G-Force: Agenten mit Biss

Mit OBEN erstrahlte zuletzt ein äußerst gelungener Animationsfilm auf den Kinoleinwänden, begleitet wurde das Werk jedoch von einem ungleich inspirationslosen und technisch veralteten Videospiel. Jetzt drehen die Disney-Studios den Spieß um: G-Force: Agenten mit Biss behandelt die Abenteuer einer streng geheimen US-Eliteeinheit - bestehend aus Meerschweinchen. Was auf Zelluloid nur mittelprächtig funktioniert, stellt sich als durchaus brauchbares Zockerfutter heraus.

Dass Forschung mit Stammzellen, Erbanlagen und anderem biologischen Gedöns durchaus mehr hervorbringen kann als Analogkäse und Vaterschaftstest im Rahmen von Talkshows wollte uns bereits Jurassic Park vorgaukeln. Jetzt legt Disney mit dem Agententrio Darwin, Blaster und Juarez - allesamt Meerschweinchen und unterstützt von einer Fliege und einem Maulwurf - nach. Jene Truppe kann dank hoch entwickelter Gadgets nicht nur sprechen und mit Ethan Hunt konkurrieren, sondern auch die Welt vor ihrem Untergang retten. Die Bedrohung geht von der Firma Saberling und ihrem machthungrigen Inhaber aus. Durch heimlich verbaute Chips in Elektrogeräten, die per Satellit aktiviert werden, mutieren selbige in angriffslustige Technikmonster. Was soll ich sagen? Die Dinosaurier von Steven Spielberg waren cooler.

Auf vier Pfoten durch drei Umgebungen

Glücklicherweise spielt die Geschichte in G-Force eine sehr untergeordnete Rolle, wird nur selten aufgegriffen und selbst dann in kürzester Kürze durchgekaut. Außerdem setzt sie erst zur Hälfte des Films an. Um zu verstehen, von welcher tödlichen Müllpresse der Maulwurf Speckles via Funkverkehr plappert, wird Vorwissen verlangt. Macht aber nix, schließlich richtet sich das Game so oder so an Fans bzw. allgemein jüngere Zielgruppen. Nichtsdestotrotz solltet ihr in diesem Fall nicht von der durchschnittlichen Lizenzgurke ausgehen, denn die Disney Interactive Studios sind ihren Mitbewerben in vielen Punkten so einiges voraus. Zuerst sei hier, da völlig offensichtlich, die Grafik genannt. Obwohl ihr die meiste Zeit durch Büroräume, Laboratorien und Fabriken schlendert, die von Natur aus ziemlich steril daherkommen, so sind immerhin nahezu alle Texturen angenehm scharf, die Framerate stets butterweich und die Gesichtsanimationen der behaarten Minischweine durchaus filmreif. Die Synchronisation der Miniaturagenten hinkt dem nur leicht hinterher und besticht auf weiten Strecken durch stimmige und professionell vertonte Textstellen. Lediglich die menschlichen Statisten wirken entweder arg wortkarg oder, wenn sie dann mal ein paar Sätze in die Runde werfen, eher gelangweilt. Apropos Langeweile, zu lange am Stück sollte man G-Force nicht zocken, denn dann fällt das repetitive Gameplay besonders ins Auge. Die meiste Zeit verbringt ihr nämlich damit, allerlei wild gewordene Haushaltsgeräte auf den Schrottplatz zu befördern. Wenigstens stehen dabei verschiedenste Waffen zur Verfügung, etwa eine Plasma-Peitsche oder ebenso energiegeladene Feuerwaffen. Sämtliche Kampfgeräte lassen sich nach dem erfolgreichen Auffinden von silbernen Disketten in puncto Feuerkraft, Munitionskapazität, etc. aufrüsten. Zumindest dann, wenn ihr im Vorfeld genügend Credits aus den überall verstreuten Kisten und Behältern ergattert habt. Besonders kostspielige Investitionen stehen nach dem Einlösen goldener Datenträger an, denn diese schalten gänzlich neue Ausrüstungsgegenstände frei.
G-Force: Agenten mit Biss

3D zum Kotzen - Billig-Pappbrille macht‘s möglich!

