Street Fighter X Tekken

Plattform: (PS3, XBox 360)
Release: 09. März 2012

User-Wertung:

Test: Asura's Wrath

Wut, Zorn, Rache und Hass sind die Quint­es­senzen aus Capcoms Action-Titel. Dem Ex-Halbgott Asura dürstet es nach Vergeltung und um seine Peiniger zu bestrafen, ist ihm jedes Mittel Recht. Das Over-the-Top Game strotzt vor WTF-Momenten und lässt kaum Zeit zum Durchatmen. Wie oft uns die Kinnlade beim Zocken runtergeklappt ist, verraten wir in unserem mit Wut geschriebenen Test.

Doch lasst uns kurz circa 12.000 Jahre zurückblicken, in eine Zeit als Asura noch Mitglied der Acht Wächter-Generäle war. Eine elitäre Gruppe aus Halbgöttern, welche gegen die unreinen Gohma kämpfte und der Welt Frieden und Reichtum brachte. Eines Tages wird das Oberhaupt, Kaiser Strada, ermordet und Asura wird dafür zur Verantwortung gezogen. Doch nicht nur das: Seine Frau wird ebenfalls getötet und seine Tochter entführt. Asura weiß nicht wie ihm geschieht und kann dieser Intrige nichts entgegensetzen. Als Verräter gebrandmarkt entledigen sich die Acht Wächter-Generäle seiner Person und versenken ihn in den tiefsten Tiefen, damit er in Vergessenheit gerät. Doch seinen Zorn bewahrt sich der Ex-Halbgott. Die Wut treibt ihn an, die Rache ist sein Kraftstoff. Sein Hass ist konserviert, für mehrere tausend Jahre. Und tatsächlich kehrt Asura nach 12.000 langen Jahren ins Diesseits zurück, bereit seinen Zorn zu entfesseln … Schlecht, dass sich seine Peiniger über die Zeit weiterentwickelt haben und stärker sind als je zuvor.
Asura's Wrath legt schon mit dem ersten Level ordentlich vor und reißt unbescheiden an, was den Spieler erwartet. Over-the-Top Action heißt das Element, aus dem Asura's Wrath besteht. Mit voller Wucht prescht sie dem Spieler gleich in den ersten Sekunden entgegen. Man kennt den Auftakt des Rachefeldzugs bereits aus der Demo, wo sich Asura in arcadiger Shoot 'em up-Manier durch die angreifenden Gohma-Massen kämpft. - Auch in späteren Abschnitten des Spiels werden immer wieder Shoot 'em up-Einlagen eingestreut. - Die Götterschlacht im All wird von triumphalen Chören begleitet und mit epischen Bilder durchsetzt. Das Spektakel bietet zerberstende Planeten im Kosmos und explodierende Feinde. Damit muss man erst einmal zurecht kommen, wenn man bedenkt, dass dies die ersten Minuten des Spiels sind. Was Asura's Wrath besonders macht, ist die strukturelle Anlehnung an eine Anime-Serie. Jedes Level ist eine Episode, die immer mit den Credits eingeleitet wird. Kommt es während der Action zum erzählerischen Höhepunkt, gibt es eine kurze Unterbrechung, welche die Halbzeit der Episode beschreibt. Am Ende blitzt ein "to be continued ..." auf und kurz darauf erhält man einen Ausblick auf die nächste Episode. Daneben werden kurze Zwischenstücke eingestreut, welche die Geschichte mit grandiosen Bildstrecken von verschiedenen Künstlern und kurz gehaltenen Texten vorantreiben. Hat man eine Episode absolviert, wird man mit Profilen, Videos und Illustrationen verwöhnt, sodass Sammelfreunde ihrem Gestaltschließungszwang frönen können. Außerdem gibt es wie in Devil May Cry oder Bayonetta eine Rang-Bewertung, die euch nach "Zeit","Punkten" und "Präzision" bei den Quick-Time-Events (QTE) beurteilt. Allein der Fakt, dass die QTE-Präzision ihren festen Platz in der Rang-Bewertung hat, lässt auf die Wichtigkeit dieses Spielelements schließen. Und eines darf ich gestehen: QTEs sind überhaupt nicht mein Fall. Sie sind mir spielerisch zu passiv und sie machen es mir schwer, dem Geschehen zu folgen. Asura's Wrath besteht aber zum Großteil aus QTEs. Müsste man ein Tortendiagramm erstellen, welches das Verhältnis zwischen aktiven Third-Person-Kämpfen und QTEs aufschlüsselt, würden weit über 50 Prozent den QTEs zufallen. Auf unerklärliche Weise schafft es das Game aber, mir dieses ungeliebte Spielelement schmackhaft zu machen. Die QTEs kommen einem nach nur wenigen Minuten so notwendig und richtig vor, dass man sich das Spiel ohne sie nicht mehr vorstellen kann. Sie haben eine solche Wucht und erzeugen bei der Ausführung eine derart starke Befriedigung, wie ich sie zuletzt bei Bayonetta verspürte. Überhaupt kommt einem das Spiel mehr wie ein interaktiver Anime vor, was mich aber zu keinem Zeitpunkt störte. Im Gegenteil: Sobald die Abschnitte einsetzen, in denen man mit Asura aktiv Backenfutter austeilt, möchte man lieber eine weitere Cutscene sehen, in der Asura ausrastet.
Test: Asura\'s WrathDie Kämpfe an sich gehen in Ordnung, offenbaren aber die größte Schwäche des Titels. Sie sind einerseits nicht spannend und kommen spielerisch zu altbacken daher. Auch die Auswahl der Gegnertypen, welche man an einer Hand abzählen kann, ist sehr beschränkt. Da der Titel rein spielerisch nicht in die Tiefe geht, sind die Feinde mit einfachem Buttonmashing zu überwältigen. Trotz der Lock-On Funktion wird es gelegentlich etwas unübersichtlich. Zum Kampfsystem selbst lässt sich sagen, dass normale und starke Attacken zur Verfügung stehen, die sich zu kurzen Kombos verketten lassen. Daneben kann man Angriffe kontern oder ihnen ausweichen. Die stärkeren Angriffe lassen sich nur beschränkt ausführen, da Asura sich bei deren Ausführung aufwärmt und schließlich überhitzt, bis er sie nicht mehr verwenden kann. Zum Höhepunkt gehören vor allem die Finishing-Moves, die man nicht immer ganz genießen kann, weil die Kamera zickt und sich auch mal in ungünstige Positionen bewegt. Um in den Zügellos-Modus zu schalten, in dem Asura noch mehr Power hat, müsst ihr genug Energie im Kampf sammeln, indem ihr Schläge austeilt. Habt ihr diesen Zustand erreicht, könnt ihr ohne Einschränkung starke Attacken ausführen. Für Freunde von Fernangriffen, kann Asura seine Fäuste verschießen - allerdings zucken die Gegner merkwürdig herum, wenn sie davon getroffen werden.
