Street Fighter X Tekken

Plattform: (PS3, XBox 360)
Release: 09. März 2012

User-Wertung:

Test: Street Fighter X Tekken

Im neuesten Beat 'em Up aus dem Hause Capcom betreten gleich zwei Prügel-Legenden den Ring. In der roten Ecke: Street Fighter! 25 Jahre Kampfsport Erfahrung und Weltmeister im 2D Gewicht tritt gegen den Herausforderer in der blauen Ecke an: Tekken! Seit 18 Jahren im 3D Kampf erprobt möchte es endlich wissen. Wie sich die Teilnehmer des spektakulären Crossovers schlagen, erfahrt ihr in unserem Test.

Mit Street Fighter X Tekken haben wir ein wahrlich beschauliches Beat 'em Up Crossover vor uns. Beide Spiele-Reihen gelten unter Fans als legendär. Regelmäßige Fortsetzungen, Updates und sogar Verfilmungen lassen kaum Wünsche offen. Die Filme könnten vielleicht etwas besser sein, aber das gehört nicht an diese Stelle. Fakt ist, dass es immer wieder zu Beat 'em Up Crossovers kam, wie zum Beispiel zuletzt Marvel vs. Capcom, in dem sich die Kampferprobten Recken mit berühtem Comic-Helden messen konnten. Die Ideen, die hinter solch skurrilen Promenadenmischungen stecken, sind im Kern nicht verkehrt, allerdings erreichen sie nur selten die Qualität der großen Vorlage. Dies könnte sich nun ändern, denn mit Street Fighter X Tekken hat man erstmals zwei wirklich große Hausnummern vor sich, die so noch nie in einem Spiel vereint waren.
Die Rezeptur klingt verdammt lecker: Man nehme 19 Kämpfer aus Street Fighter, füge 19 Charaktere aus dem Tekken Universum hinzu, denkt sich eine abstruse Geschichte aus und würzt das Ganze mit einem ganzen Haufen neuer Gameplay-Elemente. Fertig ist das Grundgerüst für ein Crossover, wie es die Welt noch nicht gesehen hat. Wie jeder weiß, passen gute Storys und Beat 'em Ups einfach nicht zusammen, beziehungsweise ging es selten gut. Auf Street Fighter X Tekken trifft leider letzteres zu. Die berühmte Büchse der Pandora ist auf die Erde gekracht und lässt alle Menschen in durchgeknallte Muskelprotze mutieren. Das weckt natürlich die Aufmerksamkeit der üblichen Verdächtigen und so begibt sich unter anderem Oberschurke M. Bison auf die Suche nach dem ungewöhnlichen Relikt. Die guten hingegen wollen ihn und sein Gefolge davon abhalten, also prügelt man sich um die Büchse der Pandora. Aha …
Wie es sich für ein Crossover gehört, sind die berühmtesten Kämpfer des jeweiligen Titels vertreten. Auf der Street Fighter Seite dürfen Charaktere wie Ryu, Ken, Guile, Sagat und Chun-Li nicht fehlen. Für Tekken hat man unter anderem Heihachi, Hwoarang, Yoshimitsu, Law sowie Nina verpflichtet. Im großen und ganzen passt das Line-Up, nur leider fehlen aus unverständlichen Gründen einige prägende Figuren wie Blanka, E. Honda oder Eddy. Dafür gibt es mit Poison (bekannt aus Final Fight) einen sexy Neuzugang, deren Geschlecht eine Geschichte voller Missverständnisse ist. Auf ein Wiedersehen mit alten Bekannten, wie Hugo, einem grölenden Giganten, der so groß ist, dass er gerade so auf den Bildschirm passt, dürft ihr euch ebenso freuen. Auch Rolento ist wieder am Start. Capcoms bekannte und unbeliebte DLC Politik hinterlässt allerdings den faden Beigeschmack, dass sicher noch der ein oder andere Kämpfer virtuell nachgereicht wird. Exklusive Charaktere wie Cole aus inFAMOUS sind der PlayStation 3 Version vorbehalten.
