EyePet

"1. Nie dem Sonnenlicht aussetzen! 2. Nicht nass werden lassen! 3. Nicht nach Mitternacht füttern!" - So. Danke für diese Predigt, Herr Chinahändler. Jetzt ich: 1. Mein EyePet kann im Dunkeln nichts sehen! 2. Mein EyePet fängt an zu stinken, wenn ich es nicht ständig dusche! 3. Wann ist denn mal NICHT "nach Mitternacht"? Was ist das für eine Zeitangabe, "nach Mitternacht"? Neeee... lasst euch vom ähnlichen Aussehen einfach nicht täuschen. Sonys EyePets haben weniger mit den Mogwais aus Gremlins zu tun als Brüste mit Melonen. Leider machen die virtuellen Tierchen aber auch nicht halb so viel Spaß wie die kleinen Filmmonster und ihre friedliche Kuschelvariante.


Haustier ohne Tier, aber in DEINEM Haus!

"Unter Erweiterter Realität (von engl. Augmented Reality [????m?nt?d ?i?æl?ti], AR [e????]) versteht man die computergestützte Realitätswahrnehmung. Diese Information kann alle menschlichen Sinnesmodalitäten ansprechen, häufig wird jedoch unter erweiterter Realität nur die visuelle Darstellung von Informationen verstanden.", weiß Wikipedia uns im umfangreichen Artikel zu erklären. Wir machen das mal mit 'nem etwas weniger klugscheißerischen Wissenschaftston anhand von EyePet: Ihr habt ein "PlayStation 3"-Spiel. Ihr habt eine "PlayStationEye"-Kamera. Die Kamera filmt euer Zimmer, bevorzugt eine Tischplatte oder den Fußboden und zeigt den Bereich (mit Webcam-typischem Farbverblasser aber doch in ganz annehmlicher Qualität, auch auf großen HD-TVs) live auf eurem Bildschirm an. Bloß platziert das Spiel auf dem Screen ein kleines Tierchen sowie alle möglichen anderen Objekte ins Bild. So entsteht für euch dann der Eindruck als würde ein Haustier um euch herum toben, mit dem ihr (zumindest auf dem Bildschirm) durch eure Bewegungen spielen könnt. So viel zur Erklärung des Grundprinzips. Ob's in EyePet jetzt wirklich so beeindruckend funktioniert wie man es sich nach dem Absatz hier vorstellen könnte... ach, wir spoilern euch mal ganz frech mit einem NOOOOOT! Letzteres könnt ihr übrigens auch mal bei Wikipedia nachschlagen. Dann wisst ihr zumindest, wie ein Raketenforscher den Begriff beschreiben würde.
EyePet

