G.I. Joe: Geheimauftrag Cobra

Stephen Sommers hatte ein eigenes Drehbuch für den dritten Teil "seiner" Mumie-Serie im Kopf, zweifelte aber daran, dass er ein ausreichendes Budget zur Realisierung des Ganzen zur Verfügung gestellt bekommen hätte. Wie gemunkelt wurde, wäre unter seiner Regie gar Rachel Weisz wieder mit dabei gewesen. Während Rob Cohen die Abenteuerreihe schließlich etwas glücklos zu ihrem wahrscheinlichen Ende führte, hatte Sommers sich längst einem neuen Projekt gewidmet: Einer modernen Verfilmung des kultigen "G.I. Joe"-Franchises. Und dank eben dieser musste ich mich nun mit einem der schlechtesten Lizenzspiele der jüngsten Zeit beschäftigen.


No, Joe!

In Europa wird die als Männer-Pendant zur Barbie (Nein, Ken zählt nicht!) konzipierte Hasbro-Figurenreihe "G.I. Joe" (Leitspruch: "Yo, Joe!") wohl genau so unbekannt sein wie die zugehörige Zeichentrickserie aus den '80ern. Letztere lehrte Kinder ihrerzeit essenzielle Regeln des Lebens (man spielt nicht mit Elektrokabeln, man klaut keine Fahrräder,...), die sie in der Vorschule verpasst hatten, als sie sich statt dorthin zu gehen lieber "G.I. Joe"-Videokassetten reinzogen. Ob es nun also an meiner Unwissenheit über das Original liegt, dass ich das Lizenzspiel zum jüngst angelaufenen Real-Kinofilm so schlecht finde? Eher nicht, denn zumindest die als Popcornkino ganz nett gewordene Leinwandadaption habe ich vor dem Spielen sehen können und zu dem Zeitpunkt dachte ich auch noch "Hey, im Prinzip wirkt der Streifen eher wie ein Actiongame, das versucht einen auf Film zu machen!". Jetzt ist es bei der tatsächlichen Versoftung allerdings eher so, dass ich sage: "WTF is this SHIT?!". Das Grundkriterium passabler bis schlechter Spiele-Adaptionen erfüllt Geheimauftrag Cobra gleich von Beginn an mit Ehrenauszeichnung für besonders schwache Leistung: Es verzichtet fast gänzlich auf packende Story-Präsentation (Warum auch, basiert ja laut Titel und Packung nur alles auf 'nem Film...) und quält uns stattdessen mit uninspirierten Menüs sowie langweiligen Textdialogen im Stile der "Metal Gear"-Funksprüche. Bloß ohne atmosphärisches Script und mit schlecht aufgelegten Sprechern (Double-FAIL!). Die rudimentären "klotziger Gegner betritt starr gehend das nächste Areal"-Ingamecutscenes machen alles eigentlich nur noch schlimmer, sie dürfen bei einem schlechten Lizenzspiel aber natürlich auch nicht fehlen. Ihr seht schon jetzt, wie konsequent sich die Entwickler Double Helix an die "Große Fibel des Adaptionsverkackens" gehalten haben. Fast schon Bemerkenswert. Blöd nur für all jene, die bisher noch keinen Kontakt mit G.I. Joe hatten und im Spiel über Figuren sowie Geschehnisse - bis auf dröge Minimalistensteckbriefe - nahezu komplett im Unklaren gelassen werden. Doch selbst wer sich den Realstreifen im Kino angesehen hat erkennt mangels Erzählstruktur nur wenige Ansätze einer Art von Handlung, der man in irgendeiner Hinsicht folgen könnte... geschweige denn folgen möchte. Im Zweifelsfalle ist das aber kein Problem für einen flotten Arcade-Shooter im Contra-Stil, in modernen 3D-Umgebungen, mit packend designten Stages und wahren Bossfight-Erlebnissen. Kein Problem für so ein Spiel, ehrlich, es kann dann trotzdem saugut sein. Nur ist Geheimauftrag Cobra in keinster Weise solch ein Spiel.
G.I. Joe: Geheimauftrag Cobra

ABSOLUTELY NO, Joe!

