Syndicate

Plattform: (PC, PS3, XBox 360)
Release: 23. Februar 2012

User-Wertung:

Test: Syndicate

Man muss nicht unbedingt vor 20 Jahren den isometrischen PC-Titel Syndicate gespielt haben, um EAs gleichnamigen Shooter auch im Jahr 2012 genießen zu können. Es bietet sogar Vorteile, wenn man das Original aus Peter Molyneuxs Studio Bullfrog gar nicht kennt. Denn dann genießt man ganz unvoreingenommen einen anspruchsvollen und actionreichen Shooter, der alle Cyberpunk Fans in eine neongetränkte Zukunft einlädt, in der Industriespionage mit der Zurückhaltung einer Abrißbirne ausgeübt wird.

Es gibt bestimmt einige Leser, die sich noch an das Syndicate aus dem Jahre 1993 erinnern können. Und damit meine ich natürlich vor allem die PC-Version des Spiels, da die Portierung auf das Super Nintendo eher als technischer Totalausfall zu werten war. Fünf davon haben das Spiel vielleicht sogar auf dem PC gespielt. Natürlich kann man im Jahr 2012 keine isometrischen Taktik-Spiele mehr an den actionverwöhnten Massenmarkt bringen, daher wurde das "Chronicles of Ridick" Studio Starbreeze von EA mit einem Shooter im entsprechenden Universum beauftragt. An komplexe Vorgaben mussten sich die SCHWEDEN dabei nicht halten, denn sonderlich originell war schon das Original nicht. Die Grundpfeiler einer düsteren Zukunftsvision, die von mächtigen Konzernen dominiert werden und in denen Menschen Computerchips statt Kartoffelchips in sich herumtragen wurde von Cyberpunk-Pionieren wie XXX bereits in den 70er ausgearbeitet. Damit teilt sich Syndicate eine ähnliche DNA mit dem Deus Ex und System Shock Franchise, was Fans der beiden Titeln entgegen kommen sollte.
In Syndicate schlüpft der Spieler in die Rolle des Agenten Miles Kilo, der für seinen Arbeitgeber Eurocorp fleißig Industriespionage betreibt. Nun, zumindest könnte man das so nennen, wenn man John Rambo und den Terminator für Geheimagenten hält: Denn im Jahr 2069 kämpfen die Konzerne schon lange nicht mehr nur mit juristischen Mitteln. Statt schnöden Unterlassungserklärungen werden kybernetisch aufgemotzte Agenten geschickt, die wichtige Mitarbeiter der Konkurrenz schlichtweg entführen oder erschießen, Kolateralschäden an der Zivilbevölkerung werden dabei so ernst genommen wie Umweltauflagen oder Gewerkschaftsversammlungen. So erklärt es sich, dass der Spieler vor allem über schnelle Reflexe und einen geübten Abzugsfinger verfügen sollte. Miles Kilo ist kein XXX. Er klettert nicht durch Lüftungsschächte, benutzt keine Betäubungspfeile und unter verschiedenen Lösungsmethoden versteht er die Wahl zwischen unterschiedlichen Munitionsarten. Syndicate ist damit ein klassischer Shooter, wie wir ihn von den Riddick-Schöpfern auch erwarten. Er ist allerdings etwas präziser ausgefallen als die doch etwas schwammigen Actiontitel aus dem Hause Starbreeze. Nur das Deckungsfeature erinnert noch an alte Zeiten. Denn wenn sich Miles hinter einer Wand oder einem Vorsprung versteckt, geht er automatisch in Deckung und hält die Waffe auch dementsprechend am Körper. Das ist in Zeiten von Duck & Shoot Spielen wie Gears etwas gewöhnungsbedürftig, bei denen man sich mittels Knopfdruck von Deckung zu Deckung bewegt und dabei so gut wie unzerstörbar ist.
Test: SyndicateWer sich an die Lobbyszene aus Matrix erinnert, kann sich ungefähr vorstellen wie Miles Kilo in ein anderes Unternehmen eindringt. Man ballert sich durch ganze Jahrgänge von Sicherheitskräften um das Ziel zu erreichen, das einem die weibliche KI ins Ohr flüstert. Natürlich stehen Kilo dabei noch ein paar mehr Vorteile als ein schickes Waffenarsenal zur Verfügung. Dank modernster Hightech-Implantate kann sich Miles auch in die Chips seiner Gegner hacken und sie dazu bringen, die Waffe gegen sich selbst zu richten oder kurzzeitig auf Seite des Spielers zu kämpfen. Außerdem gibt es oft Gegenstände in der Umgebung, die gehackt werden können und so z.B. zu Überlastungen führen oder neue Deckungsmöglichkeiten ausfahren. Gerade in Bosskämpfen tauchen zudem kleine fliegende Drohnen auf, die nach einem Hack neue Munition fallen lassen. Richtig überlebensnotwendig ist jedoch der DART-Modus. Neben einer Röntgen-Optik bietet dieser Modus eine Zeitlupen-Funktion, in der man präzise schießen kann und weniger Schaden einsteckt. Da sich der Spieler meist einer Handvoll Gegner gegenübersieht, dürfte der Dart-Modus recht häufig zum Einsatz kommen. Schade, denn die hübsche Grafik kommt natürlich nur bei der normalen Sicht zum Tragen. Dank starker Überstrahl-Effekte erinnert das Geschehen zwar etwas an Battlefield 3, sieht aber deutlich hübscher aus, als das recht baukastenförmige Design von Deus Ex. Syndicate gelingt es daher, eine schicke und glaubwürdige Zukunftsatmosphäre aufzubauen, ohne dem Spieler viele Verschnaufpausen zu bieten, um diese Pracht auch zu genießen.
