Indiana Jones und der Stab der Könige

Gehört ihr auch zu denjenigen, die sich jahrelang auf den vierten Indiana-Jones-Film gefreut haben und dann völlig enttäuscht aus der Vorstellung von „Das Königreich des Kristallschädels“ rausgetaumelt sind, weil der Film nichts von dem, was die Filme früher ausgezeichnet hat, dafür aber reihenweise Fremdschäm-Material bietet? Wollt ihr Indiana Jones' Ehre retten und ihm zu altem Glanz verhelfen? Die schlimmen zwei Stunden im Kinosessel vergessen machen? Dann tut euch einen Gefallen und spielt NICHT Indiana Jones und der Stab der Könige.

Könnt ihr euch noch daran erinnern, wie Anfang 2006 ein Indy-Spiel der nächsten Generation präsentiert wurde, das bei seiner Demonstration eindrucksvoll von der damals brandneuen Euphoria Engine Gebrauch machte? Zunächst wurde es schnell verdächtig still um das Projekt, das dann lange Zeit später wieder auftauchte und plötzlich zu einem Titel geworden war, der ausdrücklich nicht auf den "Next Gen"-Konsolen erscheint und mit der ursprünglichen Vision der Designer nicht mehr viel zu tun haben dürfte. Über Ursachen und Gründe für diesen Wandel kann viel spekuliert werden; Fakt ist, dass LucasArts sich selbst, uns und Indy damit keinen Gefallen getan haben.

Jäger des verlorenen Schlafmittels

Die ersten Spielminuten des Abenteuers, das Dr. Jones (natürlich) rund um den Globus führt, um (natürlich) ein legendäres Artefakt zu finden, wirken wie eine Kopie des berühmten Auftakts von "Jäger des verlorenen Schatzes". Leider müsst ihr hier aber auch selbst aktiv werden und erlebt zwei Elemente, die gleich verdeutlichen, mit was für einer Art von Produkt man es hier zu tun hat. Da wäre zum einen die ungenaue, nur mit deutlicher Verzögerung reagierende Steuerung, die schon simple Peitschenhiebe zur Qual werden lässt. Man hat gar nicht den Eindruck, dass diese richtig im Spiel integriert sind, vielmehr kam es mir oft so vor, als würde nach Rütteln der Wiimote stets ein "Dragon's Lair"-artiges Filmchen abgespult werden, dessen Lauf ich mit nichts beeinflussen kann. Das Zweite sind die l-a-n-g-s-a-m-e-n Tutorial-Erläuterungen von Harrison Fords Synchronstimme Wolfgang Pampel, der sich so anhört, als hätte er sein Frühstücks-Ei nicht mit Salz, sondern mit Valium gewürzt. Die Textboxen lassen sich nicht wegklicken und erklären minutiös jedes noch so kleine Detail. Das war vor allem an einer Stelle "lustig", an der ich zunächst eine lange Anweisung über mich ergehen lassen musste, trotzdem das Zeitliche segnete und mir den ganzen Mist dann noch einmal anhören durfte. Nun sind solche Tutorials nicht allein "Indiana Jones und der Stab der Könige" anzulasten, aber ich kann allen Designern nur raten, mal einen Blick auf Prototype zu werfen. SO fängt man ein Spiel an. Während ihr euch mit Pampels Nachhilfestunde aber nur zu Beginn rumschlagen müsst, verfolgt euch die zähe Steuerung bis zum bitteren Ende. Dabei klingt das Gameplay auf dem Papier gar nicht mal schlecht. Indy kann Gegner konventionell mit seinen Fäusten verdreschen, Gegenstände aufsammeln und benutzen oder mit der Umgebung interagieren, in dem er einen Schurken durch Glastische oder gegen Wände schmettert. Meistens kommt freilich die Bullenpeitsche zum Einsatz, mit der sich Widersacher entwaffnen oder von den Beinen holen lassen. Auch könnt ihr sie damit unter Gerüsten und ähnlichem begraben. Leider spielt sich das alles dann so undynamisch und schwerfällig, als hätte man Indy und seine Feinde vorher mit fettigen Käsepizzen bis zur Antriebslosigkeit gemästet. Zudem erkennt das Spiel Kommandos immer wieder mal nicht, die kontextsensitiven Zonen funktionieren häufig nur durch Zufall. Im Zusammenspiel mit den holprigen und ungelenken Animationen ergibt das einen Spielablauf, der eher an Slapstick als an aufregend choreografierte Kämpfe erinnert. Da wünscht man sich, die Gegner wie in der der Marktplatz-Szene im ersten Film einfach umpusten zu können.
Indiana Jones und der Stab der K?nige

