Steel Battalion: Heavy Armor

Plattform: (XBox 360)
Release: 22. Juni 2012

User-Wertung:

Test: Steel Battalion - Heavy Armor

Mit Steel Battalion – Heavy Armor wollte Capcom den Beweis erbringen, dass anspruchsvolle Spiele mit Kinect steuerbar und darüber hinaus sogar noch atmosphärischer sind. Doch auch wenn die Vorstellung, seinen Kameraden echte Ohrfeigen geben zu können, einen gewissen Reiz ausmachte, so stellte sich leider im Spielverlauf heraus, dass hier vor allem die Käufer des Spiels eine Backpfeife erhalten.

Normale Tests beginnen so: Fernseher eingeschaltet, Konsole eingeschaltet, Spiel eingelegt. Nicht im Fall von Steel Battalion. Hier muss erst einmal Kinect aus dem Regal geholt werden. Was ist denn das für ein Kinect-Hasser, der den lustigen Wall-E Riegel nicht immer unter dem Fernseher zu stehen hat? Gute Frage. Da ich allerdings bis auf seltene Runden mit Kinect Sports oder Child of Eden keine Kinect-Spiele nutze und mir weder die Sprach- noch Gestensteuerung sinnvoller als die klassische Joypadsteuerung erscheinen, wird die High-Tech Webcam im Regal verstaut. Außerdem litt ich immer unter der Wahnvorstellung, dass der Bootvergang der Xbox 360 durch das Hochfahren der Kinect-Hardware künstlich verlängert wird. Und Lebenszeit ist schließlich kostbar. Für Steel Battalion wird dann aber doch mal umgeräumt. Schließlich soll das Sofa direkt horizontal zum Fernseher stehen (was es in der Standardkonfiguration unseres Wohnzimmers nicht tut) und das in einem Abstand von gut 2,5 Metern. Schließlich muss mich das Spiel, wie bei der Kalibrierung zum Start erläutert wird, sowohl sitzend als auch stehend erfassen können. Stehend? Bin ich nicht gerade Videospieler geworden um möglichst viel zu sitzen, oder sagen wir lieber, zu litzen (undefinierbare Mischung aus Liegen und Sitzen, bei dessen Anblick jeder Chiropraktiker schreiend aus dem Fenster stürzen würde)? Trotz allem in das System schnell kalibriert, schließlich spielen wir ja mittags bei besten Lichtverhältnissen. Nach dem Intro finde ich mich auf dem obligatorischen Trainings / Tutorial Parcours wieder und darf meine erste, symptomatische Kinect-Erfahrung des Spiels machen: Ich soll einem Kollegen die Hand reichen. Also reiche ich meine Hand in Richtung Fernseher und hoffe, dass mich dabei niemand sieht. Meine Zurechnungsfähigkeit erneut vor Gericht zu erstreiten, kann ich mir zur Zeit nicht erlauben. Egal wie ich meine Hand halte, nach einer kurzen Pause kommt mein Gegenüber zu dem Schluss, dass ich auf physischen Kontakt keinen Wert lege. Meine Handbewegung wurde vom Spiel nicht erkannt. Mir schwant schlimmes. Auf ins Spiel!
In gewisser Weise ist das Spiel ja fies. Aber etwas anderes habe ich von FROM Software, das ja auch Dark Souls auf die Spieler losgelassen hat, nicht erwartet. Denn das Tutorial gibt sich erstaunlich entspannt. Man lernt seine dreiköpfige Crew kennen, macht ein Gruppenbild mit seinem Squad und wird behutsam an alle Funktionen seines VT (Vertical Tank) herangeführt. Es herrscht keine Hektik, niemand schießt auf einen und der Spieler hat die Gelegenheit sich an die ganzen Gesten zu gewöhnen, die das Spiel für zahlreiche Funktionen des Mechs abverlangt: Motor starten, aus dem kleinen Schützenfenster gucken, Selbstzerstörung auslösen. All das klappt im Training erstaunlich gut. Nur das Aufstehen, um aus dem Ausguck zu schauen, ist eine Zumutung für den Videospielkörper, der doch seit Jahren perfekt an die Couch angepasst wurde. Zum Glück wird die Bewegung des VT dabei genau wie das Zielen mit den Geschützen noch per klassischen Xbox 360 Pad erledigt. Trotzdem gibt es knapp 20 Gesten, die Kinect erkennen möchte. Darunter auch recht komplexe Vorgänge, die aus bis zu vier Einzelgesten bestehen. Wer zum Beispiel den Rauch aus dem Cockpit vertreiben möchte, muss erst eine Schalttafel zu sich heranziehen, dann einen Schalter betätigen und die Tafel anschließend wieder in ihre Ruhe-Position bringen. Ist doch simpel, oder?
