Command & Conquer 4: Tiberium Twilight

Kane, Realfilmsequenzen, GDI, NOD, Tiberium, Orca-Helikopter… all das finden wir in Command & Conquer 4, dem Abschluss der Saga. Ein großer Knall mit Routine also? Keinesfalls. Electronic Arts hat das Spielprinzip gehörig umgekrempelt und vergraulte damit schon im Vorfeld einen Großteil der Fans. Doch muss der Abschied vom Gewohnten unbedingt mit einem Abfall der Qualität einhergehen? Resident Evil 4 bewies vor einigen Jahren das genaue Gegenteil. Lest hier, wie überzeugend die Neuerfindung der beliebten Echtzeit-Strategiereihe unserer Meinung nach geworden ist.

Command & Conquer: Der Tiberiumkonflikt gehörte in den Neunzigern zu den ersten Spielen, die mich vom Super Nintendo weg zum PC gelockt haben. Heute stehen die Mega-Boxen der ersten drei Teile sowie alle anderen Serienableger inklusive Add-Ons akkurat geordnet in meinem Regal - mit kaum einer Videospiel-Serie verbinde ich so viele gute Erinnerungen. Und doch (oder vielleicht gerade deswegen) fühlte sich Command & Conquer 4 seit seiner Vorstellung irgendwie "falsch" an. Kein Basenbau, keine riesigen Armeen, stattdessen muss ich mich für eine von drei Strategien entscheiden und Checkpoints erobern. Um es im AreaGames-Slang auszudrücken: W-T-F?! Ein von Anfang an gescheitertes Experiment. Eine Fehlgeburt. Ein Bastard. Genau das waren meine harschen Vorurteile, und ehrlich gesagt bin ich alles andere als objektiv und emotionslos an die Testphase dieses Titels herangetreten. Umso überraschender war deren Ausgang… doch alles der Reihe nach.

Kommt’n Mann mit Mütze in ‘ne GDI-Basis…

In einer Welt, die vom Tiberium zugrunde gerichtet wurde, kooperiert sogar der NOD-Messias Kane mit der GDI - eine spannende Wendung, die wie gewohnt durch Realfilmsequenzen erzählt wird. Neben unserer Lieblingsglatze Joe Kucan sind wieder eine ganze Reihe unbekannter C-Schauspieler an Bord, etwa eine radikale GDI-Kommandeurin oder die Ehefrau des Commanders. Richtig gehört, der Commander selbst wird dieses Mal etwas tiefer in das Geschehen hineingezogen. Nicht nur, dass die eigene Familie in die Geschichte integriert ist: sehr oft fühlt man sich als (trotzdem stummer) Teilnehmer eine Diskussion, wird oftmals direkt angesprochen und erhält dank diversen HUD-Elementen ein gewisses Mittendrin-Gefühl. Ein gelungenes, neues Element, dem jedoch der allgemein verloren gegangene Charme der Zwischensequenzen gegenübersteht. Klar, Kane lässt sich immer wieder blicken, die überwiegende Mehrheit der anderen Akteure löste allerdings Gleichgültigkeit in mir aus, zumal sich das Spiel in dieser Ausgabe viel zu ernst nimmt. Dadurch geht eine gehörige Portion der Selbstironie und des Trash-Faktors verloren. Zumal die meisten Szenen in dunklen bzw. sterilen, kellerähnlichen Besprechungsräumen stattfinden. Allgemein ist die Geschichte ziemlich wirr: das Intro beginnt mit besagtem, mysteriösen Treffen zwischen Kane und der GDI, da offensichtlich ein gewaltiges Tiberium-Problem die Erde zu ruinieren droht. Bereits ab der ersten Mission springt das Geschehen dann aber einige Jahre in die Zukunft der Zukunft und der grüne Rohstoff ist im Prinzip Geschichte. Im Gegenzug entflammt der alte Konflikt zwischen beiden Parteien… mal wieder. So fährt man eine eigentlich spannende Ausgangssituation ganz schnell gegen die Wand. Die in Teil Drei eingeführten Scrin sind übrigens komplett vom Erdboden verschluckt und werden auch in keinem einzigen Satz erwähnt. Immerhin werden im Spielverlauf der insgesamt 14 Kampagnen-Missionen - exklusive drei Tutorial-Einsätzen - allerhand Fragen geklärt. Ohne jetzt ein spezifisches Detail spoilern zu wollen kann ich jedoch verraten, dass das Ende für Fans eher enttäuschend ist.
Command & Conquer 4: Tiberium Twilight

