The Beatles: Rock Band

Bei aller Liebe zu Aerosmith, Metallica und vor allem Johnny Cash... hinter The Beatles: Rock Band steckt gewiss der spektakulärste Deal der Musikspielegeschichte. Nicht nur wegen den unglaublichen Multimillionensummen, welche laut Insidern für die Lizenz geflossen sind, sondern ganz einfach deswegen, weil... Leute, es sind die Beatles! Auch wenn ich damit jetzt vielleicht ein internationales Review-Tabu breche, werde ich euch in diesem Test jetzt aber nicht noch eine eigene Nacherzählung der von Highlights nur so strotzenden Karriere der Band hinklugscheißen. Ihr werdet euch auch nicht anhören müssen, was für tolle Sprüche EA-PR-Menschen am liebsten zum Besten geben oder wie ach so fein ich Kenner die Beatles-Songs schon immer fand. Erfüllt das Crossover Sinn und Zweck als Videospiel, das ist hier die Frage.


Easy to learn, easy to master

In Hinblick auf die Gameplaymechanik kann man diese Frage selbstverständlich getrost mit "ja” beantworten, denn im Grunde haben wir hier das Gefüge von Rock Band 2 vorliegen und was soll sich daran auch schon groß geändert haben? Musikspiele mit Plastikinstrumente haben schon lange vor dem ersten Guitar Hero in japanischen Spielhallen herrlich funktioniert, viele Konsolenversionen später sind auch die letzten störenden Kleinigkeiten längst aus dem digitalen Notenbrett gebügelt. Wenn man sich heutzutage speziell als "echter" Musiker noch an einem Aspekt der aktuellen Rhythmusspiele gestoßen fühlen könnte, dann wäre das wohl der von Stufe zu Stufe immer freakiger werdende Schwierigkeitsgrad. Nicht so in The Beatles: Rock Band, das durchgehend auf künstlich erzeugtes Knotenfingertraining mit für Menschen kaum mehr erfassbaren High-Speed-Notenmassenquerschlägern verzichtet. Man hat nicht nur das Gefühl, sondern man spielt tatsächlich annähernd genau die aufs Farbmuster von Rock Band abgestimmten Töne der echten Beatles-Lieder, die glücklicherweise von den optischen Schrotflinteneinschussmustern oder Maschinengewehrsalven üblicher Genrevertreter weit entfernt sind. Wer etwas übt, meistert nicht nur den Schwierigkeitsgrad "Expert" verhältnismäßig easy, er fühlt sich dabei auch noch wie ein echter fünfter Beatle, anstelle eines Vollnerds, der seine Finger in Überlichtgeschwindigkeit übereinander hüpfen lassen kann. Und wer sich gar zum ersten Mal an die Gitarre, Trommel oder ans Mikro wagt, darf sich ohne Abstriche über die gleichen freispielbaren Goodies wie die Profis und Experten unter den Fake-Musikern freuen. Diese bewusste Einsteigerfreundlichkeit spiegelt sich übrigens speziell im Gesangspart wieder, der erstmals bei etwa der Hälfte der Songs bis zu drei Mikrofone gleichzeitig unterstützt. Im laufenden Spiel darf jeder frei nach Belieben jeden Teil des Songs mitsingen und dabei auch mal etwas aus der Tonreihe tanzen, ohne gleich hart dafür bestraft zu werden. Außerdem bietet The Beatles: Rock Band ein kleines Gesangstraining mit virtuellem Vocal-Coach an, der einem die Basiskniffe des richtigen, harmonischen Singens näher bringt. Eine Garantie für perfekte Töne ist das zwar mitnichten, schlechter als ohnehin schon habe ich nach den Übungen allerdings auch wieder nicht gesungen. Für so Härtefälle wie mich ist zum Glück ein "No Fail"-Modus im Angebot. - Wer sich als Plastiktrommler längst nicht mehr als ein solch hoffnungsloser Anfänger fühlt, darf sein Können übrigens mit mehr als 80 Drum Patterns von Ringo Starr höchstpersönlich auf die Probe stellen lassen. Der Bonusmode stellt entsprechend den schwierigsten Teil des ganzen Spiels dar.
The Beatles: Rock Band