Die Standard-Kämpfe sind nicht besonders und wirken fast ermüdend oder sogar störend. Wenn man einmal auf dem Mond gegen seinen ehemaligen Lehrmeister gekämpft hat, will man sich einfach nicht mehr mit popeligen Affenwesen auf der Wiese kloppen. Die Kämpfe erscheinen dann mehr wie Füllmaterial, das irgendwie seinen Zweck erfüllt und trotzdem irrelevant erscheint. Etwas besser sind da die Kämpfe gegen größere Gegner, die stellenweise aber etwas zu lang sind. Lediglich die richtig großen Brocken üben eine starke Anziehungskraft aus, einfach weil der Kampf mit ihnen eine größere Tragweite hat und mehr Bombast bietet. Was dagegen immer schwachbrüstig wirkt, ist das Umgebungsdesign bei den Echtzeitkämpfen. Während die inszenierten Kämpfe mit fantastischen Bilder glänzen, wird man bei den Kampfsequenzen mit veralteten Stages konfrontiert. Grobpixelige Strukturen auf den Steinen, im Qualm oder auf dem Boden. Außerdem wirkt die Umwelt karg, unbelebt und zweckmäßig. Manchmal versinkt ein Gegner durch Clipping-Fehler leicht im Boden, gelegentlich fallen auch Tearing-Probleme sowie unsichtbare Mauern auf. Grafisch und technisch ist der Titel in dieser Hinsicht einfach nicht mehr zeitgemäß und kann weder mit den inszenierten Kämpfen noch dem Charakter-Design mithalten, sodass der Gesamteindruck getrübt wird.
Test: Asura\'s WrathWas Capcoms Action-Titel aber ohne Zweifel beherrscht, ist die Kunst sich mit fantastischen Cutscenes selbst zu inszenieren (auch wenn die Bildwiederholrate manchmal etwas wackelig ist und das Kantenflimmern stört). Die Kamerafahrten und Perspektiven sind abwechslungsreich und genauso überzogen wie die Action selbst. Dabei pflegt der Titel seinen ganz eigenen Stil - sowohl in der Präsentation als auch im Design. Doch die Wucht mit der Asura's Wrath anbraust ist einzigartig: Wenn die Visagen der Feinde auf dem Boden entlang geschliffen werden, Raketen im Sprint gefangen und zurückgeschleudert werden oder Asura sechs Arme wachsen, kann man nur staunen und hat längst nicht alles gesehen. Es folgen abartig große Bosse mit Techniken, die sämtliche Vorstellungen überschreiten. Das der Titel keine Grenzen kennt, beweist Asura selbst, der notfalls auch ohne Arme weiterkämpft und statt Faustsalat, saftige Kicks und krachende Kopfnüsse austeilt. Überhaupt sind die Hauptfiguren durch die zahlreichen Details wunderschön gestaltet und stellen für mich ein geschätztes Kernmerkmal des Titels dar.
Die Geschichte von Asura's Wrath ist mit Flashbacks gepickt und springt durch die Jahrtausende, sodass man gelegentlich doch etwas konzentrierter zuschauen sollte, um nicht in Verwirrung zu geraten. Auch wenn die Story nicht vor Innovation strotzt, wird sie dennoch mitreißend erzählt und spornt an, den Titel weiterzuspielen. Jederzeit wird das Geschehen mit einem passenden Klangteppich unterlegt, der von klassischer Orchestermusik bis hin zum Country-Sound mit Schrammelgitarren reicht. Die Figur Asura ist trotz seiner Begriffsstutzigkeit für mich jetzt schon Kult. Es fällt einem nicht schwer die Gefühlswelt des Protagonisten zu verstehen und seine Beweggründe erscheinen nur logisch. Außerdem ist es ein Genuss, Asura bei seinen Wutattacken zu bestaunen und sie durch die Quick-Time-Events selbst zu "spüren". Vom Anfang bis zum Ende wird man von der Action überwältigt, die sich in blitschnellen Faustkämpfen, gleißenden Explosionen und überdrehten Moves widerspiegelt und schließlich in einem fulminanten Finale mündet.
In rund acht Stunden Spielzeit habe ich mich prächtig mit Asura's Wrath amüsiert - ohne meinen Controller all zu stark drangsaliert zu haben. Für Gamer, die ihre Fähigkeiten am Controller beweisen wollen, ist Asura's Wrath absolut nichts. Der Titel besticht durch seine massenhaften Cutscenes gepaart mit Quick-Time-Events und ist mehr eine interaktive Anime-Serie als ein Spiel. Die Standard-Kämpfe sind eher lästiges Füllmaterial, mit mauer Technik und drögen Buttonmashing. Die Bosskämpfe wiederum sind interessant genug, um den Titel zu bereichern. Auch wenn die nur rudimentär vorhandenen Gameplay-Abschnitte den großen Schwachpunkt darstellen und die technischen Defizite offenbaren, ist der Titel etwas Besonderes. Anime-Fans müssen sowieso reinschauen und alle, die nur kurz über eine Antest-Session nachdachten, haben sich bereits für Asura's Wrath qualifiziert. Das Game hat so viel Power, dass es sich nur schwer in Worte fassen lässt. Von Anfang bis Ende wird das Zockerhirn mit Nonstop-Action stimuliert und lässt kaum Zeit zum Durchatmen. Der Titel ist eine Empfehlung für all diejenigen, die abseits vom Mainstream nach einem besonderen Erlebnis suchen, denn Asura's Wrath sollte man gesehen und erlebt haben.