EyeFail

Ich habe mein EyePet trotz meiner Ausführung im Einleitungstext "Gizmo" genannt, der Name ist halt einfach kultig und das Albino-Zwergkaninchen meiner Jugend (R.I.P., alter Freund) trug den Namen ebenfalls schon. Es steckt für mich also auch etwas emotionale Tradition mit drin. - Gedenkpause... ... ... und weiter im Text - Gizmos Geburt war... eine verblüffend schwere. Vor meinem geistigen Auge sehe ich viele Familien ihr EyePet-Kit wieder zurück in den Media Markt oder Saturn (was anderes kennen handelsübliche Familien bekanntlich gar nicht) tragen, weil sie es auch nach stundenlangem Herumprobieren mit ihren immer wibbeliger werdenden Kindern nicht geschafft haben, das am Anfang erscheinende Ei mit einem merkwürdigen Wärmegerät zum Schlüpfen zu bringen. Tatsächlich gehört die Brütphase zu den anstrengendsten Teilen des Spielgeschehens, da man dafür viel mehr Geduld aufbringen muss als man eigentlich erwarten würde. Es gilt, auf ein Föngerät im "Fisher Price"-Look (das Grunddesign aller Tools in EyePet) zu kloppen, denn durch wiederholtes Runderdrücken eines Hebels wird die Maschine in Gang gehalten. Nach langer, sehr, sehr langer Armübung geht die Quälgeburt mit einer Herumwipp-Aufgabe weiter, bei der man das Ei des EyePets (also das EyePet-Ei... he, he...) abwechselnd nach links und rechts schaukeln muss. Hier lernt man nach der Geduldsübung gleich die größte technische Problematik des Spiels kennen: Die Bewegungserfassung der PlayStationEye-Kamera ist alles andere als präzise und sie erfasst die Bewegungen in ihrem Blickfeld nur mit deutlicher Verzögerung. Außerdem lässt die Umsetzung des Spiels keine echte Dynamik erkennen. Im Grunde stellt die Cam nur fest, ob in einem bestimmten Sektor ihres 2D-Bildes eine ausgeprägte Bewegung stattgefunden hat und lässt EyePet dann eine vorgefertigte Animation abspielen. Echtes "Anfassen" ist demnach nicht drin. Es geht bei Interaktionen viel mehr um das "in der Nähe herumwedeln" der Hände. Macht man das allerdings zu schnell, zu langsam oder nicht exakt an der vom Spiel verlangten Stelle, wofür man auch nach Tagen kein gescheites Gefühl entwickeln kann, scheitert man. Besagte Eierschaukelübung gehört wie gesagt zu den perfekten Demonstrationen dafür, wie eine an sich extrem simple Kleinkinderaufgabe durch die technischen Defizite der Technik zum Krampf werden kann. Dass EyePet ohnehin nur bei guten bis sehr guten Lichtverhältnissen richtig funktioniert, ist dagegen verzeihbar. Immerhin dürfte so gut wie jede Kamera dieser Preisklasse in dunkleren Räumen unter schwächerer Erfassungsfähigkeit leiden. Außerdem hätte man diesem Problem, im Gegensatz zum vorher geschilderten, auf Spieldesignseite nicht wirklich entgegenwirken können. Mehr Möglichkeiten hätte es aber auf alle Fälle im Bereich noch etwas glaubwürdigerer Integration des Tieres in seine Realumgebung gegeben. Warum kann ich dem Spiel nicht mitteilen, in welche Richtung die Schatten in meinem Zimmer fallen? Weshalb wird das EyePet immer vor allen anderen Objekten im Raum dargestellt? Nicht mal meine Hand kann ich vor das Wesen halten, es erscheint auf dem Fernseher immer sichtbar davor. Hindernisse, Abgründe,... registriert das Spiel gar nicht erst, es sei denn etwas bewegt sich. Das alles mag der nicht mehr ganz so fortschrittlichen Technik der PlayStation-Kamera geschuldet sein, die in erster Linie für simple Bewegungsspiele wie EyeToy konzipiert wurde und nie in die Sphären vordringen sollte, welche z.B. Microsofts Project Natal anstrebt. So oder so raubt es aber natürlich eine Menge der Illusion, welche ein Spiel wie EyePet einfach aufbauen muss, um dauerhaft zu fesseln und nicht wie ein bemühter, aber letztendlich doch viel zu durchsichtiger Zaubertrick zu wirken.
EyePet

