The Conduit

Hier ist er, der Wii-Messias. Die Core-Oase inmitten der Casual-Wüste. Der Beweis, dass Ego-Shooter auch auf der Nintendo-Konsole funktionieren können und in grafischer Qualität den beiden anderen Plattformen in nichts nachstehen. Mit diesem Vorschuss-Hype muss The Conduit fertig werden. Aber wer es mit einer ganzen Alien-Population aufnimmt, wird doch auch dem gewachsen sein. Oder?


The Conduit ist kein gewöhnliches Wii-Spiel. Dies hat das ehrgeizige Team von High Voltage Software stets betont. Der Shooter wurde schnell zum Prestigeobjekt hochstilisiert, der mit den alten Vorurteilen über Nintendos beliebte, aber technisch minderbemittelte Konsole aufräumen soll. Gelingt dem Spiel mit der hauseigenen Quantum3 Engine also tatsächlich der grafische Quantensprung? So gerne ich dies bejahen würde, erreicht The Conduit nur besseres Xbox-Niveau. Zwar läuft das Spiel durchweg flüssig und präsentiert ein paar nette Waffen- und Spezialeffekte, doch die Textur-Qualität kann trotz Bump Mapping oftmals nicht überzeugen und wird von ständigem Kantenflimmern flankiert. Das größte Problem habe ich aber mit der einfallslosen Art Direction. Nichts gegen eine gute Portion B-Movie-Charme, aber das ist kein Grund, auf ein derart einfallsloses Gegner- und Leveldesign zu setzen. Mutierte Monster-Insekten schaue ich mir auch in Zukunft lieber auf Klendathu an.

I wear my sunglasses at night

Wo wir gerade über trashigen Charme sprechen: Die Story von The Conduit ist Trash pur, allerdings ohne Charme. Ich glaube - und vermutlich liege ich damit gar nicht so falsch -, dass die Handlung über einen ultrageheimen Geheimagenten, eine mysteriöse Verschwörung und außerirdische Invasoren zwischen zwei Runden Pils auf einen Bierdeckel geschrieben wurde. Habe ich kürzlich die Story von Call of Juarez: Bound in Blood noch lobend hervorgehoben, holt mich High Voltage wieder auf den Boden der erzählerischen Tatsachen zurück. Richtige Zwischensequenzen gibt es übrigens auch nicht, lediglich in kurzen "Codec-"artigen Dialog-Sequenzen zwischen den Levels dürft ihr dem mediokren Voice Acting lauschen.
Weitaus mehr Sorgfalt hat man dafür bei der im Grunde auch viel wichtigeren Steuerung walten lassen. Dank vieler Konfigurationsmöglichkeiten dürfte jeder seine für ihn optimale Einstellung finden. Cursor-Sensibilität und -geschwindigkeit und sogar der "Totbereich", also die Zone, in der sich der Bildschirm nicht mit dem Fadenkreuz mit bewegt, lassen sich anpassen. Eine schnelle 180°-Drehung wurde dankenswerterweise auf einen separaten Button gelegt. Soweit ist also alles ganz wunderbar, allerdings fällt mal wieder auf, dass die Ergonomie der Wiimote einfach nicht für längere Ego-Shooter-Sessions ausgelegt ist. Mein Handgelenk hat es jedenfalls schon einmal bequemer gehabt.
The Conduit