Rollenspiel-Commander ohne Basis

Wie eingangs bereits erwähnt: dem Basenbau, einer stetig wachsenden Armee und der Verwaltung von Ressourcen dürft ihr adieu sagen. Das Tiberium ist nur noch in Form kleiner Kristalle auf der Map verteilt und gewährt beim Einsammeln diverse Einheiten-Boni. Bauhof, Kraftwerk und Waffenfabrik weichen dem so genannten Crawler, einer riesigen, mobilen Einheit. Selbiger ist auf beiden Seiten in drei Ausführungen verfügbar: Offensiv, Defensiv und Unterstützung. Je nach Ausrichtung lassen sich unterschiedliche Einheiten produzieren sowie Spezialattacken ausführen. So ist der berühmte Mammut-Panzer einem offensiv ausgerichteten General vorbehalten, während der Unterstützungs-Profi die Fuß- und Lufteinheiten mit einem Stärke-Schub aufrüstet oder verheerende Luftangriffe bestellt. Gebäude dürfen gar ausschließlich mit einem Defensiv-Crawler gebaut werden, selbst hierbei handelt es sich dann auch um diverse Wach- und Raketentürme. Eine Rückkehr feiern einige der altbekannten Spezialwaffen wie die Ionenkanonen oder die Atomrakete. Diese Fähigkeiten, genauso wie eine Vielzahl von Einheiten, können aber erst ab einem bestimmten Level auf das Schlachtfeld geschickt werden. Insgesamt wollen 20 Ränge auf beiden Seiten freigeschaltet werden, Erfahrungspunkte sammelt ihr durch jede erledigte Einheit, abgeschlossene Missionen oder gewonnene Mehrspieler-Matches. Richtig: das Level-System ist nicht aufgeteilt, sondern erstreckt sich über das gesamte Spiel. Das ist auf der einen Seite zwar äußerst motivierend, und wären Single- und Multiplayer voneinander getrennt, müssten "ich-will-alles-erreichen-Spieler" angesichts der beiden Parteien ganze vier Mal das Höchstlevel erreichen. Auf der anderen Seite starten diejenigen, die sich nur auf den Mehrspieler-Part konzentrieren wollen, mit einem riesigen Nachteil in die Online-Schlacht. Hinzu kommt, dass das Matchmaking-System gerne niedrigstufige Spieler mit hochstufigen zusammenwürfelt, so dass einer der beiden über eine Mehrzahl an Einheiten und Fähigkeiten verfügt. Zum Glück müssen diese in jeder Partie neu erforscht werden, so dass in der frühen Phase eines Matches relative Chancengleichheit herrscht. Außerdem funktioniert das bewährte Stein-Schere-Papier-Prinzip vorzüglich, vielleicht bietet Command & Conquer 4 sogar das beste Balancing in der gesamten Serie.
Command & Conquer 4: Tiberium Twilight