Vom Pilzkopf bis zum Walross, von Liverpool aufs Apfeldach

Bevor ihr das alles aber selber erleben dürft, ist es ohnehin bereits um euch geschehen. Gleich nach Einlegen der Disc flimmert nämlich ein Intro über den Bildschirm, mit welchem sich die kreativen Köpfe hinter den Gorillaz-Musikvideos mal wieder selbst übertroffen und eure Sinne damit sogleich in den Beatlemaniamodus versetzt haben. Es ist ein kleiner Animationsfilm, der die aktive Zeit der Beatles im Schnelldurchlauf zeigt, dabei unglaubliche, vollends fließende Übergänge zwischen "Yellow Submarine"-Comicstil und 3D-CGI sowie den unterschiedlichsten Karriereprägenden Songs der Fab Four schafft und uns mit dieser fantasievollen Bilder/Musik-Kombo in die perfekte Stimmung versetzt, sofort losspielen zu wollen. Und das kann man dann auch. Ob im Multiplayer on- und offline oder alleine, der Schnellspielmodus hält vom ersten Spielstart an alle Tracks (bis auf den Finalsong des Storyparts) für euch bereit. Im Karrieremodus verfolgt/erlebt/durchlebt man, wie in solchen Spielen eben üblich, den Werdegang der Band vom Liverpooler Cavern Club (die zaghaften Wurzeln in Hamburger Schuppen samt anschließender Ausweisung aus Deutschland hat man sich gespart...ok, jetzt habe ich doch etwas kluggeschissen...sorry) über die Abbey Road bis auf das "Apple Corps."-Gebäude, wobei sich das Spiel irgendwelche Gastauftritte bewunderter/befreundeter Musiker genau so schenkt wie es sich nicht bloß darauf beschränkt, immer die gleichen Charaktermodelle auf unterschiedliche Bühnen zu stellen. In The Beatles: Rock Band sieht man die Pilzköpfe zu optischen Obdachlosen werden, ihre Kleidung gemäß des Zeitstrahls mal schriller und mal züchtiger erscheinen und vor allem sieht man die Beatles, die Beatles... nichts als die Beatles samt ihrer Fans. Das so individuell wie nie designte Publikum kreischt optional gar in authentischer Lautstärke, was bei entsprechender Soundanlage im Shea Stadium schon fast beängstigend wirken kann. Glänzen die Bühnenshows von The Beatles: Rock Band in der Tourphase der Truppe noch mit der Realität nachempfundenen Räumlichkeiten verschiedener Ausmaße, 1A-Lippensynchronität und perfekten Haltungsnoten der (leider durch den hellen Comicstil nicht ganz so detaillierten) Fab Four, setzt das Spiel ab der Hälfte noch mal einen drauf. Von da an erleben wir John Lennon, Paul McCartney, Ringo Starr und George Harrison bei ihren Studio-Aufnahmen, die von Harmonix auf dem Bildschirm wie all jene Drogentrips in Szene gesetzt wurden, die wir AreaGames-Redakteure im wahren Leben natürlich nie hatten und nie haben werden. In den selbstverständlich nur von kreativer Energie inspirierten Traumlandschaften sehen wir die Beatles als ihre "Magical Mystery Tour"-Tierpendants, in eigenwilliger Luftschiffkonstruktion samt Englandflagge und ja... ein gelbes U-Boot darf dabei natürlich auch nicht durch Abwesenheit glänzen. Hier ist man tatsächlich immer wieder hin und her gerissen, ob man nun lieber Spielen oder einfach nur Zugucken und genießen möchte. Nach erfolgreichem Abschluss jedes Tracks einer Karrierestufe winkt noch jeweils eine "Chapter Challenge", in der man alle Songs hintereinander (auf beliebigem Schwierigkeitsgrad) mit höchster Punktwertung von fünf Sternen abschließen muss. Als Belohnung für solche sowie alle anderen Erfolge winken rare Bandfotos, Beatles-Videos, Fanfacts,... die mit dem Spiel gelieferten Bonusmaterialien umfassen dank Mithilfe von Paul McCartney, Ringo Starr, Yoko Ono, Dhani und Olivia Harrison unzählige großartige Goodies, allen voran bisher größtenteils ungehörte "Hinter den Kulissen"-Sprachaufnahmen der Truppe von ihren Aufnahmen und Auftritten, welche in den Ladezeiten eingespielt werden und die Bandatmosphäre so selbst beim Warten ungemein hoch halten. Brauchen wir da noch zu erwähnen, dass die verbindenden Zwischensequenzen der einzelnen Karrierestufen nicht minder genial als das große Intro animiert wurden? In der Hinsicht darf man Rock Band: The Beatles gut und gerne als Gesamtkunstwerk bezeichnen, das uns den Geist der Beatles jede Sekunde lang beim Spielen verinnerlichen und uns dabei die Entwicklung der Truppe ohne harte Übergänge, homogen wie aus einem Guss miterleben lässt.
The Beatles: Rock Band