Test: Steel Battalion - Heavy Armor Ist es nicht. Denn sobald die 32 Missionen umfassende Kampagne beginnt, ist es mit der Ruhe vorbei. Obwohl die einzelnen Abschnitte meist nur wenige Minuten lang sind und nur eine Handvoll Feinde bieten, haben es diese in sich: Nicht etwa weil die KI so clever ist, die steht nämlich immer nur dumm an einem Fleck, nein, weil der Spieler so extrem benachteiligt ist. Das eingeschränkte Sichtfeld, das langsame Bewegen des eigenen Mechs und die immer wieder fehlerhafte Erkennung von Befehlen machen jedes Gefecht schnell zu einer Probe für die eigene Frust-Toleranz. Da die Gegner allerdings immer gleich über jede Karte platziert sind, lohnt es sich, die Position schlichtweg auswendig zu lernen, was die mangelnde Übersicht auf dem Schlachtfeld etwas kompensiert. Den fehlenden Spielspaß allerdings nicht. Denn es kommt immer wieder dazu, dass Befehle im Eifer des Gefechts falsch oder gar nicht erkannt werden. Wenn ich im Cockpit ersticke, weil ich nicht schnell genug den Lüfter aktiviert habe, mag das fast noch lustig sein. Wenn ich zum Ende der Mission aber eine Interaktion mit einer anderen Spielfigur habe, meine Handgeste von Kinect nicht erkannt wird und deswegen die ganze Mission scheitert, nun dann sind es nur noch wenig Schritt zur nächsten Wut-Therapie.
Geteiltes Leid ist halbes Leid, heißt es so schön. Und so können auch einige Missionen von Steel Battalion mit drei menschlichen Koop-Partnern bestritten werden. Hat man gerade keine masochistisch veranlagten Kumpel zu Hand, übernimmt die KI die anderen Squad-Kollegen. Witzig, aber auch typisch für das Spiel: Das schlechte Abschneiden der vom Computer gesteuerten VTs zieht auch die eigene Punktzahl herunter, die dafür verwendet wird, neue Zubehörteil für die Roboter freizuschalten.
Test: Steel Battalion - Heavy Armor
Um es kurz zu machen, Steel Battalion ist nicht absolut unspielbar. Wer den Aufwand nicht scheut, sein Wohnzimmer entsprechend umzubauen, für ideale Lichtverhältnisse sorgt und bestimmte Gesten einstudiert, kann das Spiel als Simulation spielen, bei der ständiges Ableben in jeder neuen Mission zur Routine wird. Es ist theoretisch möglich. Aber es ist auch theoretisch möglich, auf dem 3DS Super Mario zu spielen, während man in einem brennenden Fass die Niagara-Fälle herunter fällt. Spaß macht das allerdings nicht unbedingt. Und in gewisser Weise ist das schade. Denn es stecken viele nette Ansätze im Spiel. Das "Mechs im 2. Weltkrieg" Art-Design ist stimmig (erinnert aber natürlich auch sofort an den thematisch verwandten Xbox Live Arcade Titel "Iron Brigade" von Double Fine) und die simulierte Bord-Crew gab es zwar in ähnlicher Weise schon in Spielen wie Silent Hunter, bringt aber trotzdem eine tolle und beklemmende Atmosphäre. Trotzdem bringt die unzuverlässige Kinect-Gestenerkennung den Spieler fast um den Verstand.
Schon seit Pong gilt bei Videospielen ein einfaches Prinzip: Aktion und Reaktion. Steel Battalion Heavy Armor führt leider allzu deutlich vor Augen, dass Kinect dieses einfache System nicht immer gewährleisten kann. Schon gar nicht bei komplexen Gesten, die unter Zeitdruck ausgeführt werden sollen. Der Spieler hat nie das Gefühl, wirklich die Kontrolle ausüben zu können und sieht sich von einer Spielumgebung umzingelt, die sich komplett gegen ihn verschworen hat. Die schnell reifende Erkenntnis, dass man die knapp 20 Kinect Gesten auch bequem via einfacher Menus auf den Controller hätte legen können, tut ihr übrigens dazu, den Spieler psychisch an die Grenzen der Leidensfähigkeit zu bringen. "Erfüllt nur noch die Mindestanforderungen die ein Spiel zu bieten haben muss, lässt sich also theoretisch steuern und wird grafisch auf irgendeine Weise dargestellt." So haben wir die Wertung 2/10 in unserem FAQ beschrieben. Und so ist es leider auch mit Steel Battalion und der Theorie.
Test: Steel Battalion - Heavy Armor