Test: Asura\'s Wrath

Kommentare

Johannes Krohn
  

@ Ossi: "Nach rund acht Stunden habe ich mich prächtig amüsiert - ohne meinen Controller all zu stark drangsaliert zu haben." Schön, und was hast du in den acht Stunden davor gemacht? ^^

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BigSM
  

Bin jetzt in der 7, Epidsode oder so und für mich bisher auch die größte Überraschung 2012. Bin normal nicht so der Japan/Animefan, aber das Spiel macht wirklich Spass in Sache Inszenierung und Story.

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Claudandus
  

@ Oskar Krause: Dacht ich mir bei den Game schon. War auch schon meine Devil May Cry 4 horror^^

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Oskar Krause
  

@ Claudandus
Hach, ... diese GS-Fans :P
Es dürfte schwer werden die 1000 GS zu erreichen. Da muss man viel Zeit mitbringen, denn der beste Rang in jeder Episode ist die Grundlage dafür ;)
@ Pairikas
Dito :)

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Pairikas
  

Asuras Wrath war für mich der bisherige Überraschungshit dieses Jahres, hatte mords viel spass mit dem Ding. Und das obwohl das Gameplay wirklich eher mau ist, aber die herrlich übertriebene Inszenierung hats mir einfach angetan ^^

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Claudandus
  

klingt nach einen sehr guten 30€ Titel
ist die 7 jetzt die neue 9 der AreaGames ?^^
wäre es möglich in späteren Test auf die Gamescore einzugehen? Gerade ich als Gamescorehure, machen nen kauf zu 20% davon abhängig ob ich die 1000 erreichen kann.

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