Dark Void

1984 war es noch cool, als ein Mann mit Raketenrucksack die olympischen Sommerspiele in Los Angeles eröffnete. Schon fünf Jahre später, als Disney den wirklich guten Film „Rocketeer“ ins Kino brachte, interessierte sich allerdings schon fast niemand mehr für Raketenmenschen. Wieso sollte dies im Jahr 2010 eigentlich anders sein?

Eine Welt kurz vor dem zweiten Weltkrieg, mitten drin ein gewitzter Held in Lederjacke, der sich mit Hilfe seines Jetpacks mit jeder Menge Außerirdischen anlegt und gleichzeitig noch die Frau seines Lebens retten muss. Was klingt wie die neueste Drehbuchidee von George Lucas ist die grobe Handlung von Dark Void. Wir befinden uns im Jahr 1938 als der Pilot Will bei einem Flug durch das Bermuda-Dreieck in eine Parallelwelt verschlagen wird. Hier gilt es neben der Rückkehr in die eigene Dimension, noch einige andere Probleme zu lösen: Schließlich wird die Bevölkerung von Außerirdischen Wächtern unterdrückt, die eine verdächtige Ähnlichkeit zu den Geht aus Mass Effect aufweisen. Vermutlich aber haben sich die Designer mittlerweile aus ein bestimmtest Outfit eingeschossen, das nun das Aussehen von Maschinenwesen in Spielen bestimmt. Glücklicherweise ist Will nicht ganz alleine, neben seiner Ex-Freundin trifft er auf den umtriebigen Erfinder/Bastler/Abenteuer Nikola Tesla der ihn mit technischen Gadgets unterstützt. Auffälligstes Hilfsmittel ist dabei natürlich der Raketenrucksack, mit dem sich Will jederzeit in die Luft begeben kann. Fertig ist die Ausgangslage für das erste Spiel der Airtight Studios, die sich aus vielen ehemaligen Crimson Skies Entwicklern zusammen setzt, was dem Setting durchaus anzumerken ist.

Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug?

Kurz nach seiner Strandung in der neuen Welt, machen sich Will und seine Ex auf, die Umgebung zu erkunden. Schnell treffen sie dabei auf die Maschinenwesen "Die Wächter" die scheinbar nur durch heftigen Waffenbeschuss davon abzuhalten sind, den Neuankömmlingen die Lebenskerze auszupusten. Schnell findet sich der Spieler in bereits bekannten Gefechten wieder. Mittels Tastendruck geht Will in Deckung und schiesst dann Gegner für Gegner das Servo-Öl aus den Dichtungen. Anfangs nur mit einem Maschinengewehr, später dann auch mit den Waffen der Außerirdischen die sich wie alle benutzbaren Objekte jeweils noch in drei Stufen aufrüsten lassen. Vorraussetzung ist natürlich man sammelt fleissig Orbs ein, die tote Gegner freundlicherweise hinterlassen. Nachdem man dann auf Herrn Tesla gestoßen ist, kann sich endlich der Raketenranzen umgeschnallt werden und das Spiel eröffnet die vertikale Dimension. Mittels Düsen lässt es sich frei umher fliegen und ballern, was auch schnell nötig ist, da sich Will plötzlich auch in Luftgefechten mit Ufos wiederfindet. Die können entweder durch Beschuss vom Himmel geholt werden, oder via Quicktime-Events, die immer die selbe, beim ersten Mal noch unterhaltsame, Animationsphase abspielen.
Der Wechsel zwischen Flug und Bodenaction ist dabei nahtlos. Wann immer es die Decke zulässt, kann der Spieler den Nachbrenner zünden und sich in die Luft erheben. Denn neben dem normalen Flugmodus verfügt das Jetpack auch über einen Hover-Modus, aus dem sich mit etwas Geschick auch prima die auf dem Boden befindlichen Gegner beschiessen lassen. Einige Missionen öffnen die ansonsten auch sehr lineare Ballerei etwas, so dass man durch relative große Bereiche fliegen kann und verschiede Ziele zerstören muss. Die meiste Zeit aber gilt es, eine vorgeschriebene Aufgabe zu erfüllen. Auf dem Boden ist diese Aufgabe meist sich von einem Ort zum anderen durchzuballern, in der Luft gibt es neben Zerstörungsmissionen auch die wie immer nervigen Eskortierungsaufträge. Als besondere Neuheit verkauft das Spiel die zahlreichen vertikalen Kämpfe. Hier ballert ihr euch zum Beispiel durch ein Schiffswrack, dass in senkrecht einen Abhang herunter hängt, oder kämpft euch durch das innere eines Turms nach oben. Die Mechanik ist immer die selbe: Wie auf horizontaler Eben springt ihr mittels Jetpack von Deckung zu Deckung, mit dem einzigen Unterschied, dass getroffene Gegner euch dank Schwerkraft meistens entgegen fallen. Hier heisst es dann, schnell auszuweichen. Wer erinnert sich noch an die Batman-Serie der 60er? Immer wenn in dieser Sendung Batman und Robin eine Hauswand hochkletterten, dann liefen sie in Wirklichkeit auf einer waagerechten Platte, auf die Fenster aufgemalt wurden. Das Bild wurde dann einfach gekippt. Und leider genauso fühlen sich auch die vertikalen Kämpfe in Dark Void an. Als hätte man den normalen "Deckung-Schiessen-Deckung" Kampf einfach nur um 90 Grad gedreht. Leider ergeben sich daraus keine neuen Reize und auch die Gegner sorgen nicht gerade für erhöhten Adrenalinausstoß.
Auch wenn Computer mittlerweile den Mensch im Schach schlagen können, die KI der Blechbüchsen von Dark Void ist alles anderes als Angst einflössend. So gehen die Wächter zwar in Deckung und wechseln hier auch die Position, auf die Idee den Spieler zu flankieren oder mit Granaten unter Druck zu setzen kommen sie jedoch nie. Damit mutieren die Kämpfe zu erstaunlich unspannenden Routine-Ballereien, bei denen der Spieler nie ins Schwitzen kommt. Nun will ich nicht andauernd den Uncharted 2 Vergleich bemühen, aber auch Spiele wie Gears of War 2 boten eine weitaus aggressivere und damit fordernde KI.
Dark Void

