Praxistest: Nintendo 3DS

Da ist sie nun, Nintendos neue Waffe auf dem Handheld-Markt, den sie jahrzehntelang beherrscht haben: Der Nintendo 3DS oder „Nientendoh Sri Di Esso“, wie unsere japanischen Freunde sagen würden. Schon im Vorfeld wurde nach der Begeisterung über das stereoskopische 3D, die Ernüchterung über ein schwaches Spieleangebot und weitere kleinere Unschicklichkeiten laut.

Doch genauso wie man immer nochmal selbst den scheinbar kaputten Knopf drücken muss, um sich von dessen Untauglichkeit zu überzeugen, macht auch hier wohl nur eigenhändiges Ausprobieren schlau, was die zahlreichen Vorbesteller und Erstkäufer erklären dürfte. In unserem Praxistest des Grundgerätes verraten wir euch, ob ihr zu den Vorreitern des mobilen 3D-Zockens gehören solltet oder den Cent lieber zweimal umdreht, bevor ihr auf die nächste Handheld-Generatio umsteigt.

Die Verarbeitung

Oberflächlich betrachtet weißt der 3DS kaum Unterschiede zu seinem Vorgänger auf. Das ist nicht verwunderlich und schwer zu kritisieren, schließlich war dieser für seine Aufgaben und Funktionen tadellos designt. Dennoch gibt es Abweichungen, teilweise aufgrund neuer Features, in anderen Fällen nicht so leicht nachvollziehbar. Zusammengeklappt fallen zuerst die etwas kantigere Gestaltung und die verbauten Hartplastik- und Metallikmaterialien auf, die Alex im Q&A zum System mit "Techniksandwich" nicht treffender hätte beschreiben können. Da war der DS Lite/DSi eleganter und wortwörtlich das "rundere" Produkt. Das höhere Gewicht fällt mir persönlich bis jetzt nicht negativ auf - schließlich ist aus dem kleinen Doppelbildschirmer noch immer kein Hanteläquivalent für Kraftsportler geworden - könnte allerdings später bei Titeln wie dem kommenden "Kid Icarus"-Spiel, die einhändiges Halten und Bedienen erfordern, spürbare Nachteile zeigen. Diese waren nämlich schon beim Vorgänger ein Garant für nicht zu verachtetende Handgelenksschmerzen. An der oberen Seite des Gerätes befinden sich links und rechts die gewohnten L- und R-Tasten, mit deutlich hörbarem Klicken, dazwischen eine Infrarotschnittstelle, der Modulschacht, der Anschluss für das Netzteil, sowie die Halterung für den Touchpen, welcher länger und stabiler ist als sein Vorläufer, jedoch unpraktischerweise erst ausgezogen werden muss, was stets in dem Entscheidungszwang resultiert den 3DS kurz ababzulegen oder spastisch auszusehen. Den SD-Slot und den Schieberegler für die Lautstärke wurden auf der linken Seite untergebracht. Letzterer ist etwas zu leichtgängig und ungünstig positioniert, sodass ich bei Benutzung der L-Taste ("Super Street Fighter IV" lässt schön grüßen) versehentlich den Ton runtergedreht habe. Digitale Knöpfe, wie bei der PSP wären hier vielleicht klüger gewesen. Rechts findet ihr den Schalter für das Wireless Lan, unten Betriebs- und Ladelämpchen plus Kopfhöreranschluss. Direkt mittig verbaut stört er so nicht mehr beim Halten. Eine der wenigen ergonomischen Verbesserungen.
Auf der Außenseite des oberen 3DS findet ihr die zwei Kameralinsen für 2D- und 3D-Fotos, innen natürlich den nun deutlich größeren 3D-Screen im 16:9-Format, darüber die 2D-Only-Innenkamera, sowie links und rechts vom Bildschirm zwei Lautsprecher. Am rechten Rand wartet schließlich der 3D-Regler auf seinen Einsatz, ebenfalls überempfindlich und damit anfällig für versehentliches Verstellen, inklusive eines kleinen Symbols, welches leuchtet, wenn von der Software gerade die 3D-Funktion unterstützt wird. Die untere Hälfte des 3DS bleibt vom Aufbau her ebenfalls vertraut. In der Mitte lacht euch der Touchscreen an, der in Größe und Bedienung keine Veränderungen erfahren hat. Darunter befinden sich neuerdings Druckflächen für Start, Select und Home (führt naheliegenderweise ins Hauptmenü des 3DS), mit denen ich mich irgendwie gar nicht anzufreunden vermag. Ihr genauer Druckpunkt ist nicht zu erkennen und durch ihre Anordnung unter dem Touchscreen hat man stets ein wenig das Gefühl sie würden dazugehören und ist somit verleitet sie mit dem Stylus zu bedienen, was nur unzureichend klappt. Auffälligste Änderung ist sicherlich das Slidepad links in idealer Daumenhöhe und damit bereits von Grund auf als primäres Instrument zur Richtungseingabe definiert. Annehmbar, denn der Analogknubbel, vergleichbar mit dem der PSP, jedoch wesentlich leichtgängiger, mit mehr Spielraum, erfüllt seinen Zweck fantastisch und stellt endlich ein würdiges Pendant zum liebgewonnenen Analogstick der Konsolen dar. Leider ging dieser Vorzug zu Lasten der Erreichbarkeit des Digikreuzes, welches nun unterhalb des Slidepads in einer krampffördernden Höhe liegt, dafür aber wieder etwas präziser reagiert als sein leicht schwammiger Verwandter des DS. Rechts findet ihr schließlich noch die bekannten Aktionsknöpfe und den On/Off-Button. Die Rückseite des Gerätes bleibt im Übrigen frei. Auch wenn Sony meint das da eigentlich ein weiteres Touchpad hingehört. Insgesamt ist die Verarbeitung des Handhelds wie bei Nintendo-Produkten üblich sehr robust und hochwertig. Die etwas kantige, rückschrittlich anmutende Gestaltung, das hohe Gewicht und die teils unbequeme bzw. unpraktische, letztlich nicht zuende gedachte Ergonomie lassen allerdings schon jetzt den Wunsch nach einer überarbeiteten Version des Nintendo 3DS aufkommen.
Praxistest: Nintendo 3DS

Das Menü

Wenn ihr den neuen 3DS das erste Mal einschaltet, werdet ihr womöglich an dessen Gesundheit zweifeln. Für ein paar Sekunden passiert nämlich nichts, bevor ihr plötzlich ohne Umschweife im Home-Menü landet, das wie bei der Wii in Kanäle eingeteilt ist, die sich verschieben und durchblättern lassen. Später können diese mit Download-Software gefüllt werden. Neben dem Kanal zum eingelegten Spiel, findet ihr bereits schon einige vorinstallierte Programme. Mit dem Mii-Maker baut ihr endlich auch unterwegs hässliche Miis, die dann in bestimmten Spielen Verwendung finden (etwa "Pilotwings Resort") oder sich in der Mii-Lobby mit fremden Miis versammeln, die ihr per "Street Pass" auf euer System ladet. "Street Pass" teilt während das Gerät abgeschaltet ist unbemerkt Informationen, die ihr vorher sporadisch einstellen könnt, mit anderen 3DS-Besitzern aus an denen ihr vorbeilauft. Der Gedanke dabei ist, dass ihr so etwa bestimmte Items tauscht, passive Spiele austragt, wie die Figuren-Fights in "Super Street Fighter IV 3D Edition" oder gar neue Freunde über gemeinsame Interessen kennenlernt. Der 3DS verfügt außerdem über einen Schrittzähler, der - das kommt krass - eure Schritte zählt und sie mit virtuellen Münzen belohnt, von denen ihr maximal zehn am Tag und 300 insgesamt horten dürft. Diese können in bestimmten Spielen als Währung genutzt werden. In der Mii-Lobby tauscht ihr sie beim "Puzzle-Tausch" oder "Rette die Krone!" gegen Puzzel-Teile oder neue Einheiten ein. Ist das Bilderrätsel nur eine belanglose Sammelaufgabe, entpuppt sich die Adelsrettung als zwar ultra-simples, aber sympathisches Mini-Rollenspiel. Überhaupt erlaubt der 3DS vom Start weg interaktiven Spaß, ohne das ihr extra Spiele kaufen müsstet. Alle nicht sonderlich gehaltvoll, verdeutlichen sie jedoch anschaulich die Fähigkeiten des 3DS und sind für unterhaltsame Demonstrationszwecke im Freundeskreis bestens geeignet. Bei "Face Raiders" macht ihr zuerst Fotos von Gesichtern, die dann im Spiel auf kleinen Bällen prangen, welche ihr mit der Kamera direkt im Raum abschießt. Das ist so dermaßen japanisch aberwitzig und grotesk aufgezogen, dass es garantiert jeder mal ausprbieren will. Zu guter Letzt sind im Paket noch mehrere Augment Reality-Karten enthalten, die ihr abfotografiert, wodurch sich ebenfalls kleine Spielchen eröffnen, zum Beispiel Angeln oder Billard, die auf ganz ähnliche Weise im Raum gespielt werden.
Im Hauptmenü wartet neben den Systemeinstellungen, über die ihr unter anderem bequem die Internet-Verbindung inklusive Kindersicherung festlegen könnt und den Gesundheits- und Sicherheitsinformationen, welche ihr ruhig auch mal überfliegen dürft, warnen sie doch vor zu langem Gebrauch der 3D-Funktion, (was wir hier bei AreaGames ja ohnehin schon seit Ewigkeiten tun) noch weiterer Tinneff auf Experimentierfreunde. Mit der Kamera könnt ihr 2D- und 3D-Fotos aufnehmen, wofür sich verschiedene Filter und Effekte zuschalten lassen und die automatisch nach dem jeweiligen Datum im Album sortiert werden. Außerdem verfügt die Fotografier-Funktion über einen unter anderem akkustischen Selbstauslöser. Die niedrige Auflösung der Bilder, deren schwacher 3D-Eindruck und das Nintendo-typisch spärliche Bearbeitungsprogramm machen das Sytem aber sicher nicht zur Konkurrenz für Digitalkameras oder einem Hort kreativer Entfesselung. Selbiges gilt für das eingebaute Sound-Studio, das euch 10 Sekunden-Clips aufnehmen und marginal verändern lässt. Nicht unbedingt kaufentscheidend, aber interessant für Vielspieler: Im "Aktivitätslog" werden Daten zu eurem Spielverhalten, inklusive Spieldauer, Häufigkeit und dergleichen, kalendarisch aufgezeichnet. Über den Kanälen befindet sich eine Symbolzeile, über die ihr - von links nach rechts - die Helligekeit in fünf Stufen einstellen, sowie den Energiesparmodus an- oder abschalten, das Format des Hauptmenüs ändern, Notizen zum zuletzt gespielten bzw. über die Home-Taste pausierten Spiel oder der jeweiligen Software anlegen, eure Freundesliste verwalten, Mitteilungen lesen und ins Internet gehen könnt. Fast! Denn der Internet-Browser wird, zwecks Überarbeitung seitens Nintendo, erst in ein paar Monaten nachgeliefert. Zu allen enhaltenen Programmen gibt es idiotensichere interne Erklärungen. Auffällig ist jedoch, dass ihr verhältnismäßig oft zwischen der Bedienung per Touchpen oder über die Tasten wechseln müsst, da sich die Programmierer anscheinend nicht auf eine Methode bzw. das Zugeständnis an die dahingehend freie Entscheidung durch den Spieler einigen konnten. Für Zocker am wichtigsten ist aber vermutlich, dass die eingelegten Spiele schnell zugänglich sind und die Online-Anbindung flutscht. In diesen beiden Fällen wurde zumindest alles richtig gemacht.
Lest auf Seite 2 alles über die Technik und unser Fazit zum 3DS Launch
Praxistest: Nintendo 3DS

Kommentare

IceOnly2
  

Hatte das Teil jetzt mal bei Saturn in der Hand. Au?er des 3D Effects, haut mich das jetzt nicht vom Hocker, wo ich sagen w?rde ich geb jetzt 250 Glocken aus. Leider denk ich mal wird der 3DS auch nicht billiger. War bei den Vorg?ngerversionen auch so.

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jurista
  

Bei dem Preis finde ich ein Kinectbundle gar nicht mehr so teuer. Dazu noch die hohe softwarepreise,freuch wenn ich sehe was so manche "appspiele" kosten.

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Valium
Valium
  

Was konnte dieser eckige Klotz noch gleich was mein iPhone 4 nicht kann bzw. hat ? Oo

Smells like FLOP

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AlexCrow
  

Japp. Es sind 2 Resiteile angek?ndigt. Einmal Mercenaries, was dem Mercenaries Mode in Resi 5 entspricht. Und dann noch Resident Evil Revelations, was ein richtiger Resi Teil wird.

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RoOhZilla
  

@ @ntBozz
Soweit ich wei? wurden zwei Resi-Spiele angek?ndigt.
Der Actionlastige ist Resident Evil Mercenaries, und der andere wird wohl ein Survival Horror im Stile der Kern-Serie. Resident Evil Freunde unter den 3DS Besitzern haben also durchaus etwas worauf sie sich freuen d?rfen.

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@ntBozz
  

Damit wollte ich nur sagen, dass man wahrscheinlich keine Ableger der Serie zu erwarten hat, der den Teilen 1-4 nacheifert, sondern mehr auf Action, als auf Grusel setzen wird. Kann ja durchaus ganz spa?ig sein, aber solche Action-Games gibts meiner Meinung nach sowieso schon viel zu viele. Resident Evil w?rde dann komplett sein Alleinstellungsmerkmal verlieren...Laut diesem Preview soll es ja noch nicht einmal wie der f?nfte Teil sein, sondern mehr wie halt der Mercenaries-Modus. Ich zitiere einfach mal:

"?The Mercenaries? war schon immer Resi light; es hatte schon seinen Grund, warum das Ganze nur ein zus?tzlicher Spielmodus war. Und nun wird diese halbleere H?lle zur Hauptattraktion ernannt? Selbst die Entwickler haben beim Amsterdamer Roundtable-Gespr?ch den Satz ?A simple game that anyone can play? fallen lassen - sowas erwarte ich bei einem neuen Wii Sports-Titel, aber nicht bei einem Resident Evil! Das Resultat ist entsprechend simpel: Der Countdown l?uft, das MG rattert, die Gegner fallen im Sekundentakt, es wird nachgeladen, zwischendurch ein Heilkraut eingeworfen - und dann nochmal von vorn. Das ist zu zweit bestimmt ganz unterhaltsam, aber allein hatte ich nach den beiden Probelevels auch gar keine Lust mehr darauf. The Mercenaries 3D verspricht ein Resi-Snack zu werden, der als Bonus bei Resident Evil: Revelations vermutlich besser aufgehoben w?re denn als eigenst?ndiges Produkt f?r eine neue Plattform."

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richard50
  

Vorabbericht?



Hm, das will ich selber antesten, damit ich mir ein Urteil f?llen kann. Es gibt ja auch einige, die sagen Resi 4 und 5 sind nur stupide Ballerorgien und mir haben beide Teile super gefallen.

Konnte die Kritik bei den beiden auch nie nachvoll ziehen.


Na, egal Geschm?cker sind verschieden und vielleicht trifft dieser Teil ja genau meinen Geschmack : )

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@ntBozz
  

Denke auch, dass da noch einiges kommen wird. Aber bei Resident Evil darf man nicht zu viel erwarten. Habe einen Vorschaubericht gelesen, der behauptet, dass es lediglich stupide Baller-Action in H?ppchenform sei, vergleichbar mit den Bonus-Missionen von Resident-Evil 5.
Naja aber ich w?re schon gl?cklich mit Ocarina of Time und MGS3, da ich beide Titel damals nicht gespielt habe, weil ich nicht die entsprechenden Konsolen besa?. Und Layton ist nat?rlich mein pers?nliches Highlight, da es im Moment meine liebste Spieleserie ist.

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richard50
  

Wenn ich das immer h?re, das es noch keine keine guten Spiele auf dem 3DS gibt.

1. ist das ja immer Geschmackssache
2. Sind mit Streetfighter 3D und Layton 3D immerhin schon 2 Top Spiele im Umlauf!
3. folgt mit Residentevil schon im Juni der n?chste Knaller : )

M?chte nicht wissen wie das Ger?t im Verkauf abgeht, wenn erst mal Residentevil und Mario 3D da sind : )

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eagel
  

komisch..ich hab weder kopfweh nach zwei stunden zocken, noch sonst probleme, habe den 3D effekt immer auf ca 50% weil ich das sehr angenehm finde und die beste einstellung in meinen (achtung!) augen. haha

das design gef?llt mir (und das obwohl ich das apple design toll finde und ein mbp, iphone und ipad besitze)..

?ber die akku laufzeit kann man sich streiten..ich warte mal ab wie lange der/die/das NGP durchh?lt..ich tippe auf 2 stunden.

und street fighter l?sst sich locker spielen ohne zu wackeln..ich wei? nicht..bin zwar eher nintendo verachter aus leidenschaft, aber mit dem 3DS haben sie endlich mal was hinbekommen.

aber im endeffekt alles geschmackssache. nicht wahr?

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