Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft und der Wintersportsaison schickt Sega abermals große Namen in den sportlichen Wettstreit, damit wir gar nicht erst nach draußen gehen müssen. Sind die Jump’n run-Legenden fit fürs Schneegestöber oder müsst ihr doch Schlittschuhe und Snowboard aus dem Schrank kramen?

Normalerweise haben die Abenteuer von Mario und Sonic wenig mit olympischen Sportsgeist zu tun, geht es doch häufig um nicht weniger als die Rettung der Welt. Ein Umstand der bezeugt das die Erzfeinde Bowser und Dr. Eggman schlicht verdammt böse sind. Wie kann man sich mit solchen Banausen nur zu sozialen Großereignissen treffen, ohne sich gleich an die Gurgel zu gehen? Eine Frage, deren Antwort sowohl Nintendo als auch Sega schon seit Jahren für sich behalten, schließlich gab es derartig außergewöhnliche Zusammenkünfte schon erklärungslos in diversen Renn- und Sportspielablegern der beliebten Franchises. Nach den leichtathletischen Ertüchtigungen vor ca. zwei Jahren, geht es nun ins verschneite Vancouver, um sich erstmalig in typischen (und untypischen) Wintersportdisziplinen zu messen.

Traumhaftes Spiel?

Da die Entwickler keine Zeit mit unnötigem Logik-Firlefanz verschwenden, will ich das auch nicht tun. Abgesehen von seiner soliden visuellen Darbietung, die ansehnlich, aber wenig aufwendig daherkommt und leider nicht ansatzweise den klaren, stimmungsvollen Look eines Klonoa oder Super Mario Galaxy erreicht, welchen man nach dem schicken Renderintro erwarten könnte und der passablen Soundkulisse, die entsprechend bunte Melodien, sowie ein paar lizenzierte Musikstücke parat hält, aber bei der Sprachausgabe mal wieder auf Sparflamme läuft und den 20 spielbaren Charakteren jeweils nur zwei Sätze gönnt, dafür aber mit dem penetrantesten, schreisüchtigen Ansager seit langem aufwartet, steht und fällt das Spiel mit seinen unterschiedlichen Disziplinen. Und genau das tut es auch - es steht und fällt. Insgesamt stehen 27 Sportarten zur Auswahl. Viele davon sind Traumabwandlungen ihrer realistischen Vorbilder, die ein wesentlich Mario/Sonic-typischeres Gameplay, mit Power-Ups, Riesensprüngen und Gegnern bieten. Was nach mehr Spaß klingt, macht auch mehr Spaß. Meiner Meinung hätten sich die Entwickler auf diese Art der Umsetzung konzentrieren und die "trockenen" Varianten als Option einbauen sollen. Leider entschied man sich für den umgekehrten Weg, weswegen ihr die Traumdisziplinen erst einmal freispielen müsst. Das macht ihr unter anderem im Sportfest-Modus, dem Kernstück des Spiels, in dem ihr, wahlweise auch mit bis zu drei weiteren Spielern, an mehreren Tagen in allen Disziplinen nach Olympischen Gold strebt. Vom Ski-Fahren, über Schlittschuhlauf, Eishockey und sogar Curling sind so ziemlich alle Facetten der körperlichen Ertüchtigung bei kühlen Temperaturen vertreten.
Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen

Die zwei Seiten der Medaille

Die Auswahl klingt allerdings weniger eindrucksvoll, wenn man bedenkt, dass einige davon sich recht ähnlich sind (Bobfahren - Rodeln, Snowboard - Ski), andere kaum über das erste Anspielen hinaus motivieren und fast alle wenig Tiefgang bieten. Abfahrtslauf und Slalom auf Skiern oder Snowboard sind ansprechend temporeich und intuitiv. Hierfür haltet ihr die Wiimote und optional auch das Nunchuk, wie Skistöcke und lenkt, indem ihr sie zur jeweiligen Seite neigt. Schwung holt ihr, indem ihr sie - was sonst - kräftig schüttelt. Alternativ könnt ihr auch das Balance Board anschließen, welches insgesamt 14 Disziplinen unterstützt und ordentlich funktioniert, aber leider meist kein Spielgefühl vermittelt, dass es nicht zum Beispiel schon beim Skifahren in Wii Fit (besser) gegeben hätte. Obendrein gibt es einen eigenen Menüpunkt für das Spielen mit dem Sportbrett, sodass ihr es etwa nicht im regulären Sportfest verwenden könnt. Ebenfalls unterhalten können das arcadige, wenngleich etwas chaotische Eishockey und vor allem das Curling. Das taktisch angehauchte Steineschubsen bietet die größte Langzeitmotivation und macht dem partyerprobten Wii Sports Bowling Konkurrenz. Ziemliche Rohrkrepierer sind hingegen der wackelintensive Eisschnelllauf und der recht stupide Eiskunstlauf, bei dem euer Charakter automatisch eine Bahn entlangschlittert und ihr an bestimmten Punkten vorgegebene Aktionen mit der Wiimote vollführen müsst. Beinahe allen Disziplinen zum Schaden gereicht das simple und uninspirierte Bedienungskonzept. Hier ein bisschen wackeln, da ein wenig neigen und noch ein paar mal schwingen. Das klappt alles meist recht gut, ist aber nichts, was wir nicht schon tausendfach gesehen hätten. In vielen Fällen verschenkt das Spiel auch gerade dadurch Potential, denn eine überlegte Mischung aus klassischer und bewegungssensitiver Steuerung hätte dem Spielgeschehen wesentlich mehr Substanz und Anspruch verleihen können, auch ohne Einsteiger zu überfordern, anstatt es so in der Masse an Minispielsammlungen untergehen zu lassen.
Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen

Die DS-Version: Dezent besser!

Auf einem tragbaren System, welches der Natur nach meist ausgepackt wird, wenn grad nicht viel Raum für stundenlange Spielsessions, aber dennoch genug Lust auf den kleinen Videospielsnack vorhanden ist, sollte sich das Prinzip simpler Mini-Games nicht ganz so unausgebacken anfühlen. Ironischerweise hat man gerade der DS-Version ein wesentlich gehaltvolleres Einzelspieler-Erlebnis in Form eines Adventure-Modus spendiert, ähnlich den Rollenspiel-Modi in Camelots grandiosen Mario Golf- und MarioTennis-Handheld-Umsetzungen. Der Story nach (Ach, na gut, sie hat den Namen nicht verdient, aber mir viel nichts anderes ein.) haben Bowser und Dr. Eggman alle Eisgeister-Scheißerchen entführt, ohne die es keinen Schnee gibt, um so die Winterspiele zu sabotieren. Zu ihrer Rettung lauft ihr mit Mario und Sonic durch winterliche Draufsichtlevel, redet mit anderen Charakteren und löst mit den individuellen Fähigkeiten der einzelnen Figuren aus den beiden Universen kleinere Quests. Zwischendurch müsst ihr dann in einzelnen Disziplinen Kopf an Kopf gegen euere ewigen Widersacher antreten. Das ist alles nett, leider krankt das Abenteuer etwas unter leicht verwirrendem Leveldesign, was langwieriges Herumgelatsche zur Folge hat und den größtenteils sehr simplen Aufgaben. Im Vergleich zur Wii-Fassung haben die eigentlichen Sportarten, welche ihr hier einzeln oder in Siebenerpaketen angehen könnt und sich in Stylus- und Button-gesteuerte Disziplinen einteilen, allerdings nicht an Tiefgang zugelegt, zumal es manchmal nicht so einfach ist das genaue Timing für den Touchpen-Einsatz - etwa beim Absprung von der Ski-Schanze - herauszufinden. Macht aber nichts, denn beiden Fassungen zu eigen ist der ziemlich niedrige Schwierigkeitsgrad, der den Dauerspaßfaktor nicht unbedingt in die Höhe treibt.
Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen


Nur Bronze!

Kommentare

j1mbo
  

also ich hab f?r gut 10 Leute Platz im Wohnzimmer, wenn man von Sitzpl?tzen ausgeht^^

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rorschach
  

@ der schwarze Ritter: Ich habe Platz f?r 4 Leute im Zimmer. Aber keinen Platz f?r eine Wii ...

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gelöscht
  

Zu mehreren ist es absolute Bombe und hat eine 10/10 verdient.
Aber wer hat schon f?r 4 Leute Controller und vor allem f?r 4 Leute Platz im Zimmer.
Test ist vollkommen in Ordnung.
Denn alleine.
Naja.
Gr?sse

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