Große Namen in schmaler Anzahl

Sucht man nach einem wirklichen Makel an The Beatles: Rock Band, wird man unweigerlich am relativ kleinen Songangebot des Spiels hängen bleiben. Gut 10 Jahre Bandgeschichte mit einem zeitlosen Welthit nach dem anderen werden hier auf essenzielle 45 Tracks reduziert, die selbstverständlich alle auf Master-Recordings basieren. Da die Auswahl natürlich rein subjektiv von Harmonix getroffen wurde, werden gerade Hardcore-Fans mehr als nur ein geliebtes Lied in der Startaufstellung vermissen. Doch Nachschub folgt bereits am Releasetag. Da dürfen sich "Xbox 360"-User nämlich zeitexklusiv die Single "All You Need is Love" herunterladen. Kurz darauf sollen die restlichen Lieder der Alben "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band”, "Rubber Soul” und "Abbey Road” folgen (allesamt höchstwahrscheinlich kostenpflichtig). Da The Beatles: Rock Band von Harmonix als komplett eigenständiges Spiel abseits der üblichen Serie behandelt und programmiert wurde, ist die gemeinsame Nutzung von DLCs spielübergreifend auch innerhalb des Franchises leider nicht möglich. Man kann darüber diskutieren, ob MTV/EA/Harmonix angesichts gewiss hoher Lizenzierungskosten der erstmals in digitaler Form für Spiele umgesetzten Songlegenden überhaupt eine andere Wahl blieb als nur etwa die Hälfte der Tracks eines üblichen Rock Bands abzuliefern und verstärkt auf nachgekaufte Inhalte zu setzen. Unbestritten ist jedoch, dass die spielbereiten Lieder ausnahmslos klasse umgesetzt wurden, richtig Spaß machen und gemeinsam eine stimmige Komposition ergeben. Kombiniert mit der verschwenderisch aus den Vollen schöpfenden Aufmachung und den vielen Fan-Goodies hat man bei The Beatles: Rock Band ohnehin nie das Gefühl, zu wenig für sein Geld geboten zu bekommen. Wer schon alle möglichen Instrumente und Mikros (inklusive SingStar bzw. LIPS und Guitar Hero) Zuhause herumfliegen hat, darf die übrigens allesamt auch mit diesem Spiel hier zum Einsatz bringen. Neueinsteigern und Sammlern bietet sich der Kauf diverser Komplettpakete inklusive Instrumenten/Mikrofonen an, deren je nach Angebot variierende Inhalte und Preise man am besten beim Händler erfragt oder auf der jeweiligen Website nachprüft. In den "The Beatles: Rock Band"-Bundles enthaltene Gitarren und Trommeln sind exklusiv mit Beatles-Logo verziert sowie auch ansonsten dem Design der Originalinstrumente nachempfunden.
The Beatles: Rock Band

Es folgt die komplette Liste der Retail-Songs des Beatles-„Spin-Offs“:

Singles

  • I Want To Hold Your Hand
  • I Feel Fine
  • Day Tripper
  • Paperback Writer
  • Revolution
  • Don't Let Me Down

Please Please Me (1963)

  • I Saw Her Standing There
  • Boys
  • Do You Want To Know A Secret
  • Twist and Shout

With the Beatles (1963)

  • I Wanna Be Your Man

A Hard Day's Night (1964)

  • A Hard Day's Night
  • Can't Buy Me Love

Beatles For Sale (1964)

  • Eight Days a Week

Help! (1965)

  • Ticket To Ride

Rubber Soul (1965)

  • Drive My Car
  • I'm Looking Through You
  • If I Needed Someone

Revolver (1966)

  • Taxman
  • Yellow Submarine
  • And Your Bird Can Sing

Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (1967)

  • Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band/With a Little Help From My Friends
  • Lucy In The Sky With Diamonds
  • Getting Better
  • Good Morning Good Morning

Magical Mystery Tour (1967)

  • I Am The Walrus
  • Hello Goodbye

The Beatles (White Album) (1968)

  • Dear Prudence
  • Back In the U.S.S.R.
  • While My Guitar Gently Weeps
  • Birthday
  • Helter Skelter

Yellow Submarine (1969)

  • Hey Bulldog

Abbey Road (1969)

  • Come Together
  • Something
  • Octopus's Garden
  • I Want You (She's So Heavy)
  • Here Comes the Sun
  • The End

Let It Be (1970)

  • Dig a Pony
  • I Me Mine
  • I Got a Feeling
  • Get Back

Love (2006)

  • Within You Without You/ Tomorrow Never Knows


High Five für die Fab Four

Kommentare

farrellybrother
  

@ Daniel Pook

Auch ich sag danke :)

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X30 beo
  

@ Daniel Pook
Danke :)

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Leoneo
  

Also auf Amazon bieten sie das "The Beatles: Rock Band Value Pack" um ? 124,99 an. Wei? irgendwer, welche "Klampfe" da drinnen steckt? Ich nehme an, die Gretch Duo Jet vom Georgie Harrison 'selig' oder gar ne Rickenbacker 325 wirds nicht sein, oder?

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Daniel Pook
  

@farrellybrother
Kannst auch nur singen, gibt sogar wie gesagt den Gesangs-Trainingsmodus!

@X30 beo
Die sind genau so wie die Teile von Rock Band 2, sehen nur deutlich edler aus (auch wenn sie nach wie vor aus Plastik sind).

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X30 beo
  

Was mich jetzt interessieren w?rde ist ob die Instrumente nun besser/leiser sind als die alten?

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Crimson
  

?nen hunni...

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Leoneo
  

Sooo, und das wird jetzt wohl mein Karriere-Einstieg in die Welt der virtuellen Rockband..., Beatles sind geilomat, und die Songs ganz einfach nachspielen zu k?nnen, ohne gro?e Frustmomente..., da lacht mein virtuelles Musikerherz. Was kostet das Teil eigentlich inkl. Paul McCartney-Gitarre? Na, ich werds ?ber Amazon sicher leicht rausfinden... ;o)

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Crimson
  

herrlich....genau so stelle ich mir das teil vor, ein echtes brett! ich sage nur L S D...ha die jungs waren so klasse.

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gormi
  

@farrellybrother, solte auch mit Micro alleine gehen, funktioniert zumindest bei Rockband 2 so, kann mir nicht vorstellen das das bei Beattles anders sein sollte. Und warum sollte das Frevel sein ?

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Fagballs
  

Traumhaft sch?ner Test!

Hier sehe ich als Familienmensch eine neue M?glichkeit, die ganze Sippe bei einem Videospiel zu versammeln. Das ist bei Guitar Hero und Rock Band bisher ein wenig am Schwierigkeitsgrad und der Musikauswahl gescheitert. Mit den Beatles und besserer Einsteigerfreudigkeit sind da die H?rden zum Familienabend an der Konsole auch ohne Wii Sports und Konsorten genommen. Ich freu mich drauf.

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