Oben

Seit dem 17. September ist „Oben“, der neue Film aus dem Hause Disney/Pixar, in den hiesigen Kinos gestartet und verzaubert Jung und Alt gleichermaßen. Das liegt neben den gelungenen Gags vor allem daran, dass hinter den bunten Luftballons, sprechenden Hunden sowie fliegenden Häusern auch Schicksalsschläge und Lebensträume stecken. Während der Spagat zwischen Tiefgründigkeit und Unterhaltung auf der Leinwand gelingt, bleibt das dazugehörige Spiel stets eine seichte Anlehnung mit spielerischen Problemen. Doch landet „Oben“ wirklich ganz unten in der Lizenschrottabteilung?


Fliegende Häuser, erzählerische Abstürze

Ein alter Mann und ein kleiner, rundlicher Pfadfinder stehen auf der Veranda eines fliegenden Hauses. Einige Flugzeuge umkreisen das Gebäude und feuern hier und da ein paar MG-Salven ab. Die Kamera schwenkt zur Seite, und schon kontrollieren wir einen Hund, der dank seines leuchtenden Halsbandes sprechen kann. Er sitzt ebenfalls in einem Kampfflieger. Unser Ziel ist es, vier feindlich gesonnene Maschinen vom Himmel zu holen. Haben wir das geschafft, startet ein kurzer Schwarz-Weiß-Film, der uns innerhalb weniger Sekunden verrät, wie brenzlig diese Situation nun eigentlich war. Okay, Stopp! Ohne Vorwissen an das offizielle Videospiel zum neuen Disney/Pixar-Film Oben heranzugehen, sorgt für reichlich Verwirrung. Welche Geschichten verbergen sich hinter den einzelnen Charakteren? Warum fliegt das Haus mithilfe von Luftballons durch die Gegend? Wer sind die fliegenden Feinde? Und wo zum Teufel findet die Handlung überhaupt statt? Das alles wird gegen Anfang in keinem einzigen Wort auch nur angedeutet, selbst im späteren Verlauf der Story treten immer wieder erzählerische Lücken auf und lassen uns so über die Geschehnisse im Dunkeln. Man gewinnt fast den Eindruck, als hätten die Entwickler von THQ selbst nur den herkömmlichen Zwei-Minuten-Trailer zum Film gesehen und eine kurze Inhaltsangabe im Internet gelesen. Daher bleiben die beiden Hauptfiguren, bestehend aus dem senilen Witwer Carl Fredricksen und einem tollpatschigen, aber liebenswürdigen Pfadfinder namens Russell, zu jeder Zeit blasse Abziehbilder ihrer Zelluloidpendants. Statt euch nun aber die gesamte Geschichte aufzutischen, empfehlen wir einfach den Gang ins Kino, denn der just gestartete Film bietet wieder einmal die gewohnte Pixar-Qualität. Kehren wir also zurück zum Videospiel. Nachdem ihr euch durch die erste Mission geschossen habt, beginnt die eigentliche Gameplay-Mechanik zu greifen: ein Mix aus Jump'n Run, seichten Rätseleinlagen und anspruchsloser Klopperei. Standardkost also? So sieht's aus...
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Mit zwei Spielern und drei Figuren durch Südamerika

