Mass Effect: Andromeda im Test - Der Kampf um einen Neuanfang

Mit Mass Effect: Andromeda wagt BioWare einen riskanten Neubeginn. Im Test analysieren wir, warum Andromeda vielleicht nicht jedem Serienfan gefallen wird, aber dennoch ein außergewöhnliches Rollenspiel geworden ist.

Ein Neuanfang ist nicht einfach. Gerade dann nicht, wenn so große Fußstapfen zu füllen sind wie im Fall von Mass Effect: Andromeda. Der vierte Teil der Mass Effect-Reihe steht nicht nur vor der Herausforderung, die Serie ohne ihren etablieren Helden Commander Shepard weiterzuführen, sondern soll gleichzeitig auch das kontroverse Ende der Original-Trilogie vergessen lassen und vor allem den Beweis antreten, dass Bioware nach wie vor zu den besten Rollenspiel-Entwicklern dieses Planeten zählt.

Wie gut das gelingt, hängt entscheidend von den Erwartungen ab, mit denen ihr an Mass Effect: Andromeda herangeht. Das Action-Rollenspiel baut zwar auf dem gewohnten Serienfundament auf, macht allerdings vieles anders als seine Vorgänger - und ja, es gibt einige Parallelen zum unter Fans umstrittenen letzten Bioware-Titel Dragon Age: Inquisition. Im Test von Mass Effect: Andromeda zeigt sich aber: Nahezu jede seiner teils radikalen Änderungen gegenüber den Vorgängern hilft dem Rollenspiel letzten Endes, genau das zu erreichen, was es erreichen möchte: Dem Spieler das Gefühl vermitteln, in einer neuen Galaxie gestrandet zu sein, in der wir noch einmal komplett von vorn beginn müssen.

Spannender Aufbruch ins Ungewisse

Nach dem umstrittenen Ende von Mass Effect 3 hat Bioware mit Andromeda erfolgreich einen Weg gefunden, die seinerzeit finale Entscheidung zu umgehen und im vierten Teil gar nicht erst zu thematisieren. Zu verdanken ist dies der so genannten Andromeda Initiative, die während der Ereignisse von Mass Effect 2 ins Ungewisse aufbricht, um in einer fernen Galaxie eine neue Heimat für die Bewohner der Milchstraße zu finden. Im Nacken sitzt den Auswanderern nicht etwa die nie thematisierte Reaper-Bedrohung der Original-Trilogie, sondern der sehr menschliche Drang nach Erkundung und Abenteuer. Der Wunsch nach einem Neuanfang.

Neue Galaxie, neue Regeln - Ryder und ihre Begleiter versuchen Planeten bewohnbar zu machen

Neue Galaxie, neue Regeln - Ryder und ihre Begleiter versuchen Planeten bewohnbar zu machen

Allerdings verläuft nicht alles ganz nach Plan: Von vier Archen gefüllt mit Kolonisten verschiedener Rassen kommt nach 600 Jahren Cryoschlaf nur die "Hyperion" der Menschen am vereinbarten Ziel an und das mit einer Verspätung von 14 Monaten. Im Heleus-Cluster müssen sie feststellen, dass nicht nur alle potenziellen Heimatplaneten unbewohnbar sind und die bereits anwesende Raumstation "Nexus" kaum betriebsfähig ist, sondern auch, dass die aktuellen Bewohner des Clusters alles andere als begeistert von den Neuankömmlingen rund um Expeditionsleiter und Held(in) Ryder sind. Feindsinnige Aliens, unbewohnbare Planeten, ein Mangel an überlebenswichtigen Ressourcen, verschwundene Kolonisten und das Wissen, nie mehr zurückkehren zu können, drohen die Mission scheitern zu lassen.

Mass Effect: Andromeda schafft es bereits in den ersten Spielstunden exzellent, das Gefühl eines Neubeginns samt der Aufbruchstimmung, aber auch Ungewissheit einer abenteuerlichen Expedition zu vermitteln. Genau dieser Erfolg ist es aber, der auch für viele Diskussionen unter den Serienfans sorgen wird. Denn obwohl viele Andromeda-Elemente erzählerischen Sinn ergeben und im Spielkonzept sogar notwendig sind, hängen sie gleichzeitig wie ein Damoklesschwert an seidenem Faden über dem Gameplay. Ein Faden gewoben aus Erwartungen und Wünschen, die jeder Spieler an ein Mass Effect hat.

Fremd und trotzdem vertraut

So liegt es eigentlich nahe, dass Andromeda-Spieler mit dem Verlassen der Milchstraße alles Vertraute hinter sich lassen. All die Planeten, die sie dank ihrer vielen Stunden mit der ersten Trilogie wie ihre Westentasche kennen. Warum wirkt dann alles in Andromeda auf den ersten Blick so unglaublich bekannt? Vielleicht noch nicht die schwebende Steinlandschaft des Startgebiets Habitat 7, die versucht, die Neuankömmlinge mit Bodenblitzen zu grillen. Wohl aber der Wüstenplanet. Der Eisplanet. Der ... andere Wüstenplanet. Ohne Frage, die neuen Welten sehen umwerfend aus und kommen alle mit Elementen daher, die ihnen eine außerirdische Fremdartigkeit und Schönheit verleihen. Letztlich stellt sich aber dennoch ein Gefühl des Déjà-vus ein, wenn Ryder mit dem Nomad durch Hügellandschaften brettert, die immer wieder stark an Mass Effect 1 erinnern - nur eben in hübsch.

Der Heimatplanet der Angara wirkt magisch und fremdartig.

Der Heimatplanet der Angara wirkt magisch und fremdartig.

Der Grund, warum die Planeten so vertraut sind, ergibt sich aus der Story: Die Mission ist nun mal, nach Orten zu suchen, die bewohnbar gemacht werden können. Da ist es natürlich ein logischer Schritt, nur die Planeten zu erkunden, die ein ähnliches Ökosystem haben wie die der Heimatgalaxie und die vergleichsweise wenig tödlich sind. Das ändert aber nichts daran, dass sich nur wenige von ihnen wirklich so außerirdisch anfühlen wie der Heimatplanet der Angara, einer von drei neu eingeführten Alien-Arten. Seine lila Dschungel, sein melancholisches Zwielicht und die an die Unendliche Geschichte erinnernden, fliegenden Kreaturen lassen erstmals wirklich das Gefühl aufkommen, dass die Milchstraße in weiter Ferne liegt.

Trotz anfänglicher Vertrautheit fällt es schwer, sich nicht in die Landschaften von Mass Effect: Andromeda zu verlieben. Gerade die Reise durchs All, die in einer 3D-Umgebung via Galaxy-Map stattfindet, sorgt immer wieder für atemberaubende Bilder, die sogar das Scannen von Planeten erträglicher machen. Obwohl die Belohnung in Form von Crafting-Materialien teilweise lächerlich gering ausfällt, ist das prinzipiell simple Minispiel dank stimmiger Optik und Atmosphäre weniger eine Qual als noch in den Vorgängern. Ab und zu stolpert man so sogar unverhofft über eine richtige Nebenquest, und dann wird das Ganze gleich viel interessanter.

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