Test: Street Fighter X TekkenReden wir nicht länger um den heißen Brei herum und stürzen uns auf die neuen Gameplay-Elemente. Capcom hat sich nicht lumpen lassen und wirklich viele neue Ideen und Ansätze verwirklicht. Auf der einen Seite wurde das Kampfsystem einer Generalüberholung unterzogen, auf der anderen gibt es die neu eingeführten Gems, die einen wesentlichen Bestandteil des Gameplays darstellen. Diese unterscheiden sich in Boost Gems und Assist Gems. Boost Gems erhöhen die Attribute eines Charakters und sorgen so zum Beispiel für zusätzliche Lebensenergie. Allerdings lassen sich Gems nicht auf Knopfdruck aktivieren, sondern sind an bestimmte Bedingungen gebunden. So aktiviert sich zum Beispiel ein Gem, nachdem man fünf Moves ausgeführt hat. Daraufhin erhält der Kämpfer für die nächsten 20 Sekunden zusätzliche 10% Schaden auf seine Angriffe. Klingt komplizierter als es ist, da Gems lediglich dafür da sind, um die eigenen Stärken auszubauen oder Schwächen zu kaschieren. Mehrere Gems lassen sich in Sets zusammenfassen, so könnt ihr vor dem Kampf spontan entscheiden, auf welche Effekte ihr Wert legen wollt. Die Assist Gems fördern die Fähigkeiten von Spielern und richten sich eher an Kampfspiel-Neulinge. So lassen sich Special Moves leichter ausführen oder sorgen dafür, dass ein Kämpfer automatisch blockt. So entpuppt sich das Gem-System als Fluch oder Segen zugleich. Veteranen können neue Strategien ausprobieren und Einsteiger werden ermutigt, mitzukämpfen. Wie sich das Gem-System auf das Online-Gaming auswirken wird oder vielleicht sogar das Balancing zerstört, bleibt abzuwarten. Man darf die Gems auch nicht überschätzen. So mächtig, wie sie klingen, sind sie nun auch wieder nicht. Niemand wird dadurch völlig unbesiegbar sein. Vielmehr handelt es sich um kleine Helferlein. Außerdem ist niemand gezwungen mit Gems zu spielen, da sich diese auch abschalten lassen.
Nicht abschalten lässt sich der Rest des neuen Kampfsystems. Und das ist auch gut so, denn hier hat Capcom Mut bewiesen. Ultra-Moves gehören der Vergangenheit an. Nun folgt eine (fast) wissenschaftliche Abhandlung über die Neuerungen. Die Super/Ultra-Leiste wurde abgeschafft und gegen eine Cross-Anzeige eingetauscht, da in Street Fighter X Tekken das Hauptaugenmerk auf dem 2 vs. 2 Tag Battle liegt. Der Super-Move wurde in Super Art umbenannt, den auch die Tekken Kämpfer beherrschen. Der Super Charge ist eine interessante Alternative dazu, da dieser nichts von der Cross-Anzeige nutzt und so jederzeit ausgeführt werden kann. Allerdings muss er zuvor durch gedrückt halten eines Buttons aufgeladen werden. Im Umkehrschluss muss man ihn nicht bis zum Ende aufladen und kann ihn so jederzeit auf den Gegner loslassen. Es gibt drei Stufen beim Aufladen. Ist die letzte erreicht, wird der Move automatisch zum Super-Art-Angriff, ohne dass die Cross-Anzeige genutzt wird. Da wir uns im Tag Battle auf die Nüsse hauen, hat sich Capcom auch diverse Tag-Moves einfallen lassen. Launcher befördern den Gegner in die Luft um schnelle Team-Combos (jugglen) einzuleiten. Ähnlich funktioniert auch der Cross Rush. Dabei handelt es sich um eine Combo, die den Team Kameraden automatisch auf den Plan ruft, sobald der Gegner in die Luft befördert wurde. Beim Cross-Angriff sind kurzzeitig beide Kämpfer gleichzeitig aktiv und teilen doppelt aus. Wirklich effektiv, spektakulär und sehenswert hingegen ist die Cross Art Attacke, der verheerendste Angriff den es gibt. Beide Charaktere entfesseln ihre Super Arts auf den Gegner. Der Schaden ist immens, stellt euch einfach einen doppelten Ultra vor! Sollten alle Stränge reißen, wird Pandora aktiviert. Fällt die Lebensenergie eines Kämpfers unter 25%, lässt sich der Tag Partner opfern. Daraufhin wird die eigene Figur unglaublich stark, und alle Moves sind endlos möglich. Allerdings hat diese Übermacht ihren Preis. Schafft man es nicht, den Gegner innerhalb des Zeitlimits zu besiegen, geht man automatisch K.O. Bei dieser Technik ist also Vorsicht angebracht.