Affenhirn auf Eis

Indiana Jones scheint sich aber an einen uns unbekannten Kodex zu halten und benutzt seine Waffe nur in speziell dafür vorgesehenen Abschnitten. Vermutlich, weil die Designer einen Grund dafür brauchten, noch ein Cover-System ins Spiel einbauen zu können. Einfach, weil man das heute so macht. Der smarte Archäologe kauert sich in diesen Situationen in schützende Deckung und fragt sich, warum er seinen Revolver eigentlich nicht öfter einsetzen kann, wo er doch schon einen unerschöpflichen Munitionsvorrat mit sich herum trägt. Wie am Schießstand auf der Kirmes tauchen die Gegner im festen Rhythmus hinter ihrer Deckung hervor und lassen sich meistens bereitwillig abknallen. Andere Burschen kann man hingegen nur bezwingen, wenn man sich die Umgebung zu Nutze macht; direkte Treffer sind hier ein Ding der Unmöglichkeit. Diese Baller-Sequenzen steuern sich auch nicht besser als der Rest, was ebenso für die verschiedenen Fahrzeug-Einlagen gilt. Komisch, dass selbst das mittlerweile sechs Jahre alte "Indiana Jones und die Legende der Kaisergruft" vieles besser gemacht hat. Immerhin befindet sich die Grafik in etwa auf dem gleichen Niveau von damals. Der Sound ist dafür ganz erträglich (nicht zuletzt durch John Williams unsterbliches Titel-Theme), kommt aber nicht ohne Ton-Aussetzer oder merkwürdige -Loops aus. Ein langes Gesicht machte ich auch beim Anblick des Koop-Modus. Anstatt mit Henry Jones Senior im Schlepptau eine richtige Kampagne angehen zu können, beschränkt sich das Zusammenspiel auf acht lose verbundene Mini-Kapitel.
Indiana Jones und der Stab der K?nige

Ich verkaufe diese tollen Lederjacken

Dafür versteckt sich unter den Extras ein echtes Highlight. Sobald ihr das erste Kapitel des Storymodus' absolviert habt, könnt ihr auf Hal Barwoods und Noah Falsteins Adventure-Klassiker "Indiana Jones and the Fate of Atlantis" (oder wie es doof eingedeutscht heißt: "Das Schicksal Atlantis'") spielen. Das auf der SCUMM-Engine basierende "Point and Click"-Adventure stammt aus dem Jahr 1992, wurde 1:1 emuliert und hat nichts von seinem Charme und seiner Klasse verloren. Mit dem hübschen Rotschopf Sophia Hapgood an der Seite, begibt sich Indy auf die Suche nach dem verschollenen Reich von Atlantis und knobelt sich den Hirnschmalz weich. Durch seine witzigen Dialog-Optionen und drei verschiedene Story-Pfade bietet die Retro-Perle mehr Wiederspielwert als die moderne Wii-Schatzsuche des Dr. Jones. Die Steuerung funktioniert zufriedenstellend, auch wenn sie natürlich nicht die Präzision einer Maus bieten kann. Allerdings lässt sich Fate of Atlantis auch auf anderen Wegen und vor allem billiger spielen. Dafür muss man nicht soweit gehen und das Beiwerk in Kauf nehmen.
Indiana Jones und der Stab der K?nige

Meine Wahl war.... schlecht.

Kommentare

Superfly71
  

Wie hier schon gesagt wurde: Es war klar, da? das Spiel Mist wird. Wieso sonst sollten die Entwickler einen absoluten Adventure-Klassiker einfach so kostenlos mit dazu geben, f?r den sie auf den diversen Marktpl?tzen sicher ordentlich Geld bekommen h?tten?

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BoeserAffe
  

Echt schade wolte es mir eigentlich mal kaufen aber nach der Wertung.
Naja vieleicht mal ausleihen aus der Videothek

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seigi
  

Ist den Fate of Atlantis die CD ROM Edition oder nur die simple Disketten Version?

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CeeKay
  

Mich gruselt es wenn ich sehe was LucasArts f?r Qualit?tsanspr?che hat... Das Unternehmen ist seit Mitte der 90iger nicht mehr das was es mal war.

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Das war so klar, dass das Spiel schlecht wird ...

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kalumet72
  

gegen den Klassiker schmiert der "Stab der K?nige" geh?rig ab.

da sieht man mal, was f?r geile spiele schon vor ?ber 15 jahren programmiert wurden!

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Ben Man
  

schei? Steuerung, miese Technik, antiquiertes Gameplay...also alles Wii-immer ;-)

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sunnywusch
  

naja, f?r wii spieler ist das game ja schon fast ein hit ;)

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Tim Hopmann
  

@bikvik: Das stimmt nicht. Fate of Atlantis wird freigeschaltet, sobald man einen sog. Erfolg im Spiel erzielt hat, was in diesem Fall bedeutet, einfach das erste Kapitel durchgespielt zu haben. Steht aber auch im Text.

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bikvik
  

Deutlich besser nicht unbedingt aber besser ;)

@topic: Ihr f?hrt Fate of Atlantis als pluspunkt auf aber ihr vergesst das man das game erst durchspielen muss um Atlantis ?berhaupt starten zu k?nnen. Das spiel ist so crap pur xD

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