NIER

Es gibt Spiele die sind prädestiniert für eine hohe AreaGames Wertung. Nier ist so ein Kandidat. Hier wird schon im Vorspann mit Schimpfwörtern um sich gehauen das die Schwarte kracht und bereits nach wenigen Spielminuten bekommt ihr einen Nebencharakter in sexy Frauenunterwäsche zur Seite gestellt. Jede Menge Action und Abwechslung wird auch noch geboten. Für eine Topwertung hat es dann am Ende doch nicht gereicht. Woran das lag, lest ihr in unserem Test.


Was bist du für ein hässlicher Vogel?

Ich weiß noch wie die ersten Screenshots zu Nier im Netz auftauchten. "Mein Gott schaut das hässlich aus" waren meine ersten Gedanken. Nun ist es raus, und es schaut immer noch unglaublich beschissen aus. Würdel man es nett ausdrücken wollen könnte man sagen, das es für ein Wii Spiel doch eigentlich ganz ordentlich ausschaut. Leider handelt es sich bei Nier um ein Playstation3 bzw. Xbox 360 Spiel ... Vor allen Dingen das Charaktermodell des Hauptdarstellers hält sein kantiges, fransiges, hässliches Gesicht viel zu oft in die Kamera und tut er das mal nicht, penetriert er eure Augen mit seinen abgehackten Animationen. Die Umgebungsgrafik ist eintönig breiig, oft verwaschen und detailreich wie Leberwurst auf Toastbrot. Und alles ist grau. Oder braun. Wenn ihr Glück habt, erblickt ihr mal was Schwarzes. Manchmal seht ihr auch einfach gar nichts. Zum einem weil die Entwickler es wohl besonders toll fanden, die meisten Szenerien zu überblenden, und ihr viel zu oft das Gefühl habt, direkt in die Sonne zu schauen. Zum anderen weil die Kamera euch gerne einen Streich spielt. Nier ist ein Action-Rollenspiel, in dem ihr eure Gegner mit einem riesigen Schwert niedermetzelt. Leider gibt es keine Zielerfassung, so dass euch die Widersacher immer wieder entwischen und kurzzeitig komplett aus dem Bild verschwinden. Und während ihr verzweifelt die Position eurer frei beweglichen Kamera neu justiert, bekommt ihr von hinten den Arsch versohlt. Und obwohl ich hier bei den technischen Mängel noch Seitenweise Fehler auflisten könnte, hatte ich mit Nier eine Menge Spaß.
NIER

Nier ist alles und nichts

Denn Nier ist ein faszinierendes Spiel. Es überrascht den Spieler mit immer wieder neuen Spielsituationen, einer unterhaltenden Geschichte, tollen (und ich meine wirklich tollen) Bosskämpfen, einer herrlichen Soundkulisse, erstklassigen englischen Synchronsprechern und jede Menge schwarzem Humor. Das Kernelement, das Rollenspiel, ist dabei auf dem ersten Blick dröge und eines unter vielen. Ihr schlachtet euch durch diverse Dungeons, besucht Städte, löst mehr oder weniger langweilige Nebenquest, levelt nach und nach euren Charakter auf, kauft neue Waffen und Rüstungen und macht all das, was man in einem Rollenspiel halt so macht. Nur eben anders. Witziger! Spritziger! Einfach kurzweiliger. Da wechselt ihr beispielsweise immer mal wieder die Perspektive. Und schwups wird aus dem Abenteuer aus der 3rd Person Perspektive ein 2D-Schnetzler a la Castlevania. Mit dazugehöriger Minimap. Oder aber ihr erkundet einen Dungeon aus der Vogelperspektive und fühlt euch auf einmal wie in Diablo. Sehr nett ist auch das erkunden eines alten Herrenhauses mit festen Kameraperspektiven. Wie in Resident Evil. Sogar mit den serienbekannten Steuerungsproblemen beim Kamerawechsel. Auch die ausgetretenen Genrepfade werden gerne mal verlassen. Da fühlt ihr euch bei Bosskämpfen eher wie in einem 2D Shooter und weicht geschickt den Projektilen aus. Oder aber der komplette Bildschirm wird schwarz und ihr folgt einem Textadventure. Und das nicht nur wenige Sekunden sondern minutenlang. Man muss dem Entwicklerstudio wirklich ein Kompliment machen, das Nier so ein spaßiges, abwechslungsreiches Rollenspiel geworden ist, denn nur selten ist es einem Team gelungen all diese kleinen Genremischungen so gut umzusetzen. Alle machen Spaß, es gibt keine Aussetzer. Und alle fühlen sich einfach gut und richtig an.
NIER

Weiss, you dumbass!