Solide Optik trifft auf bemerkenswerten Soundtrack

Das Spiel mag Ende der Dreißiger Jahre spielen, grafisch scheint das Spiel eher aus dem Jahr 2007 zu stammen. Was nicht unbedingt als Kompliment gemeint ist. Der Titel wird wie so oft von der Unreal Engine befeuert, die zwar im Fall von Dark Void recht nette Dschungellandschaften und weiträumige Luftkampfgebiete mit einigen schicken Lichteffekten auf den Bildschirm zaubert, dafür aber nur recht einfache Charaktermodelle bietet. Grafisch beeindruckend wirkt das Spiel in keinem Moment, "Wow-Momente" sucht man vergeblich. Direkt peinlich ist das Titel-Logo "Dark Void", das zu Beginn des Spiels schön mit deutlich sichtbaren Treppchenmuster auf den Bildschirm fliegt. Das größte Problem für ein Spiel wie Dark Void im Jahr 2010 sind die ganzen hübschen Spiele aus 2009. Denn wer noch die tollen Gesichtsanimationen von Nathan Drake im Kopf hat, wird sich nur mit Schwierigkeiten durch die stets etwas hölzernen Unterhaltungen von Dark Void kämpfen. Auch wenn sich die beiden Titelhelden die selbe Synchronstimme teilen, der momentan überpräsente Nolan North, der scheinbar jeden zweiten Actionhelden vertont. Zumindest im englischsprachigen Raum, denn wie immer bei Capcom liegt Dark Void nur in englischer Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln vor. Ein wahrer Lichtblick in Dark Void ist die musikalische Untermalung von Bear McCreary, der bereits den genialen Soundtrack der im vergangenen Jahr beendeten Serie Battlestar Galactica geschrieben hat, und auch hier einige sehr interessante musikalische Themen bietet, die gut zum jeweiligen Setting passen.
Dark Void

Leider kein Überflieger

Kommentare

IM Carlos
  

Capcom ist halt immer f?r ne ?berraschung gut. In dem Fall ne schlechte.

Aber die verzeih ich gern wenn sie mal wieder mit ner Game-Design-Offensive ala Capcom Five um die Ecke kommen ...

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Jägerfisch
  

Capcom hat das Problem, dass die sich auf Lorbeeren ausruhen. In den "Anfangstagen" der "Next Gen" waren Titel wie Lost Planet und Dead Rising sicher echte Knaller, weil sie versucht haben etwas neues zu bieten. Doch anstelle bei neuen Franchises auf Murks zu verzichten wird dieser Murks wieder eingebaut (Siehe Lost Planet 2 Demo). Dark Void ist da nur ein weiterer Fall von "h?tte was werden k?nnen, doch leider haben wir es nicht geregelt gekriegt."

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salasar
  

Bionic Commando war nicht der totalausfall wie er angeprangert wurde. Im gegenteil. wenn mann sich l?nger als 30 min. damit besch?ftigt hat, war es ein ganz spassiges spielchen. Um ehrlich zu sein war Bionic c. f?r mich das am meist untersch?tzte spiel 2009. Es war vielleicht nicht ganz Capcom w?rdig, aber war immernoch gut genug.

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Gaylord_M_Focker
  

Capcom hat in guten Abst?nden sowieso nachgelassen ...
ResidentEvil5
Devil May Cry 4
Lost Planet 2
sind alles gute Spiele aber nicht mehr so die dicken Dinger !

Und die werden noch schlechter , sag ich jetzt einfach mal ! ! !

Daf?r bl?ht fucking EA immer mehr auf , leider !

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Pousch
  

Dabei h?tte aber genausogut ein Hammerspiel dabei rauskommen k?nnen :-(

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Jack Scallion
  

Die ersten Bilder fand ich noch geil. Dann wurds irgendwie immer uninteressanter. Die Demo hat mir den Rest gegeben. Totalausfall.

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Finde eine 6/10 f?r den Test doch recht hoch. 5/10 w?re rationaler gewesen.

PS: War mir auch schon ab der Demo klar ^^

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Butcher78
  

Erst Bionic Commando,nun Dark Void und ich habe so ein flaues Gef?hl im Magen,was Dead Rising 2 betrifft .
Seitdem Capcom manche Titel nicht mehr selbst entwickelt,sieht es nicht mehr so rosig aus!

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beenii
  

sehr sch?ner Test, alle Achtung.
Pers?nlich kann ich dem nur zustimmen und h?tte phasenweise w?hrend des Spielens sogar nur nach einer 5/10 tendiert. Eindeutig eine Entt?uschung von Capcom.

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blueeye
  

Ich hatte Hoffnung das es was wird. Capcom tut mir fast schon leid.
Die Idee find ich gut aber die Umsetzung ist wirklich sehr langweilig. Die Demo hat mir ?berhaupt nicht zugesagt.

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