Knapp 8-10 Stunden ballert sich der Spieler durch den 20 Kapitel umfassenden Singleplayer-Modus, der recht abwechslungsreich gestaltet ist und immer wieder durch kleine "On Rails" Sequenzen aufgelockert wird, bei denen man sich zum Beispiel auf dem Dach eines Zuges wieder findet. Die Story ist dabei das übliche "Vertraue niemanden" -Konstrukt, mit einigen mäßig überraschenden Story-Wendungen. Genau wie die Grafik ist aber auch die Story nur Mittel zum Zweck um den Rahmen für dutzende Schusswechsel zu bieten, die allerdings auch ermüden können: Zu oft bleibt das Spiel bei seinem Muster: Neuer Raum, neue Gegnerwellen. Da der Spieler nicht viel einstecken kann und auch die Gegner im Verlaufe des Spiels zunehmend erst gehackt und dann erledigt werden können, ist das Spiel durchaus fordernd. Die Endbosse, die alle drei- bis vier Kapitel auf den Spieler warten, pendeln zwischen "Originell" und "Langweilig". Die besten Gegner benötigen eine spezielle Taktik wie das Umleiten von Raketen via Hack. Andere Gegner müssen einfach nur minutenlang beschossen werden.
Test: SyndicateNatürlich darf heute kein Spiel bei EA mehr ohne Online-Modus auf den Markt kommen. Und auch Syndicate bildet da keine Ausnahme. Erstaunlich: Der Coop-Multiplayer muss in diesem Fall nicht einmal mit einem Online-Pass freigeschaltet werden, er steht jedem Käufer zur Verfügung: Mit drei anderen Mitspielern ballert man sich über ein dutzend großer Karten, die verschiedene Missionziele bieten und sogar eine kleine Geschichte erzählen. Die Karten sind etwas offener als die sehr schlauchartigen Level im Singleplayer und bieten daher viel Freiraum für alle vier Agenten. Der kooperative Gedanke zeigt sich auch im Reboot-System, mit dem man gefallene Agenten schnell wieder zum Leben erwecken kann und damit auch mit Punkten belohnt wird. Die Punkte investiert man natürlich wieder in Upgrades der eigenen Spielfigur. Der kooperative Mehrspielermodus sendet natürlich bei Syndicate-Veteranen des Jahres 1993 die meisten Nostalgieschauer den Rücken hinunter, war man doch auch schon im Original immer als Vierer-Team unterwegs.
Syndicate ist ein actiongeladener Zukunftstripp, der es vielleicht etwas zu gut mit übertrieben Lichteffekten meint, aber dafür mit vielen taktischen Möglichkeiten spannende Gefechte inszeniert. Interessierte Spieler sollten sich aber keine Illusionen machen: Es gibt keine multiplen Lösungswege, Lüftungsschächte braucht man also in Syndicate erst gar nicht zu suchen. Hier wirft das geniale Deus Ex Human Revolution aus dem letzten Jahr leider einen zu langen Schatten. Das verschmerze ich aber gerne, denn die Action stimmt. Die kybernetischen Verbesserungen sind nicht nur Gagdet, sondern tatsächlich ein Schlüsselelement zum Überleben. Hier zeigt das Spiel auch deutlich Vorteile gegenüber der recht simplen Action eines Hard Reset. Dazu bietet Syndicate einen umfangreichen Coop-Modus, in den man durchaus ein paar Dutzend Stunden investieren kann. Allerdings sollte man sich vor dem Kauf anhand der Multiplayer-Demo davon überzeugen, dass der Coop-Modus auch den eigenen Geschmack trifft. Denn wenn man auf diesen verzichtet, rutscht Syndicate in die typische "Ideal für eine Wochenendausleihe" Kategorie. Wer also weniger Wert auf edle Strahle-Grafik legt und mehr auf echte Spieltiefe, sollte daher einen Blick auf das in der selben Woche erschienene Binary Domain werfen. Einen bitteren Nachgeschmack hat die allerdings die Entwicklungsgeschichte des Spiels: Immerhin scheint man sich über das Projekt Syndicate beim schwedischen Publisher Starbreeze derart zerstritten zu haben, das viele alteingesessene Entwickler bereits in den letzten Jahren zu Bethesda abgewandert waren.
Test: Syndicate