Damit all diese komplexen Neuerungen auch verinnerlicht werden können, gibt es erstmals in der Geschichte der Street Fighter Reihe ein komplexes Tutorial. Das ist auch bitter nötig, wenn man sämtliche taktischen Raffinessen des neuen Kampfsystems und der Gems verinnerlichen möchte. Hat man sich damit auseinander gesetzt, warten die üblichen Spielmodi auf euch. Im Arcade Modus erlebt ihr die skurrile Geschichte und im vs. Modus könnt ihr euch online wie offline mit euren Mitmenschen messen. Der einzig nennenswerte Modus ist der neue Gruppenkampf. Im Gruppenkampf agieren alle vier Charaktere gleichzeitig auf der Stage. Klingt verrückt und nach purem Chaos? Ist es auch! Wirklich ernst nehmen kann man diesen Modus nicht, für eine gesellige Runde im Freundeskreis mag es gerade noch so taugen. Es ist einfach zu unübersichtlich, wenn alle Charaktere gleichzeitig ihre Feuerbälle zünden und durch die Gegend springen. Umso gelungener sind die Herausforderungen. In diesen gilt es, unter speziellen Bedingungen den Sieg zu ergattern. So darf man zum Beispiel keine Special Moves einsetzen und ein knackiges Zeitlimit sitzt im Nacken. Wer sich bei so vielen Neuerungen individuell austoben möchte, kann dies in einem abgespeckten Editor tun. Dort lassen sich die Kleidungsstücke der Kämpfer umfärben. Die elf Stages sind übrigens auch eine wahre Augenweide. Natürlich sind elf Hintergründe nicht die Welt, aber dafür passiert dort so viel, dass es wirklich eine Freude ist. Manche Stages haben sogar mehrere Ebenen, je nach Runde wird der Kampf zum Beispiel eine Etage tiefer oder zu einer anderen Tageszeit fortgesetzt.
Test: Street Fighter X Tekken
Obwohl ich ein Beat ' em Up Fan bin, hatte ich Street Fighter X Tekken vor der Veröffentlichung gar nicht auf dem Radar. Umso überraschter bin ich, wie gut die Symbiose der zwei unterschiedlichen Spiele gelungen ist. Die Tekken Kämpfer fügen sich astrein in das Street Fighter Universum ein. Selbst reine Tekken Spieler wollen den Controller plötzlich gar nicht mehr aus der Hand legen und schwärmen von dem süchtig machenden Gameplay. Die zahlreichen Veränderungen verleihen dem Titel eine unglaubliche Tiefe und taktische Note. Es ist schon erstaunlich, wie viele Gedanken sich die Jungs von Capcom gemacht haben. Das komplett überarbeitete Kampfsystem ist eine Wucht und voller guter Ideen. Die Gems laden zum probieren ein, allerdings wird erst die Zeit zeigen, inwiefern sich diese kleinen Verstärker auf das Balancing auswirken. Da muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er mit den Gems spielen möchte. Dafür, dass Street Fighter X Tekken das erste Crossover zweier Legenden ist, funktioniert es perfekt! Nachdem Super Street Fighter IV Arcade Edition eher ein kleines Update war, ist der jüngste Titel ein wahres Beat 'em Up Fest. Der Titel hat die Messlatte für kommende Crossovers extrem hoch angelegt. Für Fans von Ryu und Heihachi führt kein Weg an der neuen Beat 'em Up Referenz vorbei. Zu meinem persönlichen Glück fehlt mir nur noch ein Arcade-Stick, aber das ist ein anderes Thema.

Kommentare

Claudandus
  

Ich werd auch erst nen kauf inds Auge fassen, wen das Game wirklich vertig ist mit allen addons.

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Nils Lendeckel
  

@Fagballs:
Tekken X Street Fighter kommt vermutlich nicht vor 2018 ;)
Scherz beiseite, aber über den Titel ist praktisch noch gar nichts bekannt.

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Fagballs
  

Das klingt soweit ganz interessant (wenn auch mir ein bisschen zu kompliziert, werde es mir mal anschauen, sobald es günstiger ist), ich bin dann auch auf die Rückrunde gespannt. Gibt es für die schon einen Termin?

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drthirteen
  

Ich hätte es mir eigentlich gekauft, hab dann jedoch gelesen, dass es nicht möglich ist zu zweit an einer Konsole online gegen zwei Gegner anzutreten.

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IceOnly2
  

Ich warte bis nen komplettes Paket mit DCL's für 30 Euro gibt. Diese Verkaufspolitik mit den ganzen Teilen und DLC's geht mir auf die Eier.

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