Command of Heroes: Dawn of Kane

Besonders im Multiplayer fällt dann auch auf, wie sehr sich das Gameplay von seinen eigenen Wurzeln entfernt und sich in Richtung Dawn of War II oder Company of Heroes bewegt hat. Hier gilt es nämlich, bis zu fünf auf der Karte verteilte Kontrollpunkte einzunehmen, welche wiederrum Punkte auf euer Konto transferieren. Der erste Teilnehmer bzw. das erste Team, welches 2.500 Punkte erreicht, gewinnt. Durch das neue System werden die Matches, in denen maximal fünf gegen fünf Spieler antreten, vor allem eines: hektisch. Die Action findet quasi ab der ersten Minute statt, Einheiten können in Sekundenschnelle nachgebaut werden und nur, wer mit seinen Kommandeurspunkten (quasi ein von Anfang an festgelegter Ersatz für Strom und Tiberium) und dem Einheitenlimit geschickt wirtschaftet, hat in anspruchsvollen Partien eine Chance. Allzu viel Einheiten-Management muss im Übrigen nicht betrieben werden, da sich aufgrund des niedrigen Limits meist nur etwa ein Dutzend auf dem Bildschirm tummelt. Das mag zwar Freunden gepflegter Riesenarmeen sauer aufstoßen, hebt aber die taktische Komponente um einiges an. Ferner hat man endlich das Gefühl, eine einzige Einheit könne auch wirklich etwas bewirken. Wer genug von der kriegerischen Aktivität unter Menschen hat, sieht sich entweder den Skirmish-Mode an (also der Multiplayer mit KI-Gegnern) oder bestreitet gleich die gesamte Kampagne zusammen mit einem Freund. Leider sind die 14 Missionen in den meisten Fällen nicht so wirklich auf Ko-Op-Gameplay ausgelegt, im Prinzip stehen einfach nur zwei Basen nebeneinander - das hat Alarmstufe Rot 3 immerhin etwas besser gemacht. Dafür entfaltet sich hier das volle Potential, denn wer gezielt mit zwei verschiedenen Basis-Typen gemeinsam agiert, entfaltet das volle Potential seiner Armeen. Schade: auf einen LAN-Modus verzichtet Electronic Arts komplett, auch dedizierte Server werden nicht unterstützt. Begründet wird dies mit dem Level-System, weshalb auch Savegames und dergleichen zentral auf den EA-Servern gespeichert werden.
Command & Conquer 4: Tiberium Twilight

Nie hat Kanes Glatze schöner geglänzt

Nach dem erschreckend niedrig aufgelösten, dafür aber stimmungsvollen Intro von Command & Conquer zeigen sich wenigstens die sonstigen Zwischensequenzen in einer guten Bild- und Tonqualität, die deutsche Synchronisation lässt sich mit den jüngeren Serienablegern vergleichen. Grafisch legt die Sage-Engine noch einmal etwas nach, läuft auch auf älteren Rechnern noch unter hohen Einstellungen und verursachte während des Tests keine größeren Probleme in Form von Framerate-Einbrüchen und dergleichen. Die Umgebung wirkt zwar teilweise etwas trist, passt jedoch zum Endzeit-Setting und wird durch kleine Details wie herumfahrende LKWs aufgewertet. Die Hintergrundmusik… hab ich ehrlich gesagt gar nicht aktiv wahrgenommen. Das heißt zwar nichts besonders Gutes, dafür aber auch nichts abgrundtief Schlechtes. Für Achievement- bzw. Trophyhuren sei noch erwähnt, dass auch C&C 4 mit Erfolgen um sich schmeißt und bei Erringen sogar Bonus-Erfahrungspunkte verteilt. Eine Konsolenversion des Titels ist hingegen nicht in Sicht.
Command & Conquer 4: Tiberium Twilight

Untreues Finale mit vielen guten Ansätzen…

Achtung: Internetanbindung unbedingt erforderlich

Ubisoft bekommt die Prügel, Electronic Arts zieht still und heimlich nach: Auch Command & Conquer 4 erfordert eine stetige Internetverbindung, ansonsten wird das Spiel unterbrochen. Zwar kann im Prinzip noch weitergespielt werden, Erfahrungspunkte werden dann aber nicht mehr verteilt! Darüber hinaus muss man das Spiel online mit seinem EA-Konto verknüpfen, ansonsten wird es erst gar nicht starten. Das ist besonders ärgerlich, da die Möglichkeit eines Weiterverkaufs somit erst einmal wegfällt!