Richtig gut ist auch die Geschichte in Nier. Der Hauptcharakter, der komischerweise nicht Nier heißt, sondern dem ihr einen eigenen Namen geben könnt, ist auf der Suche nach einem Heilmittel für seine Tochter, die an einer seltenen Krankheit leidet. In einem Tempel begegnet er dem sprechenden Buch Grimoire Weiss, einem der unterhaltsamsten Charaktere die ein Videospiel je gesehen hat. Mit einem herrlichen britischen Akzent unterlegt, gibt es euch gelegentlich Tipps und Hinweise, meistens lauscht ihr aber abfälligen Bemerkungen zu jedermann. Er macht sich lustig über die Menschen denen ihr begegnet, rauft sich verbal mit eurer weiblichen Begleitung Kaine und muss zu jeder Situation einen trockenen Spruch loslassen. Im Grunde seines nicht vorhandenen Herzens ist er aber ein gutherziges Buch, das sich schon bald mit dem Mann der nicht Nier heißt verbunden fühlt. Der Story lebt zudem vor allen Dingen von seinen immer mal wieder eingestreuten Zeitsprüngen und den herrlich bekloppten Erzählungen diverser Dorfbewohner. Da wird sich über Rollenspiele im Allgemeinen lustig gemacht, da bekommt euer Hauptcharakter mal eine Geschichte über Blähungen erzählt, die er eigentlich gar nicht hören will. Jeder lästert gegen jeden, man fühlt sich teilweise wie umzingelt von einem Rudel tratschender Hausfrauen. Neben der schon erwähnten, tollen englischen Synchronisation (mit weniger guten deutschen Untertiteln) erfreuen sich eure Ohren vor allen Dingen am wahnsinnig guten, meist orchestralen Soundtrack, der die jeweilige Stimmung des Spiels perfekt einfasst. Mal laut, mal leise, mal treibend, mal beruhigend schmeichelt das Arrangement euren Gehörgang.
NIER

Vorsicht! Rote Kugel im Anflug

Grimoire Weiss ist aber nicht nur ein unterhaltsamer, sondern auch ein nützlicher Begleiter. Denn dank ihm, könnt ihr im Kampf nicht nur auf eure Schwertkünste zurückgreifen, sondern verfügt auch über mächtige Zauberangriffe, die ihr nach und nach freischaltet. Ihr ballert euren Feinden Kugeln um die Ohren, spießt sie mit aus dem Boden wachsenden Dornen auf oder haut sie mit einer riesigen Faust aus den Latschen. Alle Zauber lassen sich durch Halten des Knopfes aufladen, verbrauchen so allerdings auch mehr magische Energie, die sich nach einem Angriff aber wieder auflädt. Neben Schwertern könnt ihr nach einigen Spielstunden auch auf Zweihand- und Spießwaffen zurückgreifen, die natürlich deutlich mehr Schaden verursachen, dafür allerdings aber nur schwer zu händeln sind. Alle Waffen, Rüstungen, Zauber und defensive Fertigkeiten wie ausweichen oder blocken lassen sich durch Runenwörter aufleveln. Die einen verbessern die Angriffskraft um wenige Prozentpunkte, andere verbessern eure Durchschlagskraft oder verringern den Magieverbrauch von Zaubersprüchen.. Nicht immer ist das neugefundene Schwert allerdings auch wirklich besser, als das mit dem ihr euch schon mehrere Stunden durch Gegnerhorden geschnetzelt habt. Ein Blick auf die Statuswerte ist also immer wichtig. Die könnt ihr bei einem Schmied im übrigen deutlich ausbauen, wenn ihr denn gerade die passenden Materialien zur Hand habt. Diese sammelt ihr entweder in der Oberwelt oder werden von Feinden fallengelassen wenn ihr sie besiegt habt. Den Großteil der Gegner könnt ihr getrost als Kanonenfutter bezeichnen. Wer nicht vergisst zu blocken oder gelegentlich mal eine Ausweichrolle auszuführt hat mit den meisten Schattenbiestern keine Probleme.
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Killerkaninchenbesieger