Kommentare

MoPan
  

Das Kinect in der jetzigen Version nur bedingt für Hardcoretitel geeignet ist sollte jeder mittlerweile wissen. Und egal ob SB jetzt Schrott ist oder nicht (keine Ahnung ich habs nicht gespielt), aber wenn jemand schon genervt ist, weil er Kinect zum spielen erst anschließen und ggf. kalibrieren muss, ist er vieleicht nicht gerade der Objektivste für einen Test.
Was ich aber nicht verstehe ist, das hier Kinect oder MS dafür verantwortlich gemacht werden. Wenn ich in einem Ferrari einen 2-Takt Ottomotor einbaue, kann ich doch nicht Ferrari oder dem Ottomotor die Schuld geben, dass mich jedes Mofa an der Ampel abhängt. Meiner Meinung nach hats einzig Capcom verbockt.

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Superfly71
  

"Lustig, das jetzt hauptsächlich Leute das Spiel verreissen, die die Demo nicht gespielt haben!
Genau, das hat ja auch soviel mit Entwickler hinterfragen zu tun... *facepalm*
Mal davon abgesehen, dass die Demo überhaupt nichts gezeigt hat ... die lief genauso beschissen wie es in vielen Reviews bemängelt wird. SB hätte ein tolles Spiel werden können ... wenn man es wie Mech Assault auf der XBox 1 ausschließlich mit dem Controller hätte spielen können.

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richard50
  

Auf der einen Seite könnte man sagen: Super Geld erspart für was anderes, aber mich regt das schon gewaltig auf, denn von einem Kinect Starwars hab ich mir z.B nicht so viel erwartet, weil das Game von vorherein auf eine jüngere Zielgruppe ausgelegt war.
Steelbatallion hätte aber was werden können und nach den Trailern und Demo hat das Ganze gut ausgesehen! Scheisse, das die es verbockt haben....

Ich finde es halt schade, das man Heutzutage nicht mal mehr hinterfragen darf, was denn bitte die Entwickler da verbrochen haben, das die Qualität am Ende so den Bach runterging, ohne persönlich angegriffen zu werden!
So was wie eine normale Diskussion will, oder kann eben nicht jeder*rolleyes*

