unter tosendem Applaus die Bühne wieder verlassen konnte. Damit unterbat Sony den Preis des Sega Saturns um satte 100$.

1995 - Virtual Boy

Die E3 '95 war auch für Nintendo alles andere als ein Erfolg, zumindest aus Hardwaresicht. Den ersten Tag der noch jungen Messe überlies man den Konkurrenten Sega und Sony mit deren Pressekonferenzen für ihre "Technikboliden" PlayStation und Saturn. Den verbliebenen Journalisten warf man auf der Nintendo-PK noch ein paar Infobrocken zum "Ultra 64"-System (später als N64 bekannt) zu, bevor dann der Game Boy-Erfinder Gunpei Yokoi die zweifelhafte Ehre hatte den Virtual Boy den Anwesenden schmackhaft zu machen. Allerdings sorgten schon vor und auf der Messe die geringe Zahl an Third-Party-Entwicklern, das äußerste gewagte Design, die Schwarz-Rote-Grafik und auch ansonsten schwachbrünstige 32-bitHardware für Kopfschütteln.

2003 - Nokia N-Gage

Mobile Gaming sollte in diesem Jahr durch zwei neue Produktvorstellungen aufwind erfahren. Und wie man heute noch an den Verkaufszahlen sehen kann, hat zumindest Sony mit der PlayStation Portable vieles richtig gemacht. Anders hingegen verlief es für Nokia und das N-Gage. Schon die Präsentation lies viele der Anwesenden etwas peinlich berührt zurück. Die Show begann mit einer Horde junger übermotivierter Breakdancer, die ihre Moves vollführten während sie gleichzeitig so taten als würden sie auf dem N-Gage irgendetwas spielen. Zwischen der Musik tönte immer wieder der Slogan "Multiplayer, Online, Mobile!".
Nokias Executive Vice President Anssi Vanjoki hatte dann die Aufgabe einem extrem-skeptischen Publikum, dem Minuten vorher die PSP präsentiert wurde, mit vagen Marketingversprechen das N-Gage zu verkaufen. Peinlich berührt zeigten sich viele der Anwesenden, die nicht nach der Bekanntgabe des Preises und des danach berüchtigten "299$-Girls" verschwunden sind, als sie mit ansehen mussten wie Anssi Vanjoki durch technische Probleme die Situation aus den Händen glitt und er hörbar ärgerlich ("Can I have the next slide now... PLEASE!?!") die nächsten Slides seiner Präsentation anforderte.

Die Grafikdemos des N-Gage konnten dann auch nichts mehr retten. Erst recht nicht John Romero. Mr. Daikatana präsentierte als Gastsprecher spürbar unmotiviert die Portierung von Red Faction für den Handheld-Handy-Hybriden vor. Nachdem nach elendig langen fünf Sekunden immer noch kein Applaus aus dem Publikum zu hören war, holte ihn eine PR-Dame von Nokia von der Bühne.
E3 Backtracking: Legend?re Fehltritte

2006 - PlayStation 3 Preis - Giant Enemy Crab

Die Sony E3 2006 Pressekonferenz gilt für viele als einer der schlechtesten die der Elektronikkonzern jemals dort abgeliefert hat. Auch wenn im Vorjahr noch keine lauffähige Version präsentiert wurde, reichten das Videomaterial zu Final Fantasy VII HD oder die SDK-Demo von Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots auf einem PC aus, um die Welt zu begeistern. Ein Schock war 2006 dann die Bekanntgabe des Preises von 599$ für das 60GB-Modell und 499$ für das abgespeckte 20GB-Modell.
Die Präsentation von Genji: Days of the Blade durch Producer Bill Ritch entwickelte sich dann noch zu einem Meme. Rich behauptete, dass die Kämpfe in Genji auf Schlachten basieren, die so im alten Japan stattgefunden hätten. Alles historisch korrek also! Im nächsten Moment wurde dann allerdings Gameplay-Material aus einem Bosskampf gezeigt. Und den Boss beschrieb Rich als Giant Enemy Crab. Wobei, riesig können Krabben schon werden. Aber auch so besondere Featues wie "real time...weapon change" wollte er nicht unerwähnt lassen und sparte auch nicht mit überaus wertvollen Tipps: "you attack its weak point for massive damage". Unvergessen ist auch Kaz Hirais Ridge Racer-Ausruf.


2009 Wii Vitality Sensor - PSP Go

Beflügelt vom Erfolg von Wii Sport(s) Resort, dem Balance Board und anderen Fitness-Titeln wollte Nintendo den nächsten Schritt in Richtung Healthy-Gaming machen. Schluss mit Adrenalin, Angstschweiß und Anspannung. Entspannung sollten die Spiele rund um den Wii Vitality Sensor bieten. Nintendo-Chef Satoru Iwata wollte das Spieler wieder lernen zu relaxen. Nintendo erntete damit jede Menge hochgezogener Augenbrauen und irritierte Blicke.
Bis heute ist dieses Hardware-Accessoire von Nintendo nicht veröffentlicht worden und wurde von vielen auch für tot erklärt. Auch wenn Iwata 2011 erklärte, dass es noch weiter in Entwicklung ist, nur fehle dem Produkt die Marktreife. In der Zwischenzeit kündigte Ubisoft eine eigene Variante dieses Konzept an. Ubisoft Innergy soll 2013 erscheinen. EAs Variante, EA SPORTS Active 2, aus Software und Pulsmesser ist hingegen bereits seit 2010 erhältlich. Laut der Gerüchteküche gibt es so etwas ähnliches auch bald von Microsoft.
Ebenfalls auf der E3 2009 wurde der Weltöffenlichkeit durch Kaz Hirai und Jack Tretton die PSP Go präsentiert. Skeptiker rümpften nicht nur wegen des Download-Only-Konzeptes die Nase. Für viel negatives Feedback sorgte auch der ankündigte Preis von 249$ beziehungsweise die Umschreibung des Dollarpreises in Euro. Durchgesetzt hat sich die PSP Go bekanntlich nicht, selbst im PSP-Liebhaberland Japan nicht, und auch Sony hat dies inzwischen zugegeben.

