Spirit Camera: Das verfluchte Tagebuch

Plattform: (3DS)
Release: 29. Juni 2012

User-Wertung:

Test: Spirit Camera - Das verfluchte Tagebuch

Horror ist auch für Handheld-Besitzer kein Fremdwort und damit meinen wir jetzt in erster Linie das Genre und nicht unbedingt miserable Spiele. Gerade der Nintendo DS gruselte sich unter anderem mit 999 in die Herzen der Horrorfans. Auch wenn viele Produktionen es nicht aus Japan herausschaffen, so hat japanischer Horror auch hierzulande seine Fans. Tecmo Koei liefert nun mit Spirit Camera: Das verfluchte Tagebuch das erste größere Augmented-Reality-Spiel für den Nintendo 3DS.


In diesem Spin-Off der bekannten "Project Zero"-Reihe (als Fatal Frame in den USA bekannt) erhält der Spieler ein mysteriöses Paket von einem ihm unbekannten Absender. Inhalt dieser Sendung ist die Camera Obscura, eine Kamera der man nachsagt, sie könne das Unfassbare sichtbar machen und Dinge einfangen, die nicht von dieser Welt sind, und ein violettes Tagebuch. Der Legende nach liegt ein düsterer Fluch auf diesem Tagebuch und diejenigen, die auf der ersten leeren Seite etwas Geschriebenes sehen könnten, würden darin verschwinden. Finden würde man von diesen unglücklichen Seelen später nur die leblosen Körper, jedoch ohne ihre Gesichter. Nur mit Hilfe der Camera Obscura gibt es eine Chance, dem Fluch zu entgehen. Wie zu erwarten, wird man erst einmal in das Buch hineingezogen und trifft dort nach wenigen Minuten auf Maya, eine mysteriöse junge Frau, die ebenfalls in den verfluchten Seiten gefangen ist und deren verlorengegangen Erinnerungen der Schlüssel zu den Geheimnissen des Tagebuchs sind.
Test: Spirit Camera - Das verfluchte TagebuchSpirit Camera: Das verfluchte Tagebuch kommt im Gegensatz zu anderen Horror-Titeln ohne martialische Splatter-Effekte aus und setzt in der Erzählung eher auf Psychohorror. Wer sich auch nur etwas mit japanischen Gruselgeschichten auseinandergesetzt hat, der wird vielleicht nur müde lächeln. Das Spiel setzt nämlich auf altbekannte Elemente, wie langhaarige Geistermädchen, Kindern mit bizarren Masken und uralter Ritualmagie. Mit Hilfe des Gyrosensors visiert man die Geistern an, wartet bis sich die Fokusanzeige füllt und löst dann mit einem Druck auf die Schultertasten des 3DS die Camera Obskua aus und fügt so dem Geist Schaden zu. Je mehr die Fokusanzeige gefüllt ist, umso mehr Schaden richtet man an - bis der Geist schließlich gebannt ist. Die Fotos aus solchen Kämpfen werden nicht gespeichert. Sonderlich schwer sind solche Kämpfe nicht, eher die Tücken der Technik sorgen für etwas Frust. Denn bei Geistergegnern aus dem AR-Büchlein, verliert die Kamera meist ungewollt den Blickkontakt zu den AR-Markern. Ab und an verlange das Spiel auch eine Re-Kalibrierung mitten im Kampf. Ansonsten führt man etliche Dialoge und löst Rätsel, deren Lösung einem zur nächsten Seite im Buch führt. Sonderlich anspruchsvoll sind die Rätsel nicht. Im Rätseltext sind die notwendigen Hinweise sogar farblich markiert.
Spirit Camera verfügt neben deutschen Bildschirmtexten und einer japanischen Audiospur auch über eine passable englische Sprachausgabe, allerdings nicht durchgehend und da frage ich mich wirklich warum. Denn am riesigen Umfang kann es nicht liegen. Die Hauptstory von Spirit Camera: Das verfluchte Tagebuch ist verdammt kurz. Fokusverlusten und Re-Kalibrierungen zum Trotz dürften die meisten Spieler in rund drei bis dreieinhalb Stunden mit dem ersten Durchlauf fertig sein. Nach dem ersten Durchgang warten zwar noch ein Hardmode, der noch mehr Story-Details bereithalten soll, und ein paar Zusatzmodi, "Geisterkamera" und "Besessene Seiten", aber lange fesseln können die nur bedingt. In "Geisterkamera" kann man erneut mit der Camera Obscura herumspielen und so Geistern in der Umgebung oder in Mitmenschen sichtbar machen oder sie auch bekämpfen. In "Besessene Seiten" warten zahlreiche Minispiele, die auf Rätseln oder Aktionen aus dem Storymodus basieren. Im Endeffekt bieten diese beiden Zusatzmodie nur aufgewärmte Inhalte aus der AR-Hauptstory.
Test: Spirit Camera - Das verfluchte Tagebuch
Oh du verfluchte Technik! Ich bin im Grunde immer noch von dem Konzept japanischer Horror-Novelle mit Augment-Reality-Technik von Spirit Camera: Das verfluchte Tagebuch begeistert. Aber so wie die Idee nun umgesetzt wurde, habe ich ernste Zweifel, ob das jemals funktionieren kann. Die Kamera des 3DS benötigt für die AR-Effekte viel Licht. Da kann mir Spirit Camera dann noch so schaurig schöne Soundeffekte und beängstigende Geisterkinder vorspielen, die notwendige Festbeleuchtung lässt kaum Platz für Gruselstimmung. Selbst bei guter Beleuchtung und langsamen Bewegungen bringt die Kamera aber das Spielerlebnis erneut zum Straucheln, da sie die AR-Marker nicht erkennt und Spirit Camera dann vehement eine Neuausrichtung oder Re-Kalibrierung fordert. Das kostet alles Nerven und eigentlich sollte das ja nun eher Aufgabe der Gruselgeschichte sein. Doch auch wenn die Technik nicht limitieren würde, angesichts der sehr kurzen Spieldauer von rund dreieinhalb Stunden, sind eigentlich auch schon die von Nintendo veranschlagten 30€ für Spirit Camera: Das verfluchte Tagebuch zu viel. Und auch in der Videothek lässt sich mit dem Geld mehr anfangen.