Luke zu, Aliens tot

Ein Shooter ohne Waffen ist wie Alexander Kaphahn ohne Muskelshirt, daher gibt es davon reichlich in The Conduit. Während die Existenz von ordinären Bleispritzen wie Pistole, Schrotflinte und Maschinengewehr niemanden überraschen dürfte, gesellen sich weitere Waffen aus dem Fundus der Außerirdischen und der angesprochenen Geheimorganisation namens "Syndikat" hinzu. Solche Geräte, wie der mächtig klingende "Deatomisator" oder das organische Stoßgewehr, sehen ganz nett aus und bieten oft Gimmicks wie abprallende oder lenkbare Geschosse. Viel Taktik wird von The Conduit trotzdem nicht verlangt. Dass es doch ziemlich fordernd -ja fast schon frustig - werden kann, liegt daher nicht an der falschen Waffenkombination und noch weniger an der überschaubaren Intelligenz der Widersacher, sondern vielmehr an unfairen Respawns und dem kontinuierlichen Gegnerstrom aus Alien-Nestern und den namensgebenden Conduit-Portalen (Conduit = Rohrleitung), die so lange Viecher ausspucken, bis ihr sie per Granate oder Kugelhagel versiegen lasst. Gut möglich, dass die Entwickler damit für mehr Action und ein höheres Spieltempo sorgen wollten, die Rechnung geht aber leider nicht ganz auf. Bei einem weiteren Gameplay-Element, das euch immer wieder begegnet, kommt der McGuffin von The Conduit, die Wunderkugel namens ASA, ins Spiel.
Das ASA (Alles Sehende Auge) macht Unsichtbares sichtbar und spürt damit Geheimgänge und Kontaktpunkte, die ihr zum Öffnen von Türen aktivieren müsst, auf. Auch tückische Minenfallen und so mancher Alien verlieren dank ASA ihre Tarnung. An sich ist die Wunderkugel eine nette Idee, die dem Shooter ein paar frische Akzente verleiht, doch durch seine häufig zu forcierte und vorhersehbare Benutzung verliert das Item recht schnell an Reiz.
The Conduit

Und in der nächsten Folge sehen Sie:

Leider benötigt ihr für den Trip durch das infizierte Washington DC gerade einmal 6-8 Stunden. In dieser Zeit besucht ihr einen Flughafen, das Weiße Haus, das Pentagon und die unvermeidlichen Top-Secret-Labore mit in Konservierungsflüssigkeit schwebenden Alien-Kadavern, ohne die anscheinend kein Spiel auskommt, das sich um extraterrestische Besucher dreht. Als "Belohnung" endet The Conduit mit einem der dreistesten Cliffhanger, die mir in den letzten Jahren untergekommen sind und das Wort "Fortsetzung" gut lesbar auf der Stirn tätowiert hat.
Im Hier und Jetzt findet hingegen der Online-Multiplayer statt. Per Wi-Fi-Connection spielt ihr mit und gegen Freunde (per Code) oder den Rest der Welt. Dabei verfügt The Conduit über die üblichen Spielvarianten, variiert diese aber mit den Elementen des Hauptspiels, wie dem ASA. Die bis zu 12 Spieler dürfen sich über Wii Speak sogar miteinander unterhalten, wer keine "Voice Chat"-Möglichkeit hat, hört einfach passiv zu, welche Beleidigungen sich die Kontrahenten an den Kopf werfen. Leider konnten wir den Mehrspieler-Modus noch nicht selber antesten. Glaubt man aber denjenigen, die das bereits konnten, ist der MP von The Conduit eine wahre Wonne für alle ballerbegeisterten Wii-Spieler. Flüssige Kämpfe und motivierende Statistiken inklusive Rangaufstieg dürften den Titel auf Nintendos Konsole in eine Kategorie mit den Mehrspieler-Granaten Mario Kart und Super Smash Brothers hieven. Besonders löblich: Um jederzeit optimale Übersicht zu garantieren, lässt sich das HUD ganz nach eigenen Wünschen verschieben oder transparenter machen.
The Conduit

Alienjagd mit Luft nach oben

Kommentare

  

ich denke mal die grafik ist das beste, was die wii hinbekommt.

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Saibot
  

H?tte mich auch gewundert wenns n Halo f?r Wii geworden w?re...

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Johannes Krohn
  

Deswegen haben auch alle AreaGames-Redakteure Blindenschrift erlernt, damit sie den Anblick nicht mehr ertragen m?ssen. Jetzt sollten wir nur noch schleunigst was gegen die gr?ssliche Stimme und den ... Ach, ich will gar nicht davon anfangen.

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Alexander Kaphahn
  

... ich laufe immer nackt rum.

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Alexander Kaphahn
  

Ich habe keine Muskelshirts ...

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HLecter
  

Ein Shooter ohne Waffen ist wie Alexander Kaphahn ohne Muskelshirt, daher gibt es davon reichlich in The Conduit.

*LOL*

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