Die einzige nennenswerte Besonderheit besteht darin, dass sich fortwährend mindestens zwei Charaktere gleichzeitig auf dem Bildschirm tummeln. Deshalb werden auch die Fähigkeiten und Aufgaben fair untereinander aufgeteilt: Während Russel sich an engen Felsvorsprüngen entlang hangelt und Seile mit seinem Pfadfindermesser durchschneidet, nutzt der Greis vor allem seinen Krückstock, um schwere Steine umzuwerfen oder an Klippen emporzuklettern. Zwischendurch ist auch Teamwork gefragt, etwa dann, wenn sich der dickbäuchige Junge auf ein Katapult stellt, um anschließend durch Carl in die Luft geschleudert zu werden, nur damit er mitten über einem klaffenden Abgrund hängen und als menschliche Liane missbraucht werden kann. Auch bei diversen anderen Aktionen, zum Beispiel dem Bewegen einer riesigen Steinkugel, müssen beide Akteure gleichzeitig anpacken. Stets verdeutlichen Portraits, wer gerade anpacken muss, zu Beginn des Spiels werden die jeweiligen Moves gar durch Dschungelbewohner im Hintergrund vorgeführt. Im späteren Spielverlauf schlendern zeitweise auch drei Spielfiguren zur selben Zeit durch den südamerikanischen Urwald, der Hund Dug zwängt sich dabei vorrangig durch enge Luftschächte, um Türen zu öffnen oder sucht nach versteckten Knochen, die überall vergraben sind. Besonderes Schmankerl von Oben ist der Kooperativmodus, in dem ein zweiter Teilnehmer jederzeit ins Spiel ein- und aussteigen kann. Findet man also einen menschlichen Mitstreiter, entfällt das stetige hin- und herwechseln zwischen den Charakteren (in den Flugmissionen wird ein zweites Fadenkreuz eingeblendet), und die drei vorhandenen Boss-Gegner sind koordiniert deutlich leichter zu bezwingen. Wobei Oben keinesfalls ein schweres Spiel darstellt oder gar für Kinder - die Hauptzielgruppe des Titels - untauglich wäre. Nur ganz selten müssen bestimmte Stellen wiederholt werden und in 99% der Fälle nur deswegen, weil die Steuerung in einigen Sprung- und Geschicklichkeitspassagen etwas ungenau, im Falle der Flugpassagen auch viel zu direkt reagiert.
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Ein präsentationstechnischer Tiefflug

Leider haben sich einige technische Macken eingeschlichen, die die ansonsten ordentliche, an den Film angelehnte Optik in die untere Mittelmäßigkeit reißen. In diesem Fall sprechen wir nicht nur von einigen unscharfen Texturen an allen Ecken und Kanten, sondern echten Bugs. Vor allem die nicht justierbare Kamera bereitet immer wieder arge Probleme, sei es bei dem Versuch, ein Stück in den streng linearen, schlauchförmigen Levels zurückzugehen, oder der gänzlichen Blockade, nachdem wir mit beiden Figuren eine hintere Ecke erforscht haben. Dann tut sich plötzlich eine Art unsichtbare Wand auf (im Übrigen auch an unvorteilhaften Stellen wie Wasserfällen) und wir können nicht einmal auf den Weg zurückkehren. Was bleibt, ist der Neustart des Levels, der unverschämterweise nicht über das Pausenmenü aufgerufen werden kann. Stattdessen müssen wir ganz in das Hauptmenü zurück, um ihn von hier aus manuell auszuwählen. Während des ca. vier bis fünfstündigen Durchspielens kam ein solches Szenario zwar nur zweinmal vor, nervig ist das aber allemal. Apropos nervig: spielt man mit der KI zusammen, so kann es schon einmal vorkommen, dass sie sturr auf der Stelle stehen bleibt und man selbst nicht mehr weitergehen kann, da die Perspektive jederzeit auf beide Charaktere gerichtet sein muss. Anstrengend und wutfördernd zugleich sind die sich ständig wiederholenden Kommentare der Spielfiguren. Falls ihr irgendwann Oben in euer Laufwerk schiebt und mit Russel auf Insektenjagd geht, achtet einmal darauf, wie oft folgender "Monolog" auftritt: "Erwischt! Eeeeeeeeeerrrwischt! Noch einer für meine Sammlung! Erwischt! Eeeerwischt! Erwischt!" - und das ist die deutlich verkürzte Version...
Zwar haben es Terminknappheit oder Lizenzprobleme zwar verhindert, dass Filmszenen und Originalstimmen während des Spiels verwendet werden, dafür dürfen allerlei Konzeptgrafiken sowie weitere Extras, etwa Flugzeuge für den schwachen kompetitiven Mehrspielermodus, gesammelt werden. Das geschiet durch das Einsammeln von diversen Insektenarten, Münzen, etwas schwieriger verstecken Museumsstücken sowie dem generellen Vorankommen im Story-Verlauf. Achievement- bzw. Trophäenhuren freuen sich nur halb auf Oben. Zwar springen ordentlich viele Erfolge, alleine durch das reguläre Durchspielen, ab, doch bezwingt man das Abenteuer kooperativ, erhält nur der erste Spieler die kleinen Belohnungen. Fies!
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Kommentare