Kommentare

kleiner Lemming
  

Ich seh schon, dass die Mods und Redakteure zur AG-Cloud schreiben:
"Wieso, bei mir steht dort nur 'Höhere Quantenphysik', 'Gehirnchirurgie' und 'Wege zum Weltfrieden'".

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konsolenrocker
  

Hahah die AG-Cloud scheint wohl euren Inetverlauf eindeutig wieder zu spigeeln ;D

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kleiner Lemming
  

Ist ja lustig, wie kommt den sowas in die Areagames Cloud!?
Was hat denn der Artikelautor da wieder gegoogled während er den Artikel geschrieben hat?
Ich bitte um Erklärung...



... aber erst den Stöpsel rausziehen.

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Claudandus
  

XD hatt es einen grund warum mir rechts in der "Aragames Cloud" hier ein "Anal Syndicate medium" angezeigt wird^^

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2happy
  

ja, ich fand auch, Text und Podcast?u?erungen klangen eher nach einer 8. Aber ab morgen kann ich mir selbst ein Bild machen (so der Gott dess Briefetragens es will)

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Claudandus
  

@ AreaGames: kann es sein das ihr Spiele jetzt immer etwas härter bewertet als es im Text den anschein hat ?:)
http://www.youtube.com/watch?v=-IOga7pFkKY *Träne im Auge hab*^^

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Claudandus
  

Sehr geiler test, hab das Game doch endlich bestellt.
Hatte es als erstes auf dem Amiga 500 durchgezockt, dann auch dem Mega Drive mich mit dem Controler durchgequelt und liebte über alles Syndicate Wars auf der PS1 und spiele es noch immer auf der PSPgo (VIELEICHT auch eines tages mal auf der Vita).
die 7/10 und das gelesene reicht mir völlig um das Game jetzt schon zu mögen =^.^=

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big sepp
  

Riddick als klassischen Shooter zu bezeichnen finde ich ein wenig gewagt. Das war eine fast perfekte Mischung aus Stealth, Action und Adventurelementen!

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