Bei einem Titel wie G-Force liegt bekanntlich immer die Vermutung nahe, dass es sich um Fast-Food-Ware für einen Nachmittag handelt. Weit gefehlt! Der animalische Spionagetrip ist mit sieben bis acht Stunden Spielzeit geradezu tierisch lang, auf höheren Schwierigkeitsstufen dürfen sogar nochmal ein oder zwei Stündchen draufgepackt werden. Dann hält jedoch auch der Frust schnell Einzug, an einigen Stellen verzweifeln selbst erprobte Padakrobaten angesichts hoch frequentierter Gegnerscharen. Zum Glück bilden wirklich knifflige Stellen, die gerne auch ein zweites Mal angegangen werden wollen, eher die Ausnahme. Einige Widersacher erfordern zwar eine bestimmte Angriffstaktik, farblich markierte Stellen verdeutlichen aber meist die verwundbare Stellen, ansonsten gibt der Metroid-eske Scanner den erfolgbringenden Tipp. Abseits des Kampfalltages, der zum Teil frappierend an die "Ratchet & Clank"-Serie erinnert (was an dieser Stelle kein Vorwurf sein soll), warten vor allem simple Schalterrätsel auf euch. Müsst ihr anfangs nur euer Jetpack benutzen, um überhaupt den richtigen Schalter zu erreichen, so kommt im späteren Verlauf immer öfter die nützliche Fliege Mooch zum Einsatz. Das Insekt lässt sich genauso eingängig kontrollieren wie seine "riesigen" Freunde und quetscht sich mithilfe einer Zeitlupen-Sicht sogar durch ansonsten tödliche Ventilatoren. So erreicht ihr ansonsten unpassierbare Barrieren und öffnet Türen von der anderen Seite. Ansonsten sorgen eher selten eingestreute Level, in denen ihr mit einem Hamsterrad durch die Gegend braust und Laserbarrieren ausweicht, für die (dringend!) nötige Abwechslung. Da der Kinostreifen vielerorts in 3D ausgestrahlt wird, liegt auch dem Videospiel eine solche Brille bei. Naja, zumindest so eine, die man bereits vor zehn Jahren der Fernsehzeitung entnahm, um sich eine Tierdokumentation anzusehen. Durch die veraltete Grün-Rot-Technik wirkt das Bild nicht nur deutlich unschärfer und kontrastarmer, nach kurzer Zeit sei auch ein Kotzeimer neben der heimischen Couch empfohlen. Soll heißen: Finger weg vom Marketing-Gag!
G-Force: Agenten mit Biss


Meerschweinchen = weniger Lizenzschrott

Kommentare

CallMeTürke
  

Ich Holl mir das Spiel f?r die Xbox 360

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rorschach
  

OK, danke f?r den (ehrlichen) Bericht.
Ihr k?nnt mich f?r verr?ckt halten, aber ich werde mir dieses Spiel mal f?r ein WE ausleihen.

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Neromaniac
  

sch?ner test,auch wenn ich nicht zu der K?uferschicht von G-Foce geh?re.

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Robert Buch
  

Ich kann leider nicht zu sehr ins Detail gehen, der Chef liest mit :D

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rorschach
  

Auch wenn er "Schrottspiele" zum Testen bekommt. Ich hoffe, dass sie ihn ansonsten gut behandeln. Die Azubis sind ja noch so zart und verletzlich. Wenn ich an meine Azubi-Zeit zur?ckdenke: die Latex-Kleidung, die Hand- und Fu?fesseln, die Klob?rste im ...

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Robert Buch
  

@Cuberde: Da f?ngt's dann an mit "is' ja eh nur der bl?de Azubi!" ;) :D

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Dinobot
  

@Saibot
*handhebt*
Ich liebe Meeris ?ber Alles, habe selber 2 :-)

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Cuberde
  

@den Herrn Buch: "Experte" f?r Lizenzspiele?
Warum wird dir dann nicht auch mal das testen von Titeln wie Batman AA oder Riddick geg?nnt? *g*

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Robert Buch
  

@Eisenfaust: Mehr oder weniger bin ich hier unfreiwillig freiwillig zum "Experten" f?r Lizenzspiele geworden, seitdem landen Spiele wie G-Force, Oben, Kung Fu Panda, etc. meist auf meinem Schreibtisch :D Aber hey, so sch?tzt man ein Uncharted 2 gleich wieder viel mehr!

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Eisenfaust
  

also manchmal frag ich mich schon, nach welchen kriterien und mit welchen priorit?ten ihr die spiele f?r tests aussucht. macht das echt jemand freiwillig bei euch? der praktikant nehm ich an ;) tut das nicht sehr weh, noch dazu jemandem, der sich ja doch auch leidenschaftlich und beruflich mit spielen auseinandersetzt, sowas zu testen?

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