CallMeTürke
  

Zum Gl?ck nicht dieses THQ sry aber nach meiner Pers?nlichen meinung kann ich mit den ihren Games nix anfangen. Freue mich das es dan auch wieder Gute Spiele zu 3D Animations Filmen gibt,bzw. einfach gute Spiele die dan mehr f?r Kinder sind. Die Eltern geben einen Haufen Geld aus dan k?nnen die auch erwarten das die Spiele Gut sind wie gesagt vorallem f?r Kinder die sollen da auch Spass Dran haben. Schlie?lich sind sie die K?ufer von Morgen

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CeeKay
  

Oh und Pure nat?rlich... aber mehr war da auch nicht glaube ich. Wobei mit Pure der wiedereinstieg in das Gamegesch?fft gelungen ist.

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CeeKay
  

Hmm noch ein Titel aus der Hand von THQ... kann ja dann nur der n?chste Disney Film sein. Schade.

Ich versteh nicht wie man sich ?ber so einen langen Zeitraum an nen Puplisher binden kann. Soviel Geld kann THQ doch garnicht bezahlen. Vorallem w?rde ich mich absichern das wenn meine Lizenz ausgebeutet wird und die Games einfach schei?e sind, die verkaufte Lizenz zur?ckwandert UND ich sogar die Aussicht auf Schadensersatz habe aufgrund Imagesch?digung.

Hoffen wir das die n?chsten Games etwas werden. Was hat Disney Interativ eigentlich schon TOLLES auf die Beine gestellt? Da muss ich mir nochmal ein eigenes review geben. Ich glaube Kingdom Hearts war eines der besseren Games.

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Cyberia
  

Wenn Disney die Spiele selber macht bin ich echt gespannt was da raus kommt. Ich muss ja zugeben ich bin Fan von solchen Disney Filmen und auch solchen kindlichen Spielen und bin auch immer entt?uscht wenn dann sowas mega schlechtes bei raus kommt.
Wenn die Disney Spiele ?hnlich gut wie die Filme werden, dann machen die bald nur noch Spiele. xD

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Daniel Pook
  

@CeeKay
Disney will die Spiele k?nftig ja selber machen, der Vertrag mit THQ l?uft monentan dem Ende entgegen. Meines Wissens nach gibt es noch eine Vereinbarung f?r ein weiteres Game, dessen Titel noch nicht bekannt ist. Vor ein paar Tagen war ja schon ?berall zu lesen, dass die Lizenzen f?r Videospiele so gut wie wieder bei Disney sind.

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CeeKay
  

Warum l?st Disney dann immernoch THQ die Games machen wenn es doch auf der Hand liegt? Haben die einen Vertrag f?r alle bis ende 2009 erscheinenden Filme vereinbart?

Ich finde es richtig schade das diese Lizenz zum Gelddrucken so ausgenutzt wird. Da kann man Kids schon etwas vern?nftiges an Software bieten. Die LEGO Games geizen auch mit neuen Features oder pr?chtiger Grafik. Aber sie sind spielerisch vollkommen solide, was ja selbst hier angesicht der kurzen spielzeit nicht der Fall zu sein scheint.

Letzten endes sind es die Eltern die sich ?ber solche Fehlk?ufe aufregen (ich w?rde es zumindest machen wenn ich mitbekommend das mein Kind ein total verbugtes Game spielt). F?r die Kinder z?hlt (zum Gl?ck) nur die Freude bzw. der Moment an sich seine Helden steuer zu k?nnen.

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Germaniax
  

Sowas von gekauft^^

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Staggattack
  

gekauft! :D

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