SingStar mit magischem Stift

Nach einem weiterhin ermüdend zähen Intro-Tutorial, in welchem ein schlechter "Harald Schmidt"-Imitator mit einem Humor die nicht-abbrechbaren Cutscenes versemmelt, der selbst Vorschüler vor Fremdscham erröten ließe, schafft es mein Gizmo aber doch noch mit ein paar charmanten Kniffen, für niedliche Unterhaltung und sogar ein paar verblüffende Momente zu sorgen. Der erste Spielspaßretter ist eine große Plastikkarte mit Griff auf der Rückseite, welche dem Spiel beiliegt. Legt man sie einfach auf den Boden, erzeugt sie ein Hologramm-Menü im Stile von "Helft mir, Obi-Wan Kenobi! Ihr seid meine letzte Hoffnung!", aus dem man alle möglichen freischaltbaren Spielzeuge auswählen kann, die dann zumeist durch die Karte kontrolliert werden. Handelt es sich dabei um ein Trampolin, entsteht es auf der Karte und man kann es durch Bewegen des greifbaren Real-Elements durch den Raum schieben. Eine Keksdose dagegen lässt sich kippen und schwenken, indem man die Karte am Griff wie gewünscht bewegt. Das klappt insgesamt ganz gut, allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem man unter Zeitdruck Geschicklichkeitsspiele damit vollbringen muss. Als erste Hürde gilt es dabei nämlich, die spiegelverkehrte Darstellung auf dem Bildschirm zu überwinden. Eine wahre Umdenkgehirnjoggingaufgabe, die manch einen Leser vielleicht an eigene Versuche erinnern könnte, sich selbst vorm Spiegel die Haare zu schneiden. Als nächstes besteht das Problem, dass die Karte nicht mehr korrekt erkannt wird, sobald man sie auf irgendeine Weise zu schräg zur Kamera ausrichtet. "Plopp", so verschwindet im Eifer des Gefechts dann plötzlich euer Werkzeug, mit dem ihr gerade eine schwierige Balance-Aufgabe vollführen sollt. Doch halt, eigentlich sollte es in diesem Abschnitt doch um die positiven Seiten des ja nun auch nicht durch und durch misslungenen Spiels gehen. Und so merke ich zu all dem an, dass EyePet fortwährend mit vielen Belohnungen für praktisch alles daherkommt, was man im Spiel so treibt. Entdeckt man eines der variantenreichen Spielzeuge zum ersten Mal, ist man immer ziemlich gespannt darauf, was sich alles damit anstellen lässt. Besonders spaßig fallen dabei der Karaokemodus sowie das Malbuch aus. Ersterer lässt euch ein vollkommen beliebig wählbares Lied vorsingen, dessen Melodie das EyePet anschließend ziemlich korrekt nachträllert. Die Zeichenfunktion kommt gleich in mehreren Varianten daher, die immer spektakulärer ausfallen. Zuerst malt ihr bloß ein eigenes Bild in der echten Welt, welches das EyePet dann auf leicht krackelige Art nachkritzelt. Dazu haltet ihr euer fertiges Werk - das genügend Platz zum Blattrand bieten und bevorzugt aus leicht erfassbaren Geometrien bestehen sollte - vor die Cam und euer Tierchen gibt dann sein bestes, es zu kopieren. Die groben Umrisse eurer Kunstwerke lassen sich dabei sogar deutlich erkennen, das EyePet fügt als Krönung noch sehr eigenwillig gewählte, unterschiedliche Farben hinzu,... nur in Sachen Liebe zum Detail lässt das Tierchen arg zu Wünschen übrig. Vielleicht laden die Ergebnisse aber auch gerade deswegen immer wieder zum Schmunzeln ein, weil man wirklich das Gefühl hat, das niedliche Wesen mit den Kulleraugen gebe sich alle Mühe. Am Ende kommt dann aber doch stets nicht mehr als das dabei raus, was man von einem niedlichen Wesen mit Kulleraugen eben erwarten würde. Oder von 'nem 3-Jährigen (woran erinnert mich das bloß die ganze Zeit...). Und das ist fast schon wieder auf amüsante Weise rührend. Der verblüffende Part folgt aber noch, denn das Spiel kann aus von euch mit echtem Stift und echtem Papier designten Autos, Flugzeugen oder sogar Robotern richtige 3D-Modelle aus frei wählbaren Materialien (Holz, Eisen, Plastik, Gummi...) und mit beweglichen Teilen (Räder, Arme, Propeller,...) erzeugen, die man dann per PlayStation-Pad durch sein Zimmer manövrieren darf. Euer EyePet jagt den "lebendig" gewordenen Kreationen dann hinterher oder setzt sich sogar drauf, um selbst damit herumzufahren, ja gar in den auf magische Weise über euch erscheinenden Himmel zu fliegen. Solch originelle Ideen sind es, bei aller spielerischen Simplizität, welche EyePet ein wenig über seine technischen Limits hinwegheben. Mein Gizmo malt ab und zu auch unaufgefordert (aka aus Langeweile) ein von mir gelehrtes Bild auf den Fußboden, ein Foto-Album zeigt meine schönsten Momente mit ihm und ich kann sogar jederzeit Videoclips aus dem Spiel heraus aufnehmen (alles leider ohne Onlinefeatures). Wenn er dann so ganz lieblich in die Kameralinse blickt, kann einem doch zwischendurch auch als Hardcorezocker mal etwas warm ums Herz werden. Schade, dass die emotionale Seite des Spiels dadurch weit hinter ihrem Potenzial bleibt, dass sich das EyePet in keiner Weise fortentwickeln kann. Es wächst nicht, wird nicht älter und... na gut, kann zum Glück auch nicht sterben. Sonst hätte es gewiss Sangria-Eimer-weise Tränen gekullert, wenn das Spiel plötzlich nach 'ner Woche Urlaub fernab der Konsole nur noch einen leicht verwesten Mini-Affe auf dem Zimmerteppich angezeigt hätte.
EyePet