Die Endgegner stellen da meist ganz andere Kaliber dar. Imposant in Szene gesetzt lassen sie euch mit abwechslungsreichen Angriffsmustern und gewitzten Verteidigungszügen gehörig ins Schwitzen kommen. Habt ihr euch die passenden Taktik zurechtgelegt und dem Obermotz ein wenig Energie abgezogen, wechselt er auch gerne mal die Form oder den Standort. Neue, härtere Attacken sollen euch dann das Leben schwer machen. Und als wenn das nicht schon nervenaufreibend genug wäre, können sich die meisten Endgegner auch noch selbst heilen. Schafft ihr es dann nicht innerhalb eines doch recht knappen Zeitlimits, seine Verteidigung zu durchbrechen erholt sich seine Energieleiste und ihr könnt noch mal von vorne beginnen. Das klingt allerdings unfairer als es in der Praxis ist, die meisten Endgegner lassen sich mit ein wenig Geduld und der passenden Kampfesweise dann doch in die Knie zwingen. Wem das zu schwer ist, weicht auf einen niedrigeren Schwierigkeitsgrad aus, auf Leicht sind auch die Endgegner kein wirkliches Problem mehr. Aber dann immer noch verdammt unterhaltsam und toll in Szene gesetzt. Mir sind schon seit Jahren nicht mehr so imposante, spaßige und listige Bosskämpfe untergekommen. Witzig sind auch viele der kleinen Minispiele die ihr in Nier entdecken könnt. Da wäre zum Beispiel das Angeln, das eure volle Aufmerksamkeit verlangt. Nur wer die Rute reaktionsschnell exakt genau gegengleich zum Fisch steuert, schafft es eventuell einen an Land zu ziehen. Wichtig sind dabei neben guten Reflexen vor allen Dingen der richtige Köder und der passenden Angelplatz. Die richtigen Tipps bekommt ihr von den ansässigen Dorfbewohnern. Botaniker unter euch legen da vermutlich lieber den eigenen Gemüsegarten an. Ihr kauft in der Stadt den passenden Samen und Dünger, und erfreut euch an vielen gesunden, appetitlichen Gemüsesorten die ihr dann auf dem Markt verkaufen könnt, oder aber für ein paar Nebenaufgaben benötigt.
NIER

Einmal den Passierschein A 38 bitte!

Davon gibt es nicht gerade wenige im Spiel, die meisten laufen allerdings gleich ab. Fast immer müsst ihr für irgendwen einen Botengang machen, ein paar Items besorgen oder aber ein paar Monster töten. Das langweilt ziemlich schnell und kann auch schon mal nerven, wenn ihr für eine geringe Belohnung von einem Dorf zum nächsten gerannt seit. Im allgemeinen sind die Laufwege nicht ohne, man hat immer wieder das Gefühl die Entwickler wollten das Spiel künstlich strecken, wenn ihr von A nach B rennt, dann wieder zurück nach A um dann wieder nach B geschickt zu werden, um dann am Ende doch den offensichtlicheren Weg nach C zu gehen. Das wirkt einfach antiquiert, modernes Spieldesign schaut anders aus. Aber Nier will vermutlich gar nicht modern wirken, sondern den Spieler auch hier fordern und ihn überraschen.
NIER

Außergewöhnlich

Kommentare

ps3hero
  

das game ist voll der hammer.

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peppo70
  

Also nach mittlerweile 6-7 Stunden Gameplay muss ich sagen ... NIER ist klasse. Ich spiel, und spiel und spiel ... macht trotz nicht so toller Grafik richtig Spa?. Daf?r l?uft es saufl?ssig. Und Woirmboy, ich denke nicht, dass es sonderlich komplex ist, solltest dir mal anschauen.

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Woirmboy
  

Danke, der Test war f?r mich echt wichtig. ?berlege schon seit ewigkeit ob ich mir das Spiel holen soll. Hab fr?her jedes Rollenspiel was ich f?r mein SNES bekommen konnte gezockt und geliebt. Leider haben mich die neueren wie FF oder Oblivion und wie sie alle hei?en nicht angemacht. Die waren mir zu kompliziert. Wie sieht?s denn hier mit NIER aus? Kann mir das einer sagen? Hab geh?rt es soll einfacher sein.

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PipBoy95
  

Wenn man in ein paar Jahren seine alten Games nochmal rausholt spielt die Grafik eh keine Rolle mehr und dann gibt es auuch fast keine Pros von FF13 gegen?ber Nier

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Picknicker
  

@ jace :

brauchst den test doch nicht mehr. hast das game zu hause ( wie sehr viele) und uns gef?llt es doch saum??ig. daher w?re der test nicht sooo wichtig !

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agaso
  

Werde es mir auch holen, aber nicht zum Vollpreis. Ich habe im generellen wenig Probleme mit der Grafik, hatte immerhin mal eine WII :)

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IM Carlos
  

@peppo70: zavvi ist bei mir mittlerwiel auch Standard. Zumindes Montag, bzw. besser noch Sonntag-Abend. ;-)

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peppo70
  

Hmm, ich wollte es mir ja auch nicht kaufen, aber nachdem es bei zavvi f?r schlappe 22 Euro im Angebot war, hat mein Sammlertrieb mich dann doch wieder ?berw?ltigt^^

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xXDonReneXx
  

So, ich bin so gespannt auf das Spiel und jetz erst recht. Liegt schon Wochen bei mir rum aber ich komm einfach nicht dazu...
Nach RDR wirds dann aber endlich mal den Weg in die Box finden!

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Hans von Hobel
  

ich warte ehrlich gesagt auf ein neues elder scrolls!

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