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Superfly71
  

Ich werde ganz sicher nicht dieses Kindergarten-"Der hat aber angefangen"-Gejammere mitmachen ... wie lächerlich.
Und Ritchi360, ich kann nichts dafür, wenn du dich bei jedem Post von mir angesprochen fühlst ... nein, gar angegriffen *lol*
Ich kann in meinem ersten Post nicht einmal den Namen Ritchi360 finden.
Und klar, Kinect 2.0 wird noch nicht gehypt. Es wird nur ohne Lag funktionieren, wird wesentlich von der stärkeren Konsole profitieren und ja sowieso jeder XBox 720 kostenfrei beiliegen *rofl*
@ cHaOs667
Inhaltlich mag SB ja gut sein, aber wenn man die Steuerung so vermurkst, dann hilft das auch nicht darüber hinweg, es sei denn, man hat eine ewig hohe Toleranzgrenze. Und ganz ehrlich: Wenn die Steuerung so verhagelt wird, dass ich bei jeder Bewegung befürchten muss, etwas falsches auszulösen und dadurch draufzugehen (ohne dass ich im Endeffekt etwas dafür kann), dann gibt es bei mir keine Toleranzgrenze.

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cHaOs667
  

Eurogamer.de respektive Björn Balg hat einen (inhaltlich wie auch stilistisch) weitaus besseren Test als ALV veröffentlicht und kommt auch zu einem anderen (zumindest meinen Erfahrungen näheren) Ergebnis: http://www.eurogamer.de/articles/2012-07-04-steel-batta
lion-heavy-armor-test

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Bramahummel
  

@richard50 und Superfly71: Ihr nehmt Euch doch beide nix. Da macht doch einer den anderen und umgekehrt an.

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richard50
  

max power
Ich habe damit angefangen? Dann gehe mal zurueck und siehe dir die erste Nachricht von mir an und WIE ER darauf reagiert hat! Ich wurde persoenlich angegriffen, weil ich die Frage gestellt habe, was der Hersteller bitte angestellt hat,das aus einer guten Demo ein scheiss Endergebnis wurde? Denn die Demo war wirklich gut und das am Ende eine Gurke daraus wird, war eben nicht absehbar! Genau DAS habe ich erwaehnt und darauf hat er mich angegriffen! Das sieht man sehr deutlich im Gespraechsverlauf! Warum verteidigst du jemand wenn du zu faul bist den Verlauf anzusehen?

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Max-Power
  

Und wer hat mit dem Gestänkere wieder angefangen? richard50
Eure Privatfede interessiert, so glaube ich, kaum jemanden. Ich bin wohl nicht der Einzige, der dabei mittlerweile die Augen rollt.

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richard50
  

Ausserdem hypt hier keine Sau Kinect 2:0! Ein weiteres Zeichen, das du in die Ecke gedraengt bist! Kinect 2:0 laeuft vielleicht komplett ohne lag, aber die besseren Spiele hatten jetzt schon kaum einen. Am meisten wird die neue Cam von der staerkeren Console profitieren. Trotzdem werden dadurch keine neuen Genres erfunden werden... Das einzige Game was ich mir dafuer holen wuerde ist Ryse, weil die Idee gut ausschaut, aber auch da werde ich so wie bei Steelbatallion die Tests abwarten. Genau so wenig, wie jemand den Test von Steelbatallion in Frage stellt. Wenn nichts ist, dann ist das eben so, aber trotzdem war die Demo gut!

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richard50
  

Ach komm Superfly JEDER hier hat deine Masche schon durchschaut! Du bashst seit Monaten bei JEDER Kinectnews und jedem Kintecttest aus allen Rohren. Dann kommst einmal wieder ein hoffnungsvoller Kaidat raus und auf einmal stehst du vor einem Problem. Ziehst du auch ueber den her und stellt sich dann heraus, dass das Spiel dann doch gut, dann kassierst du zu Recht Schlaege, also machst du schnell mal auf pseudo-objektiv und tust so, als ob du dich voll freuen wuerdest.Mir war es sowas von klar, das du einer der ersten bist, der ueber das Game herzieht, denn das ist halt ALLES was du kannst! Mehr hast du Wurst halt nicht drauf, als bashen ;-)

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