Kommentare

KommandantSchafhirte
  

Hab's zwar nur mal kurz bei nem Freund angezockt, aber ohne Basisbau ist es echt kein C&C mehr. Aber nachdem ich da die Nod-Kampagne fast durchgezockt hab reizt's mich so gar nicht. Da waren ja Tiberium Wars und RA3 als Generals-Aufg?sse noch interessanter. Das erste C&C das ich mir sicher nicht kaufen werd. Hoffentlich bringen sie n?chstes Mal eine Art Generals 2.

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Kampfwurst2
  

Dann schmeiss ich doch lieber wieder Dune 2 und C&C 95 auf meinen Pc.

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Wrestler#1
  

Wegen diesem onlineanbindungs-Schei?: Das Teil wurde schon geknackt. Und zwar nach dem einfachen Prinzip, dass der Server einfach emuliert wird. Also war das jetzt nicht sooo der Aufwand den Mist zu umgehen, die einzigen Leute, denen geschadet wird, sind hier die ehrlichen K?ufer.
Ganz ehrlich: Was lassen die sich noch einfallen?? Steht in der Zukunft immer ein Mitarbeiter von EA hinter einem, wenn man etwas Spielen m?chte? Etwas hirnverbrannteres als die Onlineanbindung kann ich mir n?mlich kaum vorstellen.

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Lord_Arschbacke
  

War mir irgendwie klar das es kein wirklicher Hit wird. Das letzte richtig geile CC war Gener?le. Alles dannach war nur purer Komerz ohne Seele.

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Ewoy2000
  

Ich will das Game f?r Konsolen haben.
am besten f?r die Xbox360, also los EA konvertieren und es noch besser machen.

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ENERGIE V8
  

der TOD einer legend?ren Spiele-Serie!! Schade =(

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JermaineBelgardio
  

Danke, AG. Jetzt wei? ich, dass ich mein Geld anderweitig investieren kann. Kein Basisbau = kein C&C. So einfach ist das. Das wurmt mich mehr als der alberne Kopierschutz.

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Cabal2k
  

Nach dem wirklichstarken 3. Teil mit den Scrin folgt nun dieser Murks...und das auch noch als Abschluss. EA sollte sich sch?men. Da h?tte man lieber die Serie mit 3 enden lassen sollen....

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Leader X
  

@Kit Kat und Schokotier
MUSS EUCH RECHT GEBEN, generals war super (bis auf diese usk schei?e dass man aus menschen cyborgs gemacht hat [verdammte usk]) aber EA hat C&C get?tet RA 2 war toll , super geschichte und so weiter aber der 3. war schon .... es war irgendwas die geschichte gar nicht mal soo schlecht nur gameplay und grafik sieht aus wie eine mistgeburt aus cartoon und game und tiberium war 3 war auch nicht das gelbe vom ei
die sollten anstatt den vielen teueren schauspielern das geld in den rachen zu stopfen viell mal den entwicklern mehr zur verf?gung stellen

und dass diese Hu()de auch noch die online verpflichtung miteinbauen FRECHHEIT, werds mir nicht kaufen wenns f?r die box rauskommt dann kauf ichs mir viell wegen der story aber f?r pc sicher nicht

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Kit Kat ChunkY
  

muss ich Schokotier zustimmen, Generals war damals genial, hat sich flott gespielt, super grafik gehabt und war vor allen kein simpler Aufguss der alten Teile.
C&C 3 war imo nur durchschnittlich, viele Neuerungen von Generals wurden garnicht beachtet. Das gleiche gilt f?r Red Alert 3, einfach durchschnittlich. Damals war das Erscheinen eines neuen C&C noch was besonderes, dank EA wird die Marke ausgequetscht, bis nix mehr kommt.

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