Little King's Story

König sein, einen eigenen Hofstaat besitzen und der Bigamie frönen – wer hat davon (zumindest heimlich) noch nicht geträumt? Lästige Steuern wären ebenso Vergangenheit wie Schlangen an der Supermarktkasse und ausgebuchte Tische im Lieblingsrestaurant. In Yasuhiro Wadas Little King's Story geht dieser Traum in Erfüllung: Als kleiner Knirps besteigt ihr den Thron eures eigenen Königreichs. Doch auch als frischgebackener Monarch erwartet euch jede Menge Arbeit.


Wenn ich König von Alpoko wär...

Ein Hoch auf die Neugier: Nachdem der kindliche Held ein paar Ratten in einen düsteren Tunnel folgt, findet er sich plötzlich in einer märchenhaften Welt wieder, die wie von Wachsmalstiften erschaffen aussieht. In einer Lichtung befindet sich eine goldene Krone, die einfach zu verlockend aussieht, um sie dort einfach liegen zu lassen. Nach der Selbstkrönung werdet ihr sogleich von eurem künftigen Hofritter Hauser als rechtmäßiger und auserwählter Thronfolger des Königreichs Alpoko erkannt. Ein Leben in Saus und Braus beginnt. Oder etwa nicht? Eher nicht, denn bei eurer Ankunft besteht Alpoko lediglich aus einer verfallenen Bruchbude, für die die Bezeichnung 'Palast' äußerst schmeichelhaft ist, sowie ein paar arbeitslosen Eingeborenen, die gelangweilt in den Tag hinein leben. Ganz oben auf der Agenda des Kindkönigs liegt daher nun die Ausdehnung des Territoriums und die Vollbeschäftigung seiner Bewohner. Kapitalismus und Imperialismus machen auch vor zuckersüßen Fantasy-Welten keinen Halt. Fortan entwickelt sich ein faszinierender Genre-Mix aus Rollenspiel, Echtzeit-Strategie und Aufbausimulation, bei dem die Räder der verschiedenen Inspirationsquellen nahtlos ineinander greifen.
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Mein Reich komme

Um zu expandieren, braucht das Reich zunächst einmal gefüllte Schatzkammern. Zum Glück kann in Alpoko fast alles zu Geld gemacht werden. Gras, Pilze, Holz und geborgene Schätze füllen die Kasse und erlauben es euch, Häuser und Arbeitsplätze zu schaffen. In Kasernen könnt ihr euer faules Volk in Windeseile zu Knappen ausbilden, ein Heim für Handwerker macht aus vormals Arbeitslosen eifrige Zimmermänner und -frauen, Bauer bestellen die Felder und sorgen für reiche Ernte. Nur wer seine Untertanen ausbildet, wird neue Gebiete erschließen und erobern können, denn Handwerker bauen Brücken und Treppen, Holzfäller beseitigen störendes Geäst, Soldaten schützen ihren König vor den in der Wildnis lauernden Monstern. Daher müsst ihr stets darauf achten, die richtige Kombination von Personal im Schlepptau zu haben, wenn es auf Reisen geht. Habt ihr ein unbekanntes Gebiet erschlossen, meist nach einem Kampf gegen ein besonders großes Unding, lassen sich hier fortan neue Gebäude errichten, die ihrerseits für neue Berufsklassen und einem Zuwachs in der Bevölkerung sorgen. Auch die eigene Leibgarde wird immer mächtiger. Während ihr am Anfang nur eine handvoll Mitstreiter rekrutieren könnt, kommandiert ihr später ein kleine Armee wuseliger Schergen. Auf dem Bildschirm lässt sich auf Knopfdruck anzeigen, mit welchen Objekten interagiert werden kann. Schickt ihr eure Gefolgschaft los, werden sie sich ohne zu zögern darum kümmern, egal, ob es sich um das Graben eines Lochs oder den Kampf mit einer untoten Kuh handelt. In den Scharmützeln ist Taktik gefragt. Positioniert eure Truppen so, dass Schützen aus der Distanz attackieren können, während sich die Nahkämpfer frontal auf die Biester stürzen. Oder ihr nutzt die Fähigkeiten eurer weniger kampferprobten Schützlinge, um die Widersacher zu umgehen. Gerade in den Kämpfen stört leider oft die Unübersichtlichkeit. Es ist schwer auszumachen, welchen Untertanen ihr gerade ausgewählt habt, oder wie viel Lebensenergie sie noch besitzen. Auch beim Zug durch die Landschaft passiert es oft, dass jemand an Ecken und Kanten hängen bleibt oder von einem Plateau fällt. Manchmal wäre es leichter, einen Sack Flöhe zu hüten, als die Leibgarde des Königs von Alpoko.
Little King\'s Story

King of Kings

Zwar lernt ihr im Spielverlauf neue Marschformationen, die besseres Ausweichen oder den intensiven Schutz des Herrschers ermöglichen, dennoch sollte die Bonbon-Optik nicht darüber hinweg täuschen, dass Little King's Story ziemlich knackig werden kann. Denn die Laufwege sind gerade zu Beginn lang und gespeichert werden darf nur im heimischen Bett. Das ständige Respawnen der Gegner leistet einen weiteren Beitrag zum nicht seltenen Massensterben unter euren Ergebenen. Zum Glück sind getötete Untertanen am nächsten Tag wieder putzmunter. Bis zur absoluten Herrschaft ist es ein weiter Weg, denn wie eure Berater bald entsetzt feststellen müssen, gibt es auf der Weltkarte noch weitere Königreiche, die ihr unterwerfen müsst. Wer darüber hinaus noch die vielen Nebenaufgaben erledigt, die sich in der Petitionskiste im Schloss sammeln, seinen Palast neu einrichtet, oder die Prinzessinen bei Laune hält, ist mit Little King's Story viele, viele Stunden beschäftigt. Der kuriose Eintopf aus Spielen wie Pikmin, Harvest Moon, Overlord, Final Fantasy oder Zelda beginnt recht zäh und hat seine Durststrecken, gewinnt euch mit Charme und Witz aber jederzeit zurück. Da sämtliche Untertanen einen Namen besitzen, wuchs mir vor allem meine treue Leibgarde schnell ans Herz und ich begann sogar, einzelne Mitglieder hervorzuheben ("nicht zurückbleiben Sebastian", "gut gemacht Romina"...). Und das, obwohl ich normalerweise vor sämtlichen Spielen zurückschrecke, deren Charaktere Wasserköpfe besitzen und den Zuckerguss-Faktor von Little King's Story haben. Neben der kunterbunten Optik trägt auch die Musik viel zur Stimmung bei, die sich ausschließlich aus klassischen Stücken von Komponisten wie Ravel, Grieg oder Beethoven zusammen setzt und von Komponistin Yoko Shinomura (Kingdom Hearts) neu arrangiert wurde.
Little King\'s Story

Pfiffiger Genremix im Bonbon-Look

Kommentare

Daniel Pook
  

Und was soll an einer 80% so schlecht sein?

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z101
  

Das Spiel ist Spitzenklasse. Schl?gt sich sogar mal in den Wertungen nieder, im Schnitt 88% laut metacritics.com, wobei nur mal wieder die ?blichen Verd?chtigen (Wii-Hasser) wie eurogamer das Spiel mit 80% abgewertet haben.

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RaPe
  

F?r mich ein K.O. Kriterium, dass man zwischendurch nicht abspeichern kann. Gegner die respawnen sind auch nicht mein Fall.

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Cuberde
  

Hm, scheint ein charmantes Spiel zu sein. Und f?hrt auch noch Top-Wertungen ein. Werd ich mir mal vormerken. ^^

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