2009/2010/2011 Kinect-Präsentationen

Aus Project Natal wurde 2010 offiziell Kinect. Und auch wenn Kinect für Microsoft schon jetzt ein Erfolg ist und sich auch der ein oder andere Coregamer für ein paar der zahlreichen Bewegungsspiele begeistern können, die E3-Präsentation ließen uns immer etwas verstört und gleichzeitig auch faszniert zurück. Ein besonderes "Highlight" stellt dabei die Vorführung 2009 von Peter Molyneuxs Projekt "Milo and Kate" dar.
Auch den "Schauspielern" mochte man nie beim "Spielen" der Kinect-Titel zuschauen. Das arme Kind, dass auf der riesigen Bühne so tun musste, als ob der Tiger aus Kinectimals es tatsächlich abschlecken würde... Oder die Footballszene aus Kinect Sports Season 2. Absolut realitätsnah. Wer sich diese bizzaren Momente (und noch viel mehr) noch einmal erleben möchte, für den hält Youtube auch wieder einen passenden Zusammenschnitt parat.

Kommentare

3-6-0-FAN
  

mann muss das sein das die dell-werbung einfach ungefragt losgeht?

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Johnson
  

Oh mann so geil bald isses wieder soweit ^^
Wieder alljährliches Idioten in Anzügen dabei zugucken, wie sie sich lächerlich machen hihi

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Beelzebub
  

@iwin86
Jedem das seine und wem es gefällt der soll auch seinen Spass dran haben.
Allerdings glaube ich nicht das vorher was geleaked wird, das soll schon so sein und die Infos werden nur als angeblicher Leak rausgegeben.

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iwin86
  

@ beelzebub
ich persönlich freu mich immer alle pks live anzusehen und mit anderen im internet darüber zu quatschen. auch mitten in der nacht, wenn normale menschen schlafen. die pks sind zwar nicht mehr so überraschend, weil vieles vorher geleakt wird, aber trotzdem immer noch eines meiner gaming highlights des jahres.
natürlich gibt es am darauffolgenden tag alles auch als news. aber beim fussball wartet man auch nicht auf das ergebnis in der zeitung, oder ?

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Beelzebub
  

Mir gehen die ganzen Pressekonferenzen generell am Allerwertesten vorbei und sind generll Fail. Intessant ist doch nur wie wirklich das Endprodukt ausssieht und das steht bekanntlich im Laden und nicht auf ner Pressekonferenz der E3.
Was nützt mir als Kunde das ganze Epic, Amazing, Fantastic etc. Gelaber wenn ich am Schluss doch wieder nur ein durchschnittliches Produkt in den Händen halte oder eins bei dem dann der Support an Games fehlt (meiner Meinung nach ist Move dafür ein super Bespiel).
Ich geb zu ich hab mir noch nie ne Konfernz Live angeshen, aber das muß man auch nicht, man kiegt ja es alles in den News präsentiert, von dem her mal schauen was die E3 bringt, ich glaub noch nicht dran das Microsoft oder Sony nichts zu ihren neuen Konsolen sagen.

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iwin86
  

@ pb2007

niemand sagt kinect würde sich nicht verkaufen. und du hast recht: die kinect präsentationen waren nicht peinlich, sondern oberpeinlich. das star wars lag-fest auf der letzten e3 oder die kleinen kinder die man 2010 für kinectimals engagiert hat - embarrassment at it's best.
an riiiiiidge racer & giant enemy crab kommts aber nicht ran.
die rock revolution präsentation von konami 2008 war auch peinlich:
http://www.youtube.com/watch?v=UIL_hq5nrB4

genauso wie die wii music präsentation im gleichen jahr:
http://www.youtube.com/w atch?v=kw_Bd-13YCk&feature=related

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CoMuS
  

Das sagt ja auch keiner, dass Kinect schlecht ist. Kinect ist technisch und inhaltlich ein voller Erfolg für Microsoft. Aber die Präsentation dieser Hardware war und ist einfach lächerlich... Kleine Kinder, die mit der Pistole hinter der Kamera auf die Bühne gezerrt werden, debil gekünstelt in die Runde lachen und dazu übertrieben und unnatürlich rumhampeln, damit es auch ja "really cool" rüberkommt, erzielt wohl nicht nur bei mir einen etwas anderen Eindruck als "cool".

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pb2007
  

Also ich w?sste nicht was an den Kinect Pr?sentationen "peinlich" gewesen sein soll. Sicher ist das nicht jedermans Sache und es war auch wirklich etwas zuviel Kinect aber peinlich ist f?r mich was anderes. Und wenn man sich die Verkaufszahlen von Kinect ansieht dann haben sie ja, zumindest marketingtechnisch, nicht viel verkehrt gemacht!

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Abbath
  

Die E3 2010 Konferenz von Konami mit Tak Fuji lässt sich kaum toppen.

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gelöscht
  

Also ich fand das in den letzten 3 Jahren Microsoft mit Kinect auf ganzer Linie failt. Noch nie waren soviele E3 Presentationen von nur einer Firma gleichbleibend schlecht!

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