Das "G.I. Joe"-Lizenzspiel schafft es tatsächlich, ein seit mehreren Hardwaregenerationen immer wieder gelungen umgesetztes, ziemlich simples aber - richtig ausgeführt - hocheffektives Spielprinzi Bestandteil für Bestandteil zu demontieren. Ohne jegliche Kontrolle über die Kamera - welche sich ständig vordefiniert, ohne Bezug zum Geschehen auf einzelne Punkte in der Kulisse fixiert und sich dazu andauernd genötigt fühlt, unvorteilhafte Drehmanöver oder auch plötzliche Seitenwechsel durchzuführen - ist es verdammt schwer, das Essenziellste eines Shooters längere Zeit am Stück problemlos zu vollführen: Seine Joes wenigstens mal eine Minute lang zielgerichtet geradeaus laufen zu lassen. Denn wo ist "geradeaus", wenn die Perspektive eure Spielwelt ununterbrochen durcheinanderwirbelt und die zum "geradeaus"-Laufen benötigte Stickrichtung so andauernd verändert wird? Im Vehikel macht das Ganze dann natürlich noch viel mehr nicht-Spaß und dann hätten wir da ja noch das Zielsystem. Entschuldigt bitte die paradox klingende Frage, aber wie kann man denn bitteschön eine automatische Zielaufschaltung dermaßen versieben? Wie kann man sie überhaupt versieben?! Was eigentlich alles einfacher machen sollte, macht es in der Praxis bei G.I. Joe jedenfalls viel, viel schwerer, weil es keinerlei Prioritätensystem zu geben scheint. Drei stupide herumballernde aber schwerbewaffnete Cobras vor euch? Eure Waffe ist auf ein nach langem Beschuss zerstörbares, aber von sich aus natürlich komplett ungefährliches, Gebäude gerichtet. Auge in Auge mit einem Panzer-Endgegner? Eure Spezialgranaten knacken eine auch ganz normal einsammelbare Bonuspunktekiste, statt wie geplant in Luke 2 des Bosses zu verschwinden. Die kaputte Kamera dreht sich so, dass Feinde im nicht sichtbaren Feld hinter euch stehen und euch 'ne kostenlose, aber tödliche, Kugelmassage über den kompletten Rücken verpassen? Liegt wohl nicht mehr im Zuständigkeitsbereich der Zielautomatik, da will das Spiel dann auch keinen Ärger mit der Gewerkschaft provozieren und lässt euch elendig verrecken. Klugsche... Handbuchleser und Tutorialspieler werden gewiss um die Funktion wissen, dass man mit dem rechten Ministick manuell durch alle sichtbaren Ziele auf dem Schirm schalten kann. Fein, nur ist das Feature von Herzen für den Dreck! Eure paar in offenem Feuer blitzschnell weggeschmolzenen Healthpoints zwingen euch, ständig in Deckung zu gehen. Die zerstörbaren Deckungen zwingen euch wiederum dazu, ständig von Deckung zu Deckung zu gehen. Wann immer ihr das tut, resetet sich euer Zielsystem wieder in den automatischen Zustand. Also den in jeder aktuellen Situation denkbar Dämlichsten. Dass "in Deckung gehen" und "Hechtsprungrolle machen" auf derselben Taste liegen, sorgt ganz nebenbei gesagt für eine ungewollte Katastrophe nach der anderen. Der niedrigste Schwierigkeitsgrad erlaubt zwar unendlich Tode (anstatt euch bei jedem Ableben das KOMPLETTE LEVEL neu spielen zu lassen, so wie es auf den anderen Stufen der Fall ist), das sollte man aber eher als lebenserhaltende Notmaßnahme für G.I. Joe: Geheimauftrag Cobra verstehen. Wer sich das Game, aus welchen verzweifelten Gründen auch immer, zugelegt hat... kann es so wenigstens ohne Glück und Dauerversuchen durchspielen. Und ist selbst dann irgendwie 'ne arme Sau, weil er so selbstpeinigend mit seiner kostbaren Lebenszeit umgeht.
G.I. Joe: Geheimauftrag Cobra