Augmented oath of disclosure

Bundle-Angebot: Tier & Cam

Wer bereits eine PlayStationEye-Kamera sein Eigen nennt, braucht sich die Extraperipherie natürlich nicht doppelt zulegen. Für ihn gibt's EyePet als reine Softwareversion in der gewohnten Spielebox (recht günstige 28,95€). Neueinsteiger in der Welt des "Augmented Reality"-Spaßes können sich dagegen auch gleich das Bundle mit PS3-Cam (45,45€) holen, welches Sony ebenfalls serienmäßig im Handel anbietet.
EyePet

Kommentare

ps3hero
  

man braucht wirklich sehr gute lichtverh?ltnisse sonst wird man wahnsinnig. das schl?pfen hat bei mir ne halbe stunde gedauert, mein puls war schon auf 180 da hab ich noch ne lampe aufgestellt und siehe da es ging ... naja. egal, meine tochter findets total putzig.

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devilcry666
  

Also ich habe das spiel aber warum hast du solange gebraucht das eypet aus dem ei zu bekommen das geht doch schnell und mein sohn hat spass an dem spiel das reicht
ist wohl nicht f?r menchen mit motorischen defiziten gedacht :-)

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Lohnsklave
  

@Daniel Pook
Oh Mist, sie haben mich erwischt.

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Daniel Pook
  

@Lohnsklave
Also hast du den Test gar nicht gelesen... :(

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KING_BAZONG
  

Ob SONY da nicht ?rger bekommt, wenn man einfach so das Gesicht von Nintendo's Reggie f?r Eyepet verwendet ? ;)

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Lohnsklave
  

Nicht f?ttern, nicht waschen, nicht streicheln. Stirbt das bl?de Vieh dann von alleine? Und bleibt es auch tot, wie ein echtes Tamagotschi? Ich w?rde es mit allen Ehren hinten im Garten begraben.

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genetrik
  

Manche denken auch wirklich immer schweinisch *gg*

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lightning
  

"Nach langer, sehr, sehr langer Arm?bung geht die Qu?lgeburt mit einer Herumwipp-Aufgabe weiter, bei der man das Ei des EyePets abwechselnd nach links und rechts schaukeln muss."
Den Satz im Zusammenhang mit dem Spiel hab ich irgendwie nicht verstanden. :D

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Knöllchen
  

Mal sehen. Wenn mein Goldfisch sterben sollte, kauf ich es evtl. :B

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Daniel Pook
  

Danke, besser ist das. :)

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