Kommentare

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@z101 das mit dem Spotlight klappt nur bei Spielabschnitten mit dem Büchlein, aber du musst dich ja auch im Raum bewegen (dich drehen) und für diese Marker-freien AR-Sequenzen brauchste auch wieder Licht.
@johnboy Habe mir den Redaktions-3DS geschnappt. Ich bin froh noch gewartet zu haben, ich will vorher XL mal in den Händen halten und dann entscheide ich, welchen ich mir privat anschaffe.

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johnboy
  

hat sich der Jan jetzt endlich nen 3DS gekauft oder noch auf der Redaktionsversion getestet???

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z101
  

Nun man könnte auch ein Spotlicht benutzen, das gäbe dann auch eine dunkle Gruselstimmung wenn nur der Bereich beleuchtet ist den die Kamera sehen muss ;-)
Aber für so ein Spiel braucht man halt eine sehr gute Kamera im 3DS und das hätte das Handheld wiederrum verteuert. Die Kamera der Vita ist ja übrigens NOCH schlechter als die des 3DS.
Alles in allem bietet Spirit Camera aber gute, originelle Unterhaltung für ein paar Stunden. Ob einem das 30€ Wert ist entscheidet dann wohl der Geldbeutel.
Wer ein richtig gutes und anspruchsvolles Gruselspiel sucht wird mit Project Zero 2 das Freitag für die Wii erschien fündig, oder bei Silent Hill:Shattered Memories (auch für Wii). Das sind die beiden besten Horror- bzw. Gruselspiele dieser Konsolengeneration. PS3 und Xbox360 hatten diesbezüglich ja leider nichts zu bieten, es sei denn man rechnet die eher albernen Horror-Action-Shooter a la Dead Space & Co. dazu.
Vermutlich wäre ein Spiel wie Spirit Camera auf Smartphones oder Tablets besser aufgehoben, weil die oftmals bessere Kameras haben als der 3DS, andererseits verdient man mit solchen doch recht teuren Produktionen auf iOS und Android einfach nicht genug Geld.

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Ja, leider. Hatte mich nach der Vorstellung von Nintendo bei uns sehr auf die Vollversion gefreut.

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richard50
  

Also kann man sagen, dass das Konzept gut wäre, aber die Technik alles kaputt macht? Finde ich schon schade so was :/

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