Kommentare

xXDonReneXx
  

H?tte Cabal seine Aussage so begr?ndet, wie du gerade in deinem Kurzreview w?r die Sache so sch?n friedlich abgelaufen... Es geht doch ;)
Auf jeden Fall danke f?r die zweite Meinung, vllt. mal ausleihen oder irgenwann mal Grabbeltisch :)

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Arabikum
  

Nachdem ich unseren Areagamestestern zumindest bei Verrissen nie so ganz ?ber den Weg traue und als Uralt-Gamer ein Faible f?r einfach gestrickte Arcade-Shooter habe, habe ich GI Joe ausgeliehen und siehe da, das Spiel macht richtig Spa? ? vor allem im Ko-Op! Nat?rlich ist die Kamera stellenweise unterirdisch, die Grafik ?berschaubar und die Zielautomatik manchmal ein Witz, das alles mindert aber kaum den Spielspass. GI-Joe ist erfreulicherweise total simpel gestrickt und es wird schlichtweg geballert, dass die Socke qualmt. Auch die Cutscenes beschr?nken sich auf das Notwendige und hindern so den Spielfluss nicht. St?ndig fliegt in diesem Spiel irgendwas in die Luft, Goodies, Multiplikatoren und Ammo f?r Sekund?rwaffen k?nnen eingesammelt, Bonuslevel und Zusatzcharaktere k?nnen freigeschaltet werden und nach dem Abschlie?en des Levels gibt es erfolgsabh?ngig noch mal Zusatzpunkte, mit denen gefundene Joes freigeschaltet werden k?nnen. Eine gro?artige Story braucht das Spiel auch nicht ? wof?r auch?

Die Steuerung der Fahrzeuge ist etwas hakelig, aber im Prinzip ok, denn diese folgt immer dem Prinzip: Stick vorw?rts = vorw?rts, Stick zur?ck = zur?ck. Auch mit dem Deckungsfeature hatte ich wenig Probleme.

Bei allen durchaus vorhandenen technischen Unzul?nglichkeiten macht das Spiel ? gerade zu Zweit ? richtig Laune. Voraussetzung ist, dass man auf reichlich hirnlose Arcade-Unterhaltung abf?hrt und keine gesteigerten Anspr?che an Grafik- oder Storyelemente stellt! Meine Wertung 6/10.

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ericflash
  

:-)
Stimmt auch wieder Daniel.

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Daniel Pook
  

Und das ehrt ihn im Nachhinein doch noch etwas. Es ist absolut ok, wenn er AreaGames nicht (mehr) mag. Sein Standpunkt ist allen klar geworden und wenn er wirklich der erwachsene, vern?nftige, geistig ?berlegene Leser ist, als der er sich selbst offenbar f?hlt, wird er dem eigentlich nur mit stillem Fernbleiben von dieser Seite gerecht. Um so besser f?r alle anderen hier und so ist jeder wohl am gl?cklichsten.

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ericflash
  

W?re interessant was Cabal dazu meint.? Irgendwie liest man nichts mehr von Ihm.

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Daniel Pook
  

Unsere Tests sind gro?e Fazitk?sten ohne den Anspruch alle Infos ?ber ein Spiel zu liefern. Sie sollen nur die Meinung des Redakteurs klarmachen, das ist unser Konzept. Wir wollen gar kein IGN oder so sein, darum empfehle ich allen auch grundlegend immer gerne deren Reviews erg?nzend ebenfalls zu lesen. Alleine schon um mehrere Meinungen zu sammeln.

Kritik, Tipps und Verbesserungsw?nsche sind bei uns immer willkommen und erlaubt ist schon mal fast alles (hier hat ja auch keiner Kommentare gel?scht, wir gehen da wenn m?glich immer den Weg der direkten Kommunikation). Hier wurde aber mal wieder etwas durcheinander geworfen. Die Endwertung und Kritikpunkte am Spiel sind meine Meinung, die haben nichts mit dem Schreibstil oder meiner Herangehensweise beim Testen zu tun. Wenn jemand ein Spiel besser oder schlechter sieht als der jeweilige Redakteur, ist es immer etwas arm, den Text oder den Tester f?r seine freie Meinungs?u?erung anzugehen. Cabal neigte dann auch gleich dazu, seine offenbar komplette Unzufriedenheit mit unserem Angebot dadurch zu ?u?ern, dass er unsere Leserschaft allgemein difarmiert. Bei dem was er auch im ersten Posting schon geschrieben hat, kann man sich doch ganz ehrlich nur fragen, warum er dann bei uns ?berhaupt Artikel liest und Videos schaut.

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Arabikum
  

Die ?usserungen von cabal wegen geistiger Reife finde ich auch Panne. Auch wenn man angezickt ist, kann man hier nicht pauschal alle User verunglimpfen. In seinem urspr?nglichen Post hat er aber im Grunde doch nur gesagt, dass das Review eigentlich nicht wirklich ein Review ist, womit er ja recht hat, da man ?ber das Game selbst so gut wie nix erf?hrt. Ich pers?nlich finde die Schreibe von Daniel auch witzig und finde, man kann auch den Wertungskasten ohne zus?tzliche Ironiezeichen verstehen. Ausserdem sollte man nicht alles so ernst nehmen.

Aber etwas mehr Hintergrundinfo zum Game h?tte es dann doch sein d?rfen. Dass die abschlie?ende Wertung offenbar auch damit zu tun hatte, dass der Reviewer - aus nahe liegenden Gr?nden - gerade keinen Bock auf das Spiel gehabt hat, daran muss man sich auf Areagames halt gew?hnen?

Aber f?r die Nachschau tut es ja auch ign.com. Da werden auch die beknacktesten Games noch fachgerecht reviewt, so dass man in der Lage ist, sich selbst ein Bild zu machen. Das funktioniert bei Daniels Beitrag ?berhaupt nicht.

Mich beginnt es nur zu st?ren, wenn Kritik an den Reviews pl?tzlich nicht mehr erlaubt ist, ohne selbst eine Gegendarstellung schreiben zu m?ssen. Da solltest Du auch nicht so empfindlich reagieren, Daniel.

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Zort85
  

Scheinbar steht cabal2k mehr auf Tests von Redakteuren die sich von Atari beeindrucken lassen und dann einem Titel doch eine bessere Bewertung geben als dieser verdient h?tte. Man muss bei einem Test immer ber?cksichtigen, dass es sich dabei um die subjektive Meinung des Testers handelt. Dieser versucht objektiv zu sein, doch bei diesem Vorhaben ist der Mensch generell zu scheitern verurteilt.

Es ist auch ?beraus traurig, wie hier ein User versucht der kompletten Community die geistige Reife sowie die Bildung abzusprechen. Sofern auf deiner Seite, lieber cabal2k, eine h?here geistige Reife oder ein h?herer Bildungsgrad vorliegen w?rde, so w?rest du in der Lage die Sache zu reflektieren. Du w?rdest dich nicht gen?tigt f?hlen einen Krieg auf kleingeistiger Flamme zu er?ffnen. Das die Redakteure von AreaGames sich von den Mitarbeitern kostenpflichtiger Publikationen abheben beweisen sie, da sie sich um deine Beschwerde unmittelbar und direkt k?mmern. Akzeptiere es und erfreue dich an den Dingen die du hier f?r dich pers?nlich positiv findest und sofern diese, wie der Mathematiker sagt, "gegen null gehen" dann lass die Community hinter dich und versuche dein Gl?ck woanders zu finden.

@Daniel: Dein Test wie immer einfach nur lustig!

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ericflash
  

@Topic
Guter Test zu einem Sch... Spiel zu einem miesen Film.

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ericflash
  

@cabal2k Update
Suche dir eine Freundin, gehe mal aus dem Haus, und wenn m?glich zum n?chsten Post, oder was auch immer f?r einen Shop, um deinen Internetanschluss zu k?ndigen. Dann brauchen wir deine Posts hier wenigstens nicht mehr zu lesen. Hier bei Areagames k?mmern sich die Autoren wenigstens auch noch um die Belange/W?nsche/Anregungen der User/Community. Ich bin jetzt schon seit Areaxbox Zeiten dabei und finde den Stil der Tests immer wieder erfrischend.

Ps.: Wie ging das Lied von Mieke Krause nochmal......